16.08.2016 - 20.08.2016, Summer Breeze, Sinnbronn

Summer Breeze Festival 2016 - Dinkelsbühl

Veröffentlicht am 09.09.2016

Was soll man da groß sagen: Dreck, Lärm, Hitze, Fast Food und viel Alkohol. Die fünf wichtigsten Zutaten für ein gelungenes Festival. Klar haben da einige ein anderes Ideal für einen angenehmen Aufenthalt, aber ich halte mich da glaub ich eher so an das Old-School Reglement. Abgesehen vom strengen Duft war das Campinggelände sehr ordentlich arrangiert, die Ein- und Ausfahrt per Auto ging sehr zügig von der Hand und die Kontrollen waren flott, aber gründlich. Nach den üblichen Aufbauarbeiten und den ersten 14 Bier war’s Zeit für ein Mittagessen, denn am Nachmittag spielte schon die erste Band: BURY TOMORROW.
Ich hätte aber besser weitere 14 Dosen Hopfensaft genossen. Egal wo ich mich in dieser Tent-Stage hingestellt habe – der Sound war immer grauenhaft. Ihr spielt mit zwei Gitarren? Schade – man hört nur eine halbe. Bass muss auf Anschlag gedreht werden, ist doch klar! Aber Gesang? Dreht besser die Overhead-Mikrophone beim Schlagzeug lauter, wer will nicht 40 Minuten lang Beckengeschnall hören? Ich kann bezüglich BURY TOMORROW nicht mal wirklich eine Kritik abgeben, da ich vom Sound her nicht bestimmen konnte, ob sie nun gut oder schlecht gespielt haben. Wenigstens war die Stimmung im Zelt top und ein Cocktailstand mittendrin machte das Ganze auch erträglicher. Da sich für meinen Geschmack nachher eher wenig interessante Bands zum Besten gaben, verschwand ich alsdann wieder in mein Lager und bereitete mich auf den nächsten Tag vor.

Tag Zwei (der erste Tag, an dem auch die Main-Stages eröffnet waren) konnte vom Line-Up schon mehr überzeugen. Angefangen hat es jedoch erst mal mit einer sehr enttäuschenden Show von EMMURE. Einen sichtlich desinteressierten Sänger, der einfach seine Stimme verlor und keinen Druck brachte, riss auch definitiv seine neue Mannschaft nicht raus, die er sich anschaffen hatte müssen, nachdem er seine Erstbesatzung vergrault hatte – aber nichts was man nicht erwartet hätte.
DEEZ NUTS konnten dafür im Anschluss wieder einiges wettmachen und "eröffneten" so für uns die Hauptbühnen. Laut und klar, so muss das klingen. Egal von welcher Position aus man sich hier seine Bands angeschaut hat, ob vom "Front Of House" oder vom ersten Wavebreaker aus, von ganz links außen beim Weißbierstand oder rechts hinten beim Donuts naschen, das Klangerlebnis war immer optimal, auch bei starkem Wind oder Regen. Patriotisch wie ich ja bin, konnte ich mir die Show von unseren Landsleuten INSANITY ALERT auch nicht entgehen lassen. Die Tiroler Chaostruppe rund um Frontmann "Heavy Kevy" konnte sich auch im nördlichen Bayern von der besten Seite zeigen und bewies, dass Bergluft fit und gesund hält (und eventuell auch ein bisschen verrückt macht, aber Name soll halt schließlich Programm bleiben). Schlussendlich hat STICK TO YOUR GUNS für uns den Abend beendet, aber auch hier trübte die Klangqualität in der Tent-Stage die Stimmung immens. Die Kalifornier konnten jedoch wie immer die Massen in Wallung bringen und mitten im Moshpit sieht man auch mal über etwas matschigen Sound hinweg, oder?
Zum krönenden Abschluss des Tages gab es etwas ganz Besonderes: FEAR FACTORY. Das groovigste Schlagzeug der Welt kann man sich nicht entgehen lassen, auch nicht bei dem Sturm, der kurz vor Beginn der Show über uns herzog. Bei gefühlten -20° Celsius, 180km/h Windstärke und Niederschlägen wie bei einem Hurricane brachten die alteingesessen Herren aus Amerika die Menge zum Kochen. FEAR FACTORY haben’s einfach drauf, da kann man sagen was man will, und wenn man das nicht sagen will, hat man einfach Songs wie "Archetype", "Mechanize" oder "Digimortal" noch nicht gehört.

Am dritten Tag merkt man bekanntlich schön langsam, dass Festivals mit 16 Lenzen leichter erträglich sind als in fortgeschrittenerem Alter. Die netten Damen, die hier den Kaffee am Campingplatz servierten, haben bestimmt einige Leben gerettet, mitunter auch meines (Danke Michelle). Die Pläne des Tages waren relativ simpel: Bis zu TERROR überleben und Pulled-Pork Burger essen. Schritt Zwei wurde gleich mit Frühstuck kombiniert, so rutscht das Bier auch leichter runter. Was mir aber das Essen fast wieder hochgeholt hat war FEUERSCHWANZ. Ich will hier niemandem zu Nahe treten, aber Zirkus Romano mit IN EXTREMO-Hintergrundmusik kann man doch wohl nicht als Band bezeichnen! Und diese ständigen auf Sex bezogenen Wortspiele waren so schlecht, da hat sogar Brockhaus-Lesen mehr Witz und Charme. Wäre mein Lieblingsessen nicht an einem Stand neben der Bühne gewesen, hätte ich mir dieses Trauerspiel definitiv nicht angeschaut bzw. wäre ich nach den ersten zwei Minuten davongerannt.
Dafür waren SOILWORK ein paar Stunden später wieder richtig gut und konnten die schlechte Laune wieder richten. Auch ARCH ENEMY im Anschluss hat mich zugegebenermaßen sehr positiv überrascht, da ich von der neuen Sängerin Alissa White-Gluz bei früheren Konzerten etwas enttäuscht gewesen war (nur akustisch gesehen natürlich, optisch ist die gute Frau sehr beeindruckend).
Und nun muss ich etwas schreiben, dass mir in der Stormbringer-Redaktion wohl ein paar fiese Blicke bescheren wird, aber was soll man machen... SLAYER waren schlecht. Nicht schlecht gespielt, nur sehr langweilig, und der nette Herr Araya hat einen sehr müden Eindruck gemacht. Schade eigentlich, da ich bei meinen vorherigen SLAYER-Shows immer viel Spaß gehabt hatte. Bei TERROR im Anschluss gab es das gleiche Problem wie immer – Tent-Stage. Ich kann einfach keine Show genießen, wenn der Sound nicht passt. Aber immerhin hatte das restliche Publikum sichtlich viel Spaß, ist wohl auch nicht jeder so pingelig wie ich.

Am letzten Tag fällt es schon schwer aus dem Zelt zu kommen. Der Körper schmerzt, der Stoffwechsel lässt immer mehr nach und Kopfschmerzen quälen dich durch den Tag. Gut für mich, dass nur drei Bands auf meinem Plan standen. Angefangen haben UNEARTH am frühen Nachmittag, aber dafür richtig laut und hart. Ich konnte einfach nicht widerstehen und musste dann doch in die vorderen Reihen, obwohl ich sichtlich angeschlagen war. Aber nach ein paar Reparaturbier konnte ich die Show wieder in vollen Zügen genießen. Kurz darauf gaben PAIN bekannt, dass sie ihr neues Album leider nicht präsentieren könnten. Kann sein, dass ich das falsch verstanden habe, aber ich glaube deren Keyboarder war kurzfristig erkrankt. Sehr schade, da ich PAIN gern mag, aber auch ihre alten Songs waren klasse, "Shut your mouth" und "It’s only them" sind einfach zeitlose Klassiker. Und auch mein Abschluss für das Summer Breeze 2016, PARKWAY DRIVE, ging noch einmal in die Vollen. Und das richtig. Feuerwerk links und rechts, brennende Stage, tobendes Publikum, und jede Menge richtig gute Songs. Klassiker ihres Debuts "Killing with a Smile" oder ganz neue Songs wie "Vice Grip" vermochten nicht nur mich, sondern mehrere Tausend andere auch bei heftigem Regen zu unterhalten und zu fesseln.


Für mich war das Summer Breeze 2016 ein sehr gelungenes und interessantes Festival und ich lege es jedem ans Herz sich selbst einmal dort einzufinden. Für mich steht jetzt schon fest, dass ich wieder hinfahre – hoffentlich kann dann auch die Tent-Stage überzeugen.


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