11.9.2016, Viper Room, Wien

WARREL DANE - "Dead Heart, In A Dead World" Tour

Text: Luka
Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Vorfreude war riesig, als bekannt wurde, dass WARREL DANE zum 15-jährigen Jubiläum des NEVERMORE-Meisterwerks "Dead Heart, In A Dead World" das ganze Album auf Tour spielen würde. Das Konzert hat dann leider nicht das gehalten, was es versprochen hat...

Aber der Reihe nach: WARREL DANE war in seiner mittlerweile recht langen Karriere an einigen Meisterwerken beteiligt, seien es die frühen SANCTUARY-Werke, die NEVERMORE-Großtaten oder das starke Soloalbum "Praises To The War Machine". Man kann natürlich darüber streiten, welche Band bzw. welches Album der Höhepunkt war; "Dead Heart, In A Dead World" sollte aber auf jeden Fall in jeder Rangliste weit oben stehen. Das Album bietet die ganze Bandbreite: Die Brachialität von "Narcosynthesis" oder "Engines Of Hate", die großen Emotionen von "The Heart Collector" oder "Insignificant", das geniale "Sound Of Silence"-Cover, die düsteren Höhepunkte "Evolution 169" oder "Believe In Nothing". Zwar ist das Album mittlerweile schon 16 statt 15 Jahre alt, aber nachdem WARREL DANE letztes Jahr angefangen hat das Album in Südamerika auf Tour zu nehmen, lassen wir das mal durchgehen.

Jedenfalls ging es mit großen Hoffnungen ins Viper Room, wo der Meister himself das ganze Album und ein paar ausgewählte zusätzliche Schmankerln spielen wollte. WARREL DANE hat sich für die Tour ein paar junge, unbekannte Brasilianer als Begleitband engagiert – ob das, wie böse Zungen behaupten, wegen der geringeren Gagen ist, sei mal dahingestellt. Jedenfalls waren die Jungs bis auf den Nachteil, eben nicht Jeff Loomis und Konsorten zu sein, musikalisch in Ordnung und engagiert bei der Sache – da verzeiht man, dass das eine oder andere Solo halt nicht in gewohnter Loomis-Präzision gekommen ist.

Im Gegensatz zur Band aber war WARREL DANE meilenweit von Höchstform (und auch Normalform) entfernt; was der gute Mann da als "Gesang" bot war an der Grenze zum Erträglichen. Nachdem schon der Opener "Narcosynthesis" von Aussetzern, herabfallenden Toupets und heiserem Gekrächze geprägt war, musste DANE öffentlich bekanntgeben, dass er nicht unter Drogen stehe – "I'm not on drugs, I'm just old and tired". Prinzipiell schon ein schlechtes Zeichen, wenn so etwas nochmal betont werden muss. Und das Alter kann auch keine Ausrede sein – DANE ist zwar schon 55 Jahre alt, aber sogar der alte Sack Keith Richards sieht jünger aus als der WARREL DANE, der sich in Wien über die Bühne schleppte.

In der Tonart ging es dann weiter, die hohen Töne waren sowieso kein Thema, man musste schon froh sein, wenn Einsatz und Text halbwegs stimmten. Glücklicherweise sind die Songs von "Dead Heart..." so genial, dass es trotzdem viel Spaß machte. Unter den (eh unerwartet wenigen) Besuchern kannten die meisten jede Textzeile, dann wurde der Gesang einfach im Kopf ergänzt oder herzhaft mitgesungen. So wurde auch das geniale "The Heart Collector" noch zu einem Gänsehautmoment, als gefühlt das ganze Viper Room den Refrain mitsang.

Wenigstens die Ansagen zwischen den Songs bekam WARREL DANE noch einigermaßen hin – und das mit einer Stimme, die stark an einen Cartoon-Charakter erinnerte. Gemeinsam mit den Tatsachen, dass er sich zwischendurch immer wieder am Mikroständer festhalten musste und dass ihm eines seiner Bandmitglieder die (zugegebenermaßen steilen) Stufen vom Viper Room herunterhelfen musste, fragt man sich, ob an den Drogengeschichten nicht doch was dran sein sollte (lassts die Finger von die Drogen!). Da war es schon fast schwer zu entscheiden, ob man das komisch oder traurig finden sollte (für viele ersteres – O-Ton vom Metal-Markus: "Das ist ja wie bei den Simpsons").

Nachdem so das ganze "Dead Heart..." vorbei war, kamen nach einer kurzen Pause noch einige NEVERMORE-Tracks und Solo-Songs an die Reihe. Da sich hier der Gesang nicht besserte, sank dementsprechend auch das Interesse der Besucher noch etwas weiter. Immerhin wurde auch ein neuer Solo-Track vorgestellt, was die Frage aufwirft, ob WARREL DANE wenigstens im Studio noch ein paar Töne herausbekommt...

Insgesamt war es also ein höchst zwiespältiges Konzerterlebnis – allein die Musik von "Dead Heart..." nochmal live zu hören war den Preis der Konzertkarte schon wert. Die selbstverursachte Demontage von einem der besten Metal-Sänger der letzten 20 Jahre zu hören war dagegen ein Negativhöhepunkt. Dass der gute Mann stimmlich nicht mehr ganz auf der Höhe ist, war schon bei den letzten NEVERMORE- bzw. SANCTUARY-Gigs offensichtlich, aber dass er optisch und stimmlich in den letzten Jahren so abgebaut hat war dann doch unerwartet.

 

SETLIST (ohne Gewähr)

"Dead Heart, In A Dead World"

Narcosynthesis

We Disintegrate

Inside Four Walls

Evolution 169

The River Dragon Has Come

The Heart Collector

Engines of Hate

The Sound Of Silence

Insignificant

Believe in Nothing

Dead Heart in a Dead World

--- Pause ---

Enemies Of Reality (Nevermore)

As Fast As The Others (Warrel Dane)

Brother (Warrel Dane)

When We Pray (Warrel Dane)

Born (Nevermore)


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