16-09-2016, Wurzer Oschnitt-Halle, Püchersreuth

Storm Crusher Festival 2016 - Day 1

Veröffentlicht am 27.09.2016

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Nach geruhsamer Nacht und Erholung von den Strapazen des vorangegangenen Predays, starten unser Terrier und Mistress Anthalerero ihr standesgemäßes Kettenfahrzeug aus dem Hause Kruppstahl und rollen von der nahen Nächtigungsunterkunft in Richtung Festivalgelände. Über Landstraße, Autobahn (zumindest nennen unsere teutonischen Freunde diese Beton-Hügelpiste so – als vertiefende Literatur empfehlen wir den EC2 und die entsprechenden Kapitel zum Thema Schwindverhalten) und quer durchs Wohngebiet hin zur O´Schnitthalle, wo heute nicht nur geschnitten sondern auch gnadenlos o´gematelt wird – an den Geruch der benachbarten Futtermittelfabrik hat man sich auch schnell gewöhnt, riecht ja eigentlich auch nur wie verwesendes Fleisch im Stacheldraht vor Verdun. Ansonsten präsentiert sich das Storm-Crusher-Festival als kleine, familiäre Angelegenheit, die von Kopf bis Fuß pipifein organisiert ist – Bier, Fressbuden, Merch, saubere Scheißhäuser und eine kleine, aber feine Halle für das anstehende Manöver – was will das Metalherz schon mehr? Okay, einen Kritikpunkt müssen wir loswerden, ein paar Sitzgelegenheiten mehr hätten nicht geschadet, vor allem unter Dach, wenn der Himmel seine Pforten öffnen wird. Ansonsten fühlen wir uns hier pudelwohl zwischen Schweiß, Bier, Bratwurst und dröhnender PA – willkommen im Wunderland der Kuttenromantik! Also wird auch nicht lange gefackelt, noch einmal den Stahlhelm anziehen, unsere Mistress montiert die Belichtungsgeräte und wird zur Aufklärung in den Schützengraben entsandt, vor dem schon die erste Propagandadivision Aufstellung genommen hat.

Horns Of Domination:
Doomed-Black-Metal zur Mittagsstunde, mehr Frohlockung kann es doch nicht geben – man möchte ROBERTO BLANCO zitieren: „Ein bisschen Spaß muss sein!“. Spaß machen HORNS OF DOMINATION wirklich, auch wenn das durchscheinende Sonnenlicht auf der Fensterreihe oberhalb der Bühne (Da könnte man doch vielleicht nächstes Jahr ein paar Müllsäcke oder so drüber kleben – just my 20 cents!) die angeschwärzte Hassmesse doch ein wenig in Richtung Slapstick zieht. Die drei, zwanghaft im Versuch böse dreinzuschauen gefangenen, Protagonisten können dafür natürlich relativ wenig und lassen zu früher Stunde schon die Pforten der Hölle knallen – die Nürnberger machen Lust auf mehr, und hoffentlich gibt es nach dem letzten Jahr erschienen Demo auch bald eine LP auf die Ohren, denn Potential für mehr als nur den Opener ist hier reichlich vorhanden… Hail Black-Doom! [- Laichster -]


HORNS OF DOMINATION - Lebensverneinung zu Mittag

AMBUSH:
Die Schweden sind im wahrsten Sinne des Wortes „Natural Born Killers“ – eines der ganz heißen, noch frisch geschmiedeten Eisen im klassischen Heavy-Metal, und heute legt man eine Machtdemonstration hin, die so manche doch von der Show des Tages sprechen lässt und das mehr als zu Recht. Oscar Jacobsson und seine Truppe von „schwedischen Schönlingen“ (einige Damen laufen nach dem Gig unauffällig zum Schlüpperwechsel in ihre Zelte – muss eindeutig an den kollektiv getragenen Oberlippenbärten liegen) sind ein top eingespieltes Team, das nichts dem Zufall überlässt und gleichzeitig präsentiert man sich mit einer Leichtigkeit und musikalischen Gewalt, die an die morgen noch folgenden RAM oder die Live übermächtigen BULLET erinnert. Da geht es Schlag auf Schlag – „Firestorm“, „Possessed By Evil“, „The Chain Reaction“ – jawohl, so muss Heavy-Metal klingen und wir wollen verdammt noch mal mehr davon hören! Und jetzt schnell zum Merch-Stand und „Desecrator“ (zum Review) erstehen… Shut up and take my money! [- Laichster -]


AMBUSH - bester Schwedenstahl mit modischen Bärten

DIVISION SPEED:
Oma und Opa sind früher einmal in der Woche ins Kino gelatscht, um sich darüber zu informieren was denn so los ist an der Front, wie gut dass wir dafür heutzutage DIVISION SPEED haben – unter den Klängen der deutschen Wochenschau (Kann man falsch interpretieren, wenn man etwas überempfindlich ist, muss man aber aber wirklich nicht – auch hier gilt: Fuck off Nazi Scum!) bricht in der beschaulichen Oberpfalz der Weltkrieg aus. Die Panzer rollen durchs nahgelegene Wohngebiet, ein Bombergeschwader verwüstet die nächstgelegene Stadt, die Landser verdienen sich die Nahkampfspange und braten sich gegenseitig eines mit dem Feldspaten über die Pickelhaube – „Rape the earth and ride the iron wings of death!“. DIVISION SPEED führen den totalen Thrash-Krieg – rotzig, brachial, unangepasst und direkt mit der Haubitze in die Gehirnmasse. „Panzerkommando“, da freut sich Tiger-Erwin, „Sturmbattallion“, „Schwarze Scharen“, „Iron Wings Of Death“ – kurze Totenstille – „Division Speed Attack“ und es gibt nur mehr verbrannte Erde und den Gestank verwesender Leichen am Feld der Ehre… Panzerkommando, violence and bloodshed! Panzerkommando, hailing the dead! [- Laichster -]


DIVISION SPEED - der Panzer rollt!

PRIPJAT:
Gibt es etwas Schöneres als nukleare Annihilation? Eigentlich nicht oder? Genau das denken sich PRIPJAT wohl auch, so benannten sich die Thrash-Liquidatoren nach einer Geisterstadt nahe der strahlend schönen Gegend von Tschernobyl. Dass die Kernschmelze damals alles weggeputzt hat, das nur irgendwie auf lebender Biomasse beruht, sollte ja jedem Hobby-Physiker, der in Mama- und Papas-Keller im „Pinky and the Brain Style“, mit aus dem Darknet gesaugten Bauanleitungen an der eigene A-Bombe bastelt, bekannt sein – äquivalent dazu verschonen die deutschen Nuklearexperten (Ja ich weiß, es heißt richtig „nukular“!) nichts was sich da vor der Bühne tummelt. Mit der „Nuclear Chainsaw“ mäht man alles nieder, „Acid Rain“ übers verseuchte Land – so muss man richtigen 80er Thrash zelebrieren, irgendetwas zwischen ANTHRAX und OVERKILL mit einer Extraportion Wahnsinn. PRIPJAT ballern alles weg und ich muss danach in die Fellreinigung – radioaktiv verstrahlt und im Dunkeln leuchtend kriecht mein Kadaver mit letzter Kraft aus der Halle… Sons of Tschernobyl, a warning for what is yet to come! [- Laichster -]


PRIPJAT - nukular, das Wort heißt nukular!

77:
Nachdem der Terrier auf der Suche nach Panzern, beziehungsweise einer DIVSION SPEED-Platte durch die Halle strollt (Auslauf braucht er ab und zu, der Kleine!), lauscht die Mistress nun aufmerksam 77 (SEVENTY SEVEN) aus Spanien. Die sympathische Truppe sollte man die kompletten Festivaltage über noch öfters in der Halle sehen und auch auf der Bühne machte der Vierer eine gute Figur. Schmissige Rocksongs, ganz im Stile der 70er und 80er, zu denen sich auch einige Besucher dazu hinreißen ließen ausgelassen mitzuklatschen. Obwohl technisch sauber dargeboten und mit sichtlicher Spielfreude in die Menge geworfen, wirkte das Ganze über die Spielzeit von 45 Minuten dann doch irgendwo ein wenig generisch – trotzdem die seit zehn Jahren aktiven 77 bereits vier Alben am Start haben. Ganz die große Stimmung konnten die vier Spanier leider nicht generieren, aber der Sympathiebonus war 77 sicher! [- Anthalerero -]


77 - fast so geil wie 69

EXUMER:
EXUMER
sind Kult, Kult und einfach noch mal Kult! „Possessed By Fire“ und „Rising From The Sea“ muss man als Thrash-Fanatiker einfach im gut sortierten Plattenregal stehen haben und dass die Nummern bis heute noch immer alles totficken wie wenn Rocco Siffredi eine Teenage-Slut anal durchnimmt, zeugt von der ungebrochenen Stärke des deutschen Kommandos. Und jetzt entschuldigt bitte das „Bad-Word“, aber wer sich daran stößt ist halt eine Pussy und soll irgend eine strunzlangweilige Regenbogen-Weltfrieden-Einhornband (Hust - SERENITY - Hust) für 150 Kilogramm schwere Gehsteigpanzerweibchen hören gehen! Die deutsche Thrash-Todesmaschine hat sich nicht nur zuletzt mit „The Raging Tides“ (zum Review des Kollegen Patsch) mehr als nur stark zurückgemeldet und knallt mit dem Titeltrack auch gleich richtig in die Hütte. Das Publikum nimmt den Fleischbrocken dankend an und stanzt der O´Schnitthalle ein neues Loch in den Boden – Moshpit ihr Penner! Dass sich Mem von Stein ordentlich einen auf die 1980er runterholt, ist auch nichts Neues – kann aber irgendwie auch nervig sein, wenn man zum zehnten Mal hintereinander hört, wie geil man doch selber war, als man noch Haarwuchs hatte. „Wo sind meine Old-School-Freunde aus den 80ern? Wo sind die Possessed-by-Fire-Typen?“, hallt es so ziemlich nach jedem Song von den Brettern und bringt in Anbetracht der Stumpfheit der Aussage selbst noch den nahezu letal alkoholisierten Thrashhead zum Augenverdrehen. In Anbetracht des abgefeuerten Infernos – „Fallen Saint“, „Destructive Solution“, „I Dare You“, „Rising From The Sea“ – verzeiht man die Selbstbeweihräucherung doch gerne und als der gute Mem dann selbst zum Crowdsurfer wird, fragt man sich, was will man eigentlich noch viel mehr von diesen immer noch todbringenden EXUMER? Eigentlich nur mehr Eines, um glücklich zu sterben - „Possessed By Fire“! Das kommt auch sofort postwendend angeschossen und spätestens jetzt brennt die scheiß Hütte wie Napalm – Ende Gelände! Beware of the false prophecy, they say I am possessed by fire and the flames are burning higher! [- Laichster -]


EXUMER - Mem von Stein, getragen von seinen 80er-Typen

ATLANTEAN KODEX:
Nach der gnadenlosen Thrash-Exekution durch die Leichenschänder, wird es Zeit für ruhigere Klänge, die da doch an Bombast und Gänsehautfeeling momentan wohl von keiner Band im schwermetallischen Bereich überboten werden kann – ATLANTEAN KODEX sind eine ungeschlagene Klasse für sich, und selbst wenn der Sound heute etwas holprig abgemischt ist, schaffen es Markus Becker und seine Mannen die prall gefüllte Halle zum Erbeben zu Bringen. ATLANTEAN KODEX sind etwas für Feinschmecker, für jene die Musik in ihrer gesamten Komplexität begreifen – ATLANTEAN KODEX sind wie ein Gemälde von H.R. Giger, man benötigt Stunden um ein Werk zu betrachten und hat noch nicht einmal die Hälfte der versteckten Symbolik entschlüsselt. Dass die Bayern ihr Konzept aus alteuropäischer Mythologie, heimischer Kultur und einem Mix aus BATHORY, CANDLEMASS und (sehr) früher ICED EARTH auch auf der Bühne gekonnt in Szene setzen dürfte Niemandem unbekannt sein, der schon einmal von der weißen Göttin berührt wurde. Die Halle erbebt, die Chöre stimmen ein - „Sol Invictus“, „The Heresiarch“, „Twelve Stars and an Azure Gown“, mehr Epik geht wahrlich nicht! Ein Seitenschlag auf EXUMER darf dann auch nicht fehlen, so fragt Herr Becker ganz ungestüm wo doch seine Old-School-Fans sind, also diejenigen aus dem Jahre 2007. ATLANTEAN KODEX sind wie immer siegreich und zum absoluten Glück fehlt uns jetzt eigentlich nur noch endlich ein neues Studioalbum… But when the night is darkest, Prometheus' torch will burn, and the goddess on a white bull - though she never left – returns! [- Laichster -]


ATLANTEAN KODEX - episch, sogar die Pics!

Manilla Road:
MANILLA ROAD hasst man, oder man liebt sie, es gibt nichts dazwischen und irgendwie merkt man das auch beim Zuschauerzuspruch des heutigen Headliners – tummelt sich doch um einiges weniger als zuvor bei ATLANTEAN KODEX vor der Bühne. Wie man den ewigen Underdog, dessen stilbildendes Jahrhundertwerk „Crystal Logic“ nächstes Jahr schon gute 30 Jahre auf dem Buckel hat und man selbst 2017 das 40-jährige Bestehen feiern darf. Zuletzt hat man mit „The Blessed Curse“ (zum Review) auch noch einmal gezeigt, wer die Meister in Sachen Epic/US-Metal sind. Mark „The Shark“ Shelton zeigt sich heute auch gut gelaunt wie immer, der Mann ist einfach Kult und mit den ersten Riffs von „Flaming Metal System“ bekommt man im Folgenden die komplette MANILLA-ROAD-Watschen geliefert – der einzige Wehrmutstropfen: Zog die Veranstaltung heute schon seit PRIPJAT eine gut 30-minütige Verspätung mit sich, so musste die Spielzeit von MANILLA ROAD Federn lassen, was wohl einigen sauer aufstieß. Zum Auskotzen gibt es an der Performance der Altmeister relativ wenig, außer dass die Soundabstimmung zu Anfang wohl doch eher mehr Matsch als Struktur war, was sich aber schnell einpendelte und zu einer epischen Wucht wurde. Zu „The Riddle Master“, „The Ram“ oder „Open The Gates“ muss man einfach nur sein (nicht) vorhandenes Haupthaar schütteln! MANILLA ROAD sind selbst nach 40 Jahren noch Idealisten, das sieht man dem Shark an, der auf der Bühne immer noch mit voller Inbrunst mit seinem Epic-Metal die Welt missioniert – MANILLA ROAD sind der würdige Abschluss des heutigen Tages, den das was danach kommt tu ich meinem Gehör erst gar nicht an und übergebe an unsere Mistress, die sich IRON THOR noch vorknöpfte… I'm not burning, look inside, Crystal Logic's what you'll find! [- Laichster -]


MANILLA ROAD - Mark "The Shark" Shelton, Idealismus bis zum Ende!

IRON THOR:
Unser Terrier hat sich glücklich und müde neben seinem Frauchen niedergelassen, welches nun gespannt auf IRON THOR wartet. Als Liebhaber schräger Bands, (sah man am Vortag nicht schon Musiker der Messengers Of Thor bei IRON KOBRA ..?) kann man sich das zu so etwas wie einem Geheimtipp gewordene Spektakel ja schlecht entgehen lassen! Ähnlich dachten wohl auch die Zuseher, denn nach der rappelvollen Halle bei ATLANTEAN KODEX und MANILLA ROAD, blieben überraschend viele Leute für das Nachtprogramm vor der Bühne kleben. Und ja, was soll man sagen – mittelprächtige Kostüme im Stile von „Conan der Barbar“, gediegener Heavy Metal und eine grooooße Portion Klischee im MANOWAR-Stil erreichen das (kindlich-nerdige) Herz des Publikums, das zu IRON THOR in den vordersten Reihen abgeht wie ein Zäpfchen. Da wird der Hammer geschwungen und sogar eine Eisenstange auf der Bühne verbogen – die Messengers Of Thor lassen wirklich kein Klischee aus! Relativ schlechte Soundqualität und gesangliche Schwächen in den höheren Passagen vermögen aber - zumindest für die Stormbringer-Mistress - nicht von der in der Tat unterhaltsamen Bühnenshow aufgewogen zu werden. Wie alle mit dem Klischee spielenden Bands, polarisieren IRON THOR stark, und der Grat zwischen Liebe und Hass ist sehr, sehr schmal. Die Mistress grinste eine Runde, ließ der erklecklichen, noch verbliebenen enthusiatischen Besucherschar den Spaß, und beschloss aufgrund der bereits fortgeschrittenen Stunde den Terrier noch einmal äußerln zu führen und sich hernach ins Nachtquartier zurückzuziehen, um für Tag 2 fit zu sein. [- Anthalerero -]


IRON THOR - jeder weitere Kommentar überflüssig!

Somit geht der erste Tag des „Storm Crusher Festivals 2016“ zu Ende und wir rollen wieder zurück in unsere Unterkunft um für den nächsten Tag am Schlachtfeld wieder für euch im Schützengraben zu stehen. Den Frontbericht des zweiten Tages könnt ihr ab morgen hier nachlesen. 


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