17-09-2016, Wurzer Oschnitt-Halle, Püchersreuth

Storm Crusher Festival 2016 - Day 2

Veröffentlicht am 28.09.2016

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Nach wohlverdienter Feuerpause und Nahrungsaufnahme an der Mittagsfeldküche unserer Gastgeber, die uns mit Braten und Ofenkartoffeln so mästeten, dass wir anschließend nicht mehr mit dem Panzer am Festivalgelände vorrollten, sondern mit der Schubkarre angeliefert werden mussten, während unsere Verdauungstrakte freudig vor sich hin arbeiteten, sollte nun der zweite Tag des „Storm Crusher Festivals 2016“ noch einige Überraschungen bereithalten. Und damit meinen wir nicht das, auf gut österreichisch ausgedrückte „Oasch-Wetter“, sondern vielmehr die Granaten die gleich neben unseren Ohren einschlagen sollten! Während wir noch beim Smalltalk vor der Halle verweilten, mussten wir feststellen, dass sich LORD VIGO schon von der Bühne geschlichen haben und so beginnen wir den heutigen Tag mit deutschem Power/Speed-Metal… Auf in die Halle Darth Laichster, zum Krieg der Kutten!

MASTERS OF DISGUISE:
Die nach gleichnahmiger SAVAGE GRACE Langrille benannte Teutonenkombo, kann man eigentlich mit einer anderen Power/Speed-Vereinigung mehr als treffend beschreiben: PARAGON. Klingt irgendwie so ähnlich, sieht auch so ähnlich aus, und macht auch beides ziemliche Laune. Der größte Minuspunkt der MASTERS OF DISGUISE ist wohl leider ihr Fronter Alexx Stahl, der da zwar absolut sympathisch rüberkommt, doch manchmal auch so, als würden seine Stimmbänder nicht das ganze Set schaffen. Das kann jetzt an einer schlechten Tagesverfassung liegen, oder eben so sein, was weiß ich schon. Ein netter Anheizer sind MASTERS OF DISGUISE aber auf jeden Fall, auch wenn zum totalen Knaller noch das letzte bisschen Punch fehlt, das Riffing ist zeitenweise schon für Freunde des Power/Speed ein wahrer Genuss… Ceterum censeo carthaginem  
esse delendam!
[- Laichster -]


MASTERS OF DISGUISE - Power/Speed-Anwärmer

DARKNESS:
Die DEADHEADS fallen dann dem Smalltalk zum Opfer – ja, auch wir dürfen mal eine Pause machen, aber pünktlich zum Ruhrpott Thrash-Commando DARKNESS stehen wir wieder an der Front, um uns die Fresse mit einem Vorschlaghammer einschlagen zu lassen, nur um festzustellen, dass unser blutender Kadaver anschließend genüßlich geschändet wird – Thrash till death! Heute gibt es einen fetten Querschnitt durch das Gesamtwerk des Esseners Todeskommandos, das von „Staatsfeind“ bis „Armageddon“ (Inklusive lustiger Mitstingtafeln für kognitiv komplett behämmerte, oder jetzt schon abgesoffene, rumpöbelnde Jungthrash-Prolos – zweitere braucht kein Schwein und sind mittlerweilen einfach nur mehr peinlich und anstrengend!), nach welchem die Hütte generalsaniert werden sollte. DARKNESS treten immer noch mehr als ordentlich in den Arsch, sie treten so heftig, dass es einem die anstehenden Verdauungsprodukte in verdauter Form reversibel durch den Körper retour schießt – so schön war Kotbrechen noch nie! DARKNESS bieten heute Ruhrpott-Thrash zum Poserkillen in seiner schönsten Form, und da steigt doch schon die Vorfreude auf das bald erscheinende „The Gasoline Solution“Staatsfeind! Staatsfeind! Staatsfeind! [- Laichster -]


DARKNESS - Staatsfeind!

ROOT:
Wenn POWERWOLF Eier in ihren Kostümen hätten, dann wären sie ROOT! Jetzt ganz ehrlich, ich mag POWERWOLF als seichte und philosphisch relativ anspruchslose Unterhaltungstruppe, ROOT sind dagegen die ernsthafte Version der satanischen Messe. Die Tschechen wissen wie man sich auf der Bühne zu inszenieren hat, damit die Hälfte des Publikums, das eigentlich keine Ahnung hat wer diese ROOT jetzt sind, mit offen Mündern dasteht, wenn der Big Boss mit seiner bepinselten Glatze auf die Bühne schreitet, um mit Stock, Notenständer und spiritueller bis anzüglicher Gestik eine unheilige Messe zu feiern. Umrandet von der einfahrenden Mischung aus klassischen Heavy-Metal und First-Wave-Black-Metal-Elementen, ergeben ROOT die absolute Live-Wucht. Wer auf obskure Darbietungen steht, und nächtens im Drogenrausch auch mal Kleintiere jeglicher Art ausweidet, der hat hier seine größte Freude. ROOT sind das Sahnehäubchen des heutigen Tages, wie immer herrlichst schräg, technisch perfektioniert und mit dem gewissen Etwas an Wahnsinn ausgestattet – ganz großes Metal-Kino… Leviathan - is the Lord! Leviathan - our Master! [- Laichster -]


ROOT - Hail Satan! 

STORMWARRIOR:
Nach dem Enthusiasmus der beiden Stormbringer-Schreiberlinge, der vom Publikum leider nicht so wirklich geteilt wurde (Kulturbanausen!!!), folgte die Ernüchterung gleich auf dem Fuße. Bei STORMWARRIOR wollte der Sound zunächst nicht gar so gut abgestimmt aus den Boxen dröhnen, sodass man den Gesang nur schwer verstehen konnte und auch die Gitarren reichlich matschig klangen. Zwar besserte sich das im Laufe des einstündigen Gigs (ein Lob an dieser Stelle, für die durch die Bank langen Spielzeiten, wo selbst den weniger bekannten Bands satte 45 Minuten zugestanden wurden!), doch so wirklich durchzünden wollten STORMWARRIOR an diesem Abend nicht wirklich. Man erspähte zwar einige in die Luft gereckte Fäuste, doch der Mitsingfaktor der griffigen Powermetal-Hymnen war lediglich dürftig – erst beim Klassiker „Heading Northe“ wachte das Publikum endlich auf. Irgendwie sah man, bei nüchterner Betrachtung, STORMWARRIOR auch schon einmal in besserer Bühnenverfassung, was speziell die Mistress, die sich sehr auf diesen Auftritt gefreut hatte, als äußerst schade befand. Leider reisten STORMWARRIOR augenscheinlich auch ohne Merch im Gepäck, sodass auch kein Erwerb eines Shirts über den etwas blassen Auftritt hinwegtrösten konnte ... [- Anthalerero -]


STORMWARRIOR - Heading Northe! 

IRON ANGEL:
Schreiten wir der ultimativen Verkultung entgegen, denn IRON ANGEL hatten ihren „großen Erfolg“ Mitte der 1980er mit „Hellish Crossfire“ und „Winds Of War“, und sind anschließend bis ins neue Jahrtausend komplett in der Versenkung verschwunden – neues Album gab es danach auch keines mehr, man zelebriert den alten Schinken, der es aber Live immer noch in sich hat. Das Publikum feiert „Black Mass“ oder „Heavy Metal Soldier“ mit voller Inbrunst ab und in der ersten Reihe holen sich einige wohl einen Genickbruch – richtig putzig wird es dann, wenn da ein junger Spargel auf der Bühne steht, wohl kaum halb so alt wie die Band und das alles textsicher mitgrölt, als wäre es die erste große Liebe. Übertriebener Fanatismus, hochstilisiertes Heldenbild, oder einfach geile Speed-Metal-Mucke, die bis heute weiter lebt? Und wenn IRON ANGEL vielleicht auch effektiv nur halb so gut sind wie ihr Kult, solange man seinen Spaß daran hat, soll die PA krachen und die Köpfe rotieren! Denn IRON ANGEL zeigen souverän, dass man auch im fortgeschrittenen Alter noch die Bühne in Flammen setzen kann, und man dazu kein neumodischer Core-Spassti-Geprügel-Kasperl sein muss - dafür darf man ruhigen Gewissens seinen Respekt zollen! Stronger than steel! [- Laichster -]


IRON ANGEL - Alter schützt vor Metal nicht! 

RAM:
„Svbversvum“
(schon wieder ein Review vom Kollegen Patsch) war mit Abstand das Album des Jahres 2015 und alles was RAM heute demonstrieren ist, wie es LIQUID STEEL Fronter Fabio so schön nach dem folgenden ausgedrückt hat: „No Compromise Metal voll auf die Fresse!“ RAM treten mit ihrer Mischung aus treibenden Riffs und dem PRIEST-Feeling jedem, der zu Scharen vor der Bühne stehenden Zuschauer, die Kauleiste bis ins Kleinhirn hinauf – „The Omega Device“ stellt gleich klar wer hier der Herr im Haus ist! Mit der Shakespear-Hommage „The Usurper“ erreicht man den endgültigen Höhepunkt des Sets, bei dessen Refrain es einem eiskalt über den Rücken rinnt und man sich kurzzeitig ins Ohr greift – nicht dass da schon das Gift hineintropft. Ansagen gibt es eigentlich so gut wie keine, man ballert sich durchs Set, was auch gut so ist, ist man doch zu oft genervt von dauerlabernden Frontern. Da wissen RAM schon genau, was sie dem Heavy-Metal Publikum zu liefern haben – einen Abriss ohne unnötige Auschweifungen. „Flame Of The Tyrants“ – den Schwenden ist der Metal-Thron so gut wie sicher! Hier können sich einige in Ideenlosigkeit und Mittelmäßigkeit auf Old-School masturbierende Bands abschauen wie das eigentlich alles so genau auszuschauen hat… I hear the crowd calling my name, now it's time to raise an iron fist! [- Laichster -]


RAM - Heavy Metal Tyranny! 

DIAMOND HEAD:
Nachdem RAM allen die Birne abmontiert haben, freut man sich auf eine weitere Gründerväterband und eine Packung Kultsongs die wohl für den Mitgrölfaktor garantieren sollten. Doch was ich jetzt tippen muss, will ich eigentlich gar nicht zu Papier bringen – nein, irgendwie tut es richtig weh, denn sowas Schlechtes wie die heutige Live-Performance von DIAMOND HEAD ist mir seit ewigen Zeiten nicht mehr untergekommen. Da klingt alles wie ein verwaschener Einheitsbrei, und SERENITY-Georg-Klon-Fronter Rasmus Bom Anderson klingt einfach, wie wenn man ihn vor dem Gig mit Reißnägeln gefüttert hätte. Traurig aber wahr, ich muss aus der Halle flüchten – straft mich jetzt der Blasphemie oder sonst etwas, aber wenn das in letzter Zeit bei DIAMOND HEAD immer so klingt, dann sollte man vielleicht doch besser an die Pension denken… Am I Evil? No, You are´t anymore! [- Laichster -]


DIAMOND HEAD - Georg, bist du das? 

ASPHYX:
Nach der DIAMOND-HEAD-Schmach, muss es die Holländische Death-Doom-Divison jetzt rausreißen. Aber wer nur einmal am Schlachtfeld gesessen hat und vom „Eisenbahnmörser“ und der „MS Bismarck“ unter Beschuss genommen wurde, der weiß: ASPHYX entäuschen nicht – sie schlachten nur gnadenlos ihre Opfer ab! Der Panzer rollt wieder und Kommandant van Drunen steuert das Monster durch die Schlacht – die Blutkehle schlägt einerseits die Feinde des wahren Death-Metals in die Flucht, sie zerreißt ihnen die Trommelfelle und lässt ihre unwürdigen Missgeburtswasserköpfe platzen, und löst anderseits bei der glühenden Anhängerschaft ein Gefühl der sexuellen Befriedigung aus. ASPHYX stehen nicht auf der Bühne, nein sie überrollen das Publikum mit ihrer gnadenlosen Energie, die ungebündelt herunterspringt und den Moshpit befeuert – heute werden Knochen gebrochen und keine Gefangenen gemacht! „Death The Brutal Way“ nennt man das in Fachsprache, und diejenigen die schon am Boden liegen, werden mit dem „Deathhammer“ noch zu Brei zermatscht und gleich in der Tierfutterfabrik nebenan verarbeitet. Dann kommt das Titeltrackmonster vom kommenden Death-Metal-Album des Jahres auch schon ums Eck gerollt: „Incoming Death“ – ja wenn mich mein Nachbar anpisst, werf ich ihm auch immer pestinfizierte Leichen über den Gartenzaun und wenn er dann immer noch nicht aufgibt, schick ich ihm meine treuen „Landser“. Übrigens, Meister van Drunen spricht zu euch: „Ohrstöpsel sind für Weicheier! Ihr vögelt doch auch nicht eure Freundin und steckt ihr einen Korken rein oder? Sinnlos! Das ist dann auch höchstens ein Wasteland Of Terror!“ Der Mann weiß einfach was Romantik ist, und mit „Scorbutics“ und „Last One On Earth“ beendet man das „Storm-Crusher Festival 2016“ mit einem echten, alles verwüstenden Sturm! ASPHYX sind und bleiben die unangefochten Götter des Death-Metal, jeder der das Gegenteil behauptet, oder gar meint, irgendwelche minderbemittelten Deathcore-Bands würden auch nur im geringsten die Klasse dieser kompromisslosen Blutwalze erreichen, der möge sich doch bitte einfach selbst ein Loch graben – this is trve Death-Metal, you Bastards! [- Laichster -]


ASPHYX - Kneel, you dogs! 

Somit geht das „Storm Crusher Festival 2016“ zu Ende und auch wir pilgern wieder zurück in unsere Heimat und freuen uns schon auf die Neuauflage im nächsten Jahr, die mit EXCITER schon einen Hochkaräter im Line-Up aufweisen kann. Storm-Crusher, wir bedanken uns recht herzlich, es war uns eine Ehre - Ave Atque Vale!

P.S.: Wir möchten noch die Gelegenheit nutzen und die schönste Kutte des Festivals zu prämieren: Es ist das Stück dieses Lemurs [Anm. d. Lekt.: Art "Lemur catta" - bei diesen sind übrigens die Weibchen dominant, wollte ich nur anmerken ...], der wacker auf der Schulter seines Besitzers ausgeharrt hat!


 

 


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