24./25.09.2016, Schloss Maxlrain, Tuntenhausen

MITTELALTERLICH PHANTASIE SPECTACULUM

Text: mat
Veröffentlicht am 29.09.2016

Wenn das „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“ (kurz: MPS) ruft, kommen die Heerscharen herbei. 1994 gegründet, hat sich das MPS mittlerweile zum wohl bekanntesten Mittelalterfest im gesamten europäischen Raum entwickelt. An zahlreichen Standorten in ganz Deutschland finden Ableger dieses Festivals statt. Von Süd bis Nord, von Ost bis West – die Macher des „Mittelalterlich Phantasie Spectaculums“ haben auch im Jahr 2016 wieder dafür gesorgt, dass die Atmosphäre und der Flair einer mittelalterlichen Welt nach Deutschland geholt wurden. Das lassen wir Stormbringers uns natürlich ungern entgehen und machen einen Abstecher ins bayerische Maxlrain (das liegt bei Tuntenhausen, ja, Tuntenhausen, das heißt wirklich so und nein, ich will das nicht erklären müssen)… Dort hat sich nämlich an einem späten Septemberwochenende der gesamte Tross des MPS eingefunden, um direkt vor dem idyllischen Schloss Maxlrain (nebst gleichnamiger Brauerei) seine Zelte aufzuschlagen. Und schon beim Betreten des weitläufigen Areals zeigt sich, wie groß diese Maschinerie eigentlich ist. Von drei Musikbühnen über unzählige Schausteller, Gaukler und Artisten bis hin zu Ritterspielen samt eigens eingeführtem, aber nicht obligatorischem Zahlungsmittel (1 Taler = 1 Euro) – hier wird alles geboten, was sich das Mittelalter-Fan-Herz so wünscht. Deshalb überrascht es auch nicht, dass das MPS in Maxlrain nicht nur mit seinem hervorragenden, genretypischen Musikprogramm überzeugt, sondern auch in Sachen Spaß, Unterhaltung und Verköstigung ein großes Abenteuer für Groß und Klein ist. Umso schwerer fällt es einem fast, den Fokus auf die dargebotenen Auftritte zu lenken; zu gut schmecken der Met und das selbst gebackene Stockbrot.

 

copyright stormbringer.at

 

Doch nichtsdestotrotz: Da sind wir ja vor allem wegen der Musik und die kann sich – vor allem im Kontext mit hunderten in Mittelalter-Kleidung gewandeten Besuchern – mehr als hören lassen. Das grandiose Musikprogramm startet bereits am Nachmittag mit kürzeren Gigs aller versammelten Bands, die sich am Abend jeweils noch einmal auf die Bühne stellen werden (inkl. zusätzlicher Auftritte am Sonntag). So ist gewährleistet, dass die Besucher die Möglichkeit haben, alle Bands zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu hören, damit einem auch ja nichts entgeht. Und das ist gut so, denn als herkömmlicher Rock-Fan sind einem die Größen des Genres natürlich bestens bekannt; so mancher Geheimtipp lauert aber gleich um die Ecke und hat das Potential, mehrfach gehört zu werden. Dazu zählen beispielsweise die niederländischen Irish Folk-Rocker von RAPALJE, die auf der Folk-Bühne ein extrem eingängiges, hochqualitatives Set, bestehend aus eigenem Songmaterial und hochwertigen, rhythmisch teilweise veränderten Covers darbieten; darunter der MANOWAR-Klassiker „Heart Of Steel“. Das geht ins Ohr und ins Herz und funktioniert im akustischen Gewand perfekt. Ebenso die gemischte Folk-Combo METUSA, die zwar textlich manchmal ein wenig in leicht grindige FEUERSCHWANZ-Gefilde abdriftet, in Sachen Unterhaltungswert aber definitiv punktet. Das gilt auch für die „piratigen“ MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN, die zwar jedes Klischee einer seemannstauglichen Gruppierung erfüllen, aber instrumentell wirklich aus dem Vollen schöpfen und für gute Laune sorgen.

 

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Dass die parallel aufspielenden COVUS CORAX sowieso mit zum Besten gehören, wenn es um mittelalterliche Authentizität und instrumentale Beherrschung geht, ist klar. Aufgrund der Komplexität so mancher Songs braucht es aber immer wieder ganz schön viel Aufmerksamkeit, um den alten Versen dieser großartigen Combo folgen zu können. Ein einmaliges Erlebnis ist das aber allemal. Das trifft auch auf den starken Warm-Up-Auftritt der norddeutschen Folk-Popper (ja, so kann man das am besten umschreiben) VERSENGOLD zu. Diese waren mir bis vor Kurzem zwar irgendwo im Hinterkopf präsent, so richtig auseinandergesetzt habe ich mich mit derem musikalischen Schaffen aber nie. Eigentlich schade, denn die sympathischen Bremer Jungs feuern (im wahrsten Sinne des Wortes, denn mittlerweile ist bereits später Abend geworden und die finnischen Öfen glühen) eine mitreißende, gute Show ab. Das alles ist sehr eingängig und sehr gut performed. Natürlich fehlt da manches Mal die ein oder andere Ecke und Kante und so mancher Melodiebogen könnte etwas rauer sein, aber der Mann an der Fiedel und seine Jungs von VERSENGOLD wissen wie ehrlicher, authentischer Rock-Pop funktioniert. Sehr schön ist das!

Das kann man aber durchaus auch vom Headliner dieses Festivals, von SALTATIO MORTIS, behaupten. Der sehr erzählfreudige Lasterbalk, der Lästerliche führt durch ein sehr launisches, größtenteils – wie sie selbst sagen – ohne „Strom und Stecker“ gespieltes Programm, das alte Weisen und neue Rocker passend vereint. Die motivierten Spielleute zeigen sich wie gewohnt spielfreudig und gut gelaunt. Deshalb vergeht die Zeit auch umso schneller, wenn auf „Willkommen in der Weihnachtszeit“ ein Traditional folgt, um das Publikum gleich wieder in die kalte, raue Mittelalterzeit zurückzuversetzen. Das funktioniert alles sehr gut (vor allem auch im Rahmen dieses tollen Festivals) und zeigt, warum SALTATIO MORTIS den Weg beständig weiter nach oben gehen. Sie zählen verdient zu den mittlerweile führenden Vertretern des Genres – das hat das MPS in Maxlrain wiederum gezeigt. Und dann ist das Spektakel auch schon wieder vorbei und wir brechen unsere Zelte ab... Was bleibt? Ein faszinierendes Erlebnis für Groß und Klein, das auch Nicht-Genre-Kennern gefallen kann. Das musikalische Setting ist hochwertig und im Kontext mit dem restlichen Programm ist das MPS immer wieder eine Reise wert. Danke dafür!


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