14.10.2016, TRIX Antwerpen, Antwerpen (Borgerhout)

Desertfest Tag 1

Text: Stefan Graesslin | Fotos: Motte
Veröffentlicht am 23.10.2016

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Zuerst einmal: Der Feierabendverkehr im Ruhrgebiet ist die Hölle. Bei einer anvisierten Fahrzeit von 6 Stunden einfach mal noch 3 Stunden entspannt im Stau stehen, macht wirklich keine Freude, da kann sich auch Hamburg noch sehen lassen. [Anm. d. Lekt.: Als Stau- und Grenzkontrollengeplagter München-Fahrer geb ich eine Runde Mitleid aus!] Aber wir waren ja bereits am Vortag angekommen und so war die Laune auch wieder beisammen, als wir am Freitag ins Trix gingen.

Das Trix. Die perfekte Konzerthalle. Im Erdgeschoss der große Saal - auf diesem Event die "Desert Stage" - ist leicht abschüssig, da sieht der Rollifahrer in der letzten Reihe sogar noch etwas. Ausgestattet mit einer groß dimensionierten Luftumwälzanlage, dass man auch ein wenig fröstelt, wenn der Laden brechend voll ist. Man bekommt aber dafür auch eine mehr als ausreichende Sauerstoffversorgung geboten. Die Akustik ist nahezu perfekt in diesem Saal. Die "Vulture Stage" ist eine kleine Bühne in der Bar gegenüber. Wer hier noch etwas sehen wollte, musste früh da sein, die Bar war bei nahezu jedem Gig überfüllt. Schlußendlich gab es im ersten Stock noch eine dritte, mittelgroße Stage, die "Canyon Stage". Praktischerweise hat diese einen Außenbalkon. Man kann also Rauchen und der Musik lauschen. Schließfächer und Garderobenservice für je 1€ gehören ebenso zum Trix, wie eine gute Sanitärversorgung und eine gewisse Weitläufigkeit. Im Innenhof hatten ein paar Foodtrucks halt gemacht und bildeten den Foodgarden. Essen ist in Belgien allerdings ein Luxusgut, aber dazu später.

Der erste Abend war der Abend der Bands mit "Black" im Namen und fing mit elf Bands in 6,5 Stunden auch schon sportlich an. Die Bands haben sich immer ein wenig überschnitten, also musste man entweder Bands auslassen oder teilweise wertvolle Zeit mit der Lieblingsband aufgeben.  

Los ging es mit BLACK WIZARD. Die Jungs aus Vancouver machen eine doomige Mischung aus Heavy Metal und Stoner Rock. Der Sound ist massiv, mit großen Gitarrenriffs und einer mächtigen Stimme. Ein schöner Anfang, darauf erstmal ein Bier.
Okay. Ein Chipsystem. Linke Kasse weiße Chips zu 2,50€ für Getränke, rechte Kasse gelbe Chips zu 1€ für den Foodgarden. Glücklicherweise hat man ja 2 Vordertaschen an der Hose. Also zurück zum Bier. Diese Köstlichkeit kostet 2,50€ für 0,25L. Happig, aber unterm Antwerpener Durchschnittspreis. Und wirklich lecker!

Damit hätten wir dann auch schon den Anfang der großartigen ALKERDEEL verpasst, die mit einer brachialen Mischung aus Black Metal und Sludge Doom aufwarteten. Da kann man dann natürlich noch ganz verspielt ein paar kraut-psychedelische Passagen einbringen. Kann man und soll man. Ein Fall für die sich stetig erweiternde Playlist. Der Name heißt übringens Düngewagen auf flämisch.

Weiter zu TORCHE. Wow, was für eine Lightshow! Die bleibt das ganze Wochenende beeindruckend, bunt und schwer fotografierbar. Die vier Jungs aus Miami machen eine schöne Mischung aus Alternative und Slugde Rock. Irgendwo zu verorten zwischen BARONESS, RED FANG und den QUEENS OF THE STONE AGE.

Zurück zur kleinen Stage zu SUB ROSA. Experimental Doom aus Salt Lake City mit neoklassischen Einflüssen und American Gothic, so beschreiben sie ihre Musikrichtung selbst. Die drei Mädels und zwei Jungs haben bereits zwei Longplayer rausgebracht: "MORE CONSTANT THAN THE GODS" und  "FOR THIS WE FOUGHT THE BATTLE OF AGES". Düster, aber ganz geil.

Da man ja schon an der Bar ist, noch ein Bier und die Treppen rauf zu YOUR HIGHNESS. Der Name ist Programm. Die fünf Antwerpener bauen kolossale Riffs in ihren eingängigen Stoner-Sound ein. Sie waren 2014 schon einmal beim Desertfest und kamen so gut an, dass sie dieses Jahr nochmal gebucht wurden. 

Weiter zum Headliner der Herzen: YOB. Ihre Mischung aus Catarthic Drine, Zen Metal und Progressive Doom, kombiniert mit einer psychedelischen Lightshow fordert alle Sinne und man ist geneigt, sich diesem kathedralenähnlichen Sound voll hinzugeben.

So kam ich zu den BLACK RAINBOWS zu spät und hörte nur noch ein Lied ihres 70s Fuzz-Protorocks. Es ging dann auch gleich weiter im ersten Stock mit COOGANS BLUFF! Die Bluesrocker mit Jazz und Kraut-Einflüssen überforderten meine Sinne aber dermassen, ich brach ab, holte mir noch ein Getränk und ging zurück zur Desert Stage, um RED FANG zu sehen. Die Jungs machen echt coole Musikvideos mit schönem party-hard Sound. Sie spielten so lange, dass ich dafür JOY verpasst habe. Diese sollen aber sehr gut angekommen sein.

Also auf zur letzten Band BLACK COBRA, die eine Mischung aus Sludge/Speed/Thrash-Metal und Hardcore-Punk hinlegten. Dann ist man auch wieder wach genug, um auf's Taxi zu warten ... aber halt! Die Cocktails sollen hier doch so grandios sein! Also noch einen Abschiedsmochito für 5 Euronen, der wirklich stark und lecker war und ab ins Bett.


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