15.10.2016, TRIX Antwerpen, Antwerpen (Borgerhout)

Desertfest Tag 2

Text: Stefan Graesslin | Fotos: Motte
Veröffentlicht am 24.10.2016

» Hier gehts zur Galerie...

Da man ja noch genug stehen wird, beschlossen wir, die zwei Kilometer vom Hotel zum Trix zu laufen. Wir waren früh genug da, um die ersten in den Chipschlangen zu sein und so blieb uns noch Zeit für eine Portion belgische Pommes vor der ersten Band. Welch Offenbarung, für 3€! Die Kartoffeln werden direkt vor dem Frittieren in Streifen gepresst. Keine Tiefkühl-Industrie-Ware. Dazu eine tolle Aioli-Sauce, mehr braucht man gar nicht. Ich will auch so ein Ding haben! Naja, anyway. Die Bands fangen an und heute wird es sportlich: 17 Bands von 15-1 Uhr. Das ist kein Konzertbesuch, das ist Hochleistungs-Bühnen-Hopping.

BLACK MIRRORS starteten auf der Vulture Stage. Joplinesque Vocals, gepaart mit Garage-Blues und Shamanic-Soul. Ein chilliger Start in den Tag. Zeitgleich spielten MOTHER'S CAKE, aber man kann sich ja nun wirklich nicht zweiteilen. 

Gefolgt von WOLVENNEST auf der Canyon Stage. Wolvennest ist holländisch für Wolf's Nest und ist ein musikalisches Joint Venture aus Brüssel. Mitglieder der Bands LA MUERTE, CULT OF ERINYES und MONGOLITO haben sich hier zusammengefunden, um eine Mischung aus Acid-Black-Metal und Dark Ambient darzubieten. Entstanden ist ein origineller Mix aus 70er-Krautrock und 90er nowegischem Blackmetal. Krasse Mischung, gefällt aber sehr.

Ganz anders dann PURSON um Sängerin Rosalie Cunningham. Das kann man nur als Wowwowwowpop bezeichnen. Wurlitzer-Sounds mit psychedelischen fuzzy Gitarren und dazu diese Stimme. Ein Blick in die 60er und 70er und doch in der Moderne geblieben, man bekommt es nicht zu fassen.

GIÖBIA hatten wir ja schon zwei mal dieses Jahr (Freak Valley Festival und PSYKA). Die übersprang ich und ging direkt zu 1000 MODS, meinem persönlichen Headliner des Tages. Psychedelischer Stonerrock, daran kann ich mich ja gar nicht satt hören und den liefern die Griechen aus Chiliomodi in Perfektion. Da herrscht Suchtgefahr!

Die erste Hälfte von ELDER hab ich dadurch verpasst und die zweite Hälfte für gut befunden. Gerüchten zufolge ist ein ELDER-Konzert in etwa so eine Wundertüte wie OZZY OSBORNE, man weiß nie, was man kriegt. An diesem Nachmittag bekam man Heavy-Psych-Progressive-Rock von drei Jungs geliefert, die so richtig Bock hatten. 

Mit ARABROT konnte ich nicht so richtig etwas anfangen, die Norweger mit ihrem "weird heavy noise rock" waren mir dann doch zu abgefahren. Dann lieber eine Bierpause und nochmal drei Sonnenstrahlen genießen.

COUGH aus Richmond, Virginia machten Doom as Doom can. Das Desertfest hat in sein Programmheft "Sludge Doom, Doom Sludge, Doom Doom" geschrieben, was ganz gut passt. Oder: wenn es dir den Bass in den Bauch rammt, ist er noch etwas zu leise. Die Lautstärke pegelte übrigens immer um die 100-105 Dezibel. Sehr angenehm und auf dem Raucherbalkon dann noch in Zimmerlautstärke zu genießen.

Es folgten COLOUR HAZE mit psychedelischem Stornerrock in der großen Halle. Kombiniert mit der psychedelischen Lightshow wurde man für eine Stunde hypnotisiert. 

Auf auf! Wieder zur kleinen Bühne und HANGMAN'S CHAIR aus Paris anschauen! Ich zitiere: "visionary-maniac-dope fiend-paranoid freaks". Da waren definitiv diverse Kräuter die Väter der Riffs.

Zurück im ersten Stock spielten THE ATOMIC BITCHWAX, auf die ich mich besonders gefreut hatte. Ehemals eine Jam-Band, sind sie zu einer Art Super-Stoner-Rock Band gewachsen, die seit 1993 besteht. Diese Urgesteine aus New Jersey rockten die Bude mit Stoff von ihrem letzten Album "Gravitron". Ein Mix aus Hard und Psychrock mit Karpaltunnel-zerstörenden Riffs. Diese Band wird in der Stonerszene nicht umsonst gefeiert und respektiert. 

Weiter zu WEEDEATER auf der Desert Stage. Die Jungs aus Wilmington, North Carolina sind mit ihrer aktuellen Band schon seit 1997 dabei und damit auch echte Urgesteine des Stonerrocks. Dazu wieder die tolle Beleuchtung auf der großen Bühne, mehr geht einfach nicht.

Schnell mal etwas Anderes essen, als Kartoffelstreifen. Tribal Gun: Gekochtes Schwein auf Reis mit Knoblauch-Ingwer-Zwiebel-Paste. Klingt pervers? Ist pervers lecker. Was macht's? 7€. 

Mit SALEM'S POT konnte ich nicht viel anfangen. Warum spielt man mit venezianischen Karnevalsmasken Trippyheavypsych-Rock? Man weiß es nicht, ich hab auch nicht gefragt, sondern bin gleich weiter zu AHAB auf die Canyon Stage. Die ziehen Dich unter den Boden der Tatsachen, mit dem was sie "Funeral Doom" nennen. Ein paar progressive Stellen eingebaut, bei denen der Kopf wieder über die Erde kommt, und schon ist er fertig, der Doom, der "Doom Doom" noch toppt.

Auf der Desertstage spielten nun PENTAGRAM. Kennst Du noch nicht? Echt? Schnell ändern! PENTAGRAM ist laut Wikipedia eine der ältesten Undergroundbands im Heavy Metal Bereich. Gegründet 1971 (sic!) haben sie mit Pausen bis heute durchgehalten und sind kein bisschen müde, ihren Mix aus Heavy Metal, Doom und Hardrock zu präsentieren. Ein Must-See!

Weiter ging es mit den Rock'n'Rollern von ELECTRIC CITIZEN, die ihr neues Album "Higher Time" präsentierten. Die drei Member um Frontfrau Laura Dolan aus Cincinetti rockten die kleine Bühne.

So. Cocktailzeit und dann zur letzten Band MONKEY 3. Die vier Schweizer sind kosmisch-psychedelisch unterwegs, das ideale Betthupferl. Instrumental-spacige Musik kommt bei mir fast immer gut an.

Zurück laufen wollten wir irgendwie nicht mehr. Also: Taxi->Hotel->Kopf->Kissen.

 


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Pulse
ANZEIGE