17.10.2016, Juz Saarlouis, Saarlouis

Taste of Anarchy

Veröffentlicht am 21.10.2016

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Was gibt es schöneres, als einen gemütlichen Abend unter Beatdownern; irgendwo im Nirgendwo in den tiefsten Tiefen des Saarlandes? Die vermutlich brutalste Tour des Jahres machte hier nicht etwa Halt in einem abgeranzten Kellerclub oder in einer zugesprayten Bahnhofshalle, sondern im JUZ, einem kleinen Jugendzentrum ein wenig außerhalb der Innenstadt von Saarlouis. Und wo man erfahrungsgemäß nur eine Handvoll Leute antrifft, alle SxE’ler natürlich (SxE = Straight Edge; Motto: „Don’t smoke, don’t drink, don’t fuck“), die sich durch die Bank weg viel zu ernst nehmen und alle aus mindestens 120kg purer Muskelmasse bestehen, traf ich auf ein überraschend ‚normales‘ Publikum, das sich gesellig unterhielt und dem Jugendzentrum das Bier für 1€ pro halben Liter wegtrank. Viel los war trotzdem nicht, ich schätze mal maximal 150 Besucher. Scheinbar haben die Veranstalter aber schon damit gerechnet, denn der Konzertsaal (mehr Konzertbesenkammer) war schon darauf ausgelegt, dass es bereits ab 50 Leuten wirklich stickig werden konnte. Was hier zunächst etwas negativ klingt, sorgte aber nach der Aufwärmphase für eine entspannte und familiäre Atmosphäre, in der Fans und Bands den Abend auf Augenhöhe verbringen konnten.

Den Eröffnungsslot haben sich VITJA ergattert, deren Releases ich seit Jahren mit Aufmerksamkeit verfolge und auf deren Durchbruch ich spätestens seit der gemeinsamen Tour mit CALLEJON warte. Bereits ab dem ersten Ton war ich überrascht von dem wirklich guten Sound, den der Techniker aus den zwei Boxen holte, die vermutlich jede dritte Garagenband in ihrem Proberaum hat; Respekt an dieser Stelle, besonders auch dafür, den komplexen Sound der Band mit den wenigen Mitteln noch angemessen rüberzubringen. Das Set dauerte nur knapp 25 Minuten, die sich dank der hervorragenden Songauswahl sogar noch kürzer anfühlten: „The New Breed“ als Opener, gefolgt von „Sleeping in Snow“, diversen neueren Tracks und „Your Kingdom“ als Abschluss. Einzig unangenehm: Der Frontmann war sehr auf Fankontakt aus; sogar so sehr, dass er vereinzelten Zuschauern der ersten Reihe so manche Songzeile aus einer Entfernung ins Gesicht schrie, dass sie sicher noch schmecken konnten, was er vor einer Woche zum Frühstück hatte. Das muss echt nicht sein. Für alle, die VITJA noch nicht kennen:

Es folgten SAND, eine Hardcoreband aus Japan. Leider wollte der Funke hier nicht wirklich überspringen – keine Bewegung im Publikum, kein großes Interesse. Vielleicht lag es daran, dass VITJA besser gestartet sind als SAND nachlegen konnten, vielleicht an der nicht vorhandenen Fanbase. So waren sie leider die uninteressanteste Band des Abends.

Endlich kamen wir zu einem meiner persönlichen Highlights: MALEVOLENCE. Schon lange standen die Jungs aus UK ganz oben auf meiner to-see-Liste, und umso mehr freute ich mich auf die 30minütige Performance. Scheinbar war ich mit dieser Vorfreude nicht allein, denn beim Eröffnungsbrecher „In The Face Of Death“ trieb es die ersten Moshwütigen vor die Bühne und der Raum füllte sich mehr und mehr. Auch nicht-Fans wirkten interessiert – der Sound zwischen HATEBREED und PANTERA kam insgesamt sehr gut an. Die Menge eskalierte dann zum ersten Mal am Abend während „Delusions of Fear“, in dem sich die Band auf der Bühne von niemand anderem als NASTY-Frontmann Matthias featuren ließ. Wenn es nach mir ginge, hätten MALEVOLENCE noch den ganzen Abend spielen können, aber leider ist die Songauswahl mit insgesamt nur acht veröffentlichten Tracks dann doch etwas klein. Gerne hätte ich die Jungs mit einem Merchkauf belohnt, aber leider hatten NASTY dann doch die besseren Sachen dabei. Für alle Interessierten:

Leider teilte die Menge bei der nachfolgenden Band meinen Geschmack nicht. AVERSIONS CROWN brachten zwar Technical Deathcore allererster Klasse aus Australien mit, spielten damit aber die Location so ziemlich leer. Aber eine Band, die sich vollkommen dem Thema ‚Aliens‘ verschrieben hat und dazu auf der Bühne auch in ganz anderen Sphären zu sein scheint, finde ich persönlich immer wieder faszinierend. Allein „Parasites“ und „Erebus“ konnten durch stärkere Moshparts wieder zu ein wenig Bewegung animieren. Für viele bestimmt ein verschwendeter Teil des Abends, für jemanden der Technik und musikalisches Talent zu schätzen weiß, aber sicher nicht. So klingt der Geheimtipp übrigens:

Der Saal füllte sich, während NASTY ihren Soundcheck durchführten. Ich selbst stand den Belgiern eher Zwiegestalten gegenüber: Zwar hatte ich absolut nichts an dem ohrenbetäubenden Beatdown, den die Jungs da produzieren, auszusetzen, aber die Erinnerungen an meine letzte NASTY-Show auf dem Impericon Festival im Jahr 2014 waren eher schlecht, was nicht an der Band per se lag. Vielmehr waren es die Fans, die mir meine erste und bis dahin einzige NASTY-Show versaut haben. Von normalem oder auch härterem Moshen konnte da nämlich nicht die Rede sein, das war reines Crowdkilling. Wenn ich zwar mit Violentdancing nichts anfangen kann, kann ich mich damit arrangieren solange ich in Ruhe gelassen werde. Wenn aber vorsätzlich auf die Leute gezielt wird, die einfach am Rand des Pits stehen, wird es mir dann doch zu viel. Ein Glück, war es hier nicht so! NASTY haben ein Wahnsinnsset abgeliefert und dabei eine Energie transportiert, die in der Szene ihresgleichen sucht. Die Band wirkte währenddessen so roh und auf dem Boden geblieben, dass man meinen könnte, es hätten sich plötzlich einfach einige der Zuschauer auf die Bühne gestellt und angefangen zu spielen. Gleichzeitig war aber genau dieses Auftreten so routiniert und professionell, dass es einfach Spaß machte, ein Teil davon zu sein. Ob „Fire“, „Shokka“, „Lying when they love us“, „Scheiße“ oder „Rebel with a cause“ – die Menge war textsicher und hat das JUZ in seine Einzelteile zerlegt. Auch die Ansage gegen Nazis und Elitisten mit anschließendem sprichwörtlichem Rauswurf der betroffenen Individuen durfte natürlich nicht fehlen. NASTY haben meine Erwartungen bei Weitem übertroffen und mir den Beatdown wieder etwas näher gebracht. So klingen die sympathischen Krachmacher übrigens:

Ein bisschen von der Stimmung könnt ihr bestimmt an den Fotos erkennen, danke an UlleMedia an dieser Stelle!


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