23.10.2016, Zenith, München

BIFFY CLYRO - "THE ELLIPSIS TOUR"

Text: mat
Veröffentlicht am 26.10.2016

Wenn der Biffy ruft, kommen die Clyros angerannt! Die größte Versuchung seit es handgemachten Alternative Rock von den weit entfernten britischen Inseln gibt, befindet sich derzeit zum ersten Mal als Hauptact auf großer Europa-Tour und füllt damit die größeren Hallen von London bis München. Da wundert es natürlich nicht, dass auch der Stormbringer-Express dabei sein will und sich wieder einmal in Richtung der heiligen Hallen des Münchner Zenith aufmacht, um den ehrwürdigen Oben-ohne-Rockern von BIFFY CLYRO einen Besuch abzustatten. Vor nicht einmal drei Jahren waren die drei sympathischen Jungs (die bei Live-Auftritten von zwei zusätzlichen Musikern unterstützt werden) noch als Support für die allmächtigen MUSE auf der Bühne. An diesem Abend im Oktober bestätigt sich aber, dass sich die BIFFYs den Weg an die Spitze mehr als verdient haben und vor knapp 5.000 Zuschauern das Zenith amtlich füllen. Raus aus dem Schatten, weg vom Festival-Zwischen-Highlight, Feuer frei!

Doch vorab heizen die netten englischen Jungs von LONELY THE BRAVE mit ihrem – ein wenig an PEARL JAM erinnernden (auch wenn das ziemlich hochgegriffen ist) – Alternative Rock/Pop passend ein und stimmen die Crowd mit einem abwechslungsreichen, eingängigen Set perfekt auf den anstehenden Hauptact ein. Sänger David Jakes hat zwar hie und da krankheitsbedingt ein wenig mit stimmlichen Problemen zu kämpfen, alles in allem zockt sich die 2013 gegründete Band aber durch ein gutes Programm, das ausschließlich aus Songs ihres 2014 erschienenen Debüts „The Day’s War“ stammt. Neues Material haben die Jungs hoffentlich schon in Bälde in der Pipeline...

Nach einer kurzen Umbauphase ist es dann soweit: Nachdem die chorale Beschallung im finsteren Umfeld verstummt, stürmen die BIFFYs auch schon die Bühne und starten mit ihrem brandneuen Hit „Wolves Of Winter“ vom aktuellen Chartstürmer-Album „Ellipsis“ gleich gehörig durch. Gleich zu Beginn fällt auf, dass sich die Jungs einiges von den großen Brüdern von MUSE abgeschaut haben. Das aber ganz im positiven, eigenständigen Sinne. Denn schon allein das Dreiergespann mit Simon Neil als Fronter und Lead-Gitarrist, dem – in der Bühnenhierarchie gleichstellten – Bassisten James Johnston und dessen Bruder Ben an den Drums erinnert ein wenig an Matt Bellamy und seine Jungs. Und auch die hier zur Schau gestellte Lichtshow braucht sich keinesfalls zu verstecken. Perfekt abgestimmte LED-Lightings unterstützen das unglaublich mitreißende und variantenreiche Songwriting von BIFFY CLYRO noch zusätzlich. Wie wilde Derwische rocken die beiden „Fronter“ über die Bühne, spielen blind ihre teils auch progressiv ausgerichteten Akkorde runter und jumpen und dancen unglaublich leidenschaftlich über die Stage – ganz so, als ob sie zum ersten Mal auf der Bühne stehen würden. Die Freude ist förmlich zu spüren...

Da stört es auch nicht, dass der gleichzeitig introvertiert wirkende, aber extrovertiert auftretende Simon im zweistündigen Set vielleicht vier ganze Sätze ans Münchner Publikum richtet. Interaktion mit den Zuschauern ist hier also eher Mangelware, dafür wird umso mehr gerockt. Ganze 26 Songs umfasst die aktuelle Setlist, die – und das zeugt wirklich von extremem Selbstvertrauen – fast den gesamten Backkatalog des neuen Albums umfasst. Die Reaktion des Publikums gibt ihnen aber recht; denn nicht nur bei bekannten Gassenhauern wie „Black Chandelier“ oder dem balladesk-rockigen Gänsehaut-Höhepunkt „Many Of Horror“ wird aus vollen Kehlen (und textsicher) mitgesungen, sondern auch brandaktuelle Titel werden von den Zuschauern frenetisch abgefeiert. Und so spielen sich die Schotten durch wahnsinnig kurzweilige zwei Stunden und switchen zwischen aggressiven Stakkato-Riffs und ganz leisen, akustischen Momenten. Und genau diese Mischung macht einen BIFFY CLYRO-Gig zu etwas ganz Besonderem. Diese abgehackten, progressiven, nicht immer greifbaren Rhythmuswechsel, diese unglaubliche Eingängigkeit, die dann ein paar Sekunden später wieder in einem wilden Riff-Gewitter endet. All diese Faktoren machen die BIFFYs zu einer Ausnahmeerscheinung im überlaufenen Alternative Rock-Genre. Mit ihrem toll abgemischten Sound (der quasi wie auf Konserve klingt), mit ihren überbordenden, durchaus auch teils bombastischen Lichtelementen und ihrer exzentrischen Oben-Ohne-Zurschaustellung könnte man den Jungs natürlich auch Kitsch, Pathos und Mainstream-Tendenzen vorwerfen. Ja, könnte man, will man aber nicht! Denn endlich ist da mal eine Band, die den Spagat zwischen Eigenwilligkeit und Massentauglichkeit so selbstbewusst und komplex schafft, dass man davor nur den Hut ziehen kann. In diesem Sinne: Up the BIFFYs! Diese Jungs gehören derzeit (live und auf CD) mit zum Besten, was dieses Genre weltweit zu bieten hat! Beim nächsten Mal gerne wieder – danke für diese grandiose Show!

 

Setlist (ohne Gewähr):
Wolves Of Winter
Living Is A Problem Because Everything Dies
Sounds Like Balloons
Biblical
Spanish Radio
Howl
In The Name Of Wee Man
Bubbles
Herex
Black Chandelier
Friends And Enemies
That Golden Rule
Re-Arrange
Wave Upon Wave Upon Wave
Folding Stars
Medicine
Different People
Mountains
On A Bang
9/15ths
Animal Style
Many Of Horror
Whorses

Zugabe:
The Captain
People
Stingin‘ Belle


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