29.10.2016, Sporthalle Hamburg, Hamburg

AMON AMARTH, TESTAMENT und GRAND MAGUS in Hamburg

Veröffentlicht am 04.11.2016

Welch großartige Überraschung. Da kauft man sich irgendwann im Sommer AMON AMARTH-Tickets und legt sie in die Schublade des Vergessens. Als man sie Monate später wieder hervorholt, sind TESTAMENT als Support angekündigt und die Euphorie kennt keine Grenzen mehr. Kann dieser Abend denn was anderes als legendär werden? Bereits auf dem Hinweg ergeben sich erste Hinweise darauf. Im Helloween-kostümierten Hamburg wird die gutbürgerliche Anwohnerschaft, von ihren in sicherem Abstand angebrachten Balkonen aus, Zeuge eines später als „Viking-Move of Winterhude“ in die Geschichtsschreibung eingehenden Marsches tausender, mit Getränkedosen und Dönern bewaffneter, Nordmanntannen zur Sporthalle.

Die Schweden GRAND MAGUS eröffnen den Abend. Anno dazumal mit Stoner-Doom angefangen, sind GRAND MAGUS mittlerweile etwas schneller und heavier unterwegs – mit Schwert und Zubehör. Dieser Umstand macht sie zum perfekten Glockengeläut für AMON AMARTH-affine Konzertbesucher. Die Menschen strömen pünktlich herbei, sodass die Reihen zwar noch etwas luftig, aber Infield und Ränge bereits komplett bevölkert sind. Zu GRAND MAGUS' Show unterzieht sich das Publikum in der Sporthalle dann einem ordentlichen Aufwärmprogramm, welches in den vorderen Reihen sukzessive in gepflegtes Ausrasten übergeht. Den Sound kann man an diesem Abend wirklich gut ertragen – bis auf den Umstand, dass es in einer riesigen Halle nun mal etwas hallt.

Was für ein beeindruckendes Entrée! Mittlerweile hat die Meute aber richtig Heißhunger auf die beiden Mega-Acts des Abends entwickelt – und gewaltigen Durst. Da müssen dringend Elektrolyte in die Menschen! Sowas ähnliches wie Bier (Holsten aus Plastikflaschen) kann unter anderem an mobilen Ausschankeinheiten erworben werden, welche, einem Ghostbuster nicht unähnlich, mit einem Kühlschrank samt Fähnchen auf dem Rücken, zwischen den Zuschauern herumtorkeln. Ich erkenne die Intention dahinter, aber: das hat übelst genervt! Man kann diesbezüglich wohl von einer bösartigen Verschwörung der Verantwortlichen ausgehen.

Momentchen mal, Verschwörung? Haben nicht bereits während des gesamten GRAND MAGUS Auftrittes die rotäugigen Dämonen der Schlangenbruderschaft am Backdrop vorbei geschielt? Das bedeutet, sie kommen jetzt, oder? Ja, TESTAMENT sind gekommen, um uns mit der geballten Kraft des Thrashs neu zu frisieren. Mit dem Titelstück des neuen Albums ballern Chuck Billy und Kollegen uns „Brotherhood of the Snake“ um die Ohren und geben direkt im Anschluss den „Pale King“ zum Besten. Die ausgehungerten Fans haben nur darauf gewartet und fangen augenblicklich Feuer. TESTAMENT ist nicht irgendein Supportact – die halbe Halle ist nur wegen ihnen da –, verkünden sie zumindest großspurig in meinem Umfeld. Nach dem atemberaubenden Set von TESTAMENT steht jedenfalls erst einmal eine große Aufgabe im Raum: Ist das noch zu toppen? Noch einmal schnell frische Luft einatmen und dabei die Spaßverderber ignorieren, die doch glatt behaupten, sie würden jetzt nach Hause fahren.

„Hey hey Wickie, hey Wickie hey!“ – singt die bestens gelaunte Warteschlange vor den Sanitäranlagen. Dann geht es auch schon los mit dem Headliner des heutigen Abends. Auch wenn man sich nicht zu den Riesenfans zählen mag: AMON AMARTH bieten live einfach immer eine verlässliche Abrissparty und bringen noch den hüftsteifesten Humanoiden dazu, die Faust zornig im Takt gen Hallendecke zu richten. Johan Hegg sieht so aus wie immer und macht das, was er immer tut. Und das so gut, dass alle Vollzeitwikinger und Büroangestellten sich die Seele aus dem Leib schreien und jeden Refrain konsequent mitsingen. So auch bei „Deceiver Of The Gods", was zusammen mit der großrahmigen Akustik der Halle den ersten Gänsehautmoment des Abends zur Folge hat. Beim Klassiker „Death In Fire“ wird das Publikum deshalb leistungsgerecht als „loudest motherfuckers“ ausgezeichnet. Besagter Song wird dann wortwörtlich zum Anlass genommen, die ganze Sporthalle mit Flammenwerfern zu grillen, wie es Rammstein kaum besser hinbekommen hätten. Ok, das war etwas übertrieben. Trotzdem: eine geile Show. Auch wenn die altbekannte Wikingerhelm-Kulisse teilweise (und auch nicht-teilweise) wirkt, wie aus einer Schulaufführung entliehen – besonders bei der orientierungslosen Beschreitung durch Bogenschützen-Statisten.

Hegg preist im Anschluss noch schnell das deutsche Bier, woraufhin AMON AMARTH mit „Raise Your Horns“ die nächste Mitgröl-Lawine starten. Nach den „Guardians Of Asgard“ wird die Halle zu Ehren des Thundergods mit zwei Knalleffekten in die Luft gesprengt. Zarte Gemüter frieren dabei in Schockstarre ein und erwachen erst wieder, als das Putzlicht angeht. Zum Finale gibt es Goldregen und ganz viele Pommesgabeln. Durch die Kombination dreier wirklich starker Bands kann man das Ganze nur als einen rundum gelungenen und von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltsamen Live-Abend bezeichnen.

Am 22. November 2016 gastiert das Hammer-Package aus AMON AMARTH, TESTAMENT und GRAND MAGUS auch in Wien. Mit Stormbringer bist du live dabei: Wir verlosen im Gewinnspiel 2 x 2 Tickets für euch!


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