01.11.2016, ((szene)) Wien, Wien

SOiL & SONS OF TEXAS & DAS SCHEIT

Text: Lee | Fotos: Kalti
Veröffentlicht am 06.11.2016

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DAS SCHEIT sprangen als Ersatz für SALIVA, die krankheitsbedingt absagen mussten, in die Bresche und eröffneten den schwermetallischen Abend in der ((szene)) Wien vor mäßig vertretenem Publikum - klar, erste Band des Abends, da hat man’s immer schwer. Vor allem, wenn es schon bei den meisten Leuten, die reinkamen, klar war, dass sie hauptsächlich wegen DER Band hier waren. Shirts und Hoodies, geziert vom unverkennbaren Schriftzug SOiL, machten klar: heute wird in Nostalgie geschwelgt, heute spielt SOiL.
DAS SCHEIT kannte ich vorher nicht, muss ich gestehen. Als bekannt gegeben wurde, dass sie SALIVA vertreten würden, habe ich ein bisschen reingehört, um einen Vorgeschmack zu bekommen. Auf Platte nicht schlecht, sauber gemischt, irgendwie eine metallischere Version von diversen Gothic-Gruppen, die ich sogar recht regelmässig höre. Wie DAS SCHEIT nun zu SONS OF TEXAS und SOiL passen - stilistisch - ist mir nach wie vor ein großes Fragezeichen, aber es gab schon holprigere Konstellationen an so manchem Konzertabend.
Den Reaktionen im Publikum nach zu schließen war ich nicht die einzige, die DAS SCHEIT nicht kannte. Clint’s knarzend-knurrender Gesang gab auch live das wohl markanteste Merkmal der Band, zum Rest der musikalischen Performance blieb eine Mischung aus Schulterzucken und Abwinken. Die melodiösen Elemente, die die Gitarre eigentlich geben sollte, wurden live ziemlich verschluckt und wenn sich dann doch irgendwann mal ein Riff vorsichtig in die wummernden Drums geschraubt hatte, blieb das bestenfalls unglaubwürdig.
Bleibt die Frage, ob das an der Location lag, an der eigenen inneren Einstellung oder am Wetter, jedenfalls hätten DAS SCHEIT besser in einen düsteren Kellerclub gepasst. In dunkelbuntem Ambiente und von künstlichen Rauchschwaden umgeben hätten sie wohl mehr Spaß gemacht.
Wer mal reinhören möchte: „Goodbye To Tonight“ vom neuen „A Darker Kind Of Black“-Album bietet sich an und gibt einen guten Eindruck vom Stil der Band.


DAS SCHEIT

SONS OF TEXAS bildeten das Mittelstück dieses Abends, und bevor ich mich jetzt auslasse über die Wahl des Bandnamens, lasst es mich kurz und bündig sagen: Ja, sie sind tatsächlich aus Texas und ja, sie meinen den Namen wohl vollkommen ernst.


SONS OF TEXAS machen - ja, was eigentlich? Eine Mischung aus Heavy Metal und groovigen, an Blues Rock erinnernden Elementen, vor allem bei der Live-Performance kam aber auch eine sehr Core-lastige Seite durch. Vom Auftreten her könnte man sie eher in die Core-Ecke stecken als zum Southern Rock.
Sie passten vom Stil her schon wieder viel besser in die Hard & Heavy Schublade und lieferten eine wahnsinnig energiegeladene Show ab. Selbst wenn wohl die wenigsten sie schon vorher (gut) kannten, haben sie Bewegung in den Saal gebracht und wohlwollende Pfiffe und Applaus geerntet.
Nick Villarreal am Bass war schon für sich allein eine Performance, so gut gelaunt und gleichzeitig technisch on point erlebt man selten einen Musiker (abgesehen von den Frontmännern und Frontfrauen, die ja quasi zur guten Laune verdonnert sind). Olivarez und De Hoyos an den Gitarren summieren sich mit mächtigen Drums und Frontmann Mark Morales zu einer eingängigen, soliden Leistung. Die SONS OF TEXAS haben sich erst 2013 zusammengefunden, wirkten live aber schon „älter“ im Sinne von Professionalität.
Ihr Debut-Album „Baptized In The Rio Grande“ hat nicht nur einen klangvollen Namen, sondern enthält auch einige äußerst schwungvolle Stücke mit umso schmissigeren Namen wie zum Beispiel „Never Bury The Hatchet“. Für Fans von BLACK STONE CHERRY, SALIVA, CLUTCH und den alten Scheiben von VOLBEAT, mit einem Schuss ZZ TOP.


SONS OF TEXAS

Und zu guter Letzt, SOiL.

1997 gegründet, mit Auf und Abs, mit Sängerwechsel und Sängerrückkehr, von „Halo“ bis „The Hate Song“ - wir haben alles mitgemacht. Vor einigen Jahren waren SOiL der Soundtrack zu fast jeder Samstagnacht, Wegbegleiter auf langen Autofahrten, kurzum: SOiL hörte man halt und hört sie noch, irgendwie sind sie immer eine der Bands geblieben, die sich nicht tothören lassen, sondern phasenweise passen wie die Faust aufs Auge.

Dementsprechend groß war der Nostalgiefaktor, als sie auf die Bühne kamen, ein leises Raunen ging durch die Menge, man möchte es fast als schmachtendes Seufzen bezeichnen.

Live sind SOiL ein Kracher, das kann man wohl unbestritten behaupten, der Sound war erstklassig und sie haben sich nicht lumpen lassen und (fast) JEDE SOiL-Hymne gespielt, die man hören wollte. Von „Wide Open“ über „Pride“ zu dem erstmalig auf Tour gespielten „Amalgamation“, bis zu den absoluten Hymnen „Halo“, „Unreal“ und „Black 7“ - die Leute konnten mitsingen und als bei „Halo“ Ryan plötzlich singend in der Menge VOR der Bühne stand und alle zusammen gesungen haben, war der Höhepunkt des Abends wohl für jeden erreicht.
Top Show, geile Setlist, Spitzensound - was will das Konzertbesucherherz mehr?


SOIL


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