1.11.2016, Viper Room, Wien

OBSCURA Akroasis Tour

Text: Luka | Fotos: Radka Klein
Veröffentlicht am 08.11.2016

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OBSCURA sind in Wien immer wieder gerne gesehene Gäste - vor allem wenn sie, wie diesmal, höchstkarätigen Support von jenseits des großen Teiches haben. RIVERS OF NIHIL, BEYOND CREATION und REVOCATION können nämlich nicht nur ganz viele Noten ganz schnell spielen, sondern haben auch verdammt knackige Riffs im Gepäck. Der Viper Room war also am 1.11. die perfekte Location, um sich mit einer dezenten Death Metal-Musikbegleitung den Halloween-Rausch vom Vortag aus dem Kopf zu bangen. Los ging es mit

RIVERS OF NIHIL: die Bösesten

Das letzte Album der Jungs aus Pennsylvania ("Monarchy") ist ja schon letztes Jahr herausgekommen, passend zur europäischen Tour gab es auch eine spezielle Tour Edition. Die Songs von diesem Album wurden dann natürlich auch kräftig bedient. Der misanthropische Bastard aus modernem Death Metal und abgründigem Post Black Metal brachte den zu einer viel zu frühen Beginnzeit (19 Uhr! Andere Leute wachen da erst auf...) schon gut gefüllten Viper Room kräftig zum Kopfnicken. Die ganz große Begeisterung kam nicht so ganz auf - schade eigentlich, denn Brecher wie "Sand Baptism" kommen live ganz hervorragend rüber. Vielleicht waren die Gäste auch wegen der, im Vergleich zu den anderen Bands, nur in Spurenelementen vorkommenden Melodien eingeschüchtert. Egal, nach einer kurzen Spielzeit und ebensolcher Umbaupausen kamen dann nämlich

BEYOND CREATION: die Besten

an die Reihe. Die Kanadier hatten ja schon auf Platte bewiesen, dass sie momentan ganz weit vorne im technischen/progressiven Death Metal dabei sind, das Debüt "The Aura" war ja schon ein Highlight, bevor mit "Earthborn Evolution" ein absolutes Meisterwerk folgte. Zwar ist Meisterbassist "Forest" Lapointe mittlerweile nicht mehr dabei, Nachfolger Hugo Doyon-Karout ist aber ein hervorragender Ersatz.

Wer sich gedacht hätte, dass die verrückten technischen Meisterleistungen der Jungs auf den Alben live nicht so zu reproduzieren sind, wurde eines Besseren belehrt. Muss man auch einmal im Leben erlebt haben: zwei Gitarristen und ein Bassist (interessantes Detail am Rande: mit den zwei 8-saitigen Gitarren und dem 6-saitigen Bass haben die drei genauso viele Saiten am Start wie 5,5 Max Cavaleras) tappen sich minutenlang die Seele aus dem Leib - und waren dabei unglaublich tight, da kam jede Note genau richtig.

Und das geniale dabei ist ja, dass es nicht in bloße Highspeed-Frickeleien ausartet, sondern sich diese unglaublich vielen Noten so harmonisch zusammenfügen, dass so Kracher wie "Omnipresent Perception", "Earthborn Evolution" oder "Fundamental Process" herauskommen. Noch dazu kommen BEYOND CREATION sehr sympathisch herüber, man merkt ihnen den Spaß an der Musik an, was sich dann auch aufs Publikum überträgt. Für den von Fronter Simon Girard geforderten Moshpit reicht es zwar nicht, aber die Kanadier haben sich mit ihrer hervorragenden Performance in Wien sicher viele Freunde gemacht - BEYOND CREATION waren die Gewinner des Abends.

Natürlich ist es schwer, auf so eine Performance noch einen draufzulegen,

REVOCATION: die Bärtigsten

haben es aber wacker probiert. Mit dem starken "Great Is Our Sin" im Rücken lieferten die Amis eine ansprechende Leistung ab. Ganz stark kamen vor allem die Tracks vom letzten Album - "Arbiters Of The Apocalypse" war ein herrlicher Einstieg, "Crumbling Imperium" schön düster und "Communion" überhaupt der Höhepunkt. Aber auch die älteren Granaten zünden noch gut, "Scorched Earth Policy" und vor allem das abschließende "Witch Trials" brachten die Köpfe zum Kreisen.

Fronter Dave Davidson punktete auch mit für amerikanische Bands verhältnismässig freundlichen Ansagen, und seine Beschreibung des Abends als "Technical Death Metal Extravaganza" traf den Nagel ziemlich auf den Kopf. Ein bisschen litt die Show an dem etwas zu matschigen Sound, wodurch die geilen Leads nicht so gut herüberkamen, trotzdem machte der leicht Thrash-/Hardcore-getränkte technische Death Metal des Quartetts viel Spass, was die vielen kreisenden Köpfe im Publikum bewiesen.

Und dann wurde endlich auf das größere Drumset gewechselt, denn jetzt waren die Headliner

OBSCURA: die Professionellsten

am Start. Wer schon mal auf einem Konzert der Deutschen war, weiß dass OBSCURA immer für eine hochklassige Performance gut sind (und Fronter Steffen Kummerer für ein paar launige Ansagen). Bei den Meistern des progressiven Death Metal hat sich wieder mal das Besetzungskarussel gedreht, der noch beim letzten Album "Akróasis" mitwirkende Tom Geldschläger wurde durch Rafael Trujillo ersetzt, Drummer Sebastian Lanser ist immerhin schon zwei Jahre dabei. Aber irgendwie ist es egal, wer da neben Steffen Kummerer steht, die Qualität bleibt konstant hoch. Vor allem Bassist Linus Klausenitzer punktete mit präzisem Spiel bei gleichzeitigem Stage-Acting (wie schafft der das gleichzeitig?).

Positiv wirkte sich aus, dass OBSCURA mit "Akróasis" nach dem eher durchwachsenen "Omnivium" wieder durchstarten konnten. Die wieder mehr im Melodic Death Metal wurzelnden Songs mit starken CYNIC-Querverweisen kamen live hervorragend herüber, sei es "Sermon Of The Seven Suns", der Titeltrack oder das wunderbare "Ode To The Sun". Und als dann der alte Übertrack "Anticosmic Overload" auch noch serviert wurde, war es endlich soweit, und ein paar Unermüdliche schafften den ersten (Mini-) Moshpit des Abends.

Leider war es dann nach einer gefühlt viel zu kurzen Spielzeit (und "etwa zwei Millionen gespielter Noten", (c) Steffen Kummerer) soweit, und nach einer Zugabe war der musikalische Teil des Abends vorbei - und so blieb dann nur noch über, erschöpft, aber glücklich nach Hause zu wanken.

 

 

 


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