24-02-2017, Spinnerei, Traun

EDENBRIDGE & PURPLE BONSAI & RED MACHETE & SEVENTEEN

Veröffentlicht am 01.03.2017

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Ein Abend unter dem Stern melodischen Rocks und Metals in Traun und so mancher bekam bei dem Bandpackage in der Spinnerei ein kleines Déjà Vu  – allen voran Kollegin Michelle, die auch 2014 schon an gleicher Stelle dasselbe Paket aus drei Bands fotografierte. Auch an diesem Abend im Februar gaben sich wieder EDENBRIDGE, PURPLE BONSAI und RED MACHETE die Ehre, diesmal unterstützt von den Jungspunden von SEVENTEEN.

 


SEVENTEEN

SEVENTEEN machten dann auch den Anfang und sorgten gleich für eine handfeste Überraschung. Gefühlt waren die vier zwar gerade einmal so alt, wie das ihr Bandname angab und wirkten auch auf der Bühne noch etwas nervös, aber rockten dafür richtig professionell drauflos! Geboten wurden verspielte Songs in der Schnittmenge von Rock und Metal, mit extrem starker Performance an den Instrumenten. Was dem Sänger an Gewicht fehlte, machte er durch seine starke Stimme wett, die von der Intonation her ein wenig an Myles Kennedy erinnerte und lediglich in den letzten Songs in den Höhen etwas zu schwächeln begann. Wenn junge Bands technisch so versiert zu Werke gehen und dabei auch noch das Publikum so mitziehen können, dann brauchen wir uns um den Metal-Nachwuchs bestimmt keine Sorgen zu machen! Weiter so, SEVENTEEN!

 


RED MACHETE

War schon bei SEVENTEEN gute Stimmung, schoss die Party-Rakete von RED MACHETE anschließend direkt durch die Decke. Eine überraschend gut gefüllte Spinnerei ging zu den schmissigen Heavy-Rockern so richtig ab – und das zu Recht! Der Berichterstatter fühlte sich ein klein wenig an die Bühnenpräsenz von DEAD LORD erinnert – nur ohne den musikalischen THIN LIZZY-Anteil. Das Power-Trio lieferte lässige, mitgrölfähige Songs, bei denen der Funke dank toller Ansagen und dem mitreißenden Enthusiasmus einer enorm starker Bühnenpräsenz sofort übersprang. Oft hatte der kleine Schreiberling schon von RED MACHETE gehört, doch eine Live-Performance war ihm bis dato noch nicht vergönnt – doch nun darf man sagen, das ist verdammt nochmal richtig geil, was die drei Linzer da abliefern! Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? RED MACHETE haben ab heute einen Fan mehr!

 


PURPLE BONSAI

Gut gewässert, akkurat getrimmt und gehegt und gepflegt: PURPLE BONSAI waren die nächsten auf der Bühne der Spinnerei. Ein Bonsai ist bekanntlich ein alter Baum, nicht ein kleiner, wie viele fälschlich meinen – sorgfältig gestutzt und höchst dekorativ. PURPLE BONSAI behaupten von sich, der härteste Bonsai der Welt zu sein; über den Härtegrad eines durchschnittlichen Bonsais weiß das kleine Stormbringer-Schreiberlein zwar nicht Bescheid (Flora und Fauna überlassen wir dann doch lieber den dafür ausgebildeten Biologen), doch dieser PURPLE BONSAI rockte definitiv hart! Tief im Rock und Metal der 80er verwurzelt, mit knackigen Riffs und schönen Keyboardlinien, hatten auch die tiefpurpurnen Ziergewächse (tief purpur – DEEP PURPLE, got it? Vom flachwitzelnden Wortspiel des Berichterstatters abgesehen, gab es aber keinen entsprechenden Hammond-Overkill.) leichtes Spiel mit dem Publikum. Zwar wirkte der Auftritt im Vergleich zu den Wirbelwind-Vorgängern eher gediegen, doch das nahm den oftmals mit einem Hauch Prog verbrämten Kompositionen keineswegs den Biss. Überraschend auch die Einbindung eines deutschsprachigen Songs in die ansonsten ausschließlich in Englisch gehaltenen Texte, und großartig die Ansagen von Sänger/Bassist Norbert Ploberger, der sich als absolut nicht auf den Mund gefallen präsentierte und jeden Zwischenruf aus dem Zuschauerbereich gekonnt konterte. Daumen hoch!

Setlist:

  • Mr. Universe
  • The Avengers (Mit Schirm, Charme und Melone)
  • Wrong Man
  • Lost in Kansas
  • God paints
  • Weil ihr die Schmerzen nicht kennt
  • Dreamcatcher
  • New World

 


EDENBRIDGE

Und dann war auch schon EDENBRIDGE an der Reihe, die mit nagelneuem Album „The Great Momentum" und frischem Blut an Schlagzeug und Bass (letzterer zur Zeit noch als Session-Musiker) in den Startlöchern scharrten. An dieser Stelle darf auch gleich einmal ein großes Kompliment an das Publikum in Traum gemacht werden – selbiges blieb nämlich bis zum Ende vollzählig anwesend und bedachte EDENBRIDGE mit lautem Applaus, wie es sich gehört; nicht so, wie drei Jahre zuvor in Salzburg...

Doch wärmen wir den alten Brei nicht wieder auf, und werfen den Blick lieber in die Gegenwart, anstatt in der Vergangenheit zu weilen. Nach erwähnter kleiner Personalrochade präsentierten sich EDENBRIDGE in Traun in voller Stärke und brannten ein Feuerwerk melodisch-symphonischen Metals ab. Die beiden Gitarristen Lanvall und Dominik lieferten sich feurige Gitarrenduelle, während Tieftöner Stefan songdienlich agierte und Neu-Drummer Johannes präzise wie ein Uhrwerk den Beat dazu klopfte. Über dem ausladenden Instrumentalbett thronte die Stimme der voller Energie über die Bühne fegenden Sabine Edelsbacher, die, wie sie selbst sagte, nach einer längeren Kränklichkeitsphase endlich wieder gesundet ordentlichen Druck entwickelte. Überhaupt war die Stimmung auf der Bühne blendend – trotz Besetzungswechseln präsentierte sich die Band perfekt eingespielt und zockte sich mit einer ansteckenden Freude und Hingabe durch ihr abwechslungsreiches Set aus aktuellen Titeln und Klassikern aus der reichen Bandgeschichte.

Eines fiel dabei sofort auf: EDENBRIDGE agieren nicht nur auf ihrem neuen Album um einiges knackiger, auch live haben sich die Oberösterreicher wieder einen etwas härteren Sound klöppeln lassen, der an diesem Abend in der Spinnerei besonders gut zur Geltung kam. Vor allem Gitarrist und Mastermind Lanvall, der auch gleichzeitig immer wieder ans Keyboard wechselte, hatte augenscheinlich großen Spaß am streckenweise richtig schön sägenden Klang seines Werkzeugs. Hatten EDENBRIDGE auf ihrer letzten Tour vor einigen Jahren noch mit diversem Unbill zu kämpfen und wirkten darob oft etwas bemüht, so spielte die Truppe an diesem Abend, wohl auch aufgrund zweier erfolgreicher Auftritte auf der 70.000 Tons Of Metal einige Wochen zuvor, so richtig groß auf. Das Publikum goutierte den starken Auftritt entsprechend mit anhaltendem Jubel, in dem die fünf Musiker nur zu gerne badeten.

Setlist: (ohne Gewähr!

  • Mystic River
  • Alight A New Tomorrow
  • Skyline's End
  • Shiantara
  • Wild Chase
  • The Moment Is Now
  • Return To Grace
  • Star-Crossed Dreamer
  • The Die Is Not Cast
  • Remember Me
  • The Invisible Force
  • Solitaire
  • The Greatest Gift Of All/The Bonding
  • Shine
  • Higher

Apropos Baden: direkt im Anschluss an den Auftritt nahmen EDENBRIDGE auch noch ein Bad in der Menge – die komplette Band stand den Besuchern noch lange nach Ende des Konzertes für Autogramme, Fotos und ein gemütliches Pläuschchen zur Verfügung. Ein wunderbarer Abend mit einer hochsympathischen Band, die man sich als Fan symphonischer Klänge keinesfalls entgehen lassen sollte, wenn sie gerade in der Nähe sein sollten!

 


 

Leider muss an dieser Stelle noch ein Nachsatz zu angesprochenem Konzert erfolgen, da zwei Tage später in einer auflagenstarken, kleinformatigen Tageszeitung von „Wüsten Szenen beim Konzert“ zu lesen war und die Spinnerei Traun sowie das darin stattfindende Konzert mit einer beinahe-Messerattacke in Verbindung gebracht wurden.

Anbei der Artikel im Original-Wortlaut samt Publizierungsdatum:


 

Leider hatten weder Stormbringer, noch andere Konzertbesucher Kenntnis von diesem Vorfall – es könnte natürlich auch sein, dass wir alle so versunken in die Darbietung von EDENBRIDGE und Supports waren, dass wir weder den mit einem Messer herumfuchtelnden Mann, noch die Polizeistreife bemerkten. Desgleichen stellte sich uns die Frage, was denn nun mit dem ominösen Metall-Band gemeint war – nach kurzem Rätselraten kamen wir zu dem Schluss, dass es sich vermutlich um die musikalische Genrebezeichnung handeln sollte. Nach eingehendem Studium des Artikels mit namentlicher Nennung der Spinnerei konnte also nur das einzige in den letzten Wochen in der Spinnerei stattgefundene Metal-Konzert gemeint sein – jenes, dessen Bericht ihr eingangs studieren konntet. Ein friedliches Konzert mit entspanntem Publikum und toller Stimmung – wo war der Messerheld?

Eine Nachfrage bei der Polizei Traun ergab, dass sich der Vorfall weit abseits der Konzerthalle in der Fußgängerzone ereignet hatte und die Beteiligten auch in keinem Zusammenhang zu dem Event in der Spinnerei standen. Eine interessante Information, die wohl so beim selbsternannten Qualitätsjournalismus nicht angekommen sein dürfte.

Wir wollen auch hier und jetzt gar nicht darüber jammern, dass die Metal-Szene auf diese Weise wieder einmal in ein etwas schiefes Licht gerückt wurde – wer vorher keine Vorurteile über die metallische Konzertkultur hatte, wird auch durch diesen Bericht nicht sofort welche entwickeln. Viel eher darf an dieser Stelle festgehalten werden, ohne nun gleich auf den Verschwörungstheorie-Zug aufzuspringen oder laut „Lügenpresse“ zu rufen – dass solcherart „recherchierte“ Artikel vielmehr Wasser auf die Mühlen ebenjener Zweifler am Informationsauftrag der Medien sind. Erschreckend ist hier vor allem die Tatsache, dass man sich nicht einmal der eine Zeit lang so beliebten Umschreibungen wie „angeblich“, „unbestätigten Berichten zufolge“ oder ähnlichen, bewusst nicht direkt bestätigten Formulierungen bediente, sondern den Lesern das geschilderte Szenario direkt als Tatsache verkauft wurde.

Vielleicht sind wir ja nicht ganz up to date, aber... wann genau wurde aus „berichten“ eigentlich „erdichten“?


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