22.02.2017, Posthof, Linz

ROYAL REPUBLIC

Veröffentlicht am 01.03.2017

Nach fast dreimonatiger Konzertbericht-Abstinenz verkünde ich hiermit meine Rückkehr an die Tastatur. [Anm. d. Lekt.: Zeit wirds! Willkommen zurück, Herrr Kollege!] Ich war aber seit meinem letzten Bericht über das SAXON-Konzert in der Wiener „Simm-City“ nicht untätig, besuchte ich doch in der Zwischenzeit das Jahresabschlusskonzert von SERGEANT STEEL am 29.12.2016 in der „Zuckerfabrik“ Enns und vor allem aber, war ich als Locationchecker in Linz umtriebig.

Im Herbst letzten Jahres überzeugten mich im kulturellen Zentrum meiner neuen alten Heimat Oberösterreich Konzerte von MONKEY 3 und ATOMIC BITCHWAX in der „Stadtwerkstatt“. Im neuem Jahr boten aber auch das „Ann and Pat“ mit dem Konzert von 00Y18, IN THIS TEMPLE und AMER und die „KAPU“ mit einem coolen Heavy Metal Package von KÜENRING, LIQUID STEEL und RANGER neben dem lässigen Underground-Ambiente der Locations allerfeinsten Konzertgenuss. Nebenbei wurde ich auch noch Zeuge der Linzer Stoner-Rock-Neuentdeckung SWANMAY bei einem Kellerkonzert. Ein weiteres Underground-Highlight fand am 22.02.2017 in der neuen Kremsmünster Location „Tumult“ (ehemals „Mukuku“) u.a. mit den Stoner-Doom-Metallern SATIVA ROOT aus Salzburg und den phänomenalen Instrumental Post Rockern GREY SKIES AHEAD aus Graz statt.

Es gibt also noch einige kulturelle Kleinode neben dem allseits bekannten Linzer „Posthof“, der im Jahr 2017 (nach einem übervollen, ausverkauften Konzert der STEAMING SATELLITES im Mittleren Saal) der Austragungsort des Konzerts von ROYAL REPUBLIC – meiner Neuentdeckung auf dem ROCK IN VIENNA 2016 – mit einem gemütlich gefüllten großen Saal war. Und nachdem mich im Posthof schon einige ohne Vorband pünktlich kurz nach 20 Uhr startende Konzerte kostbare Musikminuten gekostet hatten, stand ich diesmal überpünktlich vor der Location. Und was erblickten dann meine vom Tageswerk an einem Mittwoch schon ein wenig müden Augen? Es sollten vor dem offiziellen Start des Hauptacts um 21:50 Uhr noch zwei (!) Vorbands überstanden werden müssen, was auf der Posthof-Homepage nirgendwo angekündigt worden war. (Ich empfehle an dieser Stelle dringend eine Verbesserung des Informationsflusses!)

Na gut, dann hieß es durchhalten und unvorbereitet einer englischen Band - was am undeutlichen britischen Slang bei den Ansagen zu erkennen war - namens THE WHOLLS zu lauschen. Diese erledigten ihre Aufgabe als Anheizer mit einem doch überraschend frischen Sound aber richtig gut. Die Optik der Band war zwar irgendwie inhomogen schräg: Neben dem durchaus cool anmutenden, oberkörperfreien Schlagzeuger fiel der Bassist mit seiner „Scheiß blonden“-Schopffrisur auf (er würde sicher nicht im „Fight Club“ aufgenommen) und der Gitarrist erschien als komischer Kapperltyp mit ebenso komischem Halsschmuck. Der Frontmann war mit einer starken Behaarung auf Kopf und Brust gesegnet und gab den souveränen Musiker, der des Öfteren seine Gitarren doch nur rumhängen ließ, um besser rappen zu können.

Dem Alternative-Publikum, das sichtlich österreichische Festivalluft am FREQUENCY oder neuerdings auch auf dem NOVAROCK (Wo ist seit dem Auftritt von WANDA 2016 noch ein Unterschied?) geschnuppert hatte, wurde bei gutem Sound mit Dancebeats beim 30-minütigen Konzert von THE WOLLS schön eingeheizt.

Ein wenig abgekühlt wurde die Stimmung danach vom Singer/Songwriter TIM VANTOL aus Amsterdam. Er überzeugte aber als Musiker mit lässiger Stimme und Acoustic-Gitarrenkunst und auch als sympathischer Entertainer – der mal schnell den Refrain „Nothing is what it seems“ in österreichischem Dialekt in „Nix is so wias ausschaut“ bravourös umänderte und damit regen Applaus erntete. (Der Grundstein für den nächsten KRAUTSCHÄDL Ö3-Hit wäre damit schon gelegt.) TIM VANTOL entfachte damit zwar eine Gute-Laune-Stimmung, der Slot-Tausch mit THE WHOLLS wäre aber meiner Meinung nach für die Entwicklung der Atmosphäre des Konzertabends sinnvoller gewesen. Denn nun benötigte es wieder ein paar Songs, sich auf den fetzigen Auftritt von ROYAL REPUBLIC bestens einstellen zu können. Und der hatte es dann wirklich in sich.

ROYAL REPUBLIC sind für eine Alternative Rock Band in ihren stylischen Anzügen und mit den gestylten Frisuren ja durchaus coole Socken. Ich steh zwar eher auf härtere Schnauzertypen wie MUSTASCH (meiner Meinung nach die coolste Liveband des Planeten), aber in Linz nimmt man halt, was man kriegen kann. Showtechnisch machten ROYAL REPUBLIC für das erschienene Publikum alles richtig. Adam Grahn ist der geborene Frontmann und erinnerte irgendwie an einen Show-Moderator aus den 60er-Jahren. Er plauderte zwischen den Songs oft und gern lang, was dem Draht zum Publikum gut tat.

Der Opener „When I See You Dance with Another“ mit seinen „Hu, Ha“-Rufen erinnerte an eine der vielen Alternativ-Rockbands, mit denen ich nicht wirklich viel anfangen kann. Der simple Song „Walk!“ riffte schon lässiger daher. Danach gab‘s noch Material von den Vorgängeralben „Save The Nation“ und „We Are The Royal“ um die Ohren, bevor mit dem groovigen Titeltrack des aktuellen Albums „Weekend Men“ die Show erst so richtig startete. Hierbei beschwor Adam an einem Mittwochabend den Weekend Men, dessen Stimme dann im Off - in bester „Belzeboss“-TENACIOUS D Manier - ertönte. Auch das Filmzitat aus “The Rock”: „Losers always whine about their best. Winners go home and fuck the prom queen” erzeugte ein Schmunzeln bei mir.

Weiter ging‘s mit dem Singalong-Song „Everybody Wants To Be An Austronaut”, bei dem mich das Pfeif-Intro an „To Hell And Back“ von SABATON erinnerte. Das 80er-Sound-lastige „Any Given Sunday“ enthielt starke BILLY IDOL-Elemente, was für mich so irgendwie gar nicht zu ROYAL REPUBLIC passte. Entschädigt wurde ich aber sogleich mit dem extrem fetzigen „People Say That I’m Over The Top“, dem vielleicht besten Song der Schweden, was auch meinen persönlichen Höhepunkt der Show darstellte. Denn danach trieb es der Frontmann mit der Show ein wenig zu bunt für meinen Geschmack. Nervte schon letztes Jahr das Gelaber des Frontmanns Chris Robertson von  BLACK STONE CHERRY bei der Show im Linzer Posthof, weiß ich auch nie, was ich von geschauspielerten Geburtstagsständchen für Bandmitglieder halten soll. „Happy Birthday To You“ stand nämlich fast jeden Tag auf der Setlist der Band im Laufe der Tour.

Zumindest hatte danach die „Accapella – Westerngitarre“-Performance von „Addictive“ in der ROYAL REPUBLIC AND THE NOSEBREAKERS-Version einen gewissen Witz mit der „Dick“-Wortspielerei. Auch kurze Intermezzi, wie das Einbauen des James Brown-Hits „Sex Machine“ oder dass Fronmann Adam das Schlagzeug-Solo von Drummer Per dirigierte, fanden regen Anklang. Gut, dass sich die Band dann zum Ende des Konzerts hin wieder auf die Musik konzentrierte und mit den Songs „Kung Fu Lovin‘“, und „Baby“, das frappant an LED ZEPPELINS „Whole Lotta Love“ erinnernde, wieder Schwung in die Bude brachte.

Die Hits des Debütalbums hob man sich bis zum Schluss auf: Vor der Zugabe wurde noch „Tommy Gun“ performt und nach dem nochmaligen Erscheinen zum tanzbaren Song „Here I Come (There You Go)“ das Konzert schließlich mit dem Überhit „Full Steam Spacemachine“ beendet, bei dem dann nochmal richtig die letzten Energiereserven beim Pogen verbraucht wurden.

Setlist ROYAL REPUBLIC:

  • When I See You Dance with Another
  • Walk!
  • Make Love Not War (If You Have to Make War - Make Sure to Make Time to Make Love in Between)
  • Strangers Friends Lovers Strangers
  • Underwear
  • Weekend-Man
  • Everybody Wants to Be an Astronaut
  • Any Given Sunday
  • People Say That I'm Over The Top
  • Happy Birthday to You
  • Addictive (Acoustic)
  • Kung Fu Lovin'
  • Baby
  • Tommy-Gun

Encore:

  • Here I Come (There You Go)
  • Full Steam Spacemachine

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