05.03.2017, Backstage (Werk), München

CHELSEA GRIN & BETRAING THE MARTYRS & MAKE THEM SUFFER & VOID OF VISION

Veröffentlicht am 07.03.2017

Sonntag Abend in München. Das Wochenende so gut wie vorüber und der erste Anflug von Betroffenheit, beim Gedanken an den bevorstehenden Wochenbeginn, macht sich breit. Doch noch ein Highlight steht für alle Extrem-Metal-Enthusiasten zwischen dem Jetzt und dem Alltagseinzug am folgenden Tag: CHELSEA GRIN und deren Support Acts.

VOID OF VISION

Mit einem pünktlichen und ungewohnt frühen Start um 19.45 Uhr preschen uns VOID OF VISION um die Ohren. Schnelle, rhythmische Vocals und gerader Hardcore mit kurzen Abstechern in Gefilde der alten Schule. 
Das Bühnenbild mitsamt dem Bandlogo und der Show an sich erinnerte stellenweise an ein Baseballspiel oder die frühen 90er Jahre. VOID OF VISION brachten ihren persönlichen und vielleicht für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftigen Ton in das Event mit ein, doch als Opener waren sie meiner Meinung nach die absolut perfekte Wahl. 
Mit den letzten zwei Songs, bei denen wir bei einem davon sogar mit einem Duett mit dem Headliner-Drummer überascht wurden, heizten die Jungs der Halle noch mal ordentlich ein und machten, ganz im Sinne einer Support Band, das Feld bereit für die nachfolgenden Musiker.

MAKE THEM SUFFER

MAKE THEM SUFFER... Nun, hier muss ich gestehen, dass ich mit gemischten Gefühlen an diesen Auftritt herangegangen bin. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich nämlich besagte Kombo bei einer anderen Liveshow gesehen und war doch wenig begeistert von der Darbietung. 
Allem voran waren damals die Keyboarderin und ihr sehr unrunder Gesang Grund dafür, dass das Gesamtbild MAKE THEM SUFFER mit einem faden Nachgeschmack in Erinnnerung blieb. 
Hiermit erklärt sich eine anfängliche Entzückung, als ich einen Mitgliederwechsel an den Tasten erkennen durfte. Und auch wenn es zu Beginn der Show so aussah, als machte es keinen Unterschied zum vorigen Auftritt, so fanden sie ab Mitte des Sets gut zueinander und fuhren das Schiff doch noch sicher in den Hafen.
Nachdem die technischen Probleme auf der Bühne behoben und die Musiker eingespielt waren, langten sie für die letzten paar Nummern ordentlich zu und glühten das vorgeheizte Parkett nochmal nach.

BETRAYING THE MARTYRS

Kurze Umbauzeit, wenig Souncheck. Entweder ein Zeichen für Professionalität oder für komplettes Desinteresse der Vortragenden. 
Es dauerte nur wenige Sekunden, und noch während des Intros war für jeden Anwesenden klar, dass sich hier die Streu vom Weizen getrennt hatte. Als hätte man gerade von einer lokalen Clubshow zu einem Festival mit auschließlich Genregrößen gewechselt, machte sich hier ein Unterschied zu den Vorgänger bemerkbar, den ich so noch nie erlebt habe.
Ich nehme hier schonmal vorweg, dass BETRAYING THE MARTYRS eindeutig und unumstößlich jede andere Band des Abends an die Wand gespielt haben.
Schiere Perfektion. Intrumental sauber, brutal und auf den Punkt. Nicht eine Note ging daneben. Die drei Gesangsstimmen, ideal ausbalanciert, wenn auch nach dem ersten Song ein wenig nachgebessert, drückten einfach unglaublich stark in den begrenzten Quadratmetern des Backstage- Werks.

Man spürte förmlich am eigenen Leib wie viel Spass und Motivation die fünf Franzosen auf der Bühne antrieb. 

Jeder Song hatte Hitpotential und wurde vom Publikum mit unfassbarer Freude begrüßt. Es kann meinetwegen gut möglich sein, dass BETRAYING THE MARTYRS die stärkste Fanbase vor Ort hatten, aber sie hatten eindeutig die beste Stimmung des Abends und wurden nicht umsonst vehement um Zugaben gebeten.

CHELSEA GRIN

Das Leben als Headliner einer Show ist nicht einfach. Du kannst den gesamten Abend darauf warten loszulegen. Hast dann eine von den hervorragenden Supports ausgelaugte Menge zu begeistern und hast dazu noch die längste Spielzeit aufzubringen.
Ich war gespannt, was CHELSEA GRIN aus der Energie der Vorbands noch mitnehmen konnte und muss gestehen, dass mein Erstaunen über diese Präsenz und  Fließgeschwindikeit der Noten nur noch von meinem aufrichtigen Respekt vor der Eingängikeit der Show selbst und den Vortragenden übertroffen wurde.
Zwar konnte die Truppe aus den Staaten das hohe Drucklevel von BETRAYING THE MARTYRS nicht ganz erreichen, aber das war offensichtlich ganz und gar nicht notwendig. 
Die Songs und Zwischenrufe des Sängers waren mehr als Grund genug, um die Mehrheit der Anwesenden in ständige Bewegung zu bringen und in selbiger zu halten. Nur vereinzelt waren Personen zu erkennen, die sich nicht zum Rhythmus bewegten, wie auch immer sich das bei den einzelnen äußerte.

Circle-Pits, Wall-Of-Deaths, Violent Dancing, Stagediving, einfach alles, was Rock und Metal an übermäßiger Expression der Musikverbundenheit hervorbrachte, war hier zu beobachten. Und davon nicht zu wenig.

Soweit ich hier für die Anwesenden sprechen kann, hatte wohl keiner mehr einen Gedanken an den kommenden Montag verschwendet. Es ist oft von den Musikern von "The time of our lives" gesprochen worden, und nichts könnte das Grundgefühl des Abends besser beschreiben als diese Phrase.


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