11.03.2017, Grelle Forelle, Wien

WEDERGANGER & ANOMALIE & ASPHAGOR

Text: Lee | Fotos: Björn Franck
Veröffentlicht am 18.03.2017

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ASPHAGOR aus einem hübschen Eckchen Tirols (Angerberg, kennt man das?) gibt es bereits seit 2007, als Vorband für ANOMALIE und WERDEGANGER hat es sie vor einigen Tagen nach Wien verschlagen. Die Jungs mit den klangvollen Bühnennamen eröffneten am Wochenende in der Grellen Forelle den Abend.
Die Location an sich war schon äußerst interessant, mit grellbunter Wandbemalung die - je nach Stadium der Betrunkenheit - bestimmt Schwindel hervorruft, und einer gewaltigen Lichtanlage.

Leider waren nicht besonders viele Leute schon früh am Abend anwesend - mag sein dass es an der Location scheiterte, oder am Wochentag, an dem auch viele andere Events stattfanden: ASPHAGOR zeigten sich jedenfalls wenig betroffen und legten sich ordentlich ins Zeug, dafür gab’s schon mal Sympathiepunkte.


Authentisch waren sie ebenso, nur das Skelett das ans Mic gebunden war hat mich etwas ins Grübeln gebracht, ob der Abstammung des gehörnten Undinges (ein Hybrid aus Mensch und Antilope vielleicht..) - manchmal ist weniger mehr.
Musikalisch eine echt feine Black Metal Band, die spätestens mit „Anti“ (2013) dem einen oder anderen Hörer mordsmässig unter die Haut gingen - nach den Shows mit u.a. BELPHEGOR damals, sind ASPHAGOR längst nicht mehr nur im tiefsten Untergrund bekannt.
Für Alle, die seit „Havoc“ (2010) oder zumindest seit „Anti“ (2013) ungeduldig auf ein neues Album hoffen, freuet Euch sehr, denn ASPHAGOR haben gerade erst verkündet, dass es ernst wird. Ein neues Album wird aufgenommen, man darf gespannt sein!
Wer die Show am Samstag verpasst hat kann sich ASPHAGOR zum Beispiel beim Dark Easter Metal Meeting in München zu Gemüte führen - es zahlt sich auf alle Fälle aus!


ANOMALIE waren quasi der Kern des Abends - immerhin war es ihre CD-Releaseshow und es war schön zu sehen, dass sich doch ein paar mehr Leute hinreißen ließen und sich in den Rachen der Grellen Forelle wagten um den Auftritt - eher das Ritual - von ANOMALIE zu genießen.

Tatsächlich ist jede Live-Performance von ANOMALIE eher ein extrem intensiver Ritus, weniger Show als eine Session, bei der man als Zuhörer völlig gefesselt wird von einer Woge aus Musik. „Visions“ (2017) wurde ungeduldig erwartet, nach „Between The Light“ (2014) und „Refugium“ (2015) haben ANOMALIE sich selbst die Latte schon verdammt hoch gelegt.

Genrebeschreibungen sind völlig überflüssig; Wer sich ANOMALIE anhört wird sich seine Meinung bilden und wer sie live sieht wird begeistert feststellen, dass es noch junge Bands gibt die auf der Bühne eine ebenso kraftvolle wie feierlich anmutende Performance abliefern, wobei sie auch musikalisch absolut on point bleiben.
Was sich bei „Refugium“ (2015) schon abgezeichnet hat, wird mit „Visions“ (2017) weitergeführt - das neue Werk ist noch epischer, noch verwinkelter komponiert.
Trotz kurzer technischer Stolpersteine beim Gig in der Grellen Forelle blieben ANOMALIE im Fluss, in ihrem Element - ohne viel Drumherum präsentierten sie sich von ihrer besten Seite, wie man das gewöhnt ist.
Die Location ist wie eingangs erwähnt Geschmackssache, aber gerade bei einer Band wie ANOMALIE, die derart stimmungsbeladene Stücke liefern, ist es ein Wermutstropfen, wenn das Ambiente nicht wie die Faust aufs Auge passt.

Nächstes Mal bitte irgendwo in den Bergen, wenn die Nacht am tiefsten ist - mit Feuerstellen und Rauchschwaden die das Publikum vernebeln. Oder so. Ansonsten gerne auch wieder irgendwo in Wien - wer ANOMALIE noch nicht gesehen hat sollte das schleunigst ändern, es ist immer eine Erfahrung die es wert ist.


WEDERGANGER hatten dann ein schweres Erbe anzutreten, mit ANOMALIE noch im Ohr und aufgekratzt davon, fiel es wahrscheinlich einigen Hörern schwer, sich umzustellen auf den doch recht anderen Sound der niederländischen Untoten. WEDERGANGER heißt ja, wie unschwer zu erahnen, ungefähr das Gleiche wie „Wiedergänger“ - und ein bisschen so sehen sie auch aus, mit ihrem Bühnenoutfit und der Gesichtsbemalung.
Gegründet wurde die Band erst 2013, von MJWW, Alfschijn und Botmuyl, die auch gemeinsam in Wien die Bühne gestürmt haben - und gestürmt ist durchaus passend, denn die Show der WEDERGANGER ist energiegeladen.

Sie zucken, zappeln, kurzum: WEDERGANGER gehen richtig ab auf der Bühne, was sich auch ins Publikum übertragen hat. Noch nicht mal der erste Track war fertig gespielt, da konnten bereits einige ihre Füße nicht mehr still halten, so ansteckend war es.

Im Kontext WEDERGANGER und Genrezuordnung kommt immer wieder „Black’n’Roll“ auf - und spätestens wenn man sie live gesehen hat, kann man diesem Begriff durchaus etwas abgewinnen. Was bei WEDERGANGER gesondert zu erwähnen ist, und auch live durchaus für das gewisse Etwas sorgt, ist die Aufteilung der Stimmen - da lohnt es sich nochmal extra reinzuhören. Das Keifen, Knurren, der cleane Gesang, das orchestral anmutende im Hintergrund - es mag streckenweise klingen als käme es aus einer Kehle, tut es aber nicht.


Alles in Allem ein sehr feiner Abend, gerne wieder; Die Location betreffende Wünsche wurden ja schon weiter oben im Text verlautbart.

 

 


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