30.03.2017, Music Hall, Innsbruck

AMON AMARTH & DARK TRANQUILLITY & OMNIUM GATHERUM

Veröffentlicht am 01.04.2017

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Vor nicht allzu langer Zeit legten die Langschiffe noch am „Hafen“ Innsbruck an. Anhand der Positionierung im Line-Up bis hin zum heutigen Headlinerstatus kann der Werdegang und Erfolgsweg der Wikinger abgelesen werden. AMON AMARTH gastierten heute zum insgesamt fünften Mal in Tirol (2003 noch vor ONKEL TOM und 2009 noch vor OBITUARY, zudem 2004 & 2009 Wörgl), diesmal als gefeierter Headliner. Und obwohl der Frühling Einzug hielt, wehte heute eine steife Brise nordländischer Kraft und brachialen Eroberungswillens durch die Music Hall. Dass das Konzert ausverkauft werden sein würde, war fast zu erwarten, und tatsächlich prangte das „Sold Out“-Schild vor der vollgepackten Music Hall.

OMNIUM GATHERUM

Die Suomis boten sich ideal an, den heute mit 19 Uhr recht (bzw. zu!) früh (so Mancher befand sich da noch auf der Anreise nach Innsbruck!) angesetzten Konzertbeginn voll knackigem Geriffe, nordischer Härte und emotionsgeladenen Melodien zu eröffnen und erfüllten ihren Job als Opener auch pflichtgemäß. Die im Stile der großen Melodic Death Metal-Vorbilder agierenden OMNIUM GATHERUM (artig den Vorgaben des Genres folgend, aber in dieser zweifellos guten Klasse auch austauschbar) profitierten als Erste vom Zuspruch der hungrigen Fans und wurden schon ansprechend beklatscht, obwohl sich die Klasse der Darbietungen mit Fortschreiten des Abends doch deutlich steigern sollte. Die Finnen machten in der ihnen zur Verfügung stehenden halben Stunde keine schlechte Figur auf der Bühne, langjährige Studio- und Liveerfahrung haben die seit 1996 umtriebigen finnischen Schwergemüter ja allemal, auch wenn das doch recht eintönige Organ von Sänger Jukka Pelkonen die Band zu limitieren scheint. Mit einer soliden Leistung brachten sie die sich stetig füllende Halle mehr und mehr auf Betriebstemperatur, auch wenn die Finnen mit dem immer eingeschränkten Licht- und Sound-Los des Openers zu kämpfen hatten.

DARK TRANQUILLITY

Eine der langgedientesten Melodic Death-Bands verirrte sich heute meines Wissens nach das erste Mal nach Innsbruck und startete bereits um 19.50 Uhr durch ihr rund 50minütiges Set. Neben einer kleinen Best Of-Auswahl galt es vor allem auch das aktuelle, starke Album „Atoma“ vorzustellen. Man kam etwa in den Live-Genuß von „Clearing Skies“, „Forward Momentum“ und dem Titeltrack, das heimische Publikum genoß die Qualität der Titel und überraschte den Rezensenten wie auch die Band mit mehr als amtlichem Applaus. Selbst hierzulande scheint sich die Band (trotz heute kühlen und ein wenig dumpfen Soundbilds) großen Zuspruchs zu erfreuen, immerhin brieten die Gitarren knackig. Frontmann und Rotschopf Mikael Stanne geleitete das Publikum durch eine professionelle, recht cool in Szene gesetzte Show. Viel zu sehen war von der Band allerdings nicht, da die (leicht psychedelische wie kalte) Lichtshow nur von hinten strahlte, dennoch konnte die Spielfreude der Schweden in den halbdunklen Gesichtern abgelesen werden, die Fanbase erfreute sich derweil an Titeln wie „The Science Of Noise“, „ThereIn“ oder „Misery´s Crown“. Stanne und seine Mannen reüssierten mit stimmungsvollen Melo-Death-Nummern, die zwar mit Emotion und Atmosphäre vollgepackt sind, allerdings auch in der Livesituation abermals nicht wirklich nachhaltig hängen blieben, abzulesen an den doch eher verhaltenen Reaktionen des Publikums während der Songs. Die seit ewigen Zeiten im Business agierende Band (Gründung immerhin Anfang der Neunziger) aus der „Göteborg-Connection“ hinterließ heute einen guten Eindruck, auch wenn man sich im Laufe der Jahre von dieser Art von Sound (ähnlich wie dem NuMetal, Pagansound oder Metalcore usw.) mehr und mehr abgehört hat bzw. von Combos wie IN FLAMES oder INSOMNIUM hitträchtiger oder griffiger vorgetragen bekommt.

AMON AMARTH

Die Schweden kamen, sahen und siegten in erwarteter Manier, das kann gleich eingangs verraten werden. Dem stimmungsvollen Intro folgte mit dem grollenden Anfangsriff von „The Pursuit Of Vikings“ gleich der erste songwriterische AMON AMARTH-Geniestreich. Danach gab es für die über 1.000 Zuschauer kein Halten mehr. Ihre Viking-Helden wurden nach allen Regeln der Kunst abgefeiert, die Fäuste und Trinkhörner schnellten in die Höhe, den Kopfläusen wurde eine Karussell-Fahrt gegönnt und frenetischer Applaus wurde den wie immer gut gelaunten Nordmännern zuteil. Diese griffen die Woge des Zuspruchs auf und segelten dank steifem Rückenwind auf der Welle des Erfolgs zu einem erfolgreichen Beutezug in der sonst so wehrhaften Alpenfeste Innsbruck.

Das Schlagzeug thronte auf einem gigantischen Wikingerhelm (unverständlich dabei, dass uns die Schweden abermals und fälschlicherweise verklickern wollen, dass Helme in jenen Tagen mit Tierhörner bewehrt und geschmückt waren!) und der Fünfer brannte auf dem siebten Gig der laufenden Festland-Eurotour ein amtliches Hitfeuerwerk ab. Mit Blick auf die Setlist kann festgehalten werden, dass das Erfolgsquintett eine zünftige Mischung aus allen Bandhits in die Menge krachte. Im Vergleich zu den Vorbands hatte sich der Sound (dem Headlinerstatus entsprechend) merklich verbessert und so stand einer weiteren energiestrotzenden Liveperformance nichts im Wege, der akustische Thorshammer sollte heute so manchen Schädel spalten. Unaufhaltsam und unerbittlich präsentierten die Schweden ihrem begeisterten Publikum eine brachiale Wohltat voll heroischer Wikingerepen im Weltklasseformat. Egal ob auf den Festivalbühnen (zur Flachlanderoberung in den Pannonia Fields) oder in den Konzerthallen (zum triumphalen Beutezug in München), AMON AMARTH wuchteten abermals alles weg und boten auch eine amtliche Bühnenshow mit integrierten Show-Elementen wie Schwertkampf- und Bogenschützen-Gimmicks auf.

Songmäßig wurde auch amtlich geklotzt. Die Setlist reichte zurück bis ins Jahr 2002, als vom Erfolgsalbum “Versus The World” der Kracher „Death In Fire“ dargebracht wurde. Ansonsten wurden alle Studioalben bis hin zum „Jomsviking“-Chartsstürmer (zum Redaktions-Gangbang) mit Songs bedacht, die einmal mehr eindrucksvoll die Machtposition der seit einem Vierteljahrhundert aktiven Schweden unterstrichen und den Erfolgsweg dokumentieren. Auch wenn sich nach und nach der Gewöhnungseffekt breit macht, so muß den heldenhaften Wikingern ein ums andere Mal ganz große, durchschlagskräftige und energiegeladene Metal-Show attestiert werden, dargebracht von einer breitbeinig dastehenden Armada aus in vollem Saft stehenden Nordkrieger. Gleichsam wohltuend-routiniert wie fast langweilig-professionell regierte der Donnergott heute höchstpersönlich in der rappelvollen Music Hall und entfachte dank melodiöser Todes-Harmonien, kerniger Death Metal-Riffs, treibender Rhythmussektion und grollender Groove-Brecher die Feuer in den Herzen der glühenden Fans, für die Fronter Johan wie der Chef-Elch röhrte und Odin höchstpersönlich wiederauferstehen ließ.

            

Umgängliche wie sympathische Zeitgenossen sind sie und fesseln - mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen sowie mit direktem Draht und auf Augenhöhe mit ihren Fans agierend - ihre Anhänger, ähnlich wie ihre panzerfahrenden Landsmänner SABATON. Neben massenkompatiblen Hymnen, professioneller Einstellung, unermüdlicher Energie und Durchhaltevermögen weitere wichtige Komponenten des beharrlichen Aufstiegs der Band. Hier trennt sich (abseits von Tourwilligkeit, Netzwerk, Konzept, optischem Auftritt, Marketingskills etc.) die Spreu vom Weizen, hier setzen sich Erfolgsbands von ewig im lokalen Underground herumkrebsenden Kapellen ab. Zudem lastet die Show-Komponente nicht allein auf dem Frontmann, auch das erprobte Gitarrentandem Johan Söderberg / Olavi Mikkonen sowie Basser Ted Lundström drehten mit ihren Posen und dem Propeller-Headbanging das Energie- und Actionlevel in liebgewonnener Manier noch um einiges nach oben, auch wenn aufgrund der hinter den Akteuren ausgehenden Lichtshow Vieles im Halbdunkel unterging.

Konnten sich anfangs eher nur Death Metal-Fans für die Nordmänner erwärmen, so sind AA (wie die zuletzt hier gastierenden SABATON - im Gegensatz zu diesem Konzert waren heute zum Glück auch alle Zapfanlagen an den Bars in Funktion) vollends im Mainstream angekommen. Ihre Melodic-Death Hymnen becircen die breite Masse und wecken zunehmend die Freizeitwikinger in den Metalfans, die (ebenso wie sich mal wieder einen wilden Abend gönnende Metal-Couchpotatoes) in Scharen in die Konzertsäle einmarschieren. Johan Hegg und seinen Nordmänner freuen sich, wenn die rappelvolle Halle wie heute mit den Schweden ein amtliches Death Metal-Feuerwerk abbrennt. Nach rund 90 Minuten war gegen 22.45 Uhr recht früh Schicht im Schacht, AMON AMARTH hätten noch weiter in ihrem mittlerweile reichhaltigen Songfundus aus Weltklasse-Metal-Hymnen und –Brechern wühlen können und Perlen wie “Victorious March”, “Free Will Sacrifice”, “Varyags Of Miklagaard”, “Bleed For Ancient Gods”, “Valhall Awaits Me” oder “For The Stabwounds In Our Backs” von der Bühne ballern können.

Zum Finale drehten die Schweden aber noch einmal auf. Der Zugabenblock wurde mit „Raise Your Horns“ eröffnet. Die Sauf- und Partyhymne erinnerte zwar ein wenig an Spaß-Kapellen wie ALESTORM oder KORPIKLAANI oder die sinnentleerten „Noch-ein-Bier!“-Eskapaden bei SABATON, für amtliche Wiedergutmachung sorgten schließlich das mächtige „Guardians Of Asgaard“ und das donnernd-wuchtige „Twilight Of The Thunder God“, die zum Finale noch einmal alles wegknallten. Die Schweden verbuchen eine weitere erfolgreich geschlagene Metal-Schlacht auf der Habenseite und reiten auf der eisernen Welle des Erfolgs weiter hinauf gen Walhalla!


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