02.04.2017, Orpheum, Graz

AMON AMARTH & DARK TRANQUILLITY & OMNIUM GATHERUM

Text: Christian Wiederwald | Fotos: Daniel Eibl
Veröffentlicht am 06.04.2017

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Sonntagabend in Graz.

Siegi und Mario haben Angst.

Oder zeigen Präsenz.

Auf jeden Fall sehe ich zum ersten in meinem Leben bei einem Konzert im Orpheum das Graz PD vor Ort. Ein Mann hoch. Das soll uns Ehrliche und Anständige wohl in Sicherheit wiegen. Das erinnert an selige Kottan-Zeiten. Wenn sich noch jemand daran erinnern kann.

Wie dem auch sei. Während ich meinen aufgebohrten Aixam in die Orpheum-Parkgarage navigiere, sehe ich schon bestätigt was von vornherein klar war. Es wird heute etwas kuschelig werden im Orpheum bei AMON AMARTH auf deren Jomsviking-Tour. Das bestätigt mir auch die Dame an der Kasse, bei der ich meine Akkreditierung einlösen darf. Die Hütte ist ausverkauft. Das sollten ungefähr 1000 Leute sein. Mehr gehen beim besten Willen nicht hinein. Im Gegensatz zum Konzert in Innsbruck vor zwei Tagen war der Beginn mit 1900 Uhr nicht zu früh. (Ich versteh auch nicht ganz, was bei der Uhrzeit zu früh sein soll, aber, wie soll ich sagen, i muass net olls wissn), alle waren da, wir konnten beginnen.

Es waren schon beim Opener OMNIUM GATHERUM beinahe alle nicht nur vor, sondern in der Halle. Und feierten die Finnen ab als ginge es hier um einen prestigeträchtigen Wettbewerb. Sänger Jukka Pelkonen sieht aus als wäre er im Casting-Recall für den Job einer 80er-AOR oder -Stadionrockband, zeigt sich aber mächtig motiviert wie auch der Rest der Bande. Dumm nur, dass hier das allseits beliebte Spiel "Vorband mit Scheißsound" in einer brillanten Ausprägung gespielt wurde. Eigentlich hörte man nur die Bassdrums, den Bass und die Synthies. Und ab und an ein wenig, dafür aber brutal verhallter, Gesang. Aufgrund der spärlich-frugalen Konfiguration des Stagesets des Headliners, hatten die Vorbands in etwa so viel Platz wie in einem niederösterreichischen Subterrainappartement. Macht nichts, dachte sich die Musikerzusammenkunft aus dem finnischen Kotka und gab alles. Die Fans nahmen selbiges dankend an und so war schon bei der ersten Band anständig Feuer im Busch.


OMNIUM GATHERUM

Setlist OMNIUM GATHERUM:

1. The Pit
2. Skyline
3. Frontiers
4. The Sonic Sign
5. New World Shadows
6. New Dynamic

 

Weiter ging es mit den Göteborgern von DARK TRANQUILLITY. Ich habe die Knaben vor beinahe 20 Jahren als Support von IN FLAMES im gleichen Gemäuer gesehen. Und noch immer sind sie nur Vorband. Trotz zahlreicher Klassikeralben und fantastischer Liveauftritte geht hier irgendwie leider gar nichts weiter. Am Personal kann es nicht liegen. Obersympathiegranate Mikael Stanne strahlt wie immer über das ganze Gesicht und ist von der zeitweise abenteuerliche Ausmaße annehmenden Stimmung mehr als angetan, Bassist Anders Iwers sieht immer mehr nach Billy Connolly aus, den jungen Mann an der zweiten Gitarre vermochte ich nicht zu erkennen, er war optisch ein wenig semi-optimal, musikalisch aber, wie alle, top. Wenn, ja wenn der gute Mann an den Reglern auch nur irgendwann schon einmal irgendwo eine Liveband abgemischt hätte. Bis zum vierten Song "The Science Of Noise" hörte man gar keine Gitarren. Außer Bassdrum, Bass und Gesang war gar nichts zu hören. Das erinnerte ab und an ein wenig an DEPECHE MODE. Das ist per se nichts Schlimmes, aber eigentlich wollten wir hier DARK TRANQUILLITY hören. Leider änderte sich am Soundbild bis zum Ende so gut wie gar nichts. Ab und an schimmerte ein wenig Metal durch, ein Solo hier, ein Riff dort, aber insgesamt gesehen, war das eine Frechheit was vom Klangverantwortlichen kam. Dabei hätte es so schön sein können. Eine gelungene Songauswahl, begleitet auf der Leinwand von passenden Videos und Animationen und eine gut aufgelegte Band. Dem Publikum war es allerdings auch hier egal, welch Verbrechen an der Kunst am Mischpult begangen worden sind, die Göteborger wurden abgefeiert und und Hr. Stanne blieb noch einige Momente, nachdem sich seine Band schon verabschiedet hatte, auf der Bühne, um sich bei den enthusiastischen Fans zu bedanken. Das an einem Sonntagabend in der heimlichen Hauptstadt des Nordbalkans. Chapeau! Man wünscht sich, dass es diese Band auch irgendwann einmal schafft und solche Zuschauerzahlen als Headliner ziehen kann.

 


DARK TRANQUILLITY

Setlist DARK TRANQUILLITY:

1. Force Of Hand
2. The Treason Wall
3. Atoma
4. The Science OF Noise
5. Forward Momentum
6. Terminus (Where Death Is Most Alive)
7. The Silence in Between
8. Clearing Skies
9. The Pitiless
10.Misery´s Crown

 

Und dann flog das Dach vom Orpheum. 

 

AMON AMARTH fuhren ein veritables Headlinersetdesign auf und zeigten, warum sie Headliner sind. Ich war nicht unbedingt begeistert vom aktuellen Album "Jomsviking", aber live sind die Schweden immer ein Garant für erstklassiges Entertainment. Stockholms Finest sind die ultimative Konsensband. Gerade noch hart genug um den Routinier, den ergrauten Veteranen auch zur Anwesenheit zu bringen, eingängig genug um auch älteren Semestern zu gefallen und nicht zu derb, um das Nova Rock-Publikum nicht zu vergraulen (vergrowlen). Das Bühnendesign ist üppig und, wenn das auch andere Stormbringer-Redakteure so sehen, kein Wikingerhelm mit Hörnern. Denn den gab es nicht, Frontriese Johan Hegg hat das selbst gesagt. Den Drumriser bildet so etwas wie eine Mischung aus Gesichtsmaske und Metallkrone mit zwei Riesenhörnern seitlich. Daneben noch ein paar Poserstufen. Zum Posen, nicht weil sie für Poser da sind. Es raucht, es wird elegisch feierlich und da sind sie auch schon. Eine der größten Melodic Death Metal-Gruppen im Genre geben sich wieder in Graz die Ehre.


AMON AMARTH

Man stelle sich nur den Luxus vor, einen Vortragabend mit "The Pursuit Of Vikings" beginnen zu können, einem der größten Hits von AMON AMARTH. Der Sound, welch Wunder, war auf einmal beinahe perfekt. Noch immer leicht basslastig und unausgewogen, aber im Vergleich zu den Vorbands eine völlig andere Klangwelt. Der anwesende Mob dankte es den fünf Musikern mit durchgehendem Auszucken. Man bedenke noch einmal, dass wir es hier mit einem Sonntagabend zu tun haben. Das änderte nichts an der kollektiven Ekstase, in die sich das Publikum bangte, sang und shoutete. Irgendein hopfenverblitzer Gimpel musste dann auch noch mehrmals "Heil Odin!" schreien. Ausgleichend dazu war ein höchstens 13-jähriger dermaßen entzückt, dass er zwischen allen Songs "Ihr seid cool!" gen Bühne schrie. Ich glaube, dass ihm dieses Konzert wohl auf immer und ewig in Erinnerung bleibt. Der Nachwuchs ist da, wenn man sich das Publikumsgemisch angeschaut hat, braucht man sich wohl um die Zukunft dieser, unserer, Musik, keine Sorgen machen.

Der Vierer mit Steuerhüne spielte 17 Songs aus beinahe allen Schaffensphasen. Hits, Hits, Hits. Nach "The Pursuit Of Vikings" fiel Loki, "Deceiver Of The Gods" ist live schon jetzt ein Klassiker, das Doppel "Destroyer Of The Universe" und "Death In Fire" beruhigte auch den Freund härterer Klänge und mit "Twilight Of The Thunder God" hat man wohl einen der besten Melodic-Death-Metal-Songs im Köcher. 

Das die Band cool bis zum geht nicht mehr ist, wissen wir. Charisma und Ausstrahlung ohne Ende. Das man trotzdem dazu noch ein wenig Schabernack trieb, zwei Wikinger mal mit Banner, mal mit Speer oder Pfeilbogen neben dem Drumriser voguen lies, oder Loki höchstselbst auf die Bühne schickte, ist natürlich heftigstes Klischee. Aber das ist Metal, Metal hat von Anfang an einen Fuß im Klischee gehabt und das ist schon gut so. So gab es immer wieder ein leichtes Schmunzeln, wenn die Löwingerbühne nordischer Provenienz aufgefahren wurde. Value for Money. Wir sind ja hier nicht bei einem Indie-Rock-Abend.

Was soll man groß sagen, AMON AMARTH sind die geborene Liveband. Es muss einem nicht alles gefallen, mir waren im zweiten Drittel ein paar gar langsame Nummern zuviel, die erste Zugabe "Raise your Horns" ist wohl eines der übelsten Lieder der Stockholmer, aber insgesamt gab es genug Klassiker die jeden, und ich meine wirklich jeden, also jeden, zufrieden nach Hause schickten. Dies geschah dann eben nach "Twilight Of The Thunder God". 

Fazit: Warum zwei Vorbands mitnehmen, wenn man ihnen keinen anständigen Sound geben kann/will? Das haben AMON AMARTH nicht nötig. Ansonsten war das, was der Hauptact derzeit macht, ganz großer Asphaltstocksport. 17 Songs, sympathisch und immer wieder mal mit brauchbarer Härte vorgetragen, dazu eine Produktion, die man ansonsten nur auf größeren Bühnen sieht. Passt.

Schön wars, heiß wars, schön heiß wars. 


AMON AMARTH

Setlist AMON AMARTH:

1.  The Pursuit Of Vikings
2.  As Loki Falls
3.  First Kill
4.  The Way Of Vikings
5.  At Dan´s First Light
6.  Cry Of the Black Birds
7.  Deceiver Of The Gods
8.  Tattered Banners And Bloody Flags
9.  Destroyer Of The Universe
10. Death In Fire
11. One Thousand Burning Arrows
12. Father Of The Wolf
13. Runes To My Memory
14. War Of The Gods
Zugaben:
15. Raise Your Horns
16. Guardians Of Asgaard
18. Twilight Of The Thunder God

 

Siegi und Mario werden auch erleichtert sein dass sich eine Tausendschaft an Metallern so brav benommen hat.

 

Licht aus im Rathaus und im Burschenschaftskeller. Noch einmal Glück gehabt.

Weiderind "Mizzi" wurde ebenfalls nicht gesprengt.

 


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