06.04.17, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

PARKWAY DRIVE & ASKING ALEXANDRIA & STICK TO YOUR GUNS

Text: Lisi Ruetz | Fotos: fg
Veröffentlicht am 12.04.2017

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Wenn die Klänge von PARKWAY DRIVE ertönen, hält meinereiner normalerweise die ein oder andere Hantel in der Hand und übt sich im High-Impact-Bereich. Core war allerdings noch nie in meinem Focus für Live-Erfahrungen – immerhin will man als Headbanger in Ruhe sein Haupthaar kreisen lassen und nicht ständig von allen Seiten Pit-technisch geschubst werden. Um mal ein paar Klischees in den Raum zu werfen. Was könnte also besser sein, sich gerade am eigenen Geburtstag in ein ebensolches Abenteuer zu stürzen, um sich und der Welt zu beweisen, dass man verdammt noch mal nicht zu alt für den Scheiß ist! 

STICK TO YOUR GUNS

Nach kurzer Absprache mit dem Herrn Fotografen, der das zweifelhafte Vergnügen haben würde, sich im schlimmsten Fall ganz vorne von der Pyro-Show grillen zu lassen, mischte ich mich also wagemutig in die Meute, wollte immerhin die Stimmung sprichwörtlich hautnah miterleben. Noch war die Halle erst halb gefüllt, als STICK TO YOUR GUNS als erste Anheizer für das große Highlight PARKWAY DRIVE ihr Set mit „Against them all“ lostraten. Dabei packten sie den ein oder anderen Fan schon mit den ersten Takten, Springen und Feiern in der Middle-Section vor der Bühne inbegriffen. Spätestens bei „Empty Heads“ war dann die Feierlaune der Meute angeheizt, die Menge vermehrte sich (auf nicht so ganz wundersame Weise) und STICK TO YOUR GUNS hüpften und schrien sich durch ihre kurzweilige Setlist, die es schaffte, die Halle ordentlich im Stimmung zu bringen, wenn auch noch nicht ins Übermäßige gepushed. Luft nach oben blieb durchaus. Solide Leistung allemal. 

SETLIST (ohne Gewähr) 

  • Against them all
  • Empty Heads
  • Nobody
  • What Choice did you give us?
  • We still believe
  • Such Pain
  • Universal Language
  • Amber


ASKING ALEXANDRIA

Leider hat die Vollbeschallung in der Umbaupause (wir sprechen hier definitiv nicht von lautstärkenreguliert, sondern eher von voll im Anschlag) mit diversen Nacktschnecken-Pop-Sternchen à la Miley Cyrus und Lady Gaga die gut getane Arbeit von STICK TO YOUR GUNS vollkommen zunichte gemacht. Gut, dass mit ASKING ALEXANDRIA eine Combo nachgeschoben werden konnte, die ihren Job versteht. Tatsächlich konnte die Truppe nach dem „Welcome“-Intro mit „Dear Insanity“ alles wieder ins rechte Licht rücken und mit brachialer Gewalt und fein abgestimmtem Sound (hier sei durchaus ein Lob an die Tontechnik ausgesprochen, die den ganzen Abend lang gute Arbeit geleistet hat) musikalisch über die Feierwütigen fegen. Die Energie und die Power waren wieder da, nicht zuletzt auch durch die bemerkenswerte stimmliche Leistung des Fronters, dessen vokale Gewalt – egal ob Screams oder clear – in Grund und Boden zu stampfen vermochte. Mal wieder eine Band, die auf CD nicht vollends zeigen kann, was sie live auf dem Kasten hat. Nach einem fulminant und sehr lohnend durchgeprügeltem Set blieb nun sehr viel Vorfreude auf die Hauptband – und nicht zuletzt ein wenig die Angst, dass die Umbaupause erneut ein Stimmungskiller sein würde. 

SETLIST (ohne Gewähr)

  • Welcome
  • Dear Insanity
  • To the Stage
  • Someone, Somewhere
  • The Death of Me
  • Moving On
  • The Road
  • Run Free
  • A Prophecy
  • Not the American Average


PARKWAY DRIVE

Glück gehabt. Düsseldorf, 21 Uhr. Die Stimmung hält. Die Halle ist pumpvoll, alles kocht und brodelt und hibbelt in freudiger Erwartung auf PARKWAY DRIVE vor sich hin. Gedränge startet, jeder will sich den besten Platz sichern und erneut scheine ich ein Schild an mir kleben zu haben: „Alle Hünen bitte direkt vor mich!“ Aber ich bleibe standhaft, will mir den Wahnsinn geben, der nun folgen würde. (Am Rande sei erwähnt, ich hasse Pits und habe mich in weiser Voraussicht schon so positioniert, dass ich von einem solchen nach Möglichkeit nicht einmal periphär tangiert würde). Und dann, mit einem Schlag, brach die Hölle los. Man möchte meinen, dass der Chant zu „Wild Days“ das nicht-multitasking-fähige Publikum genug einnahm (rhythmisch Klatschen stellt schon oft eine Herausforderung dar), doch weit gefehlt. Innerhalb von zwei Takten fand ich mich einige Meter neben der Spur wieder, das Pit hatte wohl doch woanders eingeschlagen, als ich kalkuliert hatte. Die ersten Crowd-Surfer zwirbelten herum oder verschwanden Kopf voran zwischen unachtsamen Feierwütigen. Selten habe ich eine so stimmgewaltige Meute gehört und solchen Antrieb bis in die äußersten Reihen der Halle miterlebt – wo man es sich sonst oft noch etwas gemütlicher machen kann. Doch nicht hier. Klar war allerdings sofort: Das Training mit Hanteln würde nur einen Bruchteil des Trainingseffekts eines einzigen durchgefeierten Live-Konzerts dieses Kalibers liefern. Aber das war nun ohnehin alles egal. Gehirn ausgeschaltet und vollkommen freigeblasen ließ ich mich einfach mitreißen und genoss und feierte PARKWAY DRIVE, wie sie es verdienten. Die Show war wie ein Strom von Energie, dem man nicht entkommen konnte und gespickt mit sehr sympathischen Ansagen. Nicht zuletzt beeindruckte auch das Drum-Solo in einem sich drehenden Gerüst, in welches man den Drummer wohl hineingetackert hatte. Aber wer kann seine Rhythmen schon kopfüber problemlos ausführen? Er schon! Zwischendurch wurde noch mit „Bulls on Parade“ ein großartig gecoverter RAGE AGAINST THE MACHINE-Track hineingesäbelt. Jedenfalls haben PARKWAY DRIVE durch eine absolut einmalige Leistung, kombiniert mit einer gewaltigen Licht- und Pyro-Show und explosionsartiger Energie sprichwörtlich das Dach weggerissen. Nicht zuletzt war die Meute außer Rand und Band, nahm die brachiale Power der Australier einfach auf und führte pflichtbewusst aus, was ihr musikalisch diktiert wurde. Eine Vernichtungsparty der Sonderklasse. Der Rest der Halle wurde schlussendlich mit den beiden Zugaben „Crushed“ und „Bottom Feeder“ in allen Grundfesten erschüttert und ließ nichts mehr zurück als feinen Staub und eine Crowd, die notgedrungen nach getaner Arbeit aus der Halle strömte, glücklich, sprachlos, und bereit für mehr. Die Halle brauchte dringend ein wenig Zeit, um sich von der Abrissparty zu regenerieren. Und ich? Meinereiner wurde vom Zündstoff von PARKWAY DRIVE von den Zehennägeln bis in die Haarspitzen gepackt. Grandiose Show der Australier mit guten Vorglüh-Kombos. Experiment Core-Party gelungen, Patient quicklebendig und hat noch lange nicht genug! Macht Lust auf mehr! 

SETLIST (ohne Gewähr)

  • Wide Eyes
  • Carrion
  • Dedicated
  • Vice Grip
  • Karma
  • Sleepwalker
  • Dark Days
  • Destroyer
  • Boneyards
  • Writings on the Walls
  • Idols and Anchors
  • Bulls on Parade (Rage against the Maschine-Cover)
  • Swing
  • Crushed
  • Bottom Feeder

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