08.04.2017, OKH, Vöcklabruck

Metalnight Outbreak OKH Vol.2

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 14.04.2017

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Der Berichterstatter begibt sich erneut zurück an die Stätte seiner Geburt – wortwörtlich. Lärmten beim letzten Besuch im OKH Vöcklabruck (vormals ein Krankenhaus, in welchem das kleine Stormbringer-Schreiberlein das Licht der Welt erblickte) noch herzig bemalte Schwarzwurzelbands, so gab es an diesem lauen Wochenende vor Ostern ein dickes Paket an Core-Bands in die Kauleiste geschmettert. Durch das schöne Wetter und die großzügige Außenanlage (war vor einigen Jahren Teil der OÖ Landesgartenschau) ließen sich die Besucher ein wenig bitten, ins Allerheiligste vorzudringen, doch es musste keine Band vor leerer Halle spielen. Für das fußlahme kleine Antha gab es sogar einen bereitgestellten Sessel vor der Bühne, mit dem der Fotografenpflicht ohne große Anstrengung nachgegangen werden konnte – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Veranstalter! Legendär!

UPON THY WAVES
Core mit Synthie-Parts? Geht das? Aber klar doch! UPON THY WAVES machten es vor und zogen den lockeren Zuschauerreihen gleich einmal den ersten Scheitel des Tages. Dabei waren die Vier relativ kurzfristig für DREAM X AWAKE eingesprungen, die ihren Auftritt leider absagen mussten, da sich der Schlagzeuger beide Arme gebrochen hatte. (Gute Besserung an dieser Stelle!) Die junge Truppe bestach mit eher verspielten Songs und großem Einsatz, für den sie auch mit amtlichem Applaus belohnt wurden, und einem Bassisten, der sich auch gleichzeitig als Keyboarder verdingte. Das sieht man auch nicht alle Tage!

Der bereits etwas verspätete Beginn klärte sich in der Folge schnell auf – auch BEYOND INFINITY mussten ihren Auftritt leider absagen, wodurch das straffe Programm von zehn Bands etwas ausgedünnt wurde und der Abend damit etwas lockerer und weniger dicht gedrängt wirkte.

DAZE AFFECT
„It's Going To Get Worse“ behaupten DAZE AFFECT aus Mondsee, und setzten das begonnene Werk nahtlos fort. Ein starker, oftmals melodischer, aber dennoch amtlich arschtretender Bastard aus Hardcore und Metalcore prasselte auf das Publikum ein, das sogleich den ersten Circlepit des Abends ablieferte. Shouter Andi punktete mit witzigen Ansagen und Ausflügen ins Publikum, bei denen die Besucher aktiv an der Gestaltung des Gesamtsoundes mitwirken durften – mit mal mehr, mal weniger Erfolg. Weshalb der Schlagzeuger während des Gigs sein halbes Equipment, namentlich Becken und sogar Monitorbox, vom Drumriser prügelte, konnte nicht eruiert werden. Leute, abgebaut wird nach der Show, nicht schon währenddessen! Ein Späßchen in Ehren – hoffentlich ist bei den Abstürzen vom zugegeben etwas wackligen Podest nichts kaputtgegangen! Die einzigen Kollateralschäden gab es wohl durch das amtliche Core-Brett, das den Zuhörern von DAZE AFFECT mit Vehemenz über den Schädel gezogen wurde.

THE MORPHEAN
It's Brüllwürfel-Time! Nachdem die fünf Oberösterreicher diese Bezeichnung ihres Sängers vom hiesigen Rezensenten zu goutieren schienen (zur Nachlese), darf sie natürlich auch in dieser ersten Live-Abhandlung von THE MORPHEAN nicht fehlen! Gab es zuvor Bretter auf das Köpfchen, so wurde nun die Abrissbirne in Form von höllisch starkem Melodic Death Metal mit dezentem Core- und Progressive-Einschlag ausgepackt. In stimmungsvollem Nebel holzten sich die Fünf durch ein knackiges Set und offenbarten dabei hohe Spielfreude und großen Spaßfaktor auf der Bühne. Session-Schlagzeuger Matthias war für den Gig sogar eigens aus Wien angereist, um seinen Mitmusikern ordentlich die Hölle heiß zu machen. Ein fulminanter Auftritt einer enorm starken Band, die vor allem durch stimmungsvolles Liedgut und variantenreiche Vocals beeindrucken konnte – der Lieblingsbrüllwürfel des Berichterstatters konnte sich nun auch live in das Herz desselben schreien. Daumen hoch!

BEFORE WE GET BURIED
Schlagzeuger scheinen derzeit gefährlich zu leben, mussten doch auch BEFORE WE GET BURIED ihren Prügelknaben wegen eines Armbruchs vorgeben und ihren Auftritt mit Ersatzmann am Schlagwerk bestreiten. Musikalisch präsentierte sich die, wie so viele Bands des Abends, aus Oberösterreich stammende Truppe solide, mit stimmlich äußerst präsentem Shouter, der auch durch einen kleinen Stunt infolge eines Sturzes über die Monitorbox für Aufmerksamkeit sorgte. Etwas weniger gut gelungen leider die Clean Vocals des Bassisten, die streckenweise neben der Tonspur des Songs abliefen, sodass man eine Verkühlung oder Probleme mit dem Monitoring vermuten konnte. Die amtlich eskalierenden Zuseher ließen sich davon aber nicht beeindrucken und vollführten in der Halle zu den Klängen von BEFORE WE GET BURIED mit Hingabe ihre abendlichen Turnübungen.

CALL THE MOTHERSHIP
Was dann kam war... überraschend. War der Berichterstatter bisher mit CALL THE MOTHERSHIP lediglich über das Lektorat von Kollegen Seidingers Review zu „Of Dark Matter And Ascension“ in Berührung gekommen, so zog es einem zu der Live-Performance der sechs Raumfahrer aus den Weiten des österreichischen Musikkosmos' schier das Höschen aus. Das machte aber nichts, konnte man sich doch bei Verlust des Kleidungsstückes aufgrund des beeindruckenden Auftrittes doch am Merchandise postwendend mit Groove-Pants der Marke CALL THE MOTHERSHIP eindecken. Apropos Verlust: Der wacklige Drumriser sorgte dafür, dass auch hier ein Beckenständer der Schwerkraft nachgeben musste.

Ultrafetter Sound (Ok, vielleicht hätte es eine Lautstärkestufe weniger auch getan...), zwei grandiose Shouter und wunderbare Gitarrenmelodien gepaart mit einem derartigen Arschtritt, dass es einem schier die Beißerchen aus der Kauleiste haute – was für einen Abriss knallte diese Truppe den Leuten da um die Ohren! Das Publikum ging von den ersten Takten an steil, schraubte sich zu den härteren Parts in den verspielten, oft progressiven, aber enorm durchdachten Titeln schier die Schädel ab und skandierte begeistert „Call the ship, call the ship!“. Die hartnäckigen Zugaberufe mussten dann aber aufgrund des straffen Zeitplans leider ungehört verhallen, doch CALL THE MOTHERSHIP ließen ein rundum zufriedenes Publikum zurück, sowie einen schwer beeindruckten Schreiberling, der sich an dieser Stelle fragte, ob dieser Auftritt wohl noch zu toppen war. Bist. Du. Fertig.

DEATH RISING
Eines gleich vorweg: toppen konnten DEATH RISING die Atmosphäre ihrer Vorgänger nicht – aber mithalten konnten sie allemal! Das „Pink Fluffy Unicorns“-Intro ließ schon erahnen wohin die Reise gehen sollte – nämlich hin zu einer tödlichen Walze aus deftigem Death/Thrash! Mit der vollen Besetzung mit zwei Gitarristen (bei der letzten Begegnung am MNO 5 in der Kitzmantelfabrik hätten die Laakirchner beinahe einen Gitarrero an den tödlichen Männerschnupfen verloren) ratterten DEATH RISING wie ein Maschinengewehr aus den Boxen und hämmerten ihre mitreißenden Songs mit der Brutalität eines Bolzenschussgeräts ins Stammhirn der Anwesenden. Die fetten Walzen zündeten bei den Anwesenden, von denen gar viele den Haarpropeller anwarfen, ohne Umschweife und die vielen Scherze der Musiker untereinander sorgten für lockere Stimmung und eine hochsympathische Attitüde. Es ist immer wieder erfrischend zu sehen, dass auch solch „böses“ Material so augenzwinkernd und humorvoll vorgetragen werden kann – bitte dringend noch mehr davon, selbst wenn die lauten Zugaberufe auch hier wieder verhallen mussten. Der Zeitplan eben...

PAIN IS
Nach all dem Krawall tat es gut, nun ein wenig gelöstere Klänge zu vernehmen, vom steirisch/kärntnerischen Vierer PAIN IS. Die Herren und Dame konnten mit starkem Schwermetall moderner Prägung überzeugen und fielen beim Publikum auf fruchtbaren Boden. Vor allem optisch hoben sich PAIN IS, ähnlich wie bereits CALL THE MOTHERSHIP zuvor, deutlich von den übrigen Kollegen des Abends ab – doch nicht im räudigen Endzeit-Sektor, sondern mehr im eleganteren Bereich. Dafür erwiesen sich die Kontaktlinsen des Gitarristen als extra-gruselig – sieht man mit den Dingern überhaupt etwas? Doch PAIN IS konnten nicht nur optisch, sondern auch musikalisch auf voller Länge beeindrucken, wie die euphorischen Reaktionen der Zuseher zeigten.

CROSSING EDGE
Die Stammgäste am Metalnight Outbreak, CROSSING EDGE, entschuldigten sich im Vorfeld gleich einmal dafür solches, verglichen mit anderen Bands des Abends, „Pussy-Material“ zu spielen. Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel Herrschaften, der angecorete Powermetal mit Prog-Einschlägen kann schon etwas! Trotzdem einige Zuseher Ausfallserscheinungen zeigten (war immerhin ein langer Tag, aber ob Heizungsleitungen nun so ein gutes Kopfpolster hergeben und der Hallenboden ein adäquates Plätzchen für ein Nickerchen ist, sei mal dahingestellt...) ließen CROSSING EDGE nichts anbrennen und brachten das Publikum ordentlich in Wallung. Vor allem bei den Coverversionen (TRIVIUMs Hymne „In Waves“ und der HAMMERFALL-Klassiker „Hearts On Fire“) herrschten hoher Mitsingfaktor und Partystimmung – was die Band zum Anlass nahm, sich zu fragen, ob sie denn gänzlich auf Coverversionen umstellen sollten. Definitiv: Nein! Wenn auch die eigenen Titel wie „Breakout“ hart abgefeiert werden, dann macht man alles richtig!

AS GOD CREATED
Zum Abschluss gab es dann noch einmal eine ordentliche Ladung Thrashcore auf den Teller, großzügig mit Todesmetall gewürzt. Wessen Kopf zu diesem Zeitpunkt des Abends noch unbeschädigt auf den Schultern verweilte, der zerbeulte sich die Birne im Riffgewitter der Herren aus Regau sodann umso gründlicher. Kaum zu glauben, dass das Publikum zu so später Stunde noch so viel Energie mobilisieren konnte, um zu AS GOD CREATED so dermaßen zu eskalieren. Die Abrissbirnen die hier ins Auditorium geschwungen wurden (ein Kompliment für die noch immer große Anzahl an Unentwegten!) ließen den Schluss zu, dass das OKH am nächsten Tag in Schutt und Asche liegen musste und die Anwohner ob des infernalischen Krawalls fluchtartig ihre Wohnungen verlassen und verstört auf der Straße herumirren würden. Doch nichts dergleichen trat ein – der Schallschutz nach außen tat seinen Dienst, während innen AS GOD CREATED den Anwesenden gründlich die Fresse polierten, ehe sie einen reichlich zerstörten, aber glücklichen Haufen an Besuchern wahlweise in die Nacht oder die Aftershow-Party am Barbereich entließen.


Das OKH überstand die mehrstündige Beschallung mit teils ziemlich brutalen Klängen somit ziemlich gut – der Berichterstatter ebenfalls, wenngleich auch der bereits lädierte Fuß in der Folge vehement Aufmerksamkeit einforderte. Trotz des Zwickens und des Zwackens und des für Zuseher vermutlich seltsamen Anblicks eines sitzenden Fotografens mit gequältem Blick, konnte die Expedition zur zweiten Ausgabe des Metalnight Outbreak in Vöcklabruck nur als voller Erfolg verbucht werden. Bis auf die fehlende Verpflegung mit Leberkäse gab es kaum Kritikpunkte, höchstens noch die vergleichsweise hohe Anzahl an Bands für ein Tagesevent – das kleine Schreiberlein wird leider auch nicht jünger und knackiger... Grauhaarig, fußlahm – vielleicht sollte zum nächsten Event gleich ein Rollator eingepackt werden.

Eine erweiterte Galerie gibt es in Kürze bei Images Of Pain And Pleasure.


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