15.04.2017, Backstage (All Area), München

Dark Easter Metal Meeting 2017 - Tag 1

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 21.04.2017

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Und da wären wir also nun. Zur Überraschung aller, wieder einmal im zweiten Wohnzimmer, dem Backstage München, und, da das süße Osterhoppelhäschen mit seinen bunt bemalten Eiern vor der Türe steht, der geeichte Schwermetaller riecht es schon: Das Dark Easter Metal Meeting geht in eine weitere Runde! Zur unchristlichen Feier des fröhlichen Eierzerschmetterns und Osterhasenschändens, dieses Mal sogar ausgedehnt auf ganze zwei Tage. Da bleibt wahrlich kein Wunsch mehr unerfüllt, kein Auge mehr trocken und kein Hoppelhäschen ungeschlachtet, angesichts zweier Tage voller Dröhnung an Extreme-Metal auf drei, beziehungsweise zwei Bühnen.

Am Auftakttag des Festivals, dem Karsamstag, ging man es mit zwei abwechselnd bespielten Bühnen (Backstage Halle und Club – zusätzlich geöffnet auch die Werkstatt mit allen Merchständen und die Bar mit Signierstunden einiger Bands von unseren Kollegen von Metal1.info) noch etwas ruhiger an. Allerdings nur was Anzahl der Bands und Länge des Programms anging – musikalisch wurde dafür umso heftiger drauflos geprügelt. Zwischen Pandabemalung, Blut & Gedärm und todbringenden Riffungetümen präsentierte sich das Dark Easter Metal Meeting 2017, dank erneutem Ausverkauft-Schildchen an der Abendkassa, so voll wie nie. Vermutlich lag es am eher mäßigen Wetter, welches die Besucher mit nasskaltem Wetter in die Innenräume spülte, dass sowohl Club als auch Halle bereits zu den ersten Bands des Abends aus allen Nähten platzten.
 

AVSLUT jedenfalls hatten nichts dagegen, gleich als erste Band des Festivals vor voller Kulisse spielen zu können. Zwar taten sich die Besucher einigermaßen schwer, die relativ nuschelnd vorgetragenen Ansagen des Sängers zu verstehen und reagierten darob oftmals mit verwirrtem Schweigen anstatt pflichtschuldigem Jubel, doch die Schweden ließen sich davon nicht beirren und zogen der Meute gleich den ersten Scheitel des Tages. Mit ihrem geradlinigen, klassischen Black Metal zum ersten Mal in München zu Gast konnten AVSLUT das Publikum schnell auf ihre Seite ziehen und die Gemüter ordentlich in Wallung bringen.
 

Überraschung – auch in der Halle stapeln sich zur dortigen ersten Band IMPERIUM DEKANDEZ bereits die Besucher. Und, zweite Überraschung, weshalb sind die Deutschen schon so früh im Billing platziert? Die anwesende Meute in der rappelvollen Halle störte dies aber keineswegs, ging sie doch vollkommen in den atmosphärischen Kompositionen von IMPERIUM DEKADENZ auf, die zwischen ausladender Epik und düster-morbidem Breitwandsound eine nahezu majestätische Soundwand kreierten. Einzig der deutlich zu laute Sound erwies sich für den erhabenen, melancholisch-frostigen Black Metal als wenig zuträglich, da er der Darbietung von IMPERIUM DEKADENZ ein wenig ihrer träumerischen Vielschichtigkeit raubte. Dennoch konnten die Deutschen bereits am frühen Abend ein erstes Highlight des Festivals setzen!
 

Hatten die hernach im Club aufgeigenden GILGAMESH bei der letzten Begegnung des Berichterstatters in Salzburg noch unter der damaligen schlechten Soundqualität und technischen Problemen gelitten, so holten sie an diesem Abend einfach alles nach, was zum damaligen Zeitpunkt schief gegangen war. Kristallklarer Sound, authentische, mitreißende Performance, die durch stimmige Bühnenoutfits unterstützt wurde und breitwandiger Sound mit ausladenden Songstrukturen – GILGAMESH konnten mit ihren melodischen Gitarrenläufen und ähnlicher Atmosphäre wie zuvor in der Halle auf voller Länge punkten. Da war es nicht weiter verwunderlich, dass eine Jubelwelle durch den aus allen Nähten platzenden Gig brandete, die den starken Auftritt von GILGAMESH würdig honorierte.
 

Und wieder zurück in die Halle, wo DESERTED FEAR im Anschluss ihr Zerstörungswerk begannen. So wie sich die Thüringer gerade auf dem aufsteigenden Ast befinden, war es nicht weiter verwunderlich, mit welcher Macht und Spielfreude sie über das Publikum hereinbrachen. Fettester Todesmetall brandete über die Anwesenden hinweg, die in der Halle mit wirbelnden Haaren fleißig ihre Nackenwirbel sortierten. Die ein oder andere Halswirbelsäule dürfte während des brutal starken Auftritts von DESERTED FEAR wohl durcheinander geraten sein, was aber anhand des einnehmenden Abrisses der Truppe nicht weiter verwunderlich war. Der tosende Applaus in der erneut bis zum Bersten gefüllten Halle war den Dreien sicher!
 

Im Club schlugen anschließend OUTRE mit ihrer eigenen Nebelmaschine auf, die zusätzlich zum Räucherwerk des Hauses aufgestellt worden war. Nebelten die Polen bereits im Vorjahr zur gleichen Zeit das Publikum ein, so konnte auch dieses Jahr keine Veränderung verortet werden. Klarer, transparenter Sound (wieso bekam man das drüben in der notorisch zu laut eingestellten Halle eigentlich nicht hin?), geradliniger, klassischer Schwarzmetall ohne Überraschung oder Innovationen – stumpf mit dem Vorschlaghammer in den Denkapparat. Feinstes, abgrundtief böses Gerumpel für Freunde der nihilistischen Klänge; entsprechend viele hatten sich auch für OUTRE im Club eingefunden, um den Polen im Nebelinferno zu huldigen. Doch im Vergleich zu dem was DESERTED FEAR kurz zuvor in der Halle entfesselt hatten, wirkten OUTRE dann doch eher bieder.
 

In eine ähnliche Schiene schlugen gegenüber in der Halle RAVENCULT, die ein Blastbeat-Gewitter der nihilistischen Sorte entfachten, aber neben klassisch-knackigem Black Metal schon deutlich in den Thrash-Bereich übergriffen. Mit erneut lautem und matschigem Sound stellten die Hellenen die Trommelfelle der Zuseher mit Highspeed-Dauerfeuer auf eine ordentliche Belastungsprobe. Fliegende Haare und gen Hallendecke gereckte Fäuste im dicht gedrängten Publikumsrund sprachen eine deutliche Sprache, wie gut RAVENCULT am Dark Easter Metal Meeting ankamen. Das was die Griechen da ablieferten war einfach nur noch musikalische Zerstörung in Reinkultur, rotzig, räudig und mit mörderischem Arschtritt, der auch noch dem letzten Besucher klarmachte, dass das plüschige Osterhoppelhäschen keinerlei Überlebenschance hatte.
 

Zurück im Club wurde wieder Publikum gestapelt, als die norwegischen Teufelsanbeter von SARKOM sich anschickten, das brechend volle Rund (auch auf der dortigen, ebenfalls für die Zuseher geöffneten Galerie stand man dicht an dicht) zu zerstören. Norwegischer Black Metal, aus dem Erfinderland, bluttriefend, hasserfüllt und wuchtig – mehr brauchte man als Besucher des finsteren Osterfestes auch gar nicht zu wissen, um sich auf eine kuschelig satanische Atmosphäre freuen zu können. Entsprechend gaben die Norweger auch Vollgas und prügelten den Anwesenden ihre Hassbatzen um die Ohren, dass es eine Freude war. Ob garstig-schleppend oder in rasenden Blastbeat-Attacken – SARKOM konnten den schwarzmetallgeschwängerten Tag im Club mehr als würdig abschließen.
 

Höhepunkt und Abschluss des ersten Tages zugleich waren die in der Halle aufgeigenden MEMORIAM, die sich aus der Asche von BOLT THROWER und BENEDICTION erhoben haben. Treibender, räudiger Death Metal mit Kriegsthemen, importiert vom Debütalbum „For The Fallen“ und den „Hellfire Demos“ (die am Merchstand in kleiner Auflage als signierte Picture Discs feilgeboten wurden) – mehr brauchte es nicht, um die Meute glücklich zu machen! Wenn, ja wenn der laute und zum Übersteuern neigende Sound nicht die unbarmherzig schiebende Darbietung von Karl Willets und seinen Mannen geschmälert hätte. Der räudige Sound der alten Schule, der bewusst das Proberaumfeeling hervorkramt, mag seinen Charme haben und hebt sich auch angenehm von poliertem, sterilem Sound manch anderer Kapellen ab – doch einen derartigen profillosen Matsch hatten die auf der Bühne sichtlich motivierten und mit Spaß an der Sache agierenden MEMORIAM wirklich nicht verdient. Dem durch die Dauerbeschallung vermutlich ohnehin bereits kurz vor der Vertaubung stehenden Publikum war's egal – es zerstörte sich zu dem rollenden Irrsinn in Vollkommenheit.
 

Hernach spie das Backstage eine Masse an bedienten, zerstörten und voll der tiefschwarzen Glückseligkeit triefenden Personen auf den Rinnstein in die nasskalte Nacht. Eine formlose Masse an Anhängern der Finsternis zerstreute sich – so sie nicht der Aftershow-Annihilation beiwohnten – in der Dunkelheit, mit dem festen Willen anderntags, in welchem Zustand auch immer, zurückzukehren, um das begonnene österliche Zerstörungswerk auf allen drei Bühnen und mit noch mehr Bands zu vollenden. Die herumhoppelnden wilden Stadtkaninchen unweit des Backstage-Geländes erfreuten sich derweilen noch ihrer Lebendigkeit – es stellte sich nur noch die Frage, wie lange...

Eine erweiterte Fotogalerie des ersten Festivaltages findet ihr in Kürze bei Images Of Pain And Pleasure.


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