17.04.2017, Explosiv, Graz

Scorn Across Europe - PILLORIAN & VALBORG & FÄULNIS & HARAKIRI FOR THE SKY

Veröffentlicht am 26.04.2017

Am 17.04.2017 fand im Explosiv in Graz im Rahmen der PILLORIAN-Tour „Scorn Across Europe“ ein Konzert des Headliners PILLORIAN statt, welcher von VALBORG und FÄULNIS aus Deutschland sowie HARAKIRI FOR THE SKY aus Österreich begleitet wurde.

PILLORIAN haben vor allem dadurch noch vor ihrem kürzlich erschienenen Debüt-Album „Obsidan Arc“ von sich reden gemacht, dass sie im letzten Jahr von John Haughm verhältnismäßig kurz nach der Auflösung von AGALLOCH gegründet wurden.

VALBORG sind zusammen mit den Amerikanern auf diese Tour gegangen, welche fast den gesamten April andauert. Dabei haben sie ihr neues Album „Endstrand“ im Gepäck, auf welchem sie weiter ihren minimalistischen, rohen, doomigen Kurs verfeinern.

FÄULNIS haben kürzlich ihr neues Album „Antikult“ veröffentlicht und sind bekannt für den punkig angehauchten Black Metal, welchen Frontmann Seuche seit etlichen Jahren zelebriert, wobei er live vor allem für seine energiegeladene Bühnenpräsenz bekannt ist.

HARAKIRI FOR THE SKY wiederum haben seit 2012 drei Alben rausgebracht, mit welchen sie sich als eine Speerspitze des österreichischen Post-Black Metals etablieren konnten.

Im Vorfeld des Konzertes konnte ich mit Florian Toyka von VALBORG ein Interview über sein anderes Projekt KLABAUTAMANN führen. Danach hatte ich eine Stunde Zeit, um mir die bislang unbekannte Location genauer anzusehen. Dabei fiel mir vor allem das geräumige, gemütliche und saubere Innere des Merchandise- und Barbereichs positiv auf, zudem war der Einlass ziemlich entspannt. Die Getränkepreise und –auswahl empfand ich ebenfalls als positiv erwähnenswert.

Um etwa 19:30 öffneten sich dann die Tore der angeschlossenen Konzerthalle, welche überraschend geräumig war. Ich hatte mir das Ganze wesentlich kuscheliger vorgestellt, weswegen die Räumlichkeit eine weitere positive Überraschung darstellte.

 

Weniger später, als erst etwa 20 bis 30 Personen eingetrudelt waren, begannen dann auch schon VALBORG ihre Show. Nur mit einer Gitarre, Bass und Schlagzeug ausgerüstet, erzeugten die Bonner einen erstaunlich dichten und drückenden Sound, bei dem man vor allem die Bass Drum im eigenen Brustkorb wummern spüren konnte. Dazu waren Bass und Gitarre gut hörbar, auch wenn es nicht allzu viel Melodie zu hören gab, da vor allem die neue Scheibe von VALBORG doch weitaus mehr aus monotonem Rhythmus denn aus Melodie besteht. Wenngleich ich auf Platte mit den letzten stilistischen Ausrichtungen nicht so wirklich viel anfangen konnte, da mir dazu ein wenig der Zugang fehlt, so war ich doch ob dieser Livepräsenz und der Energie, mit der das Ganze einherkam, schnell mitgerissen und fasziniert. Das lag mit Gewissheit auch am inbrünstig vorgetragenen, verhältnismäßig vielseitigen Gesang, welchen Bassist Jan Buckard und Gitarrist Christian Kolf sich teilen.
Allmählich füllte sich die Halle auch etwas mehr, obwohl einige Leute mit der Musik nicht allzu viel anfangen konnten und wieder gingen („Da ist ja gar keine Melodie…“). Aber das kann man ob der eigenwilligen Ausrichtung auch bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Mir gefiel es in jedem Falle sehr gut, weshalb ich mir fest vorgenommen habe, den letzten beiden Alben nochmal eine Chance zu geben und VALBORG bei Gelegenheit wieder live anzuschauen.

Nach einer kurzen Pause, welche noch gemütlich zum Getränkenachschub genutzt werden konnte, machten sich nun FÄULNIS ans Werk, mit deren Musik ich durch die letzten beiden Alben „Snuff II Hiroshima“ und „Antikult“ (zum Review geht's hier!) am besten vertraut war. Daher erwartete ich die Darbietung mit einer gewissen Spannung. Da Mastermind Seuche sich live nur auf den Gesang konzentriert, hat er sich zwei Gitarristen, einen Bassisten und einen Schlagzeuger mit ins Boot geholt, welche sämtlich verhältnismäßig jung aussahen. Seuche selbst betrat zunächst in einer Art Sakko (kenne mich da nicht aus) die Bühne, wodurch er überraschend ordentlich aussah. Das änderte sich allerdings schnell, als er die Oberkleidung ablegte, worunter eine Art Unterhemd und Hosenträger zum Vorschein kamen, zwischen welchen sich ein ordentlicher Bauch hervorquetschte, welcher verstehen ließ, wieso er bei metal1.info im Profil als „Biertrinker“ geführt wird. Alles in allem reihte er sich damit recht gut in das Bild ein, welches er mit seinen letzten Alben, den Texten und deren (Anti-)Ästhetik vermitteln konnte.
Aber nun zur Musik! Die Setlist war eine Mischung aus allen drei Alben, aber auch ein Lied von der EP "Kommando Thanatos" wurde gespielt, soweit ich das mitbekommen habe. Drei Lieder vom aktuellen Album „Antikult“ (die ersten drei Songs der Scheibe) sowie etwa ebenso viele von „Snuff II Hiroshima“ waren dabei. Musikalisch wurde eine durchaus solide Leistung erbracht, beide Gitarristen wirkten sehr souverän, die Melodien waren durchaus hörbar, alles kam mit ordentlichem Druck rüber. Und nach dem ersten Lied, nach welchem Seuche etwas Werbung für Ottakringer Bier machte, mit welchem er sich anscheinend bei der letzten Tour mit HARAKIRI FOR THE SKY angefreundet hatte, war auch der Gesang von der Lautstärke her ordentlich eingepegelt. Seuche schien während des gesamten Auftritts unter Strom zu stehen, was sich vor allem dann zeigte, wenn er nicht singen musste, wobei er dann auf der Bühne unruhig umher lief wie ein Tiger auf Speed im Käfig. Das passte gut zu den emotionalen gesanglichen Einlagen und dem häufigen Animieren des Publikums, wohingegen es mit den sympathisch-humoristischen Ansagen eher kontrastierte. In jedem Falle riss mich die Musik spätestens bei „Weil wegen Verachtung“ mit, sodass ich die Texte lautstark mitsang und -schrie, wovon ich selbst ein wenig überrascht war. Daher fand ich es lediglich schade, dass das Set nicht länger war und zudem mein absoluter Favorit, „Paranoia“, nicht gespielt wurde. Aber der Zeitplan war in der Tat etwas eng, da die Bands um 19:30 begonnen hatten und schon um 23 Uhr Schluss sein sollte. Also war nach dem Auftritt nicht allzu viel Zeit, bis sich HARAKIRI FOR THE SKY ans Werk machten.

Mit jenen hatte ich mich im Vorfeld nicht wirklich befasst, nur vor Jahren einmal in „Aokigahara“ reingehört, was vor allem daran liegt, dass ich mit den meisten Post-Black-Kapellen nicht wirklich viel anfangen kann. Daher wollte ich mich mal davon überraschen lassen, was diese Wiener/Salzburger Band so zu bieten hat. Das Line-up bestand wie bei FÄULNIS aus zwei Gitarristen, einem Bassisten, Schlagzeuger und dem Sänger, welcher durch Statur und Auftreten eine gute Bühnenpräsenz hatte. Die mehrheitlich recht langen Lieder waren eingängig und vielseitig, wobei mich vor allem die von der Doublebass getragenen Passagen zum Headbangen animierten. Der mehrheitlich geshoutete Gesang war durchaus solide, etwas mehr Abwechslung hätte da meiner Meinung nach aber gut getan, was mir auch schon beim damaligen Hören von „Aokigahara“ aufgefallen war und mich allgemein bei Post-Black-Bands stört, weswegen ich mir z.B. DEAFHEAVEN auch nicht wirklich anhören kann.
Musikalisch gesehen waren beim Auftritt etliche mitreißende Passagen dabei, allerdings fand ich den Sound doch ein wenig undifferenziert, wobei vor allem die Leadgitarre etwas unterging, was angesichts der Wichtigkeit der Melodieführung bei dieser Musik etwas schade war. Daran konnte ich auch durch mehrfache Positionswechsel im mittlerweile recht gut gefüllten Saal nichts ändern, sodass ich letztlich nur so halb begeistert war und mich an Florian Toykas im Interview getätigte Aussage erinnerte, Black Metal klinge live meistens scheiße. Den Großteil des Publikums schien dies allerdings nicht zu stören, aber meiner Beobachtung nach waren doch etliche Leute hauptsächlich wegen HARAKIRI FOR THE SKY angereist, weswegen wohl die meisten schon mit der Musik vertraut waren. Die Zuschauer waren also zum Großteil begeistert, und ich nahm mir vor, mir das Ganze auf Platte auch nochmal anzuhören.

Nachfolgend wartete ich gespannt auf PILLORIAN, von denen ich im Vorfeld nur einen Song des Debüt-Albums angehört hatte. Da ich AGALLOCH bis zur „Marrow of the Spirit“ absolut klasse fand und sie auch weiterhin immer mal wieder höre, war ich ob der etwas unschönen Trennung im letzten Jahr ein wenig enttäuscht gewesen, weswegen ich wusste, dass ich mir das Album auch nicht gerade unvoreingenommen hätte anhören können. Daher wollte ich mich erst einmal live davon überraschen lassen. Allerdings erwies sich das als kein so geschicktes Manöver, da das erwähnte Problem mit den Leadmelodien auch bei PILLORIAN bestand, sodass ich vor allem aufgrund der recht starken Ausrichtung am Black Metal nur mit Mühe die einzelnen Spuren ausmachen konnte und mir insgesamt alles recht verwaschen vorkam.
John Haughm spielte Rhythmus-Gitarre und sang, wobei er aber vor allem seinen kehligen Black Metal-Gesang hören ließ, und nur selten einmal die für AGALLOCH so charakteristische Klarstimme zur Geltung kam. Daran gibt es zwar per se nichts zu kritisieren, allerdings konnte mich die wirklich starke schwarzmetallische Ausrichtung nicht wirklich überzeugen, was natürlich auch dem Sound geschuldet sein kann. Aber mich beschlich der Eindruck, dass diese Musik nicht wirklich etwas Neues darstellt, wenn man sie so mit dem vergleicht, was beispielsweise in den letzten zehn Jahren an Black Metal aus den USA gekommen ist. Aber dennoch werde ich mir das Album mal geben, bevor ich da voreilige Schlüsse ziehe. Allerdings schien nicht nur ich diesen Eindruck zu haben, da doch recht viele Leute vor allem aus dem hinteren Bereich den Saal vorzeitig verließen, um lieber noch draußen zu plaudern und ein Bierchen zu zischen. So verließ denn auch ich den Veranstaltungsort mit etwas gemischten Gefühlen.

Rückblickend hat sich der Konzertbesuch aber definitiv gelohnt, vor allem FÄULNIS und VALBORG konnten mich dabei überzeugen. Weiterhin wird mir das Explosiv Graz als angenehmer, lässiger Veranstaltungsort in Erinnerung bleiben, den ich gewiss wieder einmal aufsuchen werde.


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: KREATOR - London Apocalypticon
ANZEIGE