23.04.2017, Zenith, München

GHOST & ZOMBI - The Popestar Tour 2017

Text: mat | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 26.04.2017

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Und der GHOST-Zug fährt und fährt und fährt. Der Hype rund um die schwedischen "Okkult-Popestars" und gleichzeitigen Grammy-Gewinner will einfach kein Ende nehmen. Zurecht? Oder sind die vermummten Jungs wieder einmal nur ein großer PR-Gag, hinter dem musikalisch nichts wirklich Großes steckt? Um diese Fragen einfach mal hautnah beantworten zu können, haben wir uns - gemeinsam mit unserer lieben Antha im Fotograben [Anm. d. Lekt.: Ein "lieb" in diesem Zusammenhang verstört ein wenig...] - die Absolution erteilen lassen. Von GHOST persönlich...

Doch bevor das Spektakel an einem Sonntag in München losgehen konnte, musste zuallererst noch ein Locationwechsel miteingeplant werden, da das Kesselhaus nachfragetechnisch zu klein geworden war. So oder so - die größere Ausweichlocation in Form des Zeniths mögen wir ohnehin und der durchaus erfolgreiche Ticketverkauf führte zwar zu einer relativ vollen, aber bei Weitem nicht ausgereizten Industriehalle, in der es sich schön herumwandern ließ. Die volle GHOST-Atmosphäre quasi inklusive. Bevor die Herren Papa Emeritus und seine namenlosen Ghouls aber die Bühne betraten, waren zuerst noch die Supporter dran - und zwar in Form von ZOMBI, einer amerikanischen Synthie-Prog-Gruppe, die sich auf nebulöse Wave-Melodien spezialisiert hat und im Halbdunkel (und zu zweit) sowie stilecht gewandet in ein GHOST-Fanboy-Shirt ihre Keyboard-Melodien auf die Meute losließen. Zugegeben: Ein wenig hat mich dieses auf Konserve sehr gut funktionierende, aber live etwas sperrige Konzept schon irritiert. So schön die Melodien auch durch die Halle wabern, so stimmig das Songwriting und die dazugehörigen Arrangements sind, so schwierig ist eine solche musikalische Umsetzung aber vor großem Publikum. Das ist toller Club-Sound für versiffte Pubs mit Nachtsichtgeräten, im weiten Zenith-All verliert sich der ganze Effekt aber ein wenig. Nichtsdestotrotz heizten die Jungs im Sinne ihrer Möglichkeiten ein wenig ein; so eine richtige Thrash-Metal-Keule als Vorband hätte dem Ganzen aber wahrscheinlich noch mehr Feuer verliehen.

 


ZOMBI

Alles in allem aber egal, denn fast nahtlos zum Ende des ZOMBI-Sets starteten die wenigen Umbaumaßnahmen auf der Bühne, alsbald dann auch schon die ersten choralen Töne aus der Box erklangen. Die Publikumsmeute scharte sich sogleich um die Stage und wartete sehnsüchtig auf das Erscheinen ihres liebsten Musik-Papstes. Dass das Ganze dann noch ein wenig dauerte, schadete - bis auf ein paar kurze Pfiffe aus den hinteren, billigen Reihen - der Stimmung nicht. Ganz im Gegenteil: Die Atmosphäre heizte sich auf, ein paar Minuten später ging das Licht aus und die Show konnte beginnen. Stilecht mit dem neuen Kracher "Square Hammer" starteten GHOST in ein pfiffiges Set, das sich vor allem auf die beiden letzten Outputs "Meliora" und "Infestissumam" stützte. Das ursprüngliche Debütalbum "Opus Eponymus" blieb dabei ein wenig außen vor, was aber nicht weiter störte, da sich die maskierten Ghouls samt Front-Papst eine schöne abwechslungsreiche Mixtur überlegt hatten, die wirklich zündete. In voller Papstrobe wandelte der Papa im Laufe der ersten Songs über die Bühne, extravagante Hand- und Armbewegungen inklusive, während sich die Ghouls rund um ihn herum die Seele aus dem Leib spielten. Die perfekte Soundabstimmung wurde ebenso schnell gefunden und so stampften die Geister eine wirklich spektakuläre, mitreißende Show aus dem Münchner Hallenboden, die sich mehr als sehen lassen konnte. Treibende Riffs, starke Soli der beiden Gitarristen, ein Keys-Soundteppich samt Drums, die die einzelnen Songs tragen und durchaus auch stark nach vorne treiben. Dazu eine schön angepasste Lightshow, die von düsterem Blau bis aggressivem Rot alles zu bieten hatte, was das Fanauge so begehrt. Schwenkende Weihrauchbehälter, Confettikanonen und das zwischenzeitliche Austeilen von diversen Essensutensilien der sogenannten "Sisters Of Sin" in der ersten Reihe rundeten das Ganze showtechnisch noch ab.

 


GHOST

 

Dazwischen wanderte der Front-Pope über die Bühne, intonierte "From The Pinnacle To The Pit" samt saftigem Stoner-Riff und zelebrierte den lockeren Hardrocker "Body And Blood" (mit genialem Anfangsriff samt Solo), bis er sich endlich aus dem behäbigen Gewand schälte und in feinstem Zwirn samt Steppschuhen über die Bühne rockte. Plötzlich änderte sich die Atmosphäre auf der Bühne deutlich. Von der schweren, unheilschwangeren Energie ging das Ganze in eine treibende Rock-Show über, die mit monumentalen Burnern wie "Year Zero", dem nach vorne preschenden "Absolution" und der neuen Über-Hymne "He Is" ihren Höhepunkt fand. Die gesamte GHOST-Show basiert dabei auf theatralischer Gestik, ausladenden Bewegungen und dieser ungewissen Maskiertheit, die - vor allem beim weiblichen Publikum - wohl für das gewisse Etwas und Prickeln sorgt. Man kann den Jungs durchaus Überzogenheit und Melodramatik, mitunter auch mal den ein oder anderen schwächeren Song vorwerfen; was man aber nicht kann und darf, ist, ihnen die Spielfreude, die Power, das Können und diese sympathische Extrovertiertheit - trotz Verhüllung - absprechen. Daran mangelt es einem GHOST-Konzert wahrlich nicht. Selten bin ich nämlich so energiegeladen aus einem Konzert rausgegangen (trotz dem epischen, eher ruhigen Rausschmeißer "Monstrance Clock"); Selten haben mich Stakkato-Riffs, die manchmal an alte ICED EARTH-Passagen erinnern, so zum Bewegen animiert; Selten fand ich einen Auftritt einerseits grotesk, aber andererseits auch powervoll und mitreißend. Das alles führt dazu, dass ich im Grunde nur jedem Interessierten dazu raten kann, sich selbst eine GHOST-Show zu Gemüte zu führen. Man weiß nicht, was einen erwartet, kann es danach auch nicht so wirklich beschreiben, aber bei mir hat diese heilige Messe durchaus Eindruck hinterlassen. Kurz gesagt: Tolles Konzert, tolle Stimmung, tolle Band. PS: Man kann auch glücklich sterben, wenn man GHOST nicht gesehen hat. Zum Empfehlen ist das aber definitiv nicht...

Noch nicht genug GHOST? Ein paar mehr Fotos des Konzertes gibt es auf Facebook bei Images Of Pain And Pleasure!

Setlist (ohne Gewähr):
Square Hammer
From The Pinnacle To The Pit
Secular Haze
Con Clavi Con Dio
Per Aspera Ad Inferi
Body And Blood
Devil Church
Cirice
Year Zero
Spöksonat
He Is
Absolution
Ghuleh/Zombie Queen
Mummy Dust
Ritual

Zugabe:
Monstrance Clock


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