20.05.2017, Café Schlachthaus, Dornbirn

NIGHT DEMON & MACHINE GUN HORROR & INDIAN NIGHTMARE

Veröffentlicht am 22.05.2017

Nach längerer Zeit galt es für Stormbringer wieder einmal, den äußersten Westen der Republik zu besuchen und die dort florierende Metalcommunity in Augenschein zu nehmen. Dank beherzter Fans und couragierter Veranstalter (welche hier tourlich neben „Normalprogramm“ auch kultige Schmankerl auftischen) prosperiert die überschaubare, aber enthusiastische Metalszene jenseits des Arlbergs. Was Gott durch einen Berg getrennt hat, soll der Mensch nicht vereinigen ... so oder so ähnlich lautet ein alter Spruch. Der Berichtersatter trotzte jedoch allem Unbill (Sperre des Arlberg-Straßentunnels) und überquerte den Berg über die Paßstraße (bei Schönwetter ein echter Genuß). Und dass man diese Reise (ins ansonsten sträflich unterrepräsentierte, aber pulsierende Ländle) antrat, hatte seinen triftigen Grund. Niemand Geringere als die heißen NIGHT DEMON hatten sich angekündigt, mit im Schlepptau die Local Heroes MACHINE GUN HORROR und die fetzgeilen Berliner INDIAN NIGHTMARE.

INDIAN NIGHTMARE
Tatort: Kulturcafe Schlachthaus, Dornbirn. In der überschaubaren, aber charmanten Location eröffnete die Berliner Multi-Kulti-Truppe den bestens bestückten Konzertabend. Vor der Bühne dichter Publikumsandrang (erfahrenen Schlachthäuslern zufolge sei es bei der ersten Band selten bis nie so vollgepackt), auf der Bühne Blaupausen von Metalpunx. Gute Voraussetzungen für ein schweißtreibendes Heavy/Speed/Punk-Liveereignis. Optisch ist der Fünfer ein echter Eyecatcher. Die Krieger der Apokalypse und Culture Clash-Hohepriester begaben sich heute auf den Kriegspfad und hatten zu diesem Behufe Warpaint aufgetragen. Basser Cedro, Drummer Lalo, das Gitarrentandem Dodi Nightmare/Butch und Sänger Poison Snake ließen nichts aus…Tattoos, Knochen, Nieten, Skulls, Amulette, gespickt mit Tribal- und Ethno-Referenzen und gepfeffert mit einer amtlichen Portion Räude und Dreck…dergestalt kommen INDIAN NIGHTMARE um die Ecke, hier scheint der gesamte ethnische Hintergrund der bunten Truppe (mit Wurzeln in Indonesien, Italien, Mexiko und der Türkei) einzufließen.

Die Herren haben ganz definitiv zu viel MAD MAX und CONAN geschaut, Sci-Fi-Trash konsumiert, das eine oder andere Kräuterchen inhaliert und Diesel statt Blut in ihren Adern. Lediglich auf den Einsatz von Feuer musste heute aufgrund der Dimension der Bühne verzichtet werden. Doch sind es nicht nur der exotische Touch und das Outfit, die neugierig machen, auch soundtechnisch klopften und rotzten die Metalpunx Of Steel in der Tradition von VENOM, MIDNIGHT, DISCHARGE oder MOTÖRHEAD. Nahezu das gesamte Debutalbum „Taking Back The Land“ kam live zum Zuge, garniert von den selektiv eingesetzten High-Pitches Screams von Sänger Poison Snake sowie den auf Indonesisch vorgetragenen „Mengapa“ und „Yang Terampas Dan Terhisap“. Nicht nur ich ließ mich von der Spielfreude und vom Feuer des Quintetts anstecken, wenn man den Fünfer auf größeren Bühnen mal richtig von der Kette und das volle Feuer/Rauch-Arsenal auffahren lassen würde, könnte für ihren wohl weiter wachsenden Stamm der volle Exzess a la INDIAN NIGHTMARE entfacht werden.

Setlist:
Circles Of Fire
Fire Meets Steel
War Metal Punks
Iron Hammers
Mengapa
Warlords
Thunder Blade
Welcome To The World
Betrayers
Yang Terampas Dan Terhisap

MACHINE GUN HORROR
Als nächstes durften die Lokalmatadore MACHINE GUN HORROR ran. Auf ihre Fanbase dürfen sie sich verlassen, das war klar. Doch marschierte der Fünfer nicht auf dem roten Teppich ins Schlachthaus ein und ruhte sich auf seinen Vorschußlorbeeren aus, sondern verpasste dem feiernden Bangervolk eine Thrash-„Watschn“ sondersgleichen. Extrem hart und pfeilschnell holzte die Headbang-Armada aus dem Bregenzer Wald und legte ein Set auf die Bretter, das sich gewaschen hatte. Neu am Mikro Tobi, der ehemalige Basser von THE SORROW, der sich nicht lumpen ließ, ebenfalls eine explosive Vorstellung ablieferte und ein ums andere Mal die Monitorbox erklomm. Die Wälder fetzten am heutigen Abend dermaßen, dass selbst dem erfahrenen Thrasher die Spucke wegblieb, besonders Drummer Gabriel konnte sich wegen der heutigen schweißtreibenden Schlagzeugarbeit wohl die eine oder andere Trainingseinheit ersparen.

Die Kracher von „Brutalized“ (2014) kamen wie immer (Livereports aus dem Weekender Club und der LiveStage) bestens an, zudem wurde Schlachthaus-Sebi´s Geburtstag von Band und Auditorium besungen und als Gimmick enterte noch INDIAN NIGHTMARE-Gitarrist Buruc die Bühne, um mit seinen Buddies und ehemaligen Bandkumpels das zackige „Losing My Machine Gun“ zu zocken und eine fette Gitarrenwand zu zaubern. Speed und Härte waren heute Trumpf im Schlachthaus, die Vorarlberger feierten ein tightes und brutales Thrashfest, das Publikum feierte enthusiastisch mit. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Band konsolidiert, Tobi weiter mit an Bord bleibt und neues Material für die gierige Thrash-Meute veröffentlicht wird.

Setlist:
Death And Madness
Living To Thrash
Remember Me
Piss Of Society
Brutalized
Warzone
Losing My Machine Gun
In War

NIGHT DEMON
Dass die Jungs aus Ventura gerade mächtig angesagt sind, haben mittlerweile wohl auch jene bemerkt, die die musikalische Wurzelsuche noch nicht absolviert haben. Mit juvenilem Enthusiasmus und ungestümer Spielfreude huldigen die Drei den Anfängen des Metal. Dass ein Kurzhaartyp wie Jarvis den Heavy Metal weit mehr als viele Langhaardackel in Stretch-Leggings und sonstigen Retro-Accessoires lebt und zelebriert, wird angesichts der Performance des heutigen Abends mehr als offenkundig. Als Trio angetreten, mehr minimalistisch denn bombastisch und basischer als andere Produktionen klingend wurde heute einmal mehr die authentische Metal-Lehre im Sinne der glorreichen Achtziger zelebriert. Ein Blick auf die Setlist verrät, dass das Beste der bisherigen beiden Longplayer (sowie der EP) zum Besten gegeben wurde. „Welcome To The Night“ erschallte um 22.30 Uhr und das Vorarlberger Publikum hieß selbige wie auch Jarvis´ Mitstreiter Armand John Anthony (Gitarre) und Dusty Squires (Schlagzeug) im Ländle willkommen. „Full Speed Ahead“ ging es weiter, bevor einem der Haupteinflüsse der Band mit „Maiden Hell“ gebührend Tribut gezollt wurde. Dies alles - wie schon bei den Supports - bei bestem Soundbild, ein zusätzlicher Erfolgsfaktor des heutigen tollen Konzertabends.

NIGHT DEMON riefen zu einer Retro-Geschichtsstunde und zauberten wie auch schon bei den letzten Auftritten in Europa (etwa auf dem Bang Your Head-Festival). Ein leichtes Unterfangen angesichts der vielen Neo-Klassiker, welche der Ventura-Dreier wie scheinbar spielerisch aus dem Köcher zog. Egal ob Tracks vom Klasse-Debut  (etwa „Curse Of The Damned“) oder die Smasher vom Zweitling „Darkness Remains“ („Black Widow“, „Hallowed Ground“ oder „On Your Own“), alle hängen sich umgehend im Ohr fest und fesseln mit feinen Melodien, einzig „Dawn Rider“ wurde heute gestrichen. Damit und mit der energetischen Performance wird gleichzeitig der Nachteil der Band, nämlich als Trio mit eingeschränkten Showqualitäten agieren zu müssen, wettgemacht. Bandmaskottchen „Rocky“ hatte bei „The Chalice“ seinen gewohnten theatralischen, immer wieder erheiternden Auftritt. Als besonderes Schmankerl gaben die Drei das SABBATH-Cover „War Pigs“ zum Besten, das laut Jarvis bislang nur in Südamerika gespielt wurde. Der Sänger gab den Ozzy - und das nicht mal schlecht, immerhin galt es große Fußstapfen auszufüllen.

Am Showende machten die Kalifornier noch mit ihren Hits „Heavy Metal Heat“ und „Screams In The Night“ und natürlich „Night Demon“, das sich besonders im Ohr festfraß, den Sack zu. Besonders gespannt durfte man sein, ob NIGHT DEMON den Abend (wie schon bei der heurigen, famosen Keep It True-Festival-Performance) wieder mit der überragenden MAIDEN-Coverversion „Wasted Years“ krönen würden. Man sollte nicht enttäuscht werden, aus zahlreichen der wohl rund 150 anwesenden Kehlen wurde der Klassiker mitgebrüllt und ich erlebte ein Revival eines meiner einprägsamsten Liveerlebnisse überhaupt. Damit war allerdings klar, dass der äußerst gelungene Konzertabend nach rund 75 Minuten auch sein Ende finden würde. Wer die Band noch immer mit Ignoranz straft, dem ist wohl ohnehin nicht mehr zu helfen, der Rest durfte eine zeitgemäß dargebotene Metal-Geschichtsstunde, zelebriert von einer beherzt aufspielenden Band miterleben, die sich nach der Show bestens gelaunt unters Volk mischte und mit so mancher Anekdote unterhielt.

Dabei konnte auch eine der diskutiertesten Fragen seit dem KIT-Auftritt von CIRITH UNGOL beantwortet werden, nämlich, ob der Bandname nun mit „S“ oder „K“ am Anfang ausgesprochen wird. Jarvis als Neo-Basser der Kauz-Metaller sollte dies wissen und verlautbarte, dass „K“IRITH UNGOL in Tolkienscher Sprechweise natürlich richtig wäre, die Band selbst allerdings immer von „S“IRITH UNGOL spricht. Schlußendlich gilt unser Dank unseren Kumpels Heinz, welcher in der hart umkämpften Konzertlandschaft ein derartiges Kraftpaket voller Herzblut wie am heutigen Abend auftischt, und Edgar, der einmal mehr für die Bebilderung sorgt. INDIAN NIGHTMARE schmiedeten heute ein ganz heißes Eisen, die famosen Locals MACHINE GUN HORROR knallten ein Brett raus, das sich gewaschen hatte und der Headliner wird dank engagierter und gelungener Auftritte wie heute die Herzen der Metal-Fans weiter und unbeirrt erobern. Europa liebt seine sympathischen Helden NIGHT DEMON und auch in Amerika zieht die Band immer weitere Kreise. Womit? Mit Recht!

Setlist:
Welcome To The Night
Full Speed Ahead
Maiden Hell
Curse of the Damned
The Howling Man
On Your Own
Ritual
Black Widow
Hallowed Ground
The Chalice
War Pigs (BLACK SABBATH-Cover)
Flight Of The Manticore
Darkness Remains
-
Heavy Metal Heat
Screams In The Night
Night Demon
Wasted Years (IRON MAIDEN-Cover)


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