17.05.2017, Wiener Stadthalle (Halle D), Wien

DEEP PURPLE & MONSTER TRUCK vs. NIGHT DEMON

Text: Florian Rosenberger | Fotos: Andreas Graf
Veröffentlicht am 24.05.2017

Mein letzter großer Live-Report über das ROYAL REPUBLIC-Konzert im Linzer Posthof ist nun auch schon wieder drei Monate her. Beim Jahrhundertkonzert von MANOWAR-Gitarrist ROSS THE BOSS im Viper Room war ich eher auf das Interview mit meinem persönlichen Gitarrenhelden fokussiert (Ein Kurzbericht musste trotzdem sein). Danach trieb es mich in Linz auf geniale Undergroundkonzerte von NIGHT VIPER (mit ROADWOLF) und GOLD (mit METHEXIS) ins „KAPU“ oder zu NIGHTSTALKER, TYTUS (mit den fulminanten GRIM REAPERS TEA PARTY) ins „Ann and Pat“, wobei es mir unverständlich war, dass bei einem Ticketpreis von ca. 10€ oft nicht mal 30 Nasen auftauchten.

Nach einigen weiteren Konzerten muss noch die NIGHT OF FUZZ im Linzer Posthof Erwähnung finden, bei der die lokalen Bands SWANMAY, SAVANAH und PARASOL CARAVAN zeigten, dass man sich vor internationalen Szene-Aushängeschildern wie den TRUCKFIGHTERS nicht verstecken muss. Für mein Empfinden wurden die TRUCKFIGHTERS aufgrund ihrer teilweise langatmigen Show – wie schon beim FUZZFEST VIENNA (zum Bericht) – von den großartigen PARASOL CARAVAN sogar an die Wand gespielt.

Es wird sich der Leser vielleicht spätestens zu diesem Zeitpunkt fragen, wieso ich bis jetzt noch überhaupt nichts über DEEP PURPLE geschrieben habe. Keine Sorge, da kommt noch was. Aber wie man vermuten kann, ist es mir ein verdammtes Anliegen, dass unbekannte, aber trotzdem professionelle und vor allem leidenschaftliche Bands, eben wie die oben erwähnten, definitiv mehr Publikum verdient haben. Und wenn es nur hundert von den tausenden Stadthallen-Besuchern auf ein Underground-Konzert schaffen würden, wäre ich höchst zufrieden. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! [Anm. d. Lekt.: Daumen nach oben, Herr Kollege!]
 

(c) Andreas Graf
(c) Andreas Graf
 

Jetzt geht es aber wirklich um den Konzertabend des 17. Mais (sic!), der nicht nur mich als Konzertjunkie ob der Konzertmöglichkeiten an diesem Tag in eine innerliche Zerrissenheit trieb. Neben CROWBAR im Viper Room und NIGHT DEMON im Escape schmerzte mich persönlich, dass ich mich gegen die, meine Jugend prägende Progressive-Metal Band DREAM THEATER, die an diesem Abend die Göttergaben „Images and Words“ und „A Change Of Seasons“ im „Gasometer“ in voller Länge zelebrierten, entscheiden musste. Doch der Umstand, dass ich DEEP PURPLE noch nie live erleben durfte, ließ mich zu den Urvätern des Hard Rocks pilgern und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Bevor DEEP PURPLE die Bühne der halbwegs gut besuchten Stadthalle (ca. 7.000 Besucher) betraten, gab es mit MONSTER TRUCK noch die aktuell beste Supportband, was für mich sicher auch ein Grund war, diese Veranstaltung den anderen vorzuziehen. Mich hatten MONSTER TRUCK schon im November 2014 als Einheizer bei der SLASH feat. Myles Kennedy & The Conspirators-Show derartig aus den Socken gehauen, dass der eigentliche Haupt-Act damals eher zur durchwachsenen Zugabe mutierte.

2016 war dann aber definitiv das „Österreich-Jahr“ der kanadischen Rockband der Stunde. Das fetzige Konzert von MONSTER TRUCK als einen der besten Acts am ROCK IN VIENNA 2016 (hier zum Bericht) bekamen nur wenige Besucher des Festivals mit, was der Position der kleineren „Jolly Roger“-Stage (quasi die Ursprungsidee des JOLLY ROGER FESTIVALs 2017 in der Arena) geschuldet war. Spätestens aber, als NICKELBACK im September 2016 die Stadthalle füllten und im November BILLY TALENT im „Gasometer“ und im „Posthof Linz“ gastierten - beide mit MONSTER TRUCK als Vorband – sollte diese Gruppe zumindest „Hausfrauen“ und „gealterten Teenis“ ein Begriff sein.

Als Support von DEEP PURPLE wurde nun die Altersgruppe 50+ angezielt und auch diese dürfte vom MONSTER TRUCK-Sound ziemlich angetan gewesen sein. Niemand konnte sich den fetzigen Riffs und Bassläufen von Songs wie dem Opener „Why Are You Not Rocking?“ entziehen. Mit “Old Train” wurde nachgelegt, das mit den “Ohohoh”-Backgroundchörendas Publikum schon mal richtig motivierte. Das “Whole Lotta Love”-Riff wurde im geilen Song „Don’t Tell Me How to Live“ verbraten und so sieht man auch den Einfluss der Kanadier, die mit ihrem Style zwischen LED ZEPPELIN, und durch den Hammond-Orgel-Touch, eben auch DEEP PURPLE stehen.

Obwohl es nun schon sehr viele Retro-Rock Bands gibt, stechen nur wenige richtig heraus. In Österreich zählen BLACK STONE CHERRY zu den bekanntesten, die mich jedoch im Gegensatz zu ihren Anfangszeiten aktuell live nicht mehr sehr überzeugen konnten. Da stehe ich viel mehr auf die fetzigere Version, die sich da MONSTER TRUCK nennt.

In den 45 Minuten Spielzeit glänzten die Rocker mit einer Vielseitigkeit zwischen eingängigen, groovenden Songs wie mit “The Enforcer” von der aktuellen Scheibe „Sittin‘ Heavy“ oder der langsamen, 7-minütigen Ballade „For The Sun“ vom sensationellen Debütalbum „Furiosity“. Der Ohrwurm-Hit „Sweet Mountain River“ und „The Lion“ zum Schluss wird sicher noch einigen länger im Gedächtnis hängen bleiben. Großartiger Einheizer für den Headliner!
 


(c) Andreas Graf
 

Was soll oder darf man sich nun von einem Live-Konzert von DEEP PURPLE erwarten, die mit der „The Long Goodbye Tour“ zu ihrer vermeintlich letzten Konzertreise aufbrachen? Mit einem Alter von fast 72 Jahren ist es schon erstaunlich, wie Leadsänger Ian Gillan eine über 1 ½ stündige Show meistert. An Agilität hat ihm der 69-jährige Alice Cooper noch ein wenig was voraus (zum Bericht vom Arena Open Air 2015), der fast gleichaltrige Robert Plant zeigte letztes Jahr in der Arena aber auch eine gute Figur. Einem Ozzy Osbourne (wie die zwei bereits erwähnten Sänger auch 1948 geboren!) übertrifft Ian Gillan gesangstechnisch aber noch um Längen. [Anm. d. Lekt.: Böse Zungen behaupten, das wäre aber auch nicht schwer...]

Als Ian Gillans die Bühne im Glitzersakko und mit billiger Sonnenbrille betrat, wusste ich erst nicht so recht, was ich davon halten sollte. Nachdem er schon während des Openers „Time For Bedlam“ sein Outfit in Jeans und T-Shirts gewechselt hatte, war mir allerdings klar, dass dies nur als Gag gedacht war. Der Song vom neuen Album „Infinite“ präsentierte auch das „eisige“ Bühnenbild optimal. Mit futuristischer Sprechansage begann eine modern klingende Komposition, welche die Trademarks (phänomenales Gitarrenspiel, pumpende Bassläufe, filigrane Schlagzeugarbeit und Hammond-Orgel-Sound) von DEEP PURPE gekonnt vereinte. Die Krone setzte dem der an diesen Abend auch live erstaunlich gute Gesang des Frontmanns auf, der in den letzten Jahren doch des Öfteren bekrittelt wurde.

Eine überzeugende Leistung von Gillan gab es auch bei den Klassikern „Fireball“ vom gleichnamigen Album und „Bloodsucker“ von „In Rock“, die Schwung in die Bude brachten. Als ersten Höhepunkt konnte der Hit „Strange Kind Of Woman“ betrachtet werden, den das Publikum abfeierte. Leider zog der für meinen Geschmack belanglose Song „Johnny’s Band“ die Stimmung ein wenig nach unten. Diese Tatsache wurde aber umgehend entschädigt: Es folgte „Uncommon Man“ vom vorletzten Album „Now What?“ mit den futuristisch-orchestralen Orgelklängen und dem Refrain „It’s good to be king“, der mich unweigerlich an MANOWAR denken lässt. Auch gesanglich musste ich des Öfteren an Eric Adams denken, da doch Ian Gillan einen großen Einfluss auf einen der besten Metalsänger hinterließ.
 


(c) Andreas Graf
 

Ein wenig Abwechslung und eine Überraschung brachte danach „The Surprising“ , bei dem die österreichische Violinistin Lidia Baich nicht nur optisch Eindruck hinterließ. Danach glänzte Jon Lord-Nachfolger Don Airey mit einem Keyboard-Intro beim Klassiker „Lazy” vom Album “Machine Head”. Kurz ging es dann nochmal zu aktuellen Songs wie “Birds Of Prey” und “Hell To Pay”, wobei letzterer mich stark an SAXON erinnerte (hier geht’s zum Bericht von 2016), bevor der „neue“ Organist bei seinem Solo ganz im Mittelpunkt stand. Vom Keyboard-Solo wurde dann fließend in ein Violin-Solo übergegangen, das dann noch den „Donauwalzer“ ehrte, was Lidia Baich besser gelang als Brian May beim QUEEN-Konzert vor zwei Jahren (zum Bericht).

Zum Schluss des Konzerts wurden noch die Klassiker „Perfect Stangers“, „Space Truckin‘“ und das unvermeidbare „Smoke On The Water“ rausgehauen, um das Publikum zu befriedigen. An der Performance und Spielfreude der Ur-Bandmitglieder Ian Paice und Roger Glover, wie auch des Gitarrenvirtuosen Steve Morse gab es beim Konzert in der Stadthalle nichts auszusetzen.

Nun kam es zur Zugabe, die ich mir dann aber der örtlichen Nähe zum „Escape“ wegen ersparte, da ich unbedingt zum bereits gestarteten Konzert von NIGHT DEMON musste, was für mich persönlich den perfekten Abschluss eines Konzertabends ausmachte.

Somit bleibt mir, von der Zugabe von DEEP PURPLE nur noch aufgrund von Überlieferungen zu berichten. Da „Highway Star“ anscheinend eh nicht gespielt wurde, sondern stattdessen in die Länge gezogene Coverversionen von „Green Onions“ und „Hush“ mit anschließendem Bass-Solo, bereue ich meine Entscheidung früher gegangen zu sein nicht. Nur das finale „Black Night“ hätte ich dann wohl doch noch gerne gehört, für das noch anwesende Publikum bedeute dies sicher ein gelungenes Konzertfinale.
 


(c) Andreas Graf
 

Aber zu diesem Zeitpunkt befand ich mich schon im „Escape“ Metalcorner und somit möchte ich auch kurz noch von einer guten Stunde NIGHT DEMON live berichten. Denn was da im Escape vor ca. 50 Leuten musikalisch abging, ist kaum in Worte zu fassen. War der erste Auftritt der legitimen IRON MAIDEN-Nachfolger im „Chelsea“ vor zwei Jahren bereits ein Jahreshighlight, konnte die energetische Performance an diesem Abend nochmal alles toppen, was ich seitdem an Konzerten gesehen habe. Eine Hingabe an die Musik von allen drei Bandmitgliedern, die selten in einer solchen Intensität zu beobachten ist, ein Sound von einer Gitarre, einem Bass und einem Schlagzeug zum Niederkien.

Das Konzert an diesem Abend glich einer musikalischen Götterdämmerung und der Band steht hoffentlich noch Großes bevor, denn IRON MAIDEN wird es auch nicht ewig geben. Sämtliche Metal-Hymnen von der Debüt-EP „Night Demon“, dem sensationellen Debüt-Album „Curse Of The Damned“ und dem nicht minder starken Nachfolger „Darkness Remains“ wurden präsentiert, bei denen es songtechnische keine negativen Ausreißer zu beanstanden gibt.

Auch der MAIDENeske Eddie-Ersatz in Form der Bühnenfigur des „Reapers“ durfte nicht fehlen, der dem Publikum eine nicht näher bekannte Flüssigkeit aus seinem „Chalice“ in die Münder fließen ließ. Beim offiziell finalen Song „Darkness Remains“, das mit unglaublich geilem Westernsound gesegnet ist, konnte ich die Atmosphäre kaum fassen. Die fetzigen Zugaben „Heavy Metal Heat“ und „Night Demon“ gaben dem Publikum nochmal den Rest und mit einer sensationellen Coverversion von IRON MAIDENs „Wasted Years“ wurde auch den Metal-Helden noch anständig gehuldigt. Metal-Herz, was willst du mehr? Die nächste NIGHT DEMON-Show!

Ich bedankte mich nach der Show persönlich beim Veranstalter und der Band, vor allem bei Bandleader Jarvis Leatherby, dem es ja auch zu verdanken ist, dass sich die legendäre Kultband CIRITH UNGOL am KEEP IT TRUE-Festival zum ersten Mal in Europa präsentieren durfte. Als aktiver Live-Bassist dieser Band kam Jarvis im CIRITH UNGOL „Paradise Lost“-Hoodie gekleidet zum Merchandise und unterzeichnete bereitwillig LPs. Ich war schon lange nicht mehr im Escape gewesen, dieser Abend ließ mich aber wieder in Erinnerungen an viele geile traditionelle Metal-Konzerte schwelgen, wie z.B. an die drei LIZZY BORDEN Shows welche wohl ewig als großartige Abende in meinem Leben erhalten bleiben werden.


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