16.06.2017, Logo Hamburg, Hamburg

With Full Force WarmUp: WALKING DEAD ON BROADWAY, BROTHERS IN ARMS und mehr

Text: Jazz
Veröffentlicht am 18.06.2017

Das With Full Force ist längst eine, wenn nicht sogar die Festivaladresse für corelastigen Metal. Zur Vorbereitung gibt es über Deutschland verteilt kleine WarmUp-Partys. Eine mit dem größten Bandaufgebot findet im Hamburger Logo statt. Die Hardcoreler von BROTHERS IN ARMS und die Deathcoreler von WALKING DEAD ON BROADWAY spielen auch auf dem With Full Force. Verstärkt werden sie an diesem Abend durch den Technical Death Metal von CONTROVERSIAL und den Metalcore von ENLACED BY TEMPEST.

Als Support erst spät zum Line-Up des Abends gestoßen sind ENLACED BY TEMPEST. Die Lübecker donnern mit hardcorig geprägtem, gelegentlich deathcorig ausgebauten Metalcore ohne weinerliche Cleanparts in den sich füllenden Raum. Das überwiegend dem post-jugendlichen Jahrzehnt angehörige Publikum lässt sich – wenigstens teilweise – schon bald auf freundschaftliche Schlägerei-Imitationen ein. Rotzig-cool wie auch der Shouter Eskay und seine Bühnenkollegen läutet dies den Abend schwungvoll ein. Die Musiker bleiben dabei nicht hinter ihrer Studioqualität zurück, die sie gerade erst auf ihrer neuen EP „War Within“ unter Beweis stellten. Die Regeln der Kunst beherrschen sie – sogar sehr gut. Der nächste Schritt für ENLACED BY TEMPEST dürfte dann der bereits begonnene Ausbau der Alleinstellungsmerkmale sein – da kann man ruhig immer mal wieder hinhören!

In den gut vorgewärmten kellerhaften Raum marschiert die Fünf-Mann-Armee CONTROVERSIAL und ist auf Tod gebürstet: viel Death Metal, etwas Deathcore und sehr oft Tech-Death-Anteile, die es locker in die Pornosammlung von Gitarrophilen (oder von Kollege Laichster...; Anm.d.Korr.) schaffen können. Die Niedersachsen machen bei ihrem Hamburg-Debüt klar, dass sie nicht nur die brutale, rücksichtslose Härte eines Babykatzen-Katapults besitzen, sondern dabei anspruchsvolle, intelligente und schöne Musik spielen. Ja, ja, „schön“ ist ein sehr banales Wort, aber in diesem Fall eben auch ein so wunderbar wahres! Überzeugen kann sich jeder auf dem langsam in die Jahre kommenden Erstlingsalbum „Inhuman“, das jedoch sehr bald einen Nachfolger erhalten soll. Vorfreude!

„Hardcore, Hardcore H-A-R-D-C-O-R-E!“, schreit es bei BROTHERS IN ARMS aus jeder Pore. Front-Tier Andrew trägt orangene Jogginghose, ein total streetes Cap und eine grobe Goldkette (...sicher, dass du aus Versehen nicht bei einem Moneyboy-Konzert warst, Kollege? Sheesh!; Anm.d.Korr.). Mit seinem Donald-Duck-Hemd jedoch karikiert er sich selbst, die übercoole Härte und den Metal-geprägten Konzertabend sehr bewusst. Nichtsdestoweniger begeistern sie mit voller Breitseite, Rohheit und Rotzigkeit das Publikum, auch wenn einigen die Interaktion ein wenig zu fordernd und penetrant ist. Egal! Im außergewöhnlich frauenstarken Pit geht es sehr ausgelassen zu (der zunächst beabsichtigte Vergleich mit dem Bett des hübschen Bassisten Michael wurde wegen „reiner Spekulation“ gestrichen). Die knallharten Hamburger von BROTHERS IN ARMS klingen wie der Soundtrack zur verlorengeglaubten Zukunft einer wütenden jungen Generation – und gleichzeitig wie ihr Ventil. Wer gerade keine Chance hat, sich live von ihnen anschreien zu lassen, kann sich davon überzeugen, dass sie auch im Studio einiges drauf haben: „Warlord“ heißt ihr zuletzt erschienenes Album.

Das Finale des Full-Force'schen Aufwärmmanövers bilden WALKING DEAD ON BROADWAY. Als Nummer Eins des deutschen Deathcore (Wenn das subjektiv sein sollte, so f*ck it!) zertrümmern sie augenblicklich den Raum. Wo die pure grunzgekloppte Ultrabrutalität schon jeden Wut-Eiter aus der Hass-entzündeten Psyche quetscht, täuschen sogar kleine Ausflüge in Death Metal-Gefilde schon milde Streicheleinheiten an, um nur noch tiefer vorzudringen, noch härter aufzuräumen. Und dann sind die auch noch technisch echt fett! Lediglich vom Mischer hätte man sich ein wenig mehr Dominanz des Mikrofons von Robert wünschen können. Der schreiende Frontmann hat eine so liebe Art, dass man ihn knuddeln möchte – ein Bedürfnis, das offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruht, wenn man in der ersten Reihe steht. Auch wenn WALKING DEAD ON BROADWAY live nochmal deutlich stärker sind als auf Platte, lohnt es sich absolut, dem aktuellen Album „Slaves“ ein Ohr zu leihen!

WarmUp war der Plan, Abriss die Realität! Von ENLACED BY TEMPEST über CONTROVERSIAL bis zu BROTHERS IN ARMS und WALKING DEAD ON BROADWAY gab es im Hamburger Logo nur Volltreffer. Wenn das With Full Force Festival die Qualität dieses WarmUps hält, kann man den Besuchern nur gratulieren.


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