14.06.2017, Pannonia Fields II, Nickelsdorf

NOVA ROCK 2017 - Warm-Up Day

Veröffentlicht am 19.06.2017

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Nach 2 Jahren Pause hatte mich das NOVA ROCK wieder als Besucher zurückgewonnen, gab es heuer ja auch keine Alternative im österreichischen Rock-Festival-Bereich. Die Vorfreude war groß, hatte ich dort doch sieben Jahre in Folge schon viele großartige Momente erlebt. Das Um und Auf sind immer die Leute, mit denen man seine Tage auf den Pannonia Fields verbringt. Und das war heuer auch wieder der Grund, warum ich mir die mit wachsendem Alter immer größeren Strapazen, die solch ein großes Festival mit sich bringt, antat. Von dem her bedanke ich mich bei allen Freunden und Bekannten, die mir 2017 das NOVA ROCK als besonderes Ereignis in Erinnerung bleiben lassen.

Gestresst sollte ein Festival nie begonnen werden und so kam ich am Mittwochnachmittag ziemlich relaxt um ca. 17 Uhr am Parkplatz an, um mich auf die Suche nach meinen schlafplatzspendenden „Caravan-Freunden“ zu machen, die mich mit einem ungewollt unlustigen Scherz, sie wären doch am Caravan 3-Platz (siehe Geländekarte) sogleich auf die Probe stellten. Als ich dann dort vollbepackt meine Runden drehte, meinten sie dann, dass sie ja am Caravan 1 wären (selten so gelacht). Zumindest wurde ich dann mit einem kühlen Bier vom Durchlaufkühler empfangen.

Bevor dieser Artikel bereits jetzt zu einem Erlebnisaufsatz verkommt, sollte das diesjährige Line-Up nicht unerwähnt bleiben. Und das hatte bereits am ausverkauften Warm-Up Day ein paar Kapazunder, wenn auch bereits alte NOVA ROCK-Bekannte, am Start. Der Plan war also, bei AIRBOURNE vor der Bühne zu stehen, was mit dem Unterfangen, eine Cashless-Card zu besorgen, mit einigen Verzögerungen und bei einer Spielzeit von 45 Minuten nur bedingt möglich war.  Auch der Weg zur Blue Stage war länger als erwartet, sodass ich eigentlich nur mehr den Abschlusssong „Running Wild“ zur Gänze mitbekam.

Berichten zufolge bekam das bereits zahlreich anwesende Publikum von AIRBOURNE die erwartete Vollbedienung in Sachen Rock’n’Roll und somit eine würdige musikalische Aufwärmrunde spendiert. Zeitbedingt musste zwar die Klettershow des Frontmanns auf einen Bühnenturm ausfallen, das obligatorische „Bierdose-auf-den-Kopf-dreschen“ und einen Ausflug ins Publikum auf den Schultern eines Securities blieben trotzdem fixe Programmpunkte.

Den Partymodus starteten danach aber STEEL PANTHER erst richtig. Von einem Geheimtipp erarbeitete sich die Band durch ihre wöchentliche Show am Sunset-Strip in Los Angeles den Status als auf europäischen Festivals gern gesehene Comedy-Hard-Rock-Band. In puncto Show und Ansagen sind STEEL PANTHER eine Klasse für sich, doch vor allem war ich auch wieder überrascht, welche ausgezeichneten Musiker hier auf der Bühne stehen und bei bestem Sound einen schlüpfrigen Hit nach dem anderen vom Stapel lassen.

Vor allem der Wortwitz der Songs des Debütalbums „Feel The Steel“ ist nachwievor unschlagbar: So amüsierten mich vor allem „Fat Girl“, der Metal-Übersong „Death To All But Metal“ und der obligatorische Hit „Community Property“. Mit dem letzten Song „Party All Day (Fuck All Night)“ forderten STEEL PANTHER das Publikum gemäß dem Songtitel auf, was sie von einem Festival erwarten, vor allem wenn laut Sänger Michael Starr am NOVA ROCK die schönsten Frauen der Welt sein sollen.

Als die einzige moderne Metalband des Tages regierten danach FIVE FINGER DEATH PUNCH mit ihren einprägsamen Songs die Blue Stage und unterhielten souverän ihre Fans, auch wenn Originalsänger Ivan „Ghost“ Moody gar nicht am Start war. Das hielt Ersatzsänger Tommy Vext aber nicht davon ab, ordentlich Gas zu geben und ihm muss man für seinen Einsatz definitiv Respekt zollen. Somit ging die Menge bei den Nackenbrechern „Got Your Six“, „Jekyll And Hyde“ und vor allem bei „Burn MF“ ordentlich ab. Die kurzweilige Metal-Show wurde somit anständig abgeliefert, bevor der nun folgende Headliner mit gemischter Vorfreude erwartet wurde.

Die musikalische Entwicklung einer Band ist immer so eine Sache. Fans erster Stunde tun sich damit oftmals sehr schwer. Meiner Meinung nach obliegt es aber der Band selbst, was sie aus ihren Talenten und Möglichkeiten macht. Natürlich ist es oft und vor allem bei LINKIN PARK schwer zu beurteilen, wie viel Einfluss die Produzenten bzw. Plattenindustrie auf die Künstler ausübt. Einer kreativen Evolution einer Band bin ich aber alles andere als abgeneigt, u.a. Acts wie PARADISE LOST haben dies mit ihrem Werk „Host“ bereits 1999 vorexerziert und ihre Fans mit elektronischen Klängen ordentlich vor den Kopf gestoßen. Wenn jedoch aus rein kommerziellen Gründen radiotaugliche Ausschussware produziert wird, ist das auch mir ein Dorn im Auge.

Nicht nur bei Live-Konzerten kommt es oft auf die Erwartungshaltung an und die war bei LINKIN PARK durch teilweise grandiose NOVA ROCK-Konzerte 2007, 2011 und 2012 verständlicherweise hoch. Ich hatte mich schon auf das Schlimmste vorbereitet und wusste, dass die Geduld bis zu den Hits auf die Probe gestellt werden würde. Der erste härtere Höhepunkt war somit „One Step Closer“ als fünfter Song, auf den aber sogleich wieder ruhige „Radio-Songs“ (u.A. das unsägliche „Good Goodbye“) folgten.

Im Mittelteil brachten es dann doch die bekannten Fan-Favoriten „New Divide“, „Breaking The Habit“ und vor allem „Crawling“ zustande, dass das Menschenmeer vor der Blue Stage abging. Ab dem Zeitpunkt wechselnden sich neue Songs mit dem Nu-Metal Sound der LINKIN PARK Anfangstage ab, bevor die Durchbruch Songs „Faint“ und als erste Zugabe „Numb“ vom 2003er Werk „Meteora“ an die Reihe kamen. Zum Ende hin versöhnten LINKIN PARK dann noch mit „Bleed It Out“, der 2007 am Festival noch als neuer Song vorgestellt wurde. Inzwischen ist viel passiert und es wurden viele neue Fans gewonnen, die das rege Publikumsaufkommen erklären. Denn die Menschenabwanderung nach dem Headliner war eine gewaltige.

Waren bei LINKIN PARK bis zum Schluss weit nach Mitternacht sicher noch zehntausende Leute anwesend, musste sich der Late Night Act FATBOY SLIM mit ein paar Tausenden begnügten. Das hielt den 52-jährigen Kult-DJ Norman Cook aber nicht davon ab, den Verbliebenen eine Vollbedienung in Sachen Elektro-Musik zu geben, die zu den Beats ordentlich abshakten. Die minimalistischen Wortfetzen im Opener „Eat, Sleep, Rave, Repeat“ nisteten sich als Ohrwürmer über die nächsten Tage nicht nur in meiner Großhirnrinde ein.

Bis zu den großen Hits wie „Right Here, Right Now“ und den „Rockafeller Skank“ musste bei der 1 ½-stündigen Show, die erst nach 1 Uhr früh begann, durchgehalten werden. Ich schaffte das leider nicht ganz und fiel um ca. 2 Uhr früh in unruhigen, der Bassbeschallung am Caravan-Platz“ geschuldeten Schlaf.


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