15.06.2017, Pannonia Fields II, Nickelsdorf

NOVA ROCK 2017 - Donnerstag

Text: Florian Rosenberger | Fotos: Stefan Kuback | Video: Kalti
Veröffentlicht am 23.06.2017

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Nachdem für zahlreiche NOVA ROCK-Besucher das Motto des Warm-Up Days „Nüchtern bin ich schüchtern, nur besoffen bin ich offen“ war, schlug auch bei mir der Kater am Donnerstag unerbittlich zu, obwohl vorm Schlafen fleißig Wasser getrunken wurde und noch ein überteuerter Hot Dog (der mir dann sogar noch doppelt verrechnet wurde) den Magen füllte. Bei wenig Schlaf und Sonnenaufgang um ca. 5 Uhr früh waren dies nicht gerade die besten Voraussetzungen für den musikalisch interessantesten Tag des Festivals. Es standen doch einige Metalacts wie DEVILDRIVER, SUICIDAL TENDENCIES, GOJIRA, ALTER BRIDGE, MASTODON, IN FLAMES und SLAYER am Programm.

Doch bis zum ersten Konzert um ca. 15 Uhr musste ein extrem sonniger Tag überstanden werden, was doch äußerst mühsam war. Ich tat mein Bestes, meinen Körper wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Zumindest konnte man sich zu dieser Uhrzeit in den vorderen Reihen schon im Schatten der riesigen Bühnen verstecken. Vor dem Staub, der dann durch die ersten Moshpits des Tages bei DEVILDRIVER aufgewirbelt wurde und sich den ganzen Tag nicht mehr legte, schützen sich einige durch über die Nase und Mund gebundene Bandanas, was viele im Publikum wie Gangmitglieder aussehen ließ.

Doch bevor es zu den „Gangster-Metallern“  von SUICIDAL TENDENCIES ging, die ihre Bandanas lieber auf der Stirn tragen, musste noch ein Eindruck über DEVILDRIVER gewonnen werden. Und dieser war nach doch einigen sehr guten erlebten Konzerten der Groove-Metaller eher ernüchternd. Nach Berichten von Kollegen Kalti zufolge war „der Sound komplett scheiße, Schlagzeug und Bass viel zu laut, dafür hat man die fucking wichtige Gitarre null gehört, sodass man nicht einmal die bekanntesten Lieder auf Anhieb erkennen konnte“. Anscheinend wurde die Situation aber zum Schluss des Konzerts besser.

Da war ich aber schon bei den zeitgleichen SUICIDAL TENDENCIES und dies war wohl eine der letzten Möglichkeiten, die Kultband live zu sehen. Es scharrten sich doch einige Fans vor der Blue-Stage und der Altersdurchschnitt der Anwesenden war deutlich gestiegen. Da feierten einige ihre alten Helden, die ja auch einen Lifestyle (vor allem für Skater) verkörperten, ordentlich ab. Die Instrumentalfraktion beeindrucke mich durchaus, obwohl mich der fast zu lässige Kleidungstil mehr an eine Basketballmannschaft als an eine Band erinnerte. Ex-SLAYERs Dave Lombardo am Schlagzeug machte da noch die beste Figur. Sänger Mike Muir wurde mir mit seinen politischen Ansagen und spastischen Körperzuckungen auf die Dauer etwas zu mühsam. Für Fans sicher ein guter Auftritt, so ganz meins war es halt leider nicht.

Zu den Klängen von THE DILLIGER ESCAPE PLAN verabschiedete ich mich für eine kurze Verschnaufpause Richtung Caravan-Platz. Mein erster Duschgang auf dem Festival stellte um ca. 17 Uhr kein Problem dar. Immer wieder wundere ich mich über die stundenlangen Warteschlangen am Vormittag, die anscheinend durch einen gesellschaftlichen Neo-Urinstinkt - sich morgens waschen zu müssen - auf sich genommen werden. Vor allem weil du bei der Hitze und dem Grind am Zeltplatz am Nachmittag sowieso wie davor daherkommst.

Nachdem ich nun halbwegs erfrischt – die Duschtemperatur lag bei 40 Grad! – wieder Richtung Red-Stage wanderte, sah ich noch viele Zeltplatz-Neuankömmlinge, die unverständlicherweise palettenweise warmes Bier vom meilenweit entfernten Parkplatz zur ihrem Schlafquartier schleppten. Und das, obwohl es am Campingplatz gekühltes Bier um 1,5 € zum Erwerb gibt. Anscheinend gehören solche Strapazen einfach dazu, quasi Masochisten. Gut, nicht mein Problem.

Ich machte mich unterdessen für mein persönliches Festivalhighlight GOJIRA startklar. Spielen die Franzosen albumtechnisch schon in einer anderen Liga, waren die in Österreich - leider bisher nur auf Festival - stattfindenden Konzerte von einer anderen Welt. Mein erstes GOJIRA Konzert am NOVA ROCK 2012 irgendwann um die Mittagszeit habe ich noch gut in Erinnerung. Genauso die letzten beiden ROCK IN VIENNA Auftritte 2015 und 2016. Die Vorfreude war unermesslich hoch, GOJIRA einmal nach 18 Uhr und vor allem mit ihrem neuen Opus Magnum Album „Magma“ zu sehen.

Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Sämtliche Songs des neuen Albums wie „Only Pain“, „Silvera“ und „Stranded“ fuhren bei fetten Sound ordentlich in die Gebeine rein. Der spezielle Gitarrensound und die ausgefeilten Kompositionen ließen mich vor Ehrfurcht erzittern. Ich war auch sehr angetan, dass der Wavebreaker der Red-Stage äußerst gemütlich gefüllt und somit der Blick auf die Live-Performance der Band ein ungetrübter war. Dies wäre auf der Blue-Stage nur mit Körperkontakt möglich (und ich war ja gerade frisch geduscht).

Nach GOJIRA ging es nur kurz zu der härtesten Gute-Laune Band der Welt ALTER BRIDGE, die ich seit den Anfangstagen interessiert verfolge und mit denen ich auch schon mal ein Interview für STORMBRINGER machte. Doch da dies mein siebentes Konzert und sicher nicht mein letztes gewesen war, machte ich mich gleich wieder auf den Weg zu MASTODON. Für das ALTER BRIDGE Songtriple „Isolation“, dem Geniestreich „Blackbird“ und dem groovenden „Metalingus“ reichte die Umbaupause auf der Red-Stage aber aus. Das Publikum zeigte sich wie immer begeistert.

Ein wenig schwieriger wurde es für MASTODON das Festival-Publikum auf seine Seite zu ziehen. Besonders da Fans der nachfolgenden Band A DAY TO REMEMBER ihr Nicht-Interesse zeigten. Ungern erinnere ich mich an das NOVA ROCK 2007, wo MASTODON vor SLIPKNOT Fans spielen mussten und sich mit den Worten „Thank you for absolutely nothing“ verabschiedeten. So schlimm war es zehn Jahre später für die Ausnahmeband nicht, zeigte man sich selbstbewusst, konzentriert  – und nüchtern. So konnten sie vor allem Material des neuen Referenzalbums „The Emperor Of Sand“ ans Volk zu bringen.

Und das gelang leichter, ob der doch eingängigeren Songs wie „Sultan’s Curse“ und „Ancient Kingdom“, bei dem der melodiöse Gesang von Schlagzeuger Brann Dailer sich in die Gehörgänge schmiegt. Ganz einfach machten es MASTODON den erschienen Zuhörern aber mit den wilden („The Wolf Is Loose“), schrägen („Bladecatcher“) und äußerst komplexen („Megalodon“) Songs aber doch nicht. Gitarren- und gesangtechnisch boten MASTODON ganz großes Kino und gefielen mir fast noch einen Deut besser als die zuvor gelobten GOJIRA. Definitiv war auch der Sound um Welten besser als noch beim Arena Konzert im Sommer 2016, was damals dafür die euphorische Stimmung im Publikum ausglich.

Am Hauptabend nach 20 Uhr standen dann allseits bekannte Bands am Programm. Etwas ausführlicher lasse ich meinen stormbringer Kollegen Kalti über GOOD CHARLOTTE berichten:

GOOD CHARLOTTE - Die Helden so mancher unserer Kindheiten. Die Mädels sind reihenweise umgefallen, ein Treffen mit einem der Madden Brüder hätte wahrscheinlich eine Herzinfarktwelle ausgelöst. Seit Jahren ist es ruhig um die Pop- Punk Band aus Maryland geworden. Kaum mitbekommen hat man das 2010er Album „Cardiology“ oder das 2016er Werk „Youth Authority“. Sehr gering waren die Erwartungen an eine Band, die ihren Zenit schon vor 15 Jahren hatte, aber grandios war die Überraschung der Band.

Anfangs nur als Hintergrundmusik beim Verdrücken von geilem Hipster – Pulled Pork mitbekommen, musste man nach erfolgreichem Hunger stillen feststellen: „Fuck, die sind richtig gut“. Joel Madden überzeugt mit einwandfreier Stimme und das Publikum dankt mit einer super Stimmung. Eine saugeile Performance gepaart mit den klassischen Ohrwürmern von „I Just wanna live“ bis zu „Hold On“. Schade für euch Mädels, dass die Madden Brüder mit Nicole Richie und Cameron Diaz verheiratet sind. – [Kalti]

Nachdem ich mir bei GOOD CHARLOTTE eine Nudelbox reingezogen habe, ging es zu IN FLAMES, die ich gefühlt schon zig Male auf Festivals gesehen habe. Die Konzerte am TWO DAYS A WEEK 2009 und am SUMMERBREEZE 2013, waren nicht von schlechten Eltern und ich hatte als „Nicht-Fan-der-ersten-Stunde“ kein so ein großes Problem mit dem oftmals kritisierten musikalischen Wandel der Band.

Auch Kollege Kalti äußert sich wie folgt: „Ich fand es nicht so poppig wie alle behaupten und musikalisch, genauso wie gesanglich wieder top. Die neuen Lieder gehen nicht mehr so ab, wie die alten aber das tut nichts zur Sache. Es waren verdammt wenige Leute da, somit war unendlich viel Platz im Wavebreaker.“ IN FLAMES brachte es mit ihren Klassikern zustande, dass müde Geister in mir geweckt wurden.

Und so schaffte ich es dann auch noch zu den heiß erwarteten NOVA ROCK Jungfrauen BLINK 182, die noch nie auf den Pannonia Fields eine Bühne bespielten. Die Punk-Rock Songs der Kalifornier brachten gute Laune ins Publikum, obwohl jeder auf die bekannten Klassiker, wie „What’s my age again?“ wartete. Und genau das ist auch das Dilemma der Band: Es ist schwierig Teenager-Hymnen mit über 40 Jahren glaubwürdig rüberzubringen.

Dazu Kollege Kalti: „BLINK 182 waren sehr bemüht, aber halt auch nicht recht viel mehr. Wenn man sie mit GOOD CHARLOTTE vergleicht definitiv viel mieser und trotz der alten Punk Hymnen, die jeder kennt, mehr schlecht als recht. Auch ist mir vorgekommen, wie wenn gegen Ende hin immer mehr Leute das Gelände verlassen haben, was auch nicht wirklich ein gutes Zeichen ist.“

Und zu SLAYER sind sicher die wenigsten abgewandert. Doch auf die Metalheads am NOVA ROCK ist Verlass und so holzten sich SLAYER vor ihren Fans wie immer gnadenlos durch ihr Set, dass ich dann aber schon von der Schlafstätte akustisch verfolgte. Der Schlafmangel hinterließ seine Spuren. Somit überlasse ich Kalti die letzten Worte des Tages: „SLAYER habe ich dann noch beim „Auf- den-Bus-Warten“ gehört. Die waren fucking laut, aber hat sich ziemlich geil angehört. Bei „Raining Blood“ ist es sogar in der Warteschleife beim Shuttlebus voll abgegangen!“ Kalti zeichnet sich übrigens auch für folgendes geniale Video von eben jenen NOVA ROCK Tag verantwortlich:


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