7.6 und 8.6.2017, Sölvesborg, Sölvesborg

SWEDEN ROCK TAG 1 und 2

Text: manfred | Fotos: manfred
Veröffentlicht am 26.06.2017

Wie  in den vergangenen beiden Jahren machte sich unsere illustre Gesellschaft dazu auf, das Sweden Rock Festival in Solvesborg unsicher zu machen. Mittlerweile ist Routine eingekehrt, dennoch stellt sich spätestens auf der Fahrt von Kopenhagen zum Ort des Geschehens immense (Vor)Freude ein, welche nicht nur in den im Duty-Free-Shop erstandenen Genussmitteln begründet liegt. Immerhin kann man mit Fug und Recht behaupten, dass das Sweden Rock Festival zu den besten und vor allem am besten organisierten Festivals Europas, wenn nicht sogar weltweit gehört. Natürlich sind für die Beliebtheit des Festivals vor allem die gebuchten Bands ausschlaggebend, doch auch der Service war wie immer äußerst lobenswert. Doch nun zum Wichtigsten an einem Festival, und das sind und bleiben die Bands und ihre Musik.

Mittwoch

Der Startschuss fürs Sweden Rock Festival ist am Mittwoch um 15.30 Uhr. Da dies aber auch unser Anreisetag ist kommen wir erst am frühen Abend zu ART NATION auf das Gelände. Leider spürt man nichts von einem lauen Sommerabend. Unvorhergesehene und äußerst heftige Windböen mit starkem Regen machten den bereits sehr kühlen Tag alsbald ungemütlich. Da es einigen zu sehr durch den dünnen Hoodie pfeift, beschließen wir auf unsere Gesundheit und die kommenden Festival-Tage bedacht, den Tag früher als geplant ausklingen zu lassen, doch alles der Reihe nach.

ART NATION. Die Musiker begeistern die Fans mit ihrer Lässigkeit und mit spielerischem Können und sind ständig in Bewegung. Aber was Sänger Alexander Strandell fabriziert ist nicht nur für mich unglaublich. So perfekt und vor allem mitreißend zu singen, verdient das Prädikat "Weltkasse". Natürlich soll das die Leistung seiner Mitmusiker nicht schmälern. Eine perfekt aufeinander abgestimmte Einheit glänzt an diesem Abend. Die Band schießt ein Feuerwerk ihrer Hits auf die tobende Masse ab, sodass wirklich keiner der Fans still stehen kann. Ob bei „All In“ oder „Kick Up & Kick Down“, die Fans singen jede Zeile mit, und somit ist der Auftritt von ART NATION einer der Highlights des Festivals. Das einzige Manko des wirklich starken Auftritts bleibt aber der Sound, der von der steifen, eiskalten Brise verblasen wurde.

Weiter geht‘s im Rockklassiker-Zelt, wo LOST SOCIETY den Fans so richtig den Marsch blasen und die Fans sogar zum Niederknien auffordern. Geiler Auftritt, aber es warten schon GRAND MAGUS auf der 4 Sound-Stage, die den True Metal-Jüngern so richtig einheizen und mit Songs wie "Steel Versus Steel“, "On Hooves Of Gold "oder " Like The Oar Strikes" alles richtig machen.

HELIX auf der Sweden Stage sind nett zum Ansehen, können mich aber nicht sonderlich begeistern. Okay - „Gimme Good Lovin“ ist schon ein richtig geiler Song, aber der einzige Höhepunkt. Bei GRAVE DIGGER stürmt es richtig und die ganze Bühne und das Equipment wird komplett nass. Dies tut der Stimmung aber keinen Abbruch, denn Tracks wie  „Healed By Metal“, „Rebellion“, „Excalibur“ oder „Heavy Metal Breakdown“ sind richtige Livegranaten und immer ein Garant für ausgerenkte Halswirbel. Klasse Show! An Fotografieren ist aber nicht mehr zu denken, weil der Regen so richtig fies runterpeitscht.

 Damit war für uns war jetzt der erste Tag zu Ende, denn vor BLACK STAR RIDERS gaben wir w.o., um für den zweiten Tag fit zu sein (oder auch nicht!).

Natürlich möchte ich dazu erwähnen, dass es fast unmöglich ist, einen objektiven und allumfassenden Festivalbericht zu schreiben, wenn so viele erstklassige Bands oft gleichzeitig spielen und man auch noch fotografieren muss. Aber ich werde euch so gut es eben geht einen Hintergrundbericht und die Highlights des Festivals näherbringen.

DONNERSTAG

Genialer kann ein Festivaltag nicht beginnen. Ausgeruht und frisch geduscht kommst du aufs Gelände, und PHIL CAMPBELL & THE BASTARD SONS starten gerade mit „Big Mouth“. Die Sweden Stage ist mittags bereits gut besucht und die Herren rocken gleich mit Volldampf los. MOTÖRHEAD-Klassiker wie „Rock Out“, „Going To Brazil“, “Ace Of Spades“ und natürlich „Eat The Rich“ dürfen auch nicht fehlen. Es bleibt sogar noch etwas Zeit und die Herren entschließen sich dazu, noch schnell „Children Of The Grave“ zu intonieren.

Während APOCALYPTICA auf der riesigen Festival-Stage etwas verloren wirken, machen wir uns auf den Weg zu NIFELHEIM, die eine fette Show abliefern und mit ihrem witzigen Outfit wie eine wandelnde Alteisensammlung aussehen.

ICED EARTH spielen zeitgleich mit HARDLINE und ich bekomme echt die Krise, zu wem ich mich wenden soll. „Great Heathen Army“ ist der fette Einsteiger bei ICED EARTH und geht gleich nahtlos in „Burning Times“ über. „Pure Evil“, „I Died For You“, „The Hunter“ werden gnadenlos runtergehämmert und Sänger Stu Block klingt mittlerweile schon wie der Zwillingsbruder von Matthew Barlow. Dazwischen mal schnell zur Sweden Stage gelaufen um einigen Songs von HARDLINE zu lauschen. Fazit: ein großartig agierender Sänger mit Johnny Gioeli und Klassiker wie „Dr. Love“, „Hot Cherie“ oder auch „Fever Dreams“ sind die Zutaten für einen Topauftritt.

Doro mit WARLOCK schenke ich mir, weil THE HAUNTED die 4 Sound-Stage gerade zum Einstürzen bringen. Richtig geiler Abriss am Nachmittag, und ich hole mir lieber ein Bier, um den nervigen Song „Für Immer“ von DORO ohne Nachwirkungen zu überleben. IAN HUNTER mit seinem Siebziger-Rock ist mir zu langweilig, daher eile ich weiter. ALTER BRIDGE versus FATES WARNING steht als nächstes am Plan und wieder schaue ich mir jeweils die Hälfte der Shows an, wobei ALTER BRIDGE der klare Gewinner sind (hier gibt es jetzt echt massig Abzüge in der B-Note für's FATES WARNING-nicht-Huldigen! Anm.d.Korr.).

Danach ist im ELON-Zelt am Festivalgelände richtig was los, denn THE DEFIANTS mit Rob Marchello, Paul Laine und Bruno Ravel spielen ein Accousticset mit unsterblichen Hits von DANGER DANGER, JOURNEY oder auch AC/DC. Im rappelvollen Zelt ist richtig Stimmung angesagt und die drei sympathischen Jungs stehen danach noch für Selfies (Autogramme sind ja mittlerweile nicht mehr in...) und für Smalltalk zur Verfügung. Absoluter Weltklasseauftritt, und genau solche Überraschungen machen einfach das Flair vom SRF aus. 

STEEL PANTHER polarisieren wie immer ganz gewaltig, mobilisieren aber dennoch viele Fans und das erste Mal gibt‘s beim Sweden Rock nackte Titten zu bestaunen. Beim Song „17 Girls In A  Row“ werden einige Mädels auf die Bühne geholt und aufgefordert ihre nackten Brüste zu zeigen, was auch manche tun. Ehrlich gesagt, ist die Show der Fickmonster (*lol*; Anm.d.Korr.) immer das Gleiche und für mich ist der Auftritt eher langweilig. Einerlei, den Fans gefällt‘s, denn die Songauswahl mit Klassikern wie „Eyes Of  A Panther“, „Death To All But Metal“, „Just Like Tiger Woods“ oder „Party All Day“ ist ja beeindruckend, nur fehlt mir der Übersong „Asian Hooker“ und das übertriebene Gepose der Protagonisten nervt auf die Dauer.

VEONITY und WINTERSUN haben es schwer, gegen die übermächtigen AEROSMITH ankämpfen zu müssen. Schon im Vorfeld war klar, dass die Show von Steven Tyler und Co. nur ein paar ausgewählte Fotografen knipsen dürfen und die hatten aber auch einige Auflagen. Aber ehrlich gesagt finde ich das sinnlos, denn beim Sweden Rock dürfen Kameras mit auf das Gelände genommen werden und wenn man sich in den ersten Reihen platziert, bekommt man oft bessere Bilder als im Fotograben, weil diesmal die Bühne um einiges höher war als die letzten Jahre. Schwamm drüber, AEROSMITH waren top, Megahits wie „Crying “, „Living On The Edge“, „Love In An Elevator“ bis hin zu „Walk This Way“ erzeugen eine Riesenstimmung, und als gegen Ende des Sets Steven Tyler am Laufsteg am weißen Piano „Dream On“ singt, haben einige Fans Tränen in den Augen. Ein Konfettiregen beendet ein tolles Konzert.

EDGUY auf der Rockstage waren ein würdiger Rausschmeißer. Fette Feuerfontänen und Pyros, die mir im Fotograben fast meine Ohren rausreißen, begleiten das Best Of-Programm der Band. „Vain Glory Opera“, „Mysteria“, „Tears Of A Mandrake“ oder das selten gespielte „The Piper Never Dies“ kommen zum Zug, und mir wird so richtig bewusst, wie berühmt die Band geworden ist. Ich habe die Jungs vor 20 Jahren in München mit ETERNITY X gesehen, da konnte man noch nicht erahnen, wie erfolgreich die Herren aus Fulda mal sein würden. Sehr geil Tobi …


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