9.6 und 10.6. 2017, Sölvesborg, Sölvesborg

SWEDEN ROCK Tag 3 und 4

Text: manfred
Veröffentlicht am 26.06.2017

Freitag

PRIMAL FEAR am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen. Ralf Scheepers und Co. sind richtig hungrig und es ist schon um 12 Uhr Mittag verdammt voll vor der Bühne. Die Schwaben starten mit „Final Embrace“ und zelebrieren ein Metalfest der Extraklasse. Da Sweden Rock immer für einige Überraschungen gut ist, gesellt sich Gitarrist Magnus Karlsson zur Band und mit drei Gitarren bekommt man ein richtiges Riffinferno über den Schädel gezogen. „The End Is Near“, „Chainbreaker" und "Metal Is Forever" sorgen für einen fulminanten Start in den nächsten Tag. Was für ein Hammergig.

Die Rockklassiker Allstars im Zelt spielen sich danach mit einigen prominente Gästen durch die Metal-Hits der letzten 30 Jahre, dennoch wird es aber wieder Zeit für ein Kaltgetränk .

KIX ist eine Band mit der ich mich noch nie so richtig beschäftigt habe. Aber anscheinend hab ich da irgendwas verpasst, denn die Fans grölen den gesamten Gig lautstark mit und zugegeben Tracks wie  „Wheels In Motion“, „Cold Blood“ oder auch „Hot Wire" sind richtig geile Partysongs. Also für mich eine der Überraschungen am Freitag.

Da ich GOTTHARD erst vor kurzem in München sah, zieht es mich zu den THE DEAD DAISIES zur 4 Sound Stage und ich bereue es nicht. Die Herren Rockstars brennen ein Hardrock Feuerwerk ab, das seinesgleichen sucht. Ein Wahnsinns Gig der Sonderklasse. Hier sind fünf sympathische Szeneveteranen am Werk, die mit so viel Spaß agieren, das merkt man danach auch noch bei der Autogrammstunde. Freu mich auf den Gig in Salzburg.

GOTTHARD wird inzwischen von meinem Bruder beehrt. Auch er erlebt einen Weltklasseauftritt. Bei „Heaven“ wird auf der Videoleinwand Steve Lee eingespielt, was für einige Tränen sorgt. Ein sehr emotionaler Gig und Sänger Nic Maeder ist jetzt richtig angekommen. Nein, er ist nicht mehr der Neue, sondern ein grandioser Entertainer und Sänger.

Bei METAL CHURCH, die gleichzeitig mit CLUTCH spielen, braucht man nicht überlegen wem man den Vorzug gibt. Zum einen haben die Amis der metallenen Kirche mit Mike Howe einen Ausnahmesänger in ihren Reihen und zweitens verfügen sie über erstklassiges Songmaterial. Das Set besteht aus fast allen Hits, das durch wenige neue Songs aufgelockert wird. Vom Opener „Fake Healer“ über „Start The Fire“ bis hin zu „Gods Of Wrath“, ein BestOf-Programm von einer Band, die zu einem neuen Höhenflug angesetzt hat. WAHNSINN

Nach eher durchwachsenen Darbietungen von LUCIFERS FRIEND und THE BRANDOS heißt es wieder Klassiker.Alarm.

Auf keine Band habe ich mich so gefreut wie auf RATT. Als die Herren um Stephen Pearcy die Bühne betreten sind fast alle Schreiberlinge der einschlägigen Magazine anwesend. Keine andere Band hatte im Vorfeld solchen Staub aufgewirbelt. Aber ganz nüchtern betrachtet muss ich sagen, dass der Gig nur durchschnittlich ist. Ok, Tracks  wie „Wanted  Man“, „Back For More“,  „You’re in Love“ oder auch „Round And Round“ sind aus keiner 80er-Playlist wegzudenken, aber dennoch ist im Mittelteil des Sets ein wenig Langweile angesagt.

Auf der Sweden Stage eröffnet Al Jourgensen mit MINISTRY das Kontrastprogramm für die härtere Fraktion. Mit einem Opener wie „Psalm 69“ kann man da nichts falsch machen. Die Jungs spielen ihren Industrial unprätentiös und ohne viel Show und Tamtam. Songs wie „Rio Grande Blood“, „Senior Peligro“oder „Lies Lies Lies“ gehen vorm Ohr direkt in die Birne. Am meisten abgefeiert wird aber N.W.O. Fazit: Guter Auftritt!

 

SCORPIONS feiern mit den Fans eine richtige Party und sorgen für Volksfeststimmung. Abgerundet wird das Spektakel mit einer gigantischen Lichtshow, einem Bombensound und einer imposanten Bühnendeko. Eine starke Vorstellung, geile Setlist und sogar ein Song von MOTÖRHEAD - „Overkill“ - wird als Hommage an den verstorbenen Metalgott Lemmy gespielt. Die Setlist ist natürlich ein Greatest Hits Programm, in der fast keiner der vielen Klassiker fehlen darf. „Bad Boys Running Wild“, „Coast To Coast“, „Wind Of Change“ und viele andere Hits mehr schmettert die Band grandios ins Publikum, das die Band verdientermaßen abfeiert. Aber auch neuere Hits wie „Going Out With A Bang“ kommen sehr gut an. Im Zugabenblock kommen noch „Coming Home“, „Still Loving You“ und „Rock You like A Hurricane“ zum Zug und man muss ehrlich gestehen ein Konzert der Superlative gesehen zu haben.

RUNNING WILD beenden dann den Freitag mit einem Donnerschlag oder sagen  wir besser Flammeninferno.  Eine toll aufspielende Band , ein großartig aufgelegter Captain und ein grandiose Setlist welche wirklich alle großen Hits beinhaltet. Eine der besten Shows auf dem diesjährigen Sweden Rock. Kein Wunder wird die Bühne gleich mit „Fistfull of Dynamite“ und „Bad to the Bone“ geentert. Weiter geht’s dann im gleichen Tempo. Hits wie „Soulless“ und „Riding the Storm“ werden mit einer Spielfreude gezockt, die man Rock’n’Rolf nicht mehr zugetraut hätte. Nichts erinnert an die müde „Reunion“-Show in Wacken. Man hört noch bis tief in die Nacht die Fans „Under Jolly Roger" grölen. Gute Nacht!

SAMSTAG

AMORPHIS eröffnen den Samstag mit einem gewohnt starkem Auftritt. ELECTRIC BOYS spielen zeitgleich und das Publikum frisst den Schweden aus der Hand, dass man die Herren schon früh am Tag getrost als eine der Gewinner des Festivals bezeichnen darf. Die Gentlemen-Rocker von THUNDER und ihr Sweden Rock Auftritt werden zu einer Erfolgsgeschichte par excellence. Die Band kann es sich sogar erlauben, auf Klassiker der Marke „Love Walked In“ oder „Dirty Love“ zu verzichten. Sänger Danny Bowes und seine Mannen versprühen Spaß ohne Ende und das textsichere Publikum weiß das gebührend zu honorieren.

CANDLEMASS packen Ihre Chance beim Schopf und machen das absolut Beste aus ihrer 70-minütigen Spielzeit. Frontmann Mats Leven und seine Mannen geben Vollgas und schaffen es, eine ausgewogene Setlist in dieser Zeit zu verpacken. Die Fans wissen das zu schätzen und erleben wie eine oft abgeschriebene Band ihren dritten Frühling erlebt. Im Zusammenspiel mit den Feuerfontänen gerät diese Zeitreise zu einem Triumphzug sondergleichen. „Mirror, Mirror“, “Crystal Ball“ oder „Solitude“ - schlicht und einfach grandios.

Die Menge freut sich auf Idole wie Tarja, Joe Lynn Turner, Dan McCafferty, Peter Tägtgren, John Lawton oder Joacim Cans, die allesamt beim Sweden Symphony Orchester mitwirken. Es tut mal wieder gut, Songs wie den NIGHTWISH Klassiker „Nemo“, „Love Hurts“ von NAZARETH oder den MALMSTEEN-Oldie „Rising Force“ mit Orchesterbegleitung zu hören. Alles nett anzuhören, bis die Zugabe „Thunderstruck“ von AC/DC alles zunichtemacht. Alle Sänger dürfen hier mitträllern, was ja eigentlich ok ist, nur leider verwechselt Tarja den Song und singt in ihren typischen Opernstil mit und verhunzt den Songs ganz erbärmlich. Unfassbar, so eine Demontage eines legendären Songs! Ganz schlimm. (Anm. d. Lekt.: Wenn dir Tarja das nächste Mal über den Weg läuft, legen wir zusammen und besorgen dir einen guten Gehörschutz. Versprochen.)

RHAPSODY haben sich ja wieder mit Luca Turilli versöhnt und eröffnen ihr Set rasant mit „Emerald  Sword“ und präsentieren dann ein BestOf-Programm quer durch die lange Karriere, wobei der Hauptaugenmerk auf das Album „Symphony Of Enchanted Land“ gelegt wird. Mit „Land Of Immortals", „Holy Thunderforce“ und „Dawn Of Victory" setzen sich die Herren beim begeisterten Publikum locker durch. Ein würdiger Auftritt im Rahmen der 20th Anniversary Farewell Tour. Mal schauen, ob es nur bei ein paar Auftritten bleibt oder ob die Herren wieder Blut geleckt haben.

Pünktlich um 19:00 Uhr treten die RIVAL SONS aus Long Beach, Kalifornien auf die Mainstage. Was waren das noch für Zeiten, als wir sie vor Jahren in der Rock House Bar vor 70 Zusehern gesehen haben. Aber Jay Buchanan und geht förmlich in seinem Gesang auf und Gitarrist Scott Holiday bleibt auch oder vor allem wegen dem enormen Andrang vor der Bühne eine verdammt coole Socke. Vor allem die bei den Hits „Electric Man“ und „Pressure and Time“ geht das Publikum ordentlich mit, aber auch die gefühlvolleren Songs wie „Where I’ve been“ oder „Secret“ werden frenetisch abgefeiert. Mir persönlich gingen ein, zwei Nummern zwar ab, aber gegen eine begrenzte Spieldauer kann man nichts machen. Mit „Keep on Swinging“ ging nach eineinhalb eine fantastische Show zuende.

Die folgenden CARCASS treten den anwesenden Fans so richtig in den Hintern und ballern ihre Hits im Minutentakt raus.

VENOM auf der Sweden Stage schmettern wie erwartet die Songs mit kompromissloser Härte hinaus, aber auch mit Feuerfontänen wird nicht gespart. Alle Klassiker wie „Black Metal“, „Welcome To Hell“, „Witching Hour“ oder auch „Warhead" werden mit ungeheurer Präzession runtergezockt. Auf alle Fälle sind VENOM noch immer absoluter Kult.

 

Leider spielen IN FLAMES, von denen ich nur eine halbe Stunde sehe, und TREAT als letzte Bands am Samstag gleichzeitig. Bei TREAT wird gesungen und getanzt und man liegt sich bei den ruhigeren Songs selig in den Armen. Natürlich ist eine Menge Nostalgie mit ihm Spiel, denn TREAT feiern das 30jährige Jubiläum des Megaalbums „Dreamhunter“ und haben deshalb eine ganz spezielle Setlist mit allen Hits dabei. Die fünf Akteure hinterlassen einen kompakten Eindruck, strotzen vor Spielfreude und zeigen sich perfekt aufeinander abgespielt. Eine ausgewogene Mischung aus Material vom aktuellen Album „Ghost of Graceland“ und den Evergreens der Band „Get You On The Run“, „Conspiracy“ und „Skies Of Mongolia“ tun ihr Übriges zur tollen Stimmung auf der 4 Sound Stage. Ein grandioser Abschluss eines Megafestivals und ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall wieder da sein.

 

Danach fallen wir todmüde, aber glücklich ins Bett. An der tollen Organisation gibt es nichts zu bemängeln - wenn jemand ein relaxtes Festival besuchen will, dann kann man das Sweden Rock nur empfehlen. Für das leibliche Wohl ist durch eine Vielzahl an Ständen gesorgt, die Reinigungstrupps sind unermüdlich im Einsatz und vor allem die Toiletten mit Wasserspülung am Festivalgelände muss man immer wieder lobend erwähnen. Auch wenn ich der Ansicht bin, dass diese gegenüber dem Vorjahr enger geworden sind, denn es kann ja wohl nicht sein, dass der werte Schreiberling in die Breite gegangen ist, nein, NEEIN!!! Bloß betrinken kann man sich hier nicht, dazu müsste man einen Kredit aufnehmen. Trotzdem noch einmal ein ganz dickes Lob und Kompliment an das Orga-Team für die erneut starke Durchführung dieses großen Events. Danke, wir kommen sehr gerne wieder! Volles Programm, tolles Wetter und eine Super Location bleiben uns in Erinnerung, hinterlassen aber auch ihre leicht sichtbaren Spuren. Wir haben die Spitze der europäischen Festivals besucht und ich freu mich schon wieder aufs nächste Jahr. Auch fühlt man sich durch die große Polizeipräsenz relativ sicher, das gehört heutzutage leider dazu (siehe Rock am Ring!).

THANK YOU SWEDEN ROCK - WE SALUTE YOU

 

 

 


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