27.06.2017, Rockhouse, Salzburg

THE DEAD DAISIES & THUNDERMOTHER & HOMELESS KINGS

Veröffentlicht am 30.06.2017

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Es ist Dienstag Abend, und an der Kassa des Salzburger Rockhouse hängt das „Ausverkauft!“-Schild. Fast konnte man schon den Eindruck gewinnen, dass die Szene für klassischen, melodischen Hard Rock in Salzburg so gut wie tot sei, doch dann fallen THE DEAD DAISIES in den ehrwürdigen Hallen ein und sorgen gemeinsam mit ihren Supports THUNDERMOTHER und HOMELESS KINGS für ein volles Haus! War man zuletzt doch schon ein wenig frustriert über die hiesige, schwer zu mobilisierende Szene, so sollte der Auftritt der „hinichn Gänseblumal“ (© Berichterstatter im Wortwitz-Modus) innerhalb eines Abends für so ziemlich jedes mäßig besuchte Rock-Konzert des ersten Halbjahres entschädigen. Doch der Reihe nach...
 

Für die Stormbringer-Fraktion und die Gewinner unseres Gewinnspieles stand zunächst ein Meet&Greet mit den Mitgliedern der DEAD DAISIES an – ein kurzes, aber gemütliches und äußerst entspanntes Intermezzo im Backstagebereich des Rockhouse, wo sich John Corabi, Marco Mendoza und Co. Zeit für massig Fotos, Signierwünsche und so manches Pläuschchen nahmen. Unvergesslich das abschließende Gruppenfoto des Meet&Greets, für das aus Gründen des beengten Platzangebotes Band, Gewinner und Redakteure auf Kuschelkurs gingen. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank ans Rockhouse Salzburg, das unseren Gewinnern dieses unvergessliche Erlebnis ermöglichte!
 


Kuscheln mit THE DEAD DAISIES
 

Derweilen noch im Backstagebereich gekuschelt wurde, dröhnten schon die ersten Riffs aus dem Saal, sodass ein kleiner Stormbringer-Fotograf alle Hände voll zu tun hatte mit seinem Klumpfuß (für die Wissenden: Ja, es ist noch immer nicht ausgestanden...) noch rechtzeitig den Graben zu erreichen. Als Supportact wurden nämlich zunächst die HOMELESS KINGS aus Traunstein auf die Meute losgelassen. Der Berichterstatter durfte den Vierer ja schon Anfang des Monats nebenan in der Bar in Augenschein nehmen und konnte sich dort von den Qualitäten des geradlinigen, energetischen Hardrocks mit punkigem Unterton überzeugen. Als Startprogramm für den Abend erwiesen sich die vier Burschen als geradezu perfekt eingesetzt, konnten sie doch mit ihrem mitreißend-rotzigen Sound eine gar große Schar an neugierigen Besuchern in den Saal ziehen. Dass der Füllstand des Saals schon bei der ersten Band gen Maximum tendierte, das durfte man bisher in Salzburg wirklich selten erleben. Und dass den Openern dann auch noch so eine großartige Stimmung entgegenschlägt, das darf man ebenfalls getrost als außergewöhnlich bezeichnen. Die vier heimatlosen Könige nahmen die ihnen zufliegenden Sympathien mit breitem Grinsen auf und dankten es dem Publikum mit einer arschtretenden Show, die die Leute so sehr mobilisieren konnte, wie man es nur selten bei einem Opener sieht. Die HOMELESS KINGS machten an diesem Abend einfach nur alles richtig was man richtig machen konnte, und konnten sich nach einer schweißtreibenden halben Stunde hochverdient im lauten Jubel des Publikums suhlen. Starke Vorstellung!
 


Volles Haus schon bei den HOMELESS KINGS
 

Weiter ging es mit THUNDERMOTHER aus Schweden, bei denen noch vor nicht allzu langer Zeit nicht klar war, ob sie an dieser Tour denn überhaupt teilnehmen könnten, nachdem sich Ende März überraschend vier der fünf Damen aus der Band verabschiedeten. Gitarristin Filippa entschied die Band weiterzuführen und stellte daraufhin innerhalb kürzester Zeit ein neues Lineup auf die Beine. In dieser Besetzung, nun zusammengeschmolzen auf einen Vierer, wurden die Mütter des Donners (wunderbar, wenn man alle Bandnamen so platt übersetzen kann – pflichtschuldig einen Euro in das Phrasenschwein!) dann auch in Salzburg vorstellig. Und, was soll man sagen – nach der kongenialen Vorbereitung durch die HOMELESS KINGS, schlugen THUNDERMOTHER mit ihren ebenso schmissigen Titeln voll ein. Sägende Gitarren, schmissige Songs und vier Mädels, die auf der Bühne genauso Gas geben wie die Herren der Schöpfung – Herz, was begehst du mehr? Sowohl die neue Stimmakrobatin, als auch die Neubesetzungen in der Rhythmusfraktion konnten vollauf überzeugen und ließen den Auftritt von THUNDERMOTHER zu einer amtlichen Rock-Party werden, bei der bereits fleißig mitgegrölt wurde. Es war herzerfrischend zu sehen, mit welchem Herzblut die vier Damen auf der Bühne zu Werke gingen; Keine aufgehübschten, affektierten Kleiderständer mit knochigen Modelmaßen, sondern einfach lässig-legere Vollblutrockerinnen mit Kurven, die sich beim ausgiebigen Headbangen auch keinen Deut um die Frisur scherten. Zum Drüberstreuen gab es dann vom Salzburger Publikum auch noch ein spontanes Ständchen für das Geburtstagskind der Band, Schlagzeugerin Emlee, das sich sichtlich gerührt davon zeigte, bevor sie damit fortfuhr weiter mit Vehemenz ihre Felle zu verprügeln. Ein wirklich starkes Stückchen Rock, das den Salzburger Zusehern da von THUNDERMOTHER vorgeworfen wurde.
 


THUNDERMOTHER rocken die Hütte
 

Tote Blumen in der Vase sind ja im Normalfall kein so schöner Anblick. Zwar war der Anblick bei THE DEAD DAISIES auch schon ein klein wenig verknittert, doch das tat der Stimmung zu keiner Sekunde einen Abbruch. Eher im Gegenteil, muss doch von den Mitgliedern dieser Supergroup, aus deren musikalischer Referenzlisten man ein Telefonbuch basteln könnte, niemand mehr etwas beweisen, da sich jeder einzelne der sattsam bekannten Musiker seine Sporen bereits zur Genüge bei anderen wohlbekannten Bands verdient hatte. Ebenfalls keinen Abbruch tat der Partylaune, dass THE DEAD DAISIES ihr einzig noch verbliebenes Gründungsmitglied David Lowy vorgeben mussten, der zu einem Familiären Notfall in der Heimat gerufen wurde. Für ihn sprang Yogi Lonich ein (einigen vielleicht noch von BUCKCHERRY bekannt), der den Part solide, wenngleich zu Anfang noch etwas hüftsteif, ausfüllte – doch verständlich, wenn man weiß, dass der gute Mann erst am Vortag eingesetzt wurde und dort gänzlich ohne Probe ins kalte Wasser geworfen wurde. Respekt! Doch im Verlaufe des Auftrittes pendelte sich die Chemie dann ein und der Gig gipfelte in einer wahren Flut an schrägen Aktionen und wahnwitzigem Stageacting.
 


Aushilfs-Gitarrist Yogi Lonich aus etwas anderem Blickwinkel

Die vorderen Reihen im geradezu aus allen Nähten platzenden Rockhouse wurden nicht nur von hitverdächtigen Songs im Minutentempo eingedeckt, sondern auch von einem wahren Hagel an Pleks, wie man dergleichen in Salzburg wohl noch nie gesehen hatte. Gefühlt jeder Besucher im vorderen Drittel der Halle bekam während des die gesamte Show über dauernden Wurf-Exzesses sein eigenes Plek – sei das nun angeleckt von Marco Mendoza, verschwitzt von Doug Aldrich, lässig gezielt von Yogi Lonich, oder auch mal lasziv dargereicht von Sänger John Corabi – sogar so mancher Querschläger der aus dem Hintergrund feuernden Roadies fand seinen Weg ins Publikum. Schlagzeuger Brian Tichy, hinter seiner Schießbude ein Vieh vor dem Herrn, hinkte der Gitarrenfraktion puncto Stickverbrauch kaum hinterher, auch wenn die im Minutentakt durch die Gegend fliegenden Sticks bis auf sehr wenige Ausnahmen allesamt auf der Bühne verblieben. Schlussendlich drosch der Wahnsinnige, nachdem er alle seine Sticks ringsum verteilt hatte, gar mit bloßen Händen auf Toms und Becken ein – Respekt an dieser Stelle vom Berichterstatter, der sich mit einer ähnlichen Aktion in seiner aktiven Musikerkarriere einmal einen gebrochenen Finger einhandelte...

 Auf der Bühne rannte der Schmäh und im Zuschauerbereich feierte das Publikum – besser kann man eine Rock-Show kaum darbieten, wie es THE DEAD DAISIES an diesem Abend im Rockhouse-Saal mit ihrer Auswahl eigenen Hymnen (mit einigen Covern verbrämt) zelebrierten. Entsprechend goutierte das Publikum auch das Dargebotene – Minutenlanger Jubel und hartnäckige Rufe nach einer Zugabe (die es dann selbstverständlich auch gab) legten ein Zeugnis ab von einem wahrhaft außergewöhnlich guten Konzertabend. Da Capo!


John Corabi

Setlist:

  • Long Way to Go
  • Mexico
  • Make Some Noise
  • Song And A Prayer
  • Fortunate Son (Creedence Clearwater Revival cover)
  • We All Fall Down
  • Lock 'n' Load
  • Last Time I Saw the Sun
  • Join Together (The Who cover)
  • All the Same
  • With You and I
  • Mainline
  • Helter Skelter (The Beatles cover)
  • We're an American Band (Grand Funk Railroad cover)
  • Midnight Moses (The Sensational Alex Harvey Band cover)
  • Highway Star (Deep Purple cover)

Ihr meint, das war schon alles? Die Band ist platt, und zieht sich in den Backstagebereich zurück? Weit gefehlt! Im Saal wurde noch schnell umgebaut, ein paar Tische und Sessel aufgestellt, und schon durften alle Besitzer eines gelben Bändchens zur offiziellen Signing Session Tuchfühlung mit der Band aufnehmen. Obwohl verschwitzt und sichtlich von den Saunatemperaturen im Rockhouse gezeichnet, standen die Musiker noch lange Zeit nach der Show für Autogramme, Fotos und den ein oder anderen Smalltalk zur Verfügung, bis auch wirklich jeder zufriedengestellt war. Daumen hoch THE DEAD DAISIES! Ihr seid alles andere als tot!
 


Signing Session


Weitere Fotos des Events findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure.


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