06.07.2010 - 10.07.2010, Tolmin

METALCAMP 2010 Part II

Veröffentlicht am 01.09.2010

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Berge, Grünflächen und Idylle so weit das Auge reicht. Im slowenischen Tolmin findet heuer schon zum siebten Mal das Metalcamp statt. Für eine Woche verwandelt sich das verschlafene Örtchen in eine Hochburg der etwas härteren Seite der Musik. Lange Haare, Tätowierungen sowie Jeanskutten sind nicht nur vor der Bühne anzutreffen, sonder auch Supermärkte und Restaurants werden von eingefleischten Metallern besetzt. Fünf Tage lang bietet das Metalcamp auf 2 Bühnen ein Sounderlebnis der ganz besonderen Art. Durch die optimale Lage der Mainstage, umgeben von hohen Bergen sind die meisten Bands bei ihrem ersten Besuch am Metalcamp vollends begeistert. Doch nicht nur musikalisch wird man hier unterhalten sondern auch andere Freizeitaktivitäten wie Paintball, Paragleiten oder Wanderungen durch die Berglandschaften werden für Festivalbesucher angeboten. Primär konzentriert man sich bei der Organisation aber glücklicherweise auf die Bands. Durch das nahezu perfekte Wetter dieses Jahr gab es weder unerwartete Zwischenfälle noch nasse Stiefel. Heuer versprach auch das Line Up, welches verschiedenste Metal und Rock Genres abdeckt, ein ultimatives Festivalerlebnis. Nach der Opening Party am Montag steigt man am Dienstag direkt ins Festivalgeschehen ein.

Dienstag, 6.7.2010 Am frühen Nachmittag beginnt ein starker Regen, der jedoch glücklicherweise zu Beginn von DORNENREICH wieder nachlässt. Zu „Schwarz schaut tiefster Lichterglanz“ nieselte es nur noch leicht und spätestens bei „Hexenwind“ kam schon wieder die Sonne zum Vorschein. Das Duo samt Schlagzeuger scheint perfekt eingespielt. Sänger Jochen „Eviga“ Stoch meistert komplexe Riffs und düstere Gesangslinien. „Grell und dunkel strömt das Leben“ erklingt samt schrägem Geigenspiel. Auch wenn der Sound nicht optimal ist schätzt das Publikum die Songauswahl und nachdem die raue Nummer „Trauerbrandung“ erklingt wird der Auftritt der Österreicher mit „Wer hat Angst vor Einsamkeit“ abgeschlossen. Nach einer angenehm kurzen Umbaupause blitzt auf der Bühne schon die lila Gitarre von CROWBAR Sänger und Gitarrist Kirk Windstein hervor. Der gut gelaunte Kirk begrüßt das Publikum und schmettert in gebückter Körperhaltung schwere, langsame Riffs Richtung Publikum. „High Rate Extinction“ wird, als etwas schnellere Nummer, gleich zu Beginn gespielt. Die doomigeren, beinahe schon trägen Songs spart man sich für den Schluss auf. Die enge Verbindung der Musiker zu Bands wie DOWN, EYEHATEGOD, GOATWHORE etc. ist klar hörbar. Zahlreiche, abrupte Stopps reizen das Publikum und harte Bässe sorgen für Beifall. Zwischen den Songs hält man das Publikum mit Rückkoppelungen der Gitarren bei Laune, bevor Sänger Kirk mit aufgeblasenen Wangen das nächste Solo vorführt. Zusammenfassend sorgte CROWBAR für einen der lautesten und langsamsten Gigs des Metalcamp. Anschließend entern kurz vor sechs NEVERMORE die Mainstage. Bereits bevor Dane & Co. die Bühne betreten, liegt spürbare Spannung in der Luft, denn immerhin liegt ihr letzter Besuch in Slowenien schon vier Jahre zurück. Mit den ersten Tönen des druckvollen Openers „Beyond Within“ hat sich die Anzahl der Fans vor der Bühne ungefähr verfünffacht - Warrel Dane singt, trotz anhaltender Verkühlung, makellos und wird Wort für Wort von zahlreichen Fans begleitet. Der ausgezeichnete Sound wird den Ausnahmemusikern durchaus gerecht, und so spielen sich NEVERMORE ungehindert durch eine ausbalancierte, aber nicht eben überraschende Setlist. Dane, der seit Tourbeginn mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, ist keine stimmliche Beeinträchtigung anzumerken – lediglich die Tatsache, dass er bei gefühlten 30° mit Lederjacke auf der Bühne steht, und ein gelegentlich gequälter Gesichtsausdruck erinnern daran. Gitarrengott Loomis bleibt die meiste Zeit hinter seinen Haaren versteckt, während Jim Sheppard (b) und vor allem Tourgitarrist Attila Voros enorme Spielfreude und Motivation an den Tag legen. Das Schauspiel gipfelt in Klassikern wie „Born“, „This Godless Endeavour“ und „Heart Collector“, welches freundlicherweise den Damen im Publikum gewidmet wird, und endet nach gut einer Stunde mit einem furiosen „Enemies Of Reality“. Großartig! Bei Einbruch der Dunkelheit feiern die Prügelknaben von CANNIBAL CORPSE ihr Metalcamp-Debut, und werden innerhalb kürzester Zeit allen Erwartungen gerecht. Schnell, brutal, laut – die Death Metal-Institution präsentiert sich in Bestform. Die teilweise noch von SIX FEET UNDER anwesenden Fanscharen goutieren jeden Song mit frenetischem Applaus, kreisende Haarmähnen prägen das Gesamtbild. Fisher investiert in Sachen Publikumsmotivation und trägt durch seine Professionalität wesentlich dazu bei, dass CANNIBAL CORPSE ihrem Co-Headliner Slot problemlos gerecht werden. Über eine Stunde prügeln sich die New Yorker durch ein Setlist, die nach Publikumsreaktionen zu urteilen keine Wünsche offen lässt; auch am Schau-ich-mir-im-Sitzen-an-Hügel links der Bühne ernten die Brutalo-Deather von Beginn an Applaus. Die Show wird hauptsächlich von Fisher‘s morbiden Ansagen und seinem Walross-Genick-gestützten Propeller-Banging bestritten, der Rest der Band gibt sich zwar souverän, bleibt aber hinter wehenden Haarmähnen verborgen und bewegt sich nur vom Fleck, um Extremsportler Fisher auszuweichen. Nach 75 Minuten Death Metal-Exzess und Finale („Hammer Smashed Face“) klärt uns der halslose Hüne noch darüber auf, dass er tatsächlich ein böser Mensch ist: „You know, when I said that was the last song… I lied!“ Als endgültiger Nackenbrecher folgt dann noch „Stripped, Raped and Strangled“. Nach einer halben Stunde Umbaupause sind SOULFLY an der Reihe, dem Metalcamp-Publikum richtig einzuheizen. Kaum einer lässt sich heute dieses Konzert entgehen - der Bühnenvorplatz und der Hügel sind voll, und von der ersten Minute an („Blood Fire War Hate“) herrscht extreme Stimmung bis in die hintersten Reihen. SOULFLY zeigen sich wie gewohnt sehr motiviert und spielfreudig, und auch die Setlist erweist sich als perfekt für den Headlinerposten: kein SOULFLY-Klassiker, der nicht gespielt wird, kein Fan, der nicht bangt oder mosht. Auch für diejenigen, denen Max Cavalera nur in Verbindung mit SEPULTURA bekannt ist, gibt es einige Leckerbissen: „Arise“, „Roots“, „Territory“ und natürlich „Refuse/Resist“. Wie im Hause SOULFLY üblich, gibt es – abgesehen von einem Drumsolo – keine Pausen, jeder Song geht nahtlos in den nächsten über und verunmöglicht so jede Verschnaufpause. Auch auf der Bühne selbst gibt es reichlich Abwechslung: einmal trommelt Max, dann überlässt Joe Nunez Max‘ Sohn Igor die Drums (bei „Carved Inside“), später gibt Max das Mikro an einen Fan ab, der ihn in feinster Death Metal-Manier vertritt, und wem das nicht reicht, darf sich an einem ‚Walk‘-Cover (PANTERA) während „L.O.T.M.“ erfreuen. Abgesehen von der beinahe ununterbrochen andauernden Circlepit gibt’s auch noch eine Wall of Death, bis schließlich mit „Jumpdafuckup/Eye For An Eye“ ein brachialer Schlusspunkt gesetzt wird. SOULFLY erweisen sich als großartige, sehr professionelle und charismatische Headliner, deren jahrzehntelange Bühnenerfahrung ein zusätzliches Plus darstellt. Dieses Konzert dürfte auch jene überzeugt haben, denen frühere Studioproduktionen zu eintönig oder zu nu-metallisch waren – SOULFLY sind SEPULTURA anno 2010.

Mittwoch, 7.7.2010 Eigentlich sollte um 20:55 der Auftritt von OVERKILL starten, jedoch ziert längst schon das Banner von DEVILDRIVER die Bühne. Der Grund für die Änderung der Running Order wird nicht preisgegeben und so erfreut sich das Publikum an Dez Fafara und Co. als das Intro zu „End oft he line“ ertönt. Sowohl Erstlingsbesucher als auch eingesessene Fans werden herzlichst begrüßt. Bei „Crown of a Motherfucker“ und auch beim restlichen Konzert herrscht viel Bewegung auf der Bühne. Sänger Dez scheint keinen Moment stillzustehen und als die Sonne hinter den Bergen verschwindet wird passenderweise „The Mountain“ gesungen. Nachdem „I could care less“ das Publikum erfreut wird zum wahrscheinlich friedlichsten Circle Pit des Metalcamp aufgerufen. Bei einem optimalen Bühnensound und gut gelaunten Publikum überlässt DEVILDRIVER die Bühne den Amerikanern von OVERKILL. Da Equilibrium in der Running Order nach hinten gerutscht sind, fällt der 22:30-Slot glücklicherweise OVERKILL in die Hände – die uns eine Stunde lang beweisen, dass sie auch eine komplette Headlinershow problemlos meistern würden. Angefangen mit dem „Ironbound“-Kracher „The Green And Black“ präsentieren sich OVERKILL in Topform, Bobby Blitz sprüht förmlich vor Energie und legt wohl insgesamt einige Kilometer auf den Brettern der Mainstage zurück. Der Sound ist – wie schon davor – glasklar und bringt das Gitarrenspiel des Linsk-Tailer-Duos ausgezeichnet zur Geltung. Ein guter Schwung Leute hat sich eingefunden, um die wiedererstarkten Thrasher zu feiern, und auch wenn die Publikumszahlen nicht an SOULFLY heranreichen, kommt OVERKILL die spätere Spielzeit sichtlich gelegen. Bobby ist wie zuvor Dez Fafara (DEVIL DRIVER) der Meinung, sein erstes Slowenienkonzert zu absolvieren, plaudert über die Landschaft, sein klopfendes Herz beim Anblick eines thrashsüchtigen Publikums und die mittlerweile 30jährige Bandgeschichte. Bei „Rotten To The Core“ kommt es zu einem amtlichen Circlepit; das Publikum ist hochmotiviert und bekommt spätestens bei „In Union We Stand“ die Gelegenheit, das auch lautstark auszudrücken. Gegen Ende zeigt uns Bobby, der stimmlich exzellent in Form ist, ohne Worte den Mittelfinger und entlässt die begeisterte Meute mit „Fuck You“ inklusive „Overkill“-Cover (MOTÖRHEAD) in die Nacht. Während sich vor der Mainstage die Pagan-Fraktion für EQUILIBRIUM in Stellung bringt, verschlägt es den Verfasser dieser Zeilen eher zufällig zur Second Stage, wo die Spanier LUJURIA gerade die Show ihres Lebens spielen. Der oft zitierte Stehsatz „Wir geben uns vor 50 Fans gleich viel Mühe wie vor 5000“ kann hier auf seine Gültigkeit überprüft werden – für LUJURIA trifft das durchaus zu. Vor knapp 40 Leuten ziehen die Kastilier eine Show ab, als würden sie ein ausverkauftes Stadion bespielen – die stellenweise mangelnde Professionalität wird durch Charme, Kommunikationsfähigkeit und den Enthusiasmus über das eben (gegen Deutschland) gewonnene Halbfinale ausgeglichen. Das Heavy/Thrash/Hardrock-Gemisch und die halb-englisch, halb-spanischen Ansagen von Fronter Óscar Sancho locken immer mehr Schaulustige zur Bühne. Er wird nicht müde, sich bei den erschienenen Fans zu bedanken und schafft somit eine Atmosphäre, in der LUJURIA ihre Musik sehr überzeugend präsentieren können.

Donnerstag, 8.7.2010 Nicht nur die Tatsache, dass ELUVEITIE ihre Show etwas überzogen haben, sondern auch der lange Soundcheck sorgt beim Publikum für Unruhe. Die nächste Band am Programm hatte bereits vor zwei Jahren einen Auftritt am Metalcamp, musste jedoch wegen Wind und Wetter frühzeitig aufhören. Dieses Jahr sollte der Gig von BEHEMOTH dafür umso bombastischer werden. Bereits nach der Eröffnungsnummer „Ov Fire and Void“ stellte man fest, dass sich der lange Soundcheck wirklich ausgezahlt hat. „Demigod“ wird sofort nachgesetzt und nach dem diffusen „Shemhamforash“ wurde erst einmal über die lange Anreise aus Polen und über die Freude wieder hier sein zu dürfen berichtet. Nicht nur der Sound klingt ausgezeichnet sondern auch die Songauswahl mit Klassikern wie „Conquer All“ oder „Slaves shall serve“ ist umfangreich und deckt sämtliche Alben der wandelbaren polnischen Band ab. Nach dem fulminanten „At the left hand ov god“ wurde das Publikum mittels Schlagzeugsolo und kurzer Feuerspuckeinlage für „Decade of Therion“ und „Chant for Eschaton 2000“ vorgeheizt. Eigens für den Encore „Lucifer“ wurden Brustpanzer und Maske angelegt und mit einem statischen, angespannten Auftritt beendeten BEHEMOTH würdevoll ihren, endlich gelungenen, Aufritt am Metalcamp. Freitag, 9.7.2010 In der schlichtweg unerträglichen Hitze der Nachmittagssonne geben sich Floridas Death Metal-Urgesteine OBITUARY redlich Mühe, die Nackenmuskeln der noch nicht Kollabierten etwas aufzulockern. Es ist schwer zu sagen, wer mehr unter der Hitze leidet: die treuen Fans, die sich noch nicht in den dürftig vorhandenen Schatten geflüchtet haben, oder die Band, die aufgrund blendender Sonnenstrahlen wahrscheinlich nicht einmal bis zum Mixtower sieht. Selbstverständlich sind OBITUARY Profis mit fast 25 Jahren an Bühnenerfahrung, die ihr Set professionell, aber nicht eben überschwänglich durchzocken. John Tardy hängt auf seinem Mikrofonständer wie an einem Rettungsring und überzeugt mit genauen, exakt dosierten Growls, Ralph Santolla spielt seine hochklassigen Soli ohne erkennbare Anstrengung. Das groovige, druckvolle OBITUARY-Erfolgsprinzip wird auch vom diesmal etwas dürftig abgemischten Sound nicht besonders beeinträchtigt, dennoch ist Basser Kenny Andrews der Einzige, der nicht so wirkt, als würde er „nur“ seinen Job machen. Publikum und Presse sind trotzdem zufrieden. Ein angenehm britischer Akzent sowie doomige Klänge machen sich am Fesitvalgelände breit. PARADISE LOST beweisen mit ihrer Songauswahl die eigene Vorliebe für eher langsamere Nummer aus ihrem Repertoire. So werden „I Remain“, „As I die“ oder „The Enemy“ in aller Ruhe und tadellos dargelegt. Auch wenn Sänger Nick Holmes zugibt, „Embers Fire“ schon längere Zeit nicht gespielt zu haben, wird auch diese Nummer perfekt vorgetragen. Nach dem eher elektronischen „One Second“ begeistert sich Holmes an der wunderbaren Berglandschaft, welche von der Bühne aus wirklich majestätisch wirkt. Danach verabschiedet sich PARADISE LOST natürlich mit „The last time“ und „Say just words“. Nach der gemütlich doomigen Rock Einlage erscheinen die energiegeladenen Musiker von HAMMERFALL. Altbekanntes wie „Crimson Thunder“ oder „Renegade“ werden genauso gut vorgetragen wie Songs des neuen Albums. Nach der Nummer „Bloodbound“ wird das Publikum darauf aufmerksam gemacht, dass nun ein Song einem Album kommt, welches den wahrscheinlich schlechtesten Anklang bei Musikjournalisten fand. „Heeding the call“ sorgt dennoch für massenhaft Stimmung. Eine gesangliche Höchstleistung ist außerdem beim melodischen „Any means necessary“ zu erkennen. Bevor es Zeit für den Encore ist wird noch „Riders of the storm“ aufgelegt und ein kleines Gitarrist vs. Publikum angestimmt. Die Stimmung ist am Höhepunkt und die Abschlussnummer „Hearts on fire“ wird noch lange in den Köpfen der Besucher herumgeistern. Man sollte meinen, dass es für die meisten Power Metal-Bands nicht gerade wünschenswert ist, mitten in der Nacht nach einer Headliner-Show von HAMMERFALL auftreten zu müssen. Nicht so im Falle der Aufsteiger SABATON, die ihre mit jeder Show ansteigende Fangemeinde hinter sich wissen. Ein euphorisches, sehr textsicheres Publikum begleitet die Schweden vom ersten Ton an, die alles dominierenden Synth-Keyboards und die treibenden (Disco-)Rhythmen locken von Minute zu Minute mehr Neugierige zur Mainstage. Der allseits bekannte Joakim Bróden zeigt sich gut aufgelegt und dankbar für den nicht eben selbstverständlichen Support seiner Anhängerschaft. Seine humoristischen Einlagen, die meist in den berüchtigten „Gay-Jokes“ münden, spalten das Publikum: während sich erfahrene Sabaton-Fans großartig amüsieren, rufen Bródens Einlagen bei einigen zufällig Anwesenden im besten Fall Verwirrung hervor. Ein Beispiel: „Nice Beach you got there.. I’ve never seen so many well trained asses! Do all guys in Slovenia do aerobics?” In jedem Fall sind der Humor der Band und ihre Redseligkeit ein wichtiger Bestandteil dieser wirklich mitreißenden Show – keine Sekunde wird es (auch meiner eher extrem-metallisch orientierten Wenigkeit) langweilig. Geschwindigkeit, Pathos , Melodien, Singalong-Refrains – live nutzen SABATON die Stärken von Hits wie „Ghost Division“, „Screaming Eagles“ oder „Primo Victoria“ voll aus. Mit einer kleinen Verspätung um ca. 00:50 erschienen vier Saiteninstrumente und ein Schlagzeug auf der kleinen 2nd Stage. Zwischen rot flackernden Grablichtern und in einer Aura der 70er wird das Publikum mit hypnotischen Riffs auf das Auftauchen der Sängerin vorbereitet. Die kräftige hohe Stimme wird von einer statischen Haltung unterstrichen, was den berauschenden Effekt der Musik noch verstärkt. Die Mitglieder von THE DEVIL’S BLOOD, welche sich nach eigenen Angaben bei Liveauftritten mit echtem Tierblut überschütten, erscheinen optisch wie musikalisch nahezu perfekt. Die Besucher wiegen sich in den psychedelischen Sphären der diffusen Gitarrensoli und beobachten gebannt die offene jedoch angespannte Gestik der Niederländer. Das weitgreifende okkulte Gedankengut der Band und ihre Nähe zu verschiedensten Bands spiegeln sich im Facettenreichtum der Besucher wieder. Bevor es in einem langen, beinahe ekstatischen Solo zu Ende geht, kehrt Sängerin Farida „The Mouth“ Lemouchi dem Publikum dem Rücken zu und verharrt in ihrer Pose, bis die Klänge der Gitarren unter schallendem Beifall versiegen.

Samstag, 10.7.2010 Samstagnacht ist es soweit: IMMORTAL werden als letzter Headliner das 7. Metalcamp beschließen. Dementsprechend voll wird es auch, sowohl vor der Bühne als auch am „Hügel der Erschöpften & Betrunkenen“. Wie kaum einer anderen Band - und wie IMMORTAL selbst auch schon 2007 festgestellt haben - kommt den Parade-Black-Metallern die Umgebung sehr zupaß, und eine gewisse Atmosphäre kommt schon während des Soundchecks auf. Als Abbath & Co. dann mit einigen Songs jüngeren Datums das Konzert eröffnen („All Shall Fall“,“‚Sons Of Northern Darkness“, „Tyrants“, „Antarctica“, „Damned In Black“), wird die allgemeine Vorfreude allerdings durch den etwas verwaschenen Sound und einige kleinere technische Probleme gedämpft. Im zweiten Teil der Show werden schließlich einige seltenere Songs der Demonaz-Ära präsentiert, etwa „Pure Holocaust“ oder „Grim And Frostbitten Kingdoms“, die leider nur bei einer kleineren Gruppe von Langzeitfans Anerkennung finden. Auch wenn der grimmige Fronter am Anfang noch gewohnt wortkarg in die Runde schaut, sind IMMORTAL doch die mit derartigen Shows verbundenen Erwartungen bekannt, und Abbath versucht bald, dass Publikum („Ladies and Motherfuckers“) zu motivieren. Das war am letzten Metalcamp-Tag jedoch schon immer mit Schwierigkeiten verbunden – auch wenn das Gros der Metalfans bis zum Ende des Konzertes anerkennend vor der Bühne verharrt, springt der Funke nicht so richtig über, und körperliche Betätigung ist nur stellenweise zu beobachten. Da helfen auch Pyroshow und Feuerspucken nicht mehr viel – es bleibt ein gutes, aber nicht wirklich herausragendes Konzert. Die absoluten Verlierer des Metalcamp 2010 sind STEELWING, die das schwere Los zogen, die letzte Band am letzten Tag zu sein – nach dem Headliner. Inwieweit so ein Slot Sinn macht, speziell wenn eine Heavy Metal-Band wie STEELWING nach Blackmetallern wie IMMORTAL auf die Bühne muss, haben sich wahrscheinlich nicht nur die Jungs von STEELWING gefragt. Vielleicht 60 Leute sind nach der jedes Jahr peinlicher werdenden ‚See You Next Year‘-Ansage einer anonymen Moderatorin noch anwesend. Tapferen Herzens stapfen die True Metaller auf die Bühne, und spielen ein technisch äußerst versiertes, abwechslungsreiches und energiegeladenes…. halbes Set. Dass sie 27 Minuten vor Ende ihrer regulären Spielzeit das Handtuch werfen, ist zwar unprofessionell und einer echten Metalband nicht würdig, verübeln kann man es ihnen trotzdem nicht, denn sie dürften ob ihres hohen Niveaus definitiv etwas Besseres gewohnt sein. Die Schweden liefern jedenfalls eine tolle, wenn auch nur 33minütige Show ab, überzeugen alle noch Anwesenden vollkommen von ihrer Musik und widerlegen eindrucksvoll die These, dass es keine neuen Heavy Metal-Bands gibt, die spieltechnisch ans Niveau der NWOBHM-Götter heranreichen. Auf ein Wiedersehen! Fazit: Metalcamp ist organisationstechnisch in der Oberliga angekommen und konnte dieses Jahr erstmals die Lorbeeren dafür einfahren – es war verdientermaßen fast ausverkauft. Angesichts der großen Steigerungen im Verlauf der letzten Jahre - in beinahe jeder Hinsicht – wirkt es fast fehl am Platz, noch groß Kritik zu üben. Die Organisatoren haben gezeigt, dass sie auf die Wünsche und Vorschläge der Gäste eingehen und sowohl lernwillig als auch –fähig sind. Das ist ein großes Plus und hat in der europäischen Festivallandschaft schon fast Einhorn-Status. Dennoch gibt es ein paar Punkte, die angesprochen werden müssen: im Vergleich zu den letzten Jahren ist so ziemlich alles teurer geworden, was vor allem jetzt, wo anstelle von Lasko Ottakringer ausgeschenkt wird, etwas schmerzt. Das Preis-Leistungsverhältnis ist aber immer noch akzeptabel. Lediglich beim Trinkwasser wird’s bitter: bei diesen Temperaturen € 2,50 für einen halben Liter Wasser zu verlangen, ist schlichtweg verantwortungslos. Der Bühnensound hat sich, wie so vieles, ebenfalls merklich verbessert, allerdings hatte ich ganz subjektiv den Eindruck, dass dieses Metalcamp auch das Lauteste – und teilweise zu laute – war. Abgesehen davon: Hut ab! Ein Festival, dass nicht nur sagenhaft angenehm, sondern auch mittlerweile so gut organisiert ist, dass die Organisation quasi schon in den Hintergrund tritt und alles ganz natürlich wirken lässt – das ist schon eine Kunst, und deswegen ist Metalcamp auch zu einem Stammfestival für Metalheads aller Herren Länder geworden. Hoffen wir, dass sich diese Erfolgsgeschichte weiter fortsetzt! Übrigens: Die Gerüchte vom Metal-Paradies irgendwo hinter den Julischen Alpen haben dieses Jahr auch internationale Prominenz angelockt: Sam Dunn, seines Zeichens Regisseur der beiden wegweisenden Filme „Metal – A Headbangers Journey“ und „Global Metal“ besuchte im Zuge der Dreharbeiten für eine Serie, die verschiedene Metalgenres zum Thema hat, erstmals das Metalcamp. Die Serie wird vermutlich nur über den US-amerikanischen Sender VH1 ausgestrahlt werden – Fans aus Europa müssen sich auf das Internet verlassen. Fotos & Reviews by Lilith & Youthanazia


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