08.07.2017, Altes Kino Landeck, Landeck

SARCASM SYNDROME im Alten Kino Landeck

Text: Laichster | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 11.07.2017

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„Flieger, grüß mir die Sonne, grüß mir die Sterne und grüß mir den Mond. Dein Leben, das ist ein Schweben durch die Ferne, die keiner bewohnt! Schneller und immer schneller rast der Propeller, wie dir's grad gefällt! Piloten ist nichts verboten, wenn es sein muß drum gib Vollgas und flieg um die Welt!“ – so besingt HANS ALBERS 1932 im Science-Fiction-Klassiker „F.P.1 antwortet nicht“ die Freiheit der „Weltpiloten“ und so scheint es, dass den Fluglinien heute in ihrer eigenen Auslegung auch relativ wenig verboten ist – die als heutiger Headliner angekündigten spanischen Death-Metal-Zombie-Romantiker AVULSED müssen aufgrund Überbuchung ihres Fluges am Boden bleiben, was wohlgemerkt nicht sonderliche Freude bei Veranstalterverein Rock Inn und Publikum auslöst. Rock Inn gelang es jedoch noch kurzfristig die lokalen HELLMASTERS mit in die heutige Lärmvorstellung im alten Kino Landeck aufzunehmen, wobei die eigentliche Support-Doom-Kapelle SARCASM SYNDROME zum Headliner befördert wird – trotz des säuerlichen Beigeschmacks einer T-Virus Blutwurst, hätte man sich doch schon seit längerer Zeit auf einen rar gesäten Auftritt der Madrider Abteilung der Umbrella-Cooperation gefreut, lässt man sich den Spaß nicht verderben und pilgert in die Metalcity LA (Landeck, keine Stadt der Engel, dafür Bier im Überfluss und gesellig raue Ureinwohner), um der nun aus lokalen Schwermetallunterhaltungstruppen bestehenden Zusammenkunft beizuwohnen. Eröffnen dürfen die wie immer von Rock Inn bestens organisierte und in kuschelig, familiärer Atmosphäre abgehaltene hochkulturelle Beschallung, die Tiroler Newbies NAMELESS, welche sich nicht lumpen lassen sollten und gleich zu Beginn das alte Kino in eine schweißtreibende Sauna verwandelten.

NAMELESS:
Die vier Musikanten aus Prutz und Pfunds im Tiroler-Land, mit dem besonders ausgefeilten und vielschichtig interpretationsoffenen Bandnamen (Jeeeeedermaaaaaann! Höhö!), waren dem Verfasser und sind dem Großteil der Leserschaft wohl noch ein unbeschriebenes Blatt, obwohl schon seit 2014 in heimischen Gefilden unterwegs – und befürchtet man doch bei Kapellen aus den hintersten Dörfern, welche sich als Opener profilieren dürfen, immer mit der schlimmsten aller möglichen aurikulären Folter belegt zu werden, so werden einen NAMELESS eines Besseren belehren. Wer primitiven, für die Ohren der konservativen Landjugend verträglichen,  Krrrkistanischen Gummistiefel-Rock erwartet, der wurde mit einer Mischung aus Melodic-Death, Bay-Area-Thrash und Metalcore-Breaks von der ersten Minute an niedergeknüppelt und mitgerissen – diese Jungspunde wissen, im Gegenteil zum Gros  der dahindümpelnden Garagenkapellen der ländlichen Peripherie, was sie machen, wie sie es auszudrücken haben und dass man sich nicht mit ein paar Stunden im Proberaum und einer plagiatgesättigten Setlist auf eine Bühne stellt! 


NAMELESS - No Bauernrock! 

NAMELESS haben sich schon ihren eigenen Stil kultiviert und präsentieren ihre treibende Mischung aus hartem Riffing, Growling und intelligent positionierten Breaks (Eigentlich hasst der Redaktionsterrier Breaks mindestens genauso wie Drumsolos!), welche das müde Fleisch unweigerlich in Bewegung setzt! Dem angepissten thematischen Inhalt der Songs – „Against Them All“, „Social Discrimination“ – setzt man so den atmosphärisch und darstellerisch optimalen Grundton unter die brennenden Nägel – gepaart mit authentischer Spiellust ergibt sich dem Publikum das Bild einer emanzipierten Band, deren Zukunft bei solch hochgehaltenen Niveau und weiterer Entwicklung, wohl mehr als rosig gesonnen sein mag. NAMELESS positionieren sich mit dem heutigen Auftritt wohl neben SILIUS als weiterer heißer Anwärter aus dem Tiroler Oberland auf einen verdienten Bekanntheitsgrad, der über die engen Täler der heimischen Peripherie hinausragt! You are fuckin Nameless and you kick ass!


NAMELESS - Zaaaaalaaaaandooooooo! Schrei vor Glück! 

Setlist:
- Intro
- Curse Of Death
- Against Them All
- Endless
- Up My Skin
- Day Tomorrow
- Social Discrimination
- Eternal War
- Bloody History
- Horizon
- It´s Inside

HELLMASTERS:
Die aus der Unterwelt aufgefahrenen und sich in der Metalcity LA niedergelassenen HELLMASTERS sind bei jedem ihrer spärlichen Auftritte eine Augen- und Ohrenweide für den aufgeschlossenen Freund einer experimentellen, über Scheuklappendenken gehenden bleihältigen Kunst ohne Rücksicht auf genrebedingte Zwänge und Dogmen der engstirnigen, mit einem Brett vor dem Kopf versehenen „trve bis zum Tod Fraktion“. Die HELLMASTERS haben das, was der rudimentären Copy-And-Paste Band fehlt – ein echtes Alleinstellungsmerkmal! Die Verknüpfung von klassischen Heavy-Metal-Songstrukturen mit Stoner-Rock-Wüstenriff und einem Front-Rapper erzeugt einen Crossover-Sound, dessen Coolness in Groove und Blut übergeht. Dabei werden die Temperaturen, im mittlerweilen schon im Schweiß schwimmenden Alten Kino, nicht nur dank der gerade am heutigen Tag defekten Entlüftungsanlage, ebenso mit einer energiegeladenen Bühnenperformance und einem abfeiernden Publikum an den Rand des Erträglichen getrieben.


HELLMASTERS - Dantes Rap Inferno

Bei den unsäglichen Temperaturen, auf Level Sonnensturm und Supernova, hilft ebendessen nur Flüssigkeitszufuhr gegen den Durst, welchen Band und Publikum sich im geteilten Leid, nahe am Hitzetod schrammend, mit Gerstensaft zu stillen versuchen. Dem locker, lässig, mit legerem Charme heruntergezockten Set der HELLMASTERS tun die mikroklimatischen, Sahara-ähnlichen Bedingungen derweilen nichts ab und hinterlassen eine ausgelassene Stimmung, ähnlich dem Serotonin-Hoch an dem Peak-Point der letzten Seegrillparty, bevor die erste angeduselte Bikini-Braut von genmutierten, entkommenen Riesenkrokodilen in ihre Einzelteile zerlegt wird – HELLMASTERS, nude Blondes and Beer, des is mei bare!


Cool, cooler, HELLMASTERS!

Setlist:
- Strange Days
- Opium Tea
- Take Me Home
- Devils Bike
- Jungle Ace
- Killing Machine
- Coldfinger
- Lion
- Darkness
- Red Light
- Tagatadildi
- Tango Pussy

SARCASM SYNDROME:
Totgesagte leben bekanntlich länger, ebensolches trifft auch auf die Innsbrucker Heavy/Doom-Formation SARCASM SYNDROME zu, welche sich 1997 auflöste - der Verfasser spielte zu dieser Zeit noch mit seinen Lego-Raumschiffen und erlernte gerade das korrekte Aneinanderreihen von Buchstaben zu halbwegs sinnvollen Wortkreationen und kindlicher Neologismen – und heute, 20 Jahre später, wieder auf der Bühne steht. Wobei im Gegensatz zu den meisten Revivals und Comeback-Zusammenkünften früherer Underground-Szenegänger, kann sich die heutige Formation und der Auftritt von SARCASM SYNFROME mehr als nur sehen lassen – mit dem zweifelslos einwandfreien musikalischen Handwerk, gehen die Spielfreude des Ensemble und der sympathische Auftritt von Vocalistin Petra Hand in Hand und runden das Programm, welches sich an den Hochzeiten des klassischen CANDLEMASS-Doom und dem in den Gründungsjahren der Band aufkommenden progressiveren Spielarten des Heavy-Metal orientiert und das ohne dabei angestaubt oder antiquiert zu klingen.

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SARCASM SYNDROME - Doomkehlchen Petra

So zelebriert man, im sich immer mehr der Kernschmelztemperatur nähernden Alten Kino, altes Demo-Liedgut und neu komponierte Stücke zu Ehren des tentakeligen Meisters und des grünen fischigen Schleims. Als schlurfender Fischmensch präsentiert man sich dabei jedoch nicht im Geringsten, vielmehr als gut eingespieltes Team, dessen Ambition eindeutig am Spaß an der Sache liegt und so, die letzten, noch nicht vor der Dehydration geflüchteten Zuschauer mit Herzblut in ihren Bann zieht – Doom aus Tirol, auch nach 20 Jahren Pause eine aurikuläre Sachertorte mit Sahnehäubchen! Nachdem man heute SARCASM SYNDROME persönlich zum ersten Mal in voller Live-Pracht erleben durfte (Leider verpasste der Schreiberling die beiden erst kürzlich vorangegangen Gigs beim Alpine Steel Festival III und in der Innsbrucker p.m.k), wünscht man sich doch, noch weitere Auftritte des wiederauferstandenen Doom-Geschwaders auf heimischen Boden erleben zu dürfen, und außerdem gab es da noch die Aussage eines gewissen Bassisten zwecks einer Vinyl-Pressung alter Demos, welches man sich sowieso sofort ins Regal stellen würde… wegen dem Kult warats!


SARCASM SYNDROME - Fhtagn!

Trotz nicht abgehobener Zombieschlächter und ausgefallener Lüftung bedankt sich Stormbringer wieder einmal bei Didi, Kneisti und allen Metalmaniacs von Rock Inn für den wie immer gelungenen Konzertabend in der Metalcity LA! Rock Inn wird uns demnächst mit weiteren Schmankerln versorgen, wenn DOOMENTOR und FIN die Bühne im Westen Tirols betreten und auch die Album-Release Show der Local-Krawallos SILIUS steht in Bälde im Alten Kino Landeck an – alle Infos hierzu wird es in Bälde auf Stormbringer.at zu finden geben. Bis dahin: Hail Cthulhu, ihr Fischmenschen! 

 

 


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