08.07.2017, Bäckerberg, Scharnstein

Sick Midsummer 2017

Veröffentlicht am 15.07.2017

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Wir sind wieder auf dem Berg angekommen, dem inzwischen legendären Bäckerberg. Bereits die letzten drei Jahre (zu den Berichten von 2014, 2015 und 2016) fand sich Stormbringer immer wieder zu Beginn der Ferienzeit auf dem kultigen Vierkanthof irgendwo im oberösterreichischen Nirgendwo ein. Was ein kleiner Schreiberling dort vorfand, entzückte jedes Jahr aufs Neue: Malerische Natur, supergemütliche Location, entspannte Crew und dazu feinster Schwermetall aus der extremen Ecke. Und keinen Deut anders sollte es auch 2017 sein – wiewohl zum Schluss des Vorverkaufs erst etwa die Hälfte der  Tickets verkauft waren, lockte das traumhafte Wetter schlussendlich doch noch eine erkleckliche Anzahl an Krawallfetischisten auf den Berg, sodass die Veranstalter sich zum zweiten Mal in Folge das „AUSVERKAUFT!“-Schild an die Türe nageln, pardon, den Bauzaun kleben konnten. Nicht einmal ein kurzer Regenguss am Nachmittag, mit donnerndem Gruß von Oben, konnte den Zustrom zum schönsten Festival Österreichs bremsen. (Test des Kamera-Regenschutzes: Check!)

Die Crew dankte es den Besuchern mit einem dicken Grinsen im Gesicht, angesichts des erneut vollen Hauses, und schaufelte auf Hochtouren Kulinarisches in die Kessel über den Lagerfeuern. Bereits vor Einbruch der Dämmerung hatte die gutgelaunte Metallermeute sämtliche Vorräte an indischem Dal vernichtet und im Verlaufe des Abends gingen dann auch Schnaps und so einiges Andere zur Neige. Darauf vorbereitet, verkostete Stormbringer den legendären Sick Midsummer-Blechkuchen bereits am Nachmittag und befand ihn als ausgezeichnet! Zudem wurden die Besucher dieses Jahr auch noch mit einem absolut noblen Toilettenwagen verwöhnt – der hohe Flüssigkeitskonsum aufgrund der Hitze, sowie das doch recht gehaltvolle Chili ließen sogar beinahe den Hausbrunnen trockenlaufen, sodass die örtliche Feuerwehr zwecks Nachfüllung anrücken musste.

Das tiefenentspannte Publikum störte sich daran genauso wenig, wie an einem kurzen Stromausfall des Nächtens, der das Festivalgelände in stimmungsvollem Lichtstein des beinahe vollen Mondes malerisch und friedlich wirken ließ. Wer sich nicht gerade zu den brettharten Klängen im Innenhof den Schädel abschraubte, der unternahm tagsüber einen Streifzug zu den Tiergehegen, an denen sich einige wahrhaft köstliche Szenen abspielten. So wurde die Heuraufe des Wildgatters von findigen Besuchern kurzerhand zur Relax-Zone mit Heubett-Addon umfunktioniert, wovon sich ein vorwitziger Hirsch nicht abschrecken ließ, einem Besucher genüsslich über die verschwitzte Glatze leckte um sich anschließend wieder frischem Grün zu widmen. Mehr Zuspruch als die doch eher scheuen Rehe erfuhr naturgemäß das gegenüber liegende Gehege, wo ein Pony (headbangte im Takt der Musik – ohne Witz!) ein Esel, ein vorwitziger Geißbock und eine etwas scheue Geiß die Herzen der Metalheads im Sturm eroberten. Esel und Bock holten sich ausgiebige Streicheleinheiten und so manches Leckerli in Form von frisch gepflücktem Grünzeug oder Apfelbaumblättern ab – und wehe das Wellnessprogramm wurde zu früh beendet, dann gab es vom Bock gleich eine Kostprobe der auf dessen Kopf sprießenden Waffen! Was aber einen besonders mutigen Besucher nicht davon abhielt, zum Gaudium der Umstehenden mit dem Bock durch das Gitter zu schmusen... zumindest einen Zungenkuss gab es aber nicht. Glauben wir jedenfalls. Wer weiß was da später noch... lassen wir das.
 


Harte Metaller, weiches Herz (für Geißböcke)
 

Das Sick Midsummer trägt seinen von uns (bzw einem einzelnen, sehr anspruchsvollen Redakteur...) verliehenen Titel „schönstes Festival Österreichs“ zu Recht, wie auch 2017 mit einem rundum perfekten Festivaltag bewiesen wurde. Die Besucherzahlen und die absolut entspannte Stimmung (sieht man einmal von einem Zuschauer ab, der im Überschwang der Gefühle mit einem Lautsprecher kollidierte und anschließend blutend und relativ übelgelaunt von Dannen zog...) geben dem familiären Konzept des Festivals recht – so eine Veranstaltung kann man kaum besser machen! Umso mehr, als dass der in den vergangenen Jahren mit schöner Regelmäßigkeit zuschlagende Headliner-Fluch dieses Jahr überwunden wurde, und wirklich bis zum Schluss absolut hochklassiges Programm geboten wurde. Liebes Sick Midsummer, bleib so wie du bist, wir wollen dich noch viele Jahre der Festivallandschaft erhalten sehen – und selbstverständlich sehen wir uns auch 2018 wieder, das darf an dieser Stelle bereits versichert werden. Derweilen möchten wir die Zuseher davon überzeugen dass sich ein Besuch auf dem Bäckerberg nicht nur der Musik wegen lohnt, sondern auch wegen des Drumherums - wie man in der zusätzlichen Galerie der Festival-Impressionen bei Images Of Pain And Pleasure ersehen kann.

Damit beschließt der dieses Jahr eigentlich nur fotografierende Teil der Stormbringer-Abordnung seine Liebeserklärung an das Sick Midsummer und übergibt an Kollegin Anna, die sich um den Rest der Bands kümmern wird!
[Anthalerero]
 


AMONG RATS - mitten im Geschehen!

 

Doch halt, während Kollege Manuel mit seinen AMONG RATS bereits den Prügelreigen mit garstigen Death/Grind-Klängen eröffnete, befand sich Kollegin Anna noch auf dem Wege zur Location, so darf der klumpfüßige kleine Stormbringer-Fotograf (ja, inzwischen sind beide Füße von [noch unbekannte Ursache] betroffen – ihr dürft wahlweise gerne Mitleid oder Schadenfreude zeigen.) nun dem Rattenpack auf die Pfoten fühlen. Das derbe Gegurgel zur frühen Stunde blies den schon zahlreich anwesenden Zusehern ordentlich die Nebenhölen durch und resettete die Geräuschempfänger der Anwesenden gleich einmal für das noch folgende Programm. Der Spaß den AMONG RATS auf der Bühne versprühten, übertrug sich schnell auf das Publikum, das amtlichen Applaus spendete – und wer nicht mitmachen wollte, der wurde von den ihren Arbeitsbereich kurzerhand von der Bühne in den Zuschauerraum verlegenden Instrumentalisten mit Nachdruck dazu genötigt sein Haupthaar (so vorhanden) zu schwingen. Warum dann allerdings einige Zuseher immer wieder wieder einen Schuh auf die Bühne warfen, der von den Musikern immer wieder zurückgeschossen wurde, nur um dann postwendend wieder auf der Bühne zu landen, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.... [Anthalerero]
 

Pünktlich zum Auftakt von SOUL DEMISE traf auch ich ein. (Anmerkung: der zweite kleine Schreiberling hatte die Auffahrt auf den beschaulichen Bäckerberg unterschätzt). Sofort wurden die schon kräftig angeheizten Zuschauer von den brachialen Oldschool-Death mitgerissen. Mit einer Bühnenshow die zum Moshen und Headbangen einlud, füllte sich der beschauliche Innenhof auch langsam auf. [Anna]

Als Highlight erwies sich der geradezu mitleidende Fronter, der auf der Bühne wirklich alles gab und dabei frappierend an des kleinen Stormbringer-Fotografens liebsten Death Metal Hobbit erinnerte. Irgendwo gibt es vermutlich eine Keimzelle für Todesmetallische Fronter dieser und ähnlicher Bauart, wenngleich auch jener von SOUL DEMISE, der gekonnt über die Bühne schlurfte und schlängelte, vom Habitus her etwas mehr an Gollum gemahnte. Doch wie wir wissen, war auch dieser einmal ein Hobbit, bevor ihn der Ring der Macht unter seine Knechtschaft zwang... Man verzeihe dem Schreiberling diesen kleinen Gag... So fahret denn fort mit dem Zerstörungswerk! [Anthalerero]
 


LEBENSSUCHT - so ein Kunstwerk kann nicht einmal Aktionskünstler Nitsch erschaffen.
 

Nacheiner gewaltigen Portion an Death konnte mich auf LEBENSSUCHT freuen - so etwas erlebt man nicht alle Tage. Eine deutsch-bulgarische DSBM Band mit einer schaurig-schönen Bühnenshow rund um Frontfrau Anett S Caedes. Bereits beim Soundcheck konnten wir feststellen, dass das Quartett nicht zu überhören ist. Auf der Bühne fand ein interessantes Spektakel statt. Die komplette Band war in weiß gehüllt und zur Gänze blutverschmiert. Die Lead Vocalistin trug ein zauberhaft-viktorianisches Kleid, welches sich anfangs leider als eine kleine Stolperfalle herausstellte - dennoch konnte dies den düsteren Schein kaum trüben. Für mich eines der persönlichen Highlights am diesjährigen Sick Midsummer. [Anna]

Ein paar Liter Schweineblut und eine angepisste Frontkreischerin, bei der selbst der fleischgewordene Brüllwürfel, aka Schlumpfinchen von ARCH ENEMY die Flucht ergreifen würde, wenn einem die Dame mit ihren kraftvollen Stimmbändern geradezu das Fleisch von den Knochen raspelt - das waren die Zutaten für die wahrscheinlich beeindruckendste Show des diesjährigen Sick Midsummers. Sogar das Sonnenlicht schien sich in klirrende Eispfeile zu verwandeln, ob dieser Darbietung. [Anthalerero]

Nach einer kurzen Pause (wo auch ich das Kuchenbuffet getestet und mit ausgezeichnet bewertet habe) ging es auch schon mit MONUMENT OF MISANTHROPY weiter. Zeitgleich wurde unsere Location von Regenwolken umzogen, was die Stimmung aber keineswegs beeinträchtigte. Den was verleiht dunkler Musik einen besseren Rahmen als apokalyptische Donnerklänge und schwer-fallende Regentropfen? Die Jungs servierten uns gut gekonnten Brutal Death, welcher den Innenhof zum Mitfeiern brachte. [Anna]



OUTRE - Abschädeln Deluxe!
 

Anschließend traten OUTRE auf die Bühne. Ich bin schon lange ein großer Fan der Polen und daher war meine Erwartung an ihre Live-Performance relativ hoch. Nach circa 45 Minuten gekonnter Darbietung wurden diese sogar noch übertroffen. Ich muss eingestehen, dass selten eine Band es für mich geschafft hat, so einen vielseitigen Black Metal abzuliefern. [Anna]

Das Fotografenantha indes, freute sich zu den sägenden Klängen von OUTRE, die bereits zweimal am Dark Easter Metal Meeting begutachtet werden konnten einen Ast ab, ob der guten Lichtverhältnisse. Die langsam einsetzende Dämmerung konnte die Stimmung der Polen perfekt in Szene setzen und sorgte überdies für eine äußerst gute Fotoausbeute. So mag man das! [Anthalerero]

Im Anschluss prügelten die Schweden von DIABOLICAL mit satten Death/Thrash und leichter Prog-Schlagseite auf das Publikum ein. Nicht zum ersten Mal zu Gast am Bäckerberg (Anm. d Red.: Da hat unsere verehrte Kollegin die Herren wohl mit den ebenfalls schwedischen DEMONICAL verwechselt... Das Alter, nüm?) , konnten die Mannen vom Fleck weg überzeugen und duften sich über einen vollgepackten Innenhof freuen, in dem ein Meer von Mähnen geschwungen wurde. Unheimlich stark, was die Schweden da ablieferten! [Anthalerero]



AHAB - Schlagen dich zu Boden und treten dann nochmal drauf.

 

Pünktlich um 22:00 stand ich ganz vorne für unseren diesjährigen Headiner bereit, welcher kein geringer als die Funeral Doom Größe AHAB ist. Dennnoch wurde diese Entscheidung unter den Besuchern heiß diskutiert und die Meinungen spalteten sich stark auf. Die einen freuten sich auf eine doomige Abwechslung, andere hingegen meinten, dass diese extrem langsame Spielart sich nicht mit den anderen Bands anfreunden kann. Aus meiner Sicht aus wurden hier viele eines Besseren belehrt. Der beschauliche Platz war stockvoll und rabenschwarz, als plötzlich unser Matador die Bühne (mit viel Nebel) betrat. Sofort wurde damit begonnen, das Publikum niederzudoomen. Glücklicherweise ließen sich die meisten darauf ein und es kam zu einem synchronen Headbang-Spektakel, welches so nur durch diese drückende Atmosphäre und langsame Spielart erlebt werden konnte. [Anna]

Die größte Überraschung des Abends: der riesige Publikumszuspruch bei AHAB. So viele waren skeptisch ob der Verpflichtung der Deutschen, und doch wurden alle Unkenrufe Lügen gestraft. AHAB schlugen das Publikum in der inzwischen finsteren Nacht mit ihren bleischwären Klängen zu Boden, nur um dann genüsslich noch einmal draufzutreten und die unwürdigen Reste des Daseins unter tonnenschweren Riffs zu begraben. Ein vollkommen in den Doom-Klängen aufgehendes, synchron in Zeitlupe bangendes Publikum - schöner kann ein Doom-Zeremoniell kaum sein! [Anthalerero]
 


Gutenachtgeschichten mit MAKE A CHANGE... KILL YOURSELF.
 

Nach der gelungenen Show schlug auch in mir die Müdigkeit durch, dennoch konnte ich es kaum erwarten von MAKE A CHANGE... KILL YOURSELF wieder ordentlich wachgerüttelt zu werden. Nach einigen kleinen Probemen mit den Beamer betraten die Jungs aus Dänemark mit modern angehauchten Roben und bitterbösen Corpse Paint (welches fast schon zu gut geschminkt war) die Bühne. (Das Kameraokular enthüllte: die Gitarrenfraktion hatte sich Masken übergezogen... [Anthalerero]) Bereits beim Soundcheck wurde ich wieder hellwach und konnte mich auf eine hochkarätige Black Metal Show einstimmen, welche uns das Sick Midsummer für dieses Jahr abschließen sollte. [Anna]

Und so beschließen wir das diesjährige Sick Midsummer, welches endlich von seinem Headlinerfluch erlöst scheint. Gleichzeitig freuen wir uns auch schon auf die nächste Ausgabe des familiären Festivals, an das die Stormbringer-Redakteure ihr Herz verloren haben. Haltet uns wieder ein Plätzchen frei, für nächstes Jahr! [Anthalerero]

Eine erweiterte Fotogalerie des Festivals findet ihr wie immer in Bälde bei Images of Pain And Pleasure.


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