22.07.2017, PMK, Innsbruck

SUICIDAL ANGELS & WARBRINGER & INSANITY ALERT

Text: Thomas Patsch | Fotos: Christoph Marberger, Thomas Patsch
Veröffentlicht am 25.07.2017

Auf ein derartig hochkarätig geschnürtes Package wie heute hatte man länger warten müssen. Zu den SUICIDAL ANGELS gesellten sich die geilen Ami-Thrasher WARBRINGER, zudem wurde noch die heimische Crossover/Thrash-Dampframme INSANITY ALERT dazugepackt. Ein Samstagabend war es zudem und folglich pilgerte alles, was sich Metalhead schimpft, gen Bogenmeile, um das pmk ansprechend zu füllen und dem unheiligen Thrash-Triumvirat einen würdigen Empfang im sommerlichen Innsbruck zu bieten. Nach der Abreibung am Bang Your Head-Festival (mit DEATH ANGEL, ANGELUS APATRIDA und den Speedstern EVIL INVADERS) sollte heute Teil 2 der Summer Of Thrash-Partie stattfinden, sein Finale findet er schließlich mit dem nahenden Gig von SACRED REICH im Hafen.

INSANITY ALERT 
„Macaroni Maniac“ lieferte den Einstieg in ein wiederum fulminantes Heimspiel von IA. Gleich eingangs wird man wiederum verblüfft, wie explosiv und energiegeladen die Shows des Vierers sind. Wie oft schon hatte man die Ehre, von Kev & Co. live überrannt zu werden, wie oft hatte man den sympathischen Jungs schon Beifall gespendet. Und doch schaffte es der Vierer heute ein weiteres Mal, einen ob der Dynamik des Konzertgeschehens zu überraschen, ja zu verblüffen. Mit Kevin fegte ein – anfänglich in einer Zwangsjacke steckender - Wirbelwind über die Bühne, der mit seiner Performance und seinen Ansagen jeden Anwesenden mitriß. Links und rechts war die Saitenfraktion postiert, die mit geilen Shouts und amtlichem Mattengeschüttel bestach (zudem wuchtete Basser Mosi anfangs vor lauter Euphorie gleich den Mikroständer von der Bühne), während Klemi hinter der Schießbude seine Mannen kräftig nach vorne trieb. Unterbrochen von Anekdoten rund um die Band (wie etwa jene vom Umzug Klemis nach Berlin und "seinem Longboard" – „Life's Too Short For Longboards“) und der (erfolgreichen!) Aufforderung, ihn auf ein Bierchen einzuladen, prasselten die akustische Blitzgranaten nur so reihenweise auf die Anwesenden ein.

Zu „Weedgrinder“, „Twist-Off Betrayal“ und dem "Moshburger"-Track „Pact With Satan“ kreiste der Pit und verwandelte das pmk in eine Mosh-Sauna. Die üblichen Show-Gimmicks bildeten natürlich wieder einen fixen Bestandteil der energetischen Performance. Die Klaue („The Claw Of All That Is Evil“), die Krabbenhände („Confessions Of A Crabman“), ein DAVID GUETTA-Lookalike aus Styropor („Why Is David Guetta Still Alive?“) und sonstige Beschilderungen waren auch heute wieder mit am Start. INSANTIY ALERT lieferten einmal mehr und verblüfften das Auditorium mit einem durchschlagskräftigen wie unterhaltsamen Auftritt, der nach „Glorious Thrash“ und dem fetzigen „Desinfektor“ mit dem obligatorischen „Run To The Pit“ sein fulminantes Ende fand. In dieser Verfassung (trotz des Urlaubs-Blues von Dave und Kevin!) stehen die Zeichen für unser Genre-As, das seine Crossover/Thrash-Feuerwerke zuletzt auf Tour in halb Europa abbrannte, weiter auf Sturm!

WARBRINGER
Die nächste Thrash-Granate scharrte nach einer Abkühlpause im Freien bereits in den Startlöchern. WARBRINGER aus den Staaten zählen ja zu den großen Hoffnungsträgern im Genre. Europa hat mit den feurigen Iberern ANGELUS APATRIDA und dem heutigen Headliner Schwergewichte am Start, doch die Jungs aus Kalifornien sorgen mit HAVOK & Co. für das nötige Gegengewicht. Auf der Bühne wurde es zwar mächtig eng, da man sich zu fünft die recht kleine pmk-Bühne teilen musste. Diese Aufgabe meisterten WARBRINGER allerdings bestens, während die Saitenfraktion sich mächtig mit Riffen und Bangen ins Zeug legte, betrieb Frontmann John Kevill Interaktion mit zum Publikum.

Mir war das Acting von Kevill zwar zu aufgesetzt, den Rest des Publikums störte das allerdings nicht weiter. Zudem machte das Quintett alles mit dem fetten Thrash-Brett wett, das über das Publikum hinwegfegte. Vom Opener „Silhouettes“ an ging es mächtig fetzig zur Sache. Alle acht Stücke vom neuen, gelungenen Langholz „Woe To The Vanquished“ kamen heute zum Zuge, besonders zu gefallen wussten Akustik-Massaker wie „Remain Violent“ oder das zündende „Shellfire“. Die Zeit schritt schnell voran, schon war man beim „Greatest Hits“-Programm angelangt…“Living Weapon“, „Living In A Whirlwind“ und „Combat Shock“ knallten soundmäßig gut ausbalanciert, aber höllisch laut aus der PA, brachten das Thrasherherz final zum Glühen und drehten den Pit vor der Bühne noch ein wenig schneller im Kreis.

SUICIDAL ANGELS
Die griechischen Engel zählten ja nicht immer zu meinen Favoriten. Einstmals sah ich in ihnen nicht mehr als eine stumpfe SLAYER-Kopie, bis sich der Schalter bei der lässigen 2015er Live-Show in Balingen umlegte. Danach folgte das grandiose „Division Of Blood“-Album, mit dem es heute auch gleich volle Kraft losging. „Capital Of War“ und der Titeltrack wuchteten, vorgetragen von einer breitbeinig aufgestellten Hellas-Armada, gleich eingangs alles weg. Die SUICIDAL ANGELS begeisterten heute mit einer fetten und energetischen Thrash-Performance, die einem den Staub aus den Ohren fegte. Ein Leichtes mit Krachern wie „Image Of The Serpent“ oder „Beggar Of Scorn“  im Talon. Und die ANGELS feuerten aus allen Rohren. Der Hacker „Bleeding Holocaust“ oder „Reborn In Violence“ sind unglaublich starke Mitbrüller und Livegranaten, aber auch „Bloodbath“ kam endgeil und tight um die Ecke.

Auffallend war heute den ganzen Abend der für´s pmk eher ungewohnte, gute Sound, der zwar vor allem bei den letzten beiden Bands amtlich fönte, aber ansonsten eine Wohltat für die Ohren war. Im Moshpit feierte man Band und Sound in bester „Good Friendly Violent Fun“-Manier, während viel zu schnell das Ende der heutigen, geilen Thrash-Abreibung herannahte, welche die „Moshing Crew“ mit dem geilen „Apokathilosis“ feierte. Heute hatte der Begriff der „schweißtreibenden Clubshow“ seine Bedeutung im doppelten Sinn. Geile, amtlich aufzockende Bands, die nicht nur dank sommerlicher Temperaturen den sprichwörtlichen Schweiß von der Decke tropfen ließen. Summer Of Thrash eben.


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