05.08.2010 - 07.08.2010, Wacken Festival Area

WACKEN OPEN AIR 2010 - Impressionen abseits der Bands

Veröffentlicht am 03.09.2010

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Mittwoch

Wacken Nr. 21 begrüßt seine am Mittwoch eintreffenden Gäste mit einer zügigen Abfertigung der Massen, die sich durch das Dorf Richtung Festivalgelände wälzen. Waren am Hamburger Hauptbahnhof die Horden den Normalos widererwarten zahlenmäßig unterlegen, sieht man spätestens am Bahnhof Itzehoe nur noch schwarz, soweit das Auge reicht. Hier werden zehntausende Metalheads von den Shuttlebussen eingesammelt und zum Festivalgelände gekarrt, und auch wenn wir uns innerhalb kürzester Zeit für ein Taxi entscheiden, scheint das problemlos über die Bühne zu laufen. Auch die Anreise per Zug war angenehmer als bereits gehabt; selbst wenn es mir anfangs noch komisch vorkommt, dass anlässlich des Massenevents keine Sonderzüge geführt werden, überlässt uns schließlich ein geistesgegenwärtiger Schaffner wegen Platzmangels die gesamte 1. Klasse. Im Wacken-Dorf angekommen, lässt uns der Taxifahrer raus und wir lassen unser Gepäck inklusive rasch erstandener Edeka-Verpflegung von den obligatorischen Kleinkindern zum Campingplatz karren. Spätestens nach hundert Metern haben wir aber Mitleid mit den drei Mädels zwischen fünf und neun Jahren, verdoppeln den Preis und ziehen die Leiterwägen selbst. Am Campinggelände angekommen, werden wir und das gesamte Gepäck von einem einstündigen Platzregen vollkommen durchnässt. Während die Kollegen aus Australien, England, Brasilien, Oman, Bahrain, Deutschland, Neuseeland und der Türkei noch die Lage sondieren und Pavillons organisieren (Preisfrage: Wie viele Metalheads braucht man, um einen Gartenpavillon aufzubauen?), treibt es den pflichtbewussten Hobby-Musikjournalisten, nicht etwa aus Faulheit, sondern aus journalistischem Interesse, zur W.E.T.-Stage, wo der unvermeidliche MAMBO KURT die bereits angereisten Fans zu unterhalten versucht. Ein schwerer Fehler. Konnte ich MAMBO KURT auf meinen früheren Wacken-Besuchen immer vermeiden, werde ich diesmal mit dem absolut Dämlichsten, was je auf die Bühne eines Metalfestivals gelassen wurde, konfrontiert. Nach einer halben Stunde ist klar, dass zumindest ich mir den Schwachsinn auch nicht lustig trinken kann, und während die vermeintlichen Metalfans noch zu Scooter- und Lady Gaga Heimorgelcovers grölen, kaufe ich mir bereits trockenes Gewand am Metal Market.

Donnerstag

Donnerstag, der Tag der Superlative: während tagsüber nur die Zeltbühne bespielt wird, erwarten uns in den Abendstunden große Namen auf den Hauptbühnen. Die diesjährigen „Night To Remember“-Legenden sind ALICE COOPER, MÖTLEY CRÜE und IRON MAIDEN, die bereits 2008 ihr Wacken-Debut feierten. Wirklich Nacht ist es allerdings nicht, als ALICE COOPER um halb Sechs auf der Bühne steht. Das wirkt beinahe etwas respektlos, ist ALICE COOPER doch ganzen Generationen besorgter Eltern und Shockrock-Fans ein Begriff und nach Lemmy wahrscheinlich der älteste Musiker, der in den vergangenen Jahren in Wacken auf den Brettern stand. Anfänglich ist der Sound noch unheimlich mies, das bessert sich jedoch schnell und schon bald liefern Cooper & Co. die 1A-Bühnenshow, die Jung und Alt heute erwarten. Auf neuere Songs wird größtenteils verzichtet, und so folgt ein Klassiker dem nächsten; und auch der stellenweise magere Sound tut Hits wie „No More Mr. Nice Guy“, „I’m Eighteen“, „Billion Dollar Babies“ oder „Poison“ keinen Abbruch. Musikalisch und stimmlich ist da nicht viel falsch zu machen, der eigentliche Hammer ist jedoch – wie erwartet – die Bühnenshow. Alice mordet, wird ermordet, geköpft, erhängt, ersteht wieder auf – sehr blutig, sehr aufwändig, und trotz des Puppentheater-Flairs niemals lächerlich, sondern beeindruckend. Großartiges Entertainment der alten Schule, und vermutlich heute relativ einzigartig. Während eine Stunde später die Glam-Dinosaurier von MÖTLEY CRÜE versuchen, das Publikum von ihrer Relevanz zu überzeugen, bereitet sich ein Großteil des W:O:A schon auf IRON MAIDEN vor. Sitz- und Stehplätze werden reserviert, ungefähr die Gesamtheit aller Besucher will noch schnell aufs Klo, und aus allen Richtungen wanken mit Bier, Proviant, Fahnen und Kameraequip Beladene in Richtung True Metal Stage. Etwa eine Dreiviertelstunde vor Beginn hat man sich dann auch einen Stehplatz gesichert, von dem aus die Bühne noch zu erkennen ist, und Bruce Dickinson mehr als 5 cm hoher Strich am Horizont. Es ist voll, wie voll wird allerdings erst klar, als die Kameras aufs Publikum schwenken – Menschen, so weit das Auge reicht, und vermutlich auch weiter. Als die Eisernen Jungfrauen pünktlich um halb Zehn mit „Wicker Man“ die Bühne entern, bricht die Hölle los. Ungefähr 20.000 Fans bemerken gleichzeitig, dass sie zu spät für einen brauchbaren Platz gekommen sind, und beginnen, Richtung Bühne zu schieben bzw. versuchen, sich durchzuboxen (wortwörtlich). Dadurch entsteht in den ersten 200 Reihen ein Gerangel, Gedrängte und Chaos, das zwar zu erwarten war, in seiner Heftigkeit aber auch Leute überrascht, die bereits mehrere Konzerte dieser Größenordnung auf dem Buckel haben. Zu allem Überfluss versuchen diejenigen, denen das Drängen nichts gebracht hat, dann mittels Crowdsurfing nach vorne zu kommen, und als „Ghost of the Navigator“ endet, bin ich von heulenden Mädels, schwer genervten Typen und einigen blutenden Nasen umgeben. IRON MAIDEN konzentrieren sich bei der momentanen Tour auf die Alben der letzten Dekade, was dem Großteil des frenetisch abfeiernden Publikums aber nichts auszumachen scheint. Maiden sind wie immer in Topform – energiegeladen, kommunikativ, und hochprofessionell – allerdings machen es die Zustände im Publikumsbereich nicht gerade einfach, das Konzert aufmerksam zu verfolgen. Ganz im Gegensatz zur „Somewhere Back In Time“-Tour bleibt auch das Bühnenbild – eine Raumstation/Kommandozentrale im Stil des „The Final Frontier“-Artworks – diesmal konstant und wird nicht je nach Song ausgetauscht, und als Eddie (im Raumfahrer-Outfit) schließlich auftaucht, um die Musiker zu attackieren, dürfen wir das Spektakel aus seiner Perspektive via Headcam mitverfolgen. Eigene Höhepunkte für sich stellen die Songs „Blood Brothers“, der Ronnie James Dio gewidmet wird, sowie „No More Lies“ mit einem Maximum an Publikumsaktivität dar. Nach dem klassischen Viererpack „Fear Of The Dark“, „Iron Maiden“, „Number Of The Beast“ und „Hallowed Be Thy Name“ haben IRON MAIDEN schließlich noch eine Überraschung parat: Mit „Running Free“ beschließen sie die „Night To Remember“ und entlassen uns zu den Klängen von „Always Look On The Bright Side of Life“ in die Nacht. Die Begeisterung über das Konzert mischt sich mit der Erleichterung, es heil überstanden zu haben.

Freitag

Nachdem wir den 11:00-Termin DEW-SCENTED verschlafen haben, schaffen wir es bis viertel vor Zwölf zur Mainstage, wo AMORPHIS gerade versuchen, ihre zahlreich erschienen Fans wachzubekommen. AMORPHIS gehen sympathisch und routiniert zu Werke, der Freitag Vormittag-Slot ist der normalerweise greifbaren Atmosphäre der Finnen allerdings nicht besonders zuträglich, und die zu laut abgemischten Keyboards bzw. die zu leisen Gitarren geben der Musik ein unverdientes Pop-Feeling. Lediglich die zwei „Tales From The Thousand Lakes“-Klassiker „The Castaway“ und „Black Winter Day“ erinnern daran, mit wem wir es hier zu tun haben. Unmittelbar danach wird uns auf der Black Stage mit ORPHANED LAND ein echter Leckerbissen serviert; ein Vergnügen, dass einem in unseren Breitengraden eher selten beschert wird. „We are Orphaned Land from the Middle East”, spricht Sänger Kobi Farhi, und macht sich damit vor allem beim arabischen Anteil des Publikums beliebt. Eine Stunde lang lauschen wir einer anspruchsvollen Melange aus arabischer bzw. israelischer Volksmusik, Prog- und Death Metal, die ausnahmslose alle Anwesenden begeistert; über Farhi’s Ansagen ist man geteilter Meinung: Während ein Saudi und zwei Israelis zu meiner Rechten meinen, sie klängen wie eine wandelnde Friedenskonferenz, sind die Omaner zu meiner Linken sichtlich gerührt von den dreisprachig (arabisch, hebräisch, englisch) vorgetragenen Friedensbotschaften. Friedensbotschaften wesentlich unerfreulicherer Art überbringt uns ein Kerl, der Käufern der letzten W:O:A-DVD als „Harry Metal“ bekannt sein dürfte (zumindest denke ich, er war’s). „Bitte keine Wall of Death, keine Circlepits mehr am Wacken, es haben sich zu viele Leute verletzt“ ist in etwa die Botschaft, die er uns überbringt, und er erhofft sich Verständnis, da wir ja das beste Publikum der Welt sind, dass sich jeden Scheiß vorsetzen lässt. Oder wie? Zumindest muss ich bei „viele Verletzte“ eher an das Maiden-Konzert und die Crowdsurfer denken, wo viele Menschen ungewollt in Gefahrensituationen kamen; wobei ich noch davon gehört hätte, dass jemand gezwungen wurde, in einem Pit mitzulaufen. Dem Gedränge bei Maiden und dem Crowdsurfing – ein Typ hat Spaß und tritt unterwegs 20 anderen ins Gesicht – hätte man leicht einen Riegel vorschieben können (Wavebreaker, größeres Gelände?), aber sich auf einem Metalfestival hinzustellen, und Circlepits für Verletzungen hauptverantwortlich zu machen, halte ich persönlich für ein starkes Stück. Noch dazu am SLAYER-Tag. Am späten Nachmittag wäre man gerne zu VOIVOD gegangen, allerdings verschleppt uns ein Mob fanatischer Thrasher zur Zeltbühne, wo die Briten von EVILE sich gerade daran machen, selbige in ihre Einzelteile zu zerlegen. Eine starke, derbe Thrash-Show, die durch beinahe undurchsichtige Staubwolken verfolgt werden muss, da der ununterbrochen andauernde Circlepit auf dem knochentrockenen Boden einen mittleren Sandsturm auslöst. Viel Zeit bleibt uns nicht, da müssen wir schon wieder für ARCH ENEMY am Start sein. Massen an Fans, eine gut aufgelegte Angela Gossow und eine Setlist mit dem Wichtigsten der letzten Alben prägen das leider nur einstündige Konzert, das durchwegs gut über die Bühne geht, auf Überraschungen allerdings verzichtet. Es folgt ein äußerst ernüchterndes GRAVE DIGGER-Konzert, das genug Zeit bietet, sich ein paar Bier zu gönnen und die Nackenmuskeln für SLAYER aufzuwärmen, die als Mittwochs-Headliner kurz nach Elf die Black Stage betreten. Ein vertrautes Bild: Araya grinst, King ist einfach nur tough und das Publikum ist ab der ersten Minute voll dabei. Mit Einschränkungen: Keinen Pit bitte! Da SLAYER sich aber ohnehin einige langsam gespielte Songs im Programm haben, fällt das nicht schwer, und letztendlich haben wohl alle Beteiligten ihre Freude, zumal die Setlist keine alltägliche ist und sich deutlich von der am Sonisphere gebotenen unterscheidet: „War Ensemble“, „Dead Skin Mask“, „Seasons In The Abyss“, „Hell Awaits“, „Spirit In Black“, „Mandatory Suicide“ und „Chemical Warfare“ – auch abseits der obligatorischen ‚Hits‘ und der „World Painted Blood“-Nummern ist für alle etwas dabei. Nach so einem Tag möchte der Durchschnittsmetaller sich einfach nur mehr vor seinem Zelt betrinken – das ist heute aber nicht drin, denn ANVIL spielen noch, also müssen wir das vor der True Metal Stage tun. Dass diese Willens und auch fähig sind, die zweite Chance, die ihnen die Doku „Anvil-The Story of Anvil“ gewährt hat, wahrzunehmen, ist ab der ersten Minute klar. „Lips“ Kudlow ist einer der sympathischsten Fronter, die man sich vorspielen kann, der Sound hat Druck und bringt das NWoBHM/Hardrock/Speedmetal-Mix aus älteren und neueren ANVIL-Nummern gut zur Geltung. Auch wenn sich zur späten Stunde deutlich weniger Metalheads als zuvor bei SLAYER den Arsch abfrieren, ist die Stimmung großartig und erreicht ihren Höhepunkt, als Lips wahlweise mit seiner Zunge, dann aber auch mit einem Vibrator seine Soli herunterspielt. Empfehlenswert!

Samstag

Der letzte W:O:A-Tag bricht an, und auch wenn die Partystimmung auf dem internationalen Campingplatz mehr als verlockend ist, verspricht der heutige Tag ein Bandfeuerwerk der Superlative. Eröffnet wird der Reigen von EKTOMORF, die heute als erste Band die Black Stage bespielen. Die Ungarn rund um Fronter Zoli Farkas fangen auch gleich mit dem an, was sie am besten können: Gas geben und nach SOULFLY klingen. Dieser altbekannte Vorwurf relativiert sich jedoch bei den Songs jüngeren Datums, die deutlich mehr Eigenständigkeit besitzen, was nicht zuletzt an den Einflüssen der traditionellen Romamusik liegt, die gekonnt in das Thrashgeknüppel eingebunden werden. Lediglich eine unterdurchschnittlich dargebotene Akustik-Nummer („Who can I trust“) schadet der Atmosphäre eher, danach wird dann wieder fröhlich (verbotenerweise! böse) gemosht („Outcast“), und abermals finden wir uns in einem undurchdringlichen Staubtornado wieder. Deutlich gesitteter geht es dann – erstaunlicherweise – bei UNLEASHED zu, die uns einige ältere („Shadows in the Deep“) und jüngere Death Metal-Prügel um die Ohren hauen. Die solide und rhythmusbetonte Spielweise animiert viele der Anwesenden zum exzessiven Headbangen, und die Schweden können nach einer knappen, kurzweiligen Stunde zufrieden das Feld räumen – „The Longships Are Coming“ und „Death Metal Victory“ beschließen einen gelungenen Auftritt. Gleich darauf bestätigen OVERKILL die Vermutung, tatsächlich eine der besten Livebands dieses Sommers zu sein: vom ersten bis zum letzten Ton hält Bobby Blitz die Masse in seinem Bann, kreisende Mähnen und kurzlebige Moshpits zeigen sich überall. Ein Hitfeuerwerk, angefangen mit der „Ironbound“-Übernummer „The Green and Black“ bis zum Finale („Fuck You“ inklusive „Overkill“-Cover), dass sich, derartig energiegeladen, sympathisch und druckvoll dargeboten, als ein echtes Erlebnis herausstellt. Eigentlich bräuchte man nach dem Thrash-Overkill der gleichnamigen Band eine Verschnaufpause und ein neues Genick, doch auf der Black Stage erwartet uns eine echte Rarität: „It’s been 13 years since we played Wacken the last time!“ erklärt uns LOCK UP-Fronter Tomas Lindberg (AT THE GATES, SKITSYSTEM, DISFEAR). LOCK UP sind eine Art Allstar-Deathgrind Kapelle und die Erfüllung der feuchten Träume eines jeden Grindcorefans. Napalm Death-Basser Shane Embury ist hier ebenso zugange wie Nicholas Barker (CRADLE OF FILTH, DIMMU BORGIR, BRUJERIA), und zwischenzeitlich unterstützten Größen wie Peter Tägtgren (HYPOCRISY, PAIN) und Jesse Pintado (NAPALM DEATH, TERRORIZER, BRUJERIA – Rest in peace!) das Projekt. Am Anfang brauchen die Gehörgänge etwas, um sich nach einigen doch sehr eingängigen Bands auf das musikalische Massaker einzustellen, Grüppchen in Edguy- und Nightwish-Shirts verlassen fluchtartig das Gelände. Auch auf den Gesichtern einiger gestandener Deathmetaller zeigt sich Ungläubigkeit ob der enormen Brutalität, die hier entfesselt wird. Doch spätestens nach dem dritten Song haben alle, die es nicht verstehen konnten, das Feld geräumt, und jene, die geblieben sind, rasten aus. An Kompositionsfähigkeiten, Instrumentalskills und Live-Wahnsinn nicht zu überbieten: LOCK UP. Auch unsere Aufnahmefähigkeiten sind begrenzt, und so gönnen wir uns während W.A.S.P. eine Pause, nur um eine Stunde später bei CANNIBAL CORPSE auf der Matte zu stehen. Die New Yorker fahren ihr übliches Programm: Knallhart, kompromisslos, wortkarg. Auch wenn der Sound gut ist, die Fans (und Schaulustigen) äußerst zahlreich erschienen sind und die Setlist einige Abwechslung verspricht, hapert es doch etwas an der Kommunikation mit dem Publikum. CANNIBAL CORPSE sind bekanntlich sehr erfahrene Performer, die kaum Probleme haben, ihr Publikum in den Griff zu bekommen, doch diesmal dauert es, bis sich die Begeisterung der Die-Hard-Fans bis in die hinteren Reihen durchsetzt. Spätestens ab „Priests of Sodom“ hat Gummigenick Fisher die Meute aber in der Hand und wird der Gig doch noch zu einem Erfolgserlebnis, das nur eine Frage offen lässt: „Soll ich mir jetzt Immortal, Rotting Christ oder Candlemass anschauen?“ Eine unglückliche Dreifach-Überschneidung verlangt den Fans eine Entscheidung ab. Mittlerweile ist es finster genug für jeden der genannten Acts, und ich entscheide mich für CANDLEMASS, die nicht unbedingt jeden Tag bei mir vor der Haustür spielen und die nicht umsonst den Spitznamen „Cancelmass“ tragen. Die doomige Gänsehautatmosphäre, die mir von der Party Stage entgegenschlägt, hat auch Tausende andere angelockt. Robert Lowe, der „neue“ Sänger, und seine Mannen sind offensichtlich alles andere als nüchtern – diese Eigenschaft teilen sie mit dem Großteil des Publikums – trotzdem sitzt jeder Ton, und Lowe’s Stimme hebt sich auf wirklich beeindruckende Art und Weise von den Instrumenten ab. Der glasklare Sound und das durchwegs überlegte Stageacting der Band machen Songs wie „Samarithan“, „At the Gallow‘s End“, „Mirror Mirror“ und „Solitude“ zu Eindrücken für die Ewigkeit. SOULFLY sind da natürlich der Kontrast schlechthin. Auch wenn die knapp bemessene Spielzeit von einer Stunde eine Enttäuschung ist; diese eine Stunde hat es in sich. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt: Die Nu-Metal Phase ist Geschichte und SOULFLY sind eine der besten Liveacts des Planeten! Dem zum Klassiker avancierten Opener „Blood Fire War Hate“ folgen SOULFLY-Kracher der Marke „Seek’n’Strike“, „Babylon“, „Back to the Primitive“ und „L.O.T.M.“ inklusive „Walk“-Cover, drei neue Songs, die Sepultura-Klassiker „Refuse/Resist“ und „Roots“ sowie ein Leckerbissen für die alte Garde der SEPULTURA-Fans: „Troops of Doom“. Keine Pausen, keine Kompromisse - da fallen auch die letzten Hemmungen, und die Wacken-Orgas sehen sich gezwungen, mehrmals ein großes „No Circlepit!“-Symbol über die Videowalls einzublenden. Zwecklos allerdings, denn erstens nutzt Max diese Gelegenheiten, um zu Circlepits aufzufordern (Danke, Max!), und zweitens ist bei SOULFLY sowieso jede Hoffnung auf ein ruhiges Konzert vergebens – wer nicht springt, mosht, und wer nicht mosht, tut sein Bestes, um Land zu gewinnen. Nachdem sich die Staubwolken gelegt haben und sich ein Großteil der Metalheads bereits auf den letzten Rausch, One Night Stand oder Bus zum Flughafen konzentriert, könnte man sich theoretisch noch FEAR FACTORY oder TIAMAT anschauen. Aber man kann nicht mehr – 3 Tage Wacken hauen jeden um!


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