2.8.2017, Arena Wien,

Jolly Roger Festival 2017

Text: Kalti | Fotos: Bernhard Sonnberger, Kalti
Veröffentlicht am 05.08.2017

Eigentlich haben wir uns gegen das Rock In Vienna 2017 gewehrt. Zu wenig mit der Rock / Metal Musik hatte das Line up zu tun, zu enttäuscht war man nach den grandiosen letzten zwei Jahren. Hingegangen bin ich dann trotzdem (Bericht gibt es hier), es war nicht ganz so enttäuschend, mit einem Rock Festival hatte dies wohl trotzdem eher wenig zu tun. Möglicherweise sahen das auch die Veranstalter so und dachten sich: Gut, dann nehmen wir doch den Namen der kleinen Bühne vom Vorjahr und bauen uns ein eigenes Festival zusammen: Das „Jolly Roger Festival“ war geboren. 

Die Reaktionen darauf waren anfangs gut, nach und nach kamen allerdings Zweifel. Dass das Festival an einem Mittwoch stattfand, stieß vielen Fans sauer auf. Der Vorverkauf lief schleppend und auch die Reaktionen auf die „Fotochallenge“ waren eher mau. Nichts desto trotz hatte sich kurz vor 14 Uhr schon eine schöne Schlange vor dem Eingang des Arena Geländes gebildet, um Einlass zu bekommen.
 

Die aus Ungenach in Oberösterreich stammende Modern Metal Band CANNONBALL RIDE eröffnete das Festival. Nach und nach bildeten sich Menschentrauben, die sich an den wenigen Schattenplätzen der Arena zusammenkuschelten, um der sengenden Hitze von oben zu trotzen. Die Show war solide und konnte die Anwesenden begeistern. 


CANNONBALL RIDE

Der Schatten vor der Bühne wurde mehr und mehr, man konnte zusehen wie sich die Menschentraube innerhalb dessen von der obersten Kante auf Höhe des FOH immer mehr in die Schattenregion vor die Bühne bewegte. Die Nepalesen UNDERSIDE folgten auf die Oberösterreicher und bretterten durch ihr ganzes Set. Aufgrund der Unbekanntheit der Band, wohl die Überraschung des Festivals. Das, obwohl Schlagzeuger und Bassist gar nicht zur Stammformation gehörten. Der Basser meinte, dass er die Songs vor einer Woche bekommen hätte und diese einstudieren konnte, der Schlagzeuger hatte wohl noch weniger Zeit. Angeblich gab es Einreiseprobleme. Mit groovigem, modernen Metal stimmte man das Publikum in LAMB OF GOD Manier ein und bewies dabei durchwegs musikalisches Geschick.


EPSILON

Die niederösterreicher EPSILON folgten dann mit einer Death Metal Walze, die die Menschentraube vor dem Publikum stetig wachsen ließ. Nach einer massiven Umbesetzung der Band (inklusive Sängerwechsel) hat man wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Die leichte Nervosität des neuen Sängers machte dies noch zusätzlich sympathischer und echter. 


THE HIRSCH EFFEKT

Die Deutschen THE HIRSCH EFFEKT waren dann für das Publikum etwas zu viel. Mit ihren schrägen Melodien und scharfen Rhythmuswechseln, gepaart mit einem Mix aus kreischendem Gesang und frohlockend hoher Stimme, brachten sie eindeutig etwas Abwechslung ins Line Up. Der Standard AMON AMARTH Fan war allerdings etwas überfordert, deshalb waren die Reaktionen vom Auditorium eher dürftig und dies, obwohl sich die Schattenregion mittlerweile bis zur Mitte der Wiese ausgedehnt hatte.

Mein persönlicher Headliner folgte darauf. BELPHEGOR, die erst kurz vor diesem Auftritt mit „Baphomet“ eine neue Auskoppelung des kommenden Albums „Totenritual“ herausbrachten, zerstörten die Arena. Trotz der ungewöhnlichen Stimmung bei Tageslicht und dem Duft des Weihrauchs, den man nur im Fotograben vernahm, aber bei der Menschenmenge nicht angekommen sein dürfte, zeigten die Salzburger wieder einmal, welche Macht sie darstellen und dass sie nicht zu Unrecht Österreichs Metal Export Nummer eins sind. Neues wie altes Material passte perfekt in die inszenierte Show und machte definitiv Vorfreude auf die Clubshow im Herbst in der Szene Wien.


BELPHEGOR

Der Rest ist in wenigen Worten zu beschreiben: TRIVIUM lieferten mit starkem neuen Drummer und starker neuer Single die gewohnte solide gute Performance. Ebenso die folgenden AMON AMARTH, die mit Wikingerschaukampf und Drachenbekämpfung mit dem Hammer Thors immer wieder für Amüsement sorgen. 

In Summe war das Festival dann doch sehr gelungen und knapp über 2000 Menschen dürften sich nach persönlicher Hochrechnung wohl in der Arena eingefunden haben. Der befürchtete Stilmix (vor allem mit BELPHEGOR sehr stark getrennt) tat der Stimmung eigentlich ganz gut und so bekamen bekennende TRIVIUM Fanboys in der ersten Reihe doch auch mal etwas Black Metal auf die Ohren.


TRIVIUM

AMON AMARTH

Was definitiv gefehlt hat, war der After Show ROCKODILE Auftritt im Arena Beisl, um den Tag abzurunden. Vielleicht nehmen die Veranstalter diesen Verbesserungstipp ernst und nächstes Jahr gibt es dann den „Crocodile Rider“ nach der Wikingerparty. Zumindest ein T- Shirt der Band wurde am Festival gesichtet:


ROCKODILE Fanboys


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