4.8.2017, Nepomukteich Waldhausen (AUT), Waldhausen im Strudengau

Lake On Fire - Day 1

Veröffentlicht am 10.08.2017

Sandige Landstraßen, irgendwo kreist einsam ein Geier über den flimmernden Asphalt, und 40°C im Schatten. Was hier nach einem Tag in Sky Valley klingt, ist derzeit auch in Österreich Realität. Realität oder zumindest “gefühlte Temperatur”.

Die einzig richtige Freizeitentscheidung heißt für mich deshalb: Stadtflucht. Und, dem Rock-Gott sei dank, findet mit dem Lake On Fire ein Festival in einer 3000-Seelen-Gemeinde statt, für das die Wüstenhitze sogar programmatisch ist. Seit 2012 locken Desert Rock, Stoner Sounds und Heavy Psychedelic zahlreiche Genrefans ins oberösterreichische Waldhausen im Strudengau. Ein Konzerthighlight, das dank großartigem Line Up und streng limitierter Kartenanzahl bereits Kultstatus genießt.

Und weil ihr keine Tickets mehr bekommen habt, war ich für euch am Lake On Fire. Gern geschehen.

Buy the ticket, take the ride

Offiziell startet das Festival mit den Linzern SWANMAY, die den Einstieg nicht nur soundmäßig bestens gestalten, sondern mit ihrem eigens kreierten Song “Lake On Fire” auch thematisch den perfekten Auftakt liefern. Das Festival-Areal füllt sich erst sehr langsam, doch die ersten neugierigen Besucher üben sich schon mal in Lässigkeit und wippen gechillt im Takt des fuzzigen 420-Rock. SWANMAY grooven, die Sonne brennt im Nacken und man kann's fast noch nicht glauben. The Lake’s on Fire again. Endlich!

Haben alle schon ihr Festivalband? Hast du auch nicht den Ausweis vergessen? Die Organisation ist streng, aber freundlich. Ohne Ausweis geht heuer gar nichts. Überteuerten Weiterverkäufen der heiß-begehrten Festivaltickets will man damit das Handwerk legen. Die Organisatoren haben sich dadurch freiwillig einen ordentlichen Mehraufwand angetan (beim Weiterverkauf musste das personalisierte Festival Ticket jeweils auf einen neuen Namen umgeschrieben werden), aber alles im Sinne der Fairness.

Als nächstes steht mit KING BUFFALO New Yorker Space-Rock auf dem Programm. Weniger dreckig, dafür ordentlich bluesig starten die Amis in ihr Set. Repetitives Riffing, federleichte Drums und dumpfe Bässe wiegen die Zuschauer in kosmische Sphären. Lange Gitarrensoli und Bluesprogessions tun ihr übriges, um die Zeit stehen zu lassen. Am Lake On Fire wird ohnehin nicht in Minuten gerechnet, sondern höchstens in Momenten. Und davon wird es in den nächsten Tagen noch genügend gute geben.

Organische Drums treffen synthetische Androiden

Das Set von TRIPTONUS, zum Beispiel. Das wird man so schnell nicht wieder vergessen. Höchst motivierte Percussions und drum herum eine sattelfeste sechs-köpfige Instrumental-Band. Zwischendurch dröhnt auch noch ein Didgeridoo von der Bühne. Wer jetzt gleich kitschigen Goa und abgedroschene World-Music im Kopf hat, wird zum Glück eines Besseren belehrt. Das Wiener Kollektiv grooved so hart, die zusätzlichen Instrumente sind schlicht ein notwendiges Ventil, um den geballten Rhythmus sinnvoll zu bündeln. Das ist musikalische Energie in Reinkultur.

THE CYBORGS

Von den organischen Klängen fellbezogener Drums und hölzener Blasrohre gehts mit THE CYBORGS weiter in synthetische Gefilde. Die namenlosen Musiker "0" und "1" beweisen dabei vollen Einsatz. In sengender Hitze und bei direktem Sonnenlicht stehen die zwei Menschmaschinen hinter Schweißermasken an ihren Instrumenten. Wer hier eigentlich was spielt, ist nicht immer ganz klar. Die Instrumente verschwimmen mit- und ineinander. Da wird schon mal mit den Drumsticks auf die Gitarren eingehauen, während die linke Hand noch am Keyboard hängt. Die Stimmung ist gut, die Performance motiviert. Der italienische Cyber-Boogie mag dann aber vielleicht doch nicht everyone’s cup of tea sein.

In A Gadda Da Doom

SASQUATCH machen wieder geradlinigen Stoner Rock, und das auf großem Fuß. Die Kalifornier haben zwar die Lässigkeit schon in die Wiege gelegt bekommen, aber nach ausgefallenen Songs oder herausragenden Riffs sucht man hier vergebens. Gespielt wird Grundge-iger Stoner zwischen KYUSS und SOUNDGARDEN. Das macht kurzfristig Spaß, gibt auf Dauer aber dann doch nicht mehr her.

Elder
ELDER

Der Festivalbereich ist mittlerweile gut gefüllt, es bleibt aber angenehm. Es gibt weder Gedränge noch Gestoße und anstellen muss man sich höchstens zu fortgeschrittener Stunde beim Essenstand. Die wirklich köstlichen veganen, vegetarischen und anderen Gerichte sind aber jede Hungerminute wert!

Mit ELDER steht dann prototypischer US-Stoner Rock (kurz: USSR) vorm Publikum und öffnet die Pforten zur Hölle. Fuzzig spielen die Amis mit Dissonanz, atmosphärischen Gitarrenläufen und 70s Hammond Orgel. Alles gleichzeitig ist manchmal ein bisschen dick aufgetragen, wenn man mich fragt. Aber am Festival darf man schon mal mit einer saftigen Portion Pathos kleckern. Wenn nicht hier, wo dann?


TIDES FROM NEUBLA

Mitternacht. TIDES FROM NEBULA haben sich leise auf die Bühne geschlichen und sorgen mit ihrem zuckersüßem Ambient für feuchte Augen. TFN, das ist Ebbe und Flut im Wechselspiel von flächigen Sounds und vertrackten Riffs. Wer vor dem warmen, lila Bühnenlicht nicht genüsslich die Augen schließt und sich im doomigen Wattebausch wiegt, dem ist nicht mehr zu helfen. Gar nicht zartbesaitet sind dabei die Musiker. Live geben sich die Polen ganz der Musik hin. Da werden Gitarren über die Köpfe gerissen, dicke Bassaiten drangsaliert und synchron headgebangt. Es wummert, es dröhnt, man spürt's am ganzen Körper und es fühlt sich richtig an.

Wer noch Energie hat, bleibt zur Aftershow oder lässt die ersten Festivaleindrücke gemütlich am Zeltplatz ausklingen. Nach einem Auftakt wie heute gibt es nichts Wichtigeres, als Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln. Den Bericht von Tag zwei findet ihr in Kürze ebenfalls hier auf Stormbringer.


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