5.8.2017, Nepomukteich Waldhausen (AUT), Waldhausen im Strudengau

Lake On Fire 2017 - Day 2

Text: Eva Thalhammer | Fotos: Kalti
Veröffentlicht am 11.08.2017

Heiß und hundemüde beginnt der zweite Tag des Lake On Fire (Zu schnell? hier gehts zu Day 1). Der starke Kaffee am Campingplatz rettet außer mir wohl noch so mancher Festivalbesucherin den Morgen. Wer was auf sich hält, geht bei dieser Hitze dann gleich zum Schwimmen an den großen See im Ort. Eigentlich will ich ja schon bei HIGH BRIAN und BAGUETTE wieder vor der Bühne sein. Das kühle Nass zur Mittagshitze ist dann leider doch verlockender und die Österreicher müssen ohne beisein der Redakteurin spielen. Sorry Leute, aber manchmal muss man auch einfach mal was spritzen. Ganz nach der Festival-Devise “Langsamer gehen, schneller trinken”.

Some you win, some you lose

Bevor ich mich wieder ins Geschehen stürze, ereilt mich die schlechte Nachricht. Ein Raunen geht durch den Campingplatz, denn die meisten haben es schon vor mir gehört: UFOMAMMUT mussten ihr Konzert absagen.

Damit ist dem LOF jetzt schon zum zweiten Mal eines der schlimmsten Dinge passiert, die dich als Festival ereilen können. In der Woche zuvor haben bereits ROTOR gecancelt. Egal, man macht das Beste draus, schraubt ein bisschen an der Running Order und genießt was noch da ist. Und das ist Einiges.

MOTHERS OF THE LAND

Spätestens zu MOTHERS OF THE LAND ist die Hiobsbotschaft wie weggefegt. Der nervöse Wiener Rock will alles, und das sofort. Die zwei Gitarristen spielen mal miteinander, mal gegeneinander und harmonieren dabei bestens. Die vielen Soli der Instrumental-Formation erinnern stellenweise an GRAVEYARD, bei den härteren Parts schwingt ein bisschen NWOBHM mit. Ein Mix der funktioniert!

Mind the roots!

Als mich jemand fragt, ob ich eigentlich SIENA ROOT kenne, schildere ich mit Überzeugung, dass das Österreicher sind. Aufstrebend. Feiner Sound. Schwerer, dunkler Doom. Der bittere Fauxpas wird mir dann bei den ersten beschwingten Riffs klar. Die Schwedischen SIENA ROOT (SE) sind nicht SATIVA ROOT (AT). Düster ist hier nämlich gar nichts. Gespielt wird fröhlicher 70s Rock mit Schlaghose und Kunstleder Gilet. Shout out an die Person die jetzt denkt, ich hab ordentlich einen an der Nuss.

SIENA ROOT

Die Hitze brütet herunter, ACID KING und WEEDPECKER beten für Regen. Der bleibt zwar aus, trocken ist nach den Sets aber trotzdem niemand. Während die einen vor Schweiß triefen, setzen sich andere zwischendurch einfach direkt vor der Seebühne ins Nass und genießen die Show vom Wasser aus. Ein absoluter Luxus, der auf Festivals seinesgleichen sucht.

PARASOL CARAVAN machen mit “Rising” auf sich aufmerksam. Und auch Songs wie “Black Monolith” sind spätestens jetzt meine persönlichen Feelgood-Hits-of-the-Summer. Da ROTOR leider absagen mussten, sind PC quasi die Antihelden des Abends. Wenn man so kurzfristig einspringt weiß man genau - niemand ist gekommen um einen zu sehen. Ein paar wissen vielleicht noch gar nicht, dass du heute hier spielst, geschweige denn wer du bist. Dass die Linzer dennoch eine derartige Stimmung erzeugen, beeindruckt umso mehr. Die Buben sind nicht nur sympathisch, sondern auch höchst professionell. Die raue Rock’n Roll Stimme ist für den Stoner-Stil ein bisschen ungewohnt - ich nenne das aber lieber "erfrischend". Gearbeitet wird außerdem mit Vocodern und Instrumentalparts, die ganz klar von den großen TOOL inspiriert sind. Bei so einer Ersatzband braucht man sich ob des Ausfalls wirklich nicht die Haare raufen.

Was, es ist wirklich schon so weit? Als BRANT BJORK die Bühne betritt wird mir plötzlich eines klar: Das sind die letzten Atemzüge des LOF 2017. Betrübt, weil die Zeit hier viel zu schnell vergeht, aber glücklich eine persönliche Rocklegende wieder zu sehen, stürze ich mich in die Menge. Der Bandana-Held gibt sein Album “Tao Of The Devil” zum besten, aus dem besonders “Humblepie” und “Stackt” herausstechen. Als lautstarke Unterstützung hat sich Bjork die Stimme von THROW RAG-Punker Sean Wheeler mitgebracht. Der dreckige Wüstensound fegt über das Festival hinweg und zurück bleiben trockene Münder und helle Freude. Dass man die Kalifornier zu keinem Encore mehr bringen konnte enttäuscht ein bisschen, aber die Festivalcrowd ist nicht nachtragend.

Von guten Bands zum guten Zweck

Anhand der vielen Anfragen und Kommentare im Vorfeld merkte man schon, dass die Veranstalter die Besucherzahlen (rund 800) locker um Einiges hätten aufstocken könnten. Dass sie es dennoch nicht getan haben ist ihnen hoch anzurechnen, denn es fördert schlichtweg die Gemütlichkeit. Im Vordergrund des Festivals steht eben nicht der kapitale Gewinn, sondern das Miteinander und die Musik. Der Reinerlös dient wie jedes Jahr einem guten Zweck. Unzählige motivierte Helferlein arbeiten hier, bemüht, das Festival Jahr für Jahr gut über die Bühne zu bringen und haben sichtlich Spaß daran, die Erfolge und Früchte ihres zu Einsatzes sehen. Und genau diesen Vibe des Nicht-Müssens-Sondern-Wollens, den spürt man hier auch.


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