11.08.2017, Viper Room, Wien

PRONG Zero Days Tour 2017

Veröffentlicht am 14.08.2017

Mit etwas Verspätung ging es nach dem Interview mit PRONG Frontmann Tommy Victor (bald auf Stormbringer) hinunter in den Veranstaltungsraum des Viper Room, wo NO MACHINE schon auf der Bühne standen. Der Name mutet schon etwas ironisch an, denn die meiste Musik kam vom Laptop. Auf der Bühne standen Sänger (Martin Durst) und Schlagzeuger (Christoph Dominik) – das komplette Line-Up der Band. Die Songs waren zwar nicht so schlecht, wenn man diese Art von Musik mag (Alternative Electronic Industrial Rock; laut eigenen Angaben auf Facebook sind ihre Einflüsse NINE INCH NAILS, DEPECHE MODE und FILTER). Dursts Gesang ist ganz passabel, ebenso Dominik am Schlagzeug (wenn auch etwas simpel), aber mit der Zeit wurde es langweilig, denn hier fehlte einfach etwas. Irgendwie hatte das Ganze schon etwas karaokemäßiges, mit der Musik (auch Drumbeats) vom Laptop, da half auch der ganze Rauch nicht darüber hinweg. Auch das Publikum war von der Schall und Rauch Performance eher wenig begeistert. Außer dezentem Kopfnicken und gelegentlichem Fußwippen (womöglich zur Thrombosevermeidung), tat sich hier nicht viel. Viele saßen auch nur mit gelangweiltem Gesichtsausdruck auf der Seite und tranken. Ein paar wenige Wohlwollende gab es aber durchaus, darunter auch drei weibliche Fans mit NO MACHINE T-Shirts (Freundin und Freundin mit Freundin?), zwei davon, die als einzige besonders laut jubelten (während es vom Großteil des anwesenden Publikums nur höfliches Klatschen und vereinzelte Pfiffe gab), mitfilmten und noch gerne eine Zugabe gehabt hätten (mit dem Wunsch standen sie aber ziemlich alleine da) als die Band um 20:20 Uhr ihr Set beendete.

Zwanzig Minuten später legten PROTOTYPER los, bei denen man schon direkt davor im Soundcheck merkte, jetzt wird es ernst, jetzt gibt es handgemachte Musik, so wie sie sich wohl der größte Teil der Rock- und Metalfans wünscht. Nachdem Sänger Martin X. Forster und Drummer Christoph Schwaiger dem Publikum deuteten nach vorne zu kommen, folgen manche zaghaft der Aufforderung. Ähnlich wie es in Klassenzimmern oder Hörsälen oft zugeht, sammelten sich auch hier bis dahin die Leute hinten an und nur wenige standen vor der Bühne. Der Gesang wirkte am Anfang noch etwas zu leise im Mix, aber der Eindruck legte sich ziemlich bald. Das Wiener Trio (neben Forster und Schwaiger noch dabei: Jürgen Bauer am Bass) bewarb v.a. seine neue EP "Wounds", von der vier Stücke gespielt wurden. Mit gutem Sound und Gesang gelang es der tighten Combo das Publikum (oder zumindest doch einen größeren Teil davon) zu überzeugen. Bei der nächsten Aufforderung nach vorne zu kommen, folgten schon einige Personen mehr. "Dog Days" (eingeleitet durch eine Coversion des THE STOOGES Klassikers "I Wanna Be Your Dog") kam sehr gut an. Auch sehr gut waren der Titelsong des neuen EP und die Nummer "The Talking Crows", bei welcher Forster mit seinem Gitarrensolo glänzte. Die Stimmung wurde deutlich besser und es wurde schon wesentlich mehr zu den Songs mitgewippt und geschwankt als bei NO MACHINE. Zum Abschied begab sich Forster noch ins mittlerweile aufgetaute Publikum und ließ dieses ein bisschen an seiner Gitarre spielen. Kurz vor halb zehn war ihr gelungener Auftritt beendet.

Setlist:
Don't Believe In It
Justice And Wrath
Impetus
Wounds
The Switch
Now I Wanna Be Your Dog (Intro) / Dog Days
The Talking Crows
Undertow

Nun fehlte nur noch die Band, auf die die Meisten gewartet hatten: PRONG. Die Fans drängen sich nun nach vorne. Die Wartezeit (während derer man sich von einem großen Teil des gleichnamigen Debütalbums von "BODY COUNT" berieseln lassen musste) wurde schon etwas lange und die Rufe nach PRONG lauter und häufiger, besonders als die Musiker bereits im Blickfeld mancher waren und sie sich - sichtlich gut gelaunt - bereit machten um die Bühne zu betreten. Als es dann kurz nach 22 Uhr endlich so weit war, legten sie dafür gleich richtig los. Die Begeisterung und Energie mit der PRONG spielten, schwappte ziemlich schnell auf das Publikum über. Bei "Unconditional" bildete sich das erste Mal an dem Abend ein Moshpit, der aber bei weitem nicht der einzige blieb. In der vorderen Hälfte (die hintere war nicht mehr zu sehen) kam eine Partystimmung auf. Zu "Prove You Wrong" wurde gehüpft und laut mitgesungen, bei "Rude Awakening" gemosht und gesprungen – zu diesem Zeitpunkt war der kleine Viper Room schon am Kochen. Die steigende Raum- und Körpertemperatur tat dem Treiben aber keinen Abbruch – im Gegenteil, bei "Broken Peace" wurde aus voller Kehle mitgesungen und bei "Whose Fist Is It Anyway?" drehte die Meute völlig durch, was auch beim nahtlos darauf folgenden "Snap Your Fingers, Snap Your Neck" anhielt. Vom neuen Album wurde nur die Single "Divide and Conquer" gespielt, die nicht minder gut ankam als die alten Song und unheimlich heavy und zugleich eingängig ist.

Nicht nur im Publikum, auch auf der Bühne sprühten bei PRONGs energiegeladener Performance voller Spielfreude die Funken. Art Cruz ist ein Tier am Schlagzeug, dessen nasse Haare ständig durch die Luft wirbeln. Ex-Mitglied Jason Christopher (der als Ersatz für Bassist Mike Longworth einsprang) wirkte völlig weggetreten, während er teilweise mit geschlossenen oder nach hinten gerollten Augen und mit Schweiß vom Gesicht triefend auf den Bass einhämmerte. Tommy Victor, der seinem Ruf als Riffmeister (der aber auch ausgezeichnete Soli spielt, wie etwa bei "Ultimate Authority") gerecht wurde, überzeugte aber auch als Sänger auf voller Linie sowie als Frontmann. Als letzterer hat er eine unheimlich charismatische Präsenz, zudem war er an dem Abend auf einer Charmeoffensive, interagierte mit dem Publikum, machte Komplimente, lachte, grinste und schickte Küsschen. Als Zugabe gab es zuerst "Revenge Best Served Cold", wo die Fans anfangs im Takt mitklatschten, und "For Dear Life", wo noch einmal ordentlich gemosht wurde und Victor ein leidenschaftliches Solo hinlegte. Doch das war es noch nicht, PRONG betraten noch einmal die Bühne für eine weitere Zugabe (mit der Begründung, was das für eine außergewöhnliche Show ist und dass dies die letzte Clubshow der Tour ist) und spielten zwei weitere Songs. Bei "Another Worldy Device" schien die Band trotz schweißtreibender Show noch voller Power.

Setlist:
Disbelief
Ultimate Authority
Beg To Differ
Unconditional
Lost And Found
Prove You Wrong
Rude Awakening
Turnover
Cut And Dry
Broken Peace
Divide And Conquer
Whose Fist Is It Anyway?
Snap Your Fingers, Snap Your Neck
Sense Of Ease
Zugabe 1:
Revenge Best Served Cold
For Dear Life
Zugabe 2:
Third From The Sun
Another Worldly Device

23:45 Uhr: fertig und völlig zufrieden gehen die ersten Fans nach Hause. In der entspannten Atmosphäre des Viper Rooms konnte man aber noch eine Weile rumhängen und hatte auch die Gelegenheit die Bands zu treffen, Fotos zu machen oder sich Autogramme geben zu lassen.


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