02.09.2017, Komma, Wörgl

AMORPHIS & RELINQUISHED

Text: Thomas Patsch | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 04.09.2017

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Die Könige des ergreifend-emotionalen Metals gastierten heute im heimischen Tirol. Die tief herunterhänge Wolkendecke und die regnerische Stimmung bildeten dabei den idealen Rahmen für den heutigen Konzertabend. Es war noch nicht allzu lange her, als die Finnen das Komma beehrten, bereits Ende 2015 spielten sie mit ASPHAGOR auf. Den heutigen Opening-Slot bekleideten deren Unterländer Kumpanen RELINQUISHED.

Nach den kürzlich absolvierten Release-Shows (u.a. mit ihren Kollegen von D.A.W.N.) war heute erstmals wieder eine größere Bühne für die Unterländer Melodic/Melancholic Death Metaller RELINQUISHED angerichtet. Und diese Chance nützte der Fünfer. Erstaunlich war, wie voll das Komma bereits bei der Vorband war, noch erstaunlicher wie lautstark den Lokalmatadoren Applaus gespendet wurde, trotzdem die Band doch ein genaueres Hinhören für ihr vertrackteres, melancholisches Akustikwerk von den Zuhörern fordert. Und diesen Beifall hatten sie sich redlich verdient. Nach ruhigem Anfang nahm die Show mit zunehmender Dauer mehr Fahrt auf, RELINQUISHED überzeugten die Anwesenden mit ihrem musikalisch anspruchsvollen akustischen Oeuvre. Abseits der bekannteren Titel a la „Padded Cell“ nützte die Band die Chance, den zahlreich Erschienenen auch neue Titel zu präsentieren. Dabei stach vor allem das druckvolle „Zero“ heraus, bevor die Band viel zu schnell die Bühne für den Headliner freigab. Keine Musik für das „schnell auffassende Ohr“, dennoch konnte der heutige Auftritt als Erfolg für die von Sänger Sebastian professionell angeführte Truppe verbucht werden, wie anhand des lautstarken Applaus der Zuschauer abgelesen werden konnte.

Setlist:
Avalanche
Bundle
Expectations
Zero
Padded Cell
Beyond Anguishes
 


 

Der Headliner AMORPHIS musste sich heute auf der doch begrenzten Komma-Bühne zurechtfinden, immerhin galt es, sechs Musiker unterzubringen. Von Anbeginn an („Under The Red Cloud“ vom gleichnamigen Album) verströmte das Sextett seine ganz spezielle, vom Gesang Tomi Joutsens getragene Aura. Ausladend-epische Weiten und packende Melodien zeichneten auch den heutigen Auftritt der Abgesandten aus dem Land der tausend Seen aus. Dieses Feeling liebt man bei den Finnen und erwartungsgemäß zauberten sie ein Soundkleid, das sprichwörtlich den Himmel für die erwartungsvoll wartenden Fans öffnete. Titel wie „The Four Wise Ones“ oder „Silver Bride“ verströmen die Aura ganz großer, ergreifender Oden. Bei klarem Sound überzeugte vor allem Sänger Tomi, der heute einen sehr guten Tag erwischt hatte und Growls wie Klargesang auf den Punkt hinbekam, wodurch das Songmaterial die Faszination und Größe der Studioversionen erlangte.

Das Auditorium wurde mit einer musikalischen Pracht, Erhabenheit und Würde überschüttet, dass einem der Mund wieder und wieder staunend offen bleiben musste. Ein Blick auf die Setlist sagt für den Bandkundigen ohnehin mehr als tausend Worte. Die Melodien erhoben sich wieder und wieder über die ansonsten kompakt geschnürte, ergreifende Essenz aus fesselnder Epik, kernigem Metal, dynamischen Arrangements und den unvergleichlichen Vocals von Sänger Tomi, der mit seinem speziellen Mikrofon auch visuell Akzente setzte. Mal sehnsüchtiger („Hopeless Days“), mal flotter („Sacrifice“), aber immer berührend, hingebungsvoll und atmosphärisch dicht zog der Sechser um das konstante Gitarrenteam Esa Holopainen und Tomi Koivusaari alle Register seines Könnens und bot eine reichhaltige Fülle aus schlichtweg ergreifenden Hymnen a la „The Smoke“ auf. Gegen die heute dargebotenen akustischen Wonneschauer ist kein Kraut gewachsen, genau deswegen fanden sich heute über 320 Zuschauer vor der ehrwürdigen Bühne (die in der Vergangenheit bereits von Größen wie SAVATAGE, DIO, OVERKILL, SAXON, SABATON, AMON AMARTH oder VOLBEAT bespielt und beehrt wurde) ein und quittierten die Darbietung mit tosendem Applaus.

Zudem war es eine Wohltat, die wirklich alten Nummer (“Into Hiding“/“Drowned Maid“) genießen zu dürfen, mit denen die Faszination für die Band 1994 beim Probehören von „Tales From A Thousand Lakes“ im Müller Markt in Rosenheim begonnen hatte. Doch dem allem nicht genug, legten AMORPHIS selbst nach dem ganz großen „The Four Wise Ones“ weiter nach. Das packende „Death Of A King“ durfte den Zugabenteil eröffnen, danach beeindruckte das große „House Of Sleep“, bevor der Klassiker „Black Winter Day“ den endgültigen Schlusspunkt unter eine schier perfekte, rund 75minütige Metal-Show setzte. Das Komma bot heute einmal mehr ganz großes emotionales, atmosphärisch dichtes Metal-Kino auf. AMORPHIS hätten heute noch ewig weiterspielen können. Dermaßen reichhaltig und qualtiätsstrotzend ist das Repertoire der Finnen, dass abseits der heute dargebotenen akustischen Macht naturgemäß einige Klassiker im Set fehlen mussten, alle heute Anwesenden aber mit einem wohligen Gefühl der Zufriedenheit in die verregnete Nacht hinausgeschickt werden konnten. Einer der besten Gigs des Tiroler Konzertjahrs 2017!
 


 

Setlist:
Under The Red Cloud
Sacrifice
Sampo
Silver Bride
Hopeless Days
Bad Blood
The Smoke
Into Hiding
Drowned Maid
My Kantele
The Four Wise Ones
---
Death Of A King
House Of Sleep
Black Winter Day
 

Eine erweiterte Fotogalerie des Abends findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure.


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