16.-19.08.2017, Festivalgelände Übersee am Chiemsee, Übersee

CHIEMSEE SUMMER 2017

Text: mat
Veröffentlicht am 05.09.2017

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Ja, ein Festivalbericht, der erst rund zwei Wochen nach dem Festival online geht, ist quasi obsolet. Und auch wenn er kürzer und später ausfällt als erwartet, die heurige Ausführung des "Chiemsee Summer" im beschaulichen bayerischen Hinterland bei Übersee und Grabenstätt hatte es in sich - und das in jeder Hinsicht. Doch beginnen wir zuallererst mal mit den Fakten: Das "Chiemsee Summer" ist ein Festival, das bereits seit vielen Jahren in seiner Ursprungsform existiert. Begonnen hat das Ganze irgendwann in der Mitte der ersten Nullerjahre, originär noch hauptsächlich als Reggae- und Alternative-Festival gedacht. Diesen stilistischen Kern haben sich die Veranstalter bis in die Gegenwart beibehalten, gehören doch Hip Hop-nahe Künstler und auch Reggae-Musiker nach wie vor zum fixen Repertoire dieses Konglomerats. Headlinertechnisch hat sich in den letzten Jahren aber einiges getan und das Festival hat sich immer mehr auch in Sachen Rock hin entwickelt, was diesjährige Zugpferde wie BILLY TALENT, BIFFY CLYRO oder THE OFFSPRING deutlich unter Beweis stellen. Die Mischung macht's aber und deshalb stört es auch nicht - ganz im Gegenteil - wenn auch Techno-Konsorten wie SCOOTER diese wilde Stilmischung perfektionieren. Mit rund 35.000 Besuchern kann das "Chiemsee Summer" auch als kleinere (aber feinere) Ausprägung des "Frequency" gesehen werden. Stimmungs- und locationtechnisch kann das Ganze aber keinesfalls verglichen werden, denn die Chiemseegegend punktet erstens mit einem attraktiven Umfeld für die heiße Freizeit an der musiklosen Tageszeit sowie durch die geringe Besucheranzahl mit mehr Freiraum und deshalb auch "Festivalqualität". Sozusagen.

Ab diesem Zeitpunkt folgt nun ein objektiver Festivalbericht (mit privaten Einflüssen in kursiver Form in Klammern ;)):

Theoretisch also alles gut und wir haben uns auch schon sehr auf das diesjährige Line-Up gefreut, wobei uns Stormbringers natürlich nur ein Teil des Programms wirklich von den Stühlen reißt. Trotzdem kann man sich zeitgeistige Hip-Phänomene wie SDP im Rahmen eines solchen Festivals auch mal gerne zu Gemüte führen. Erweitert quasi den Horizont, kann auch Spaß machen und passt in diesem Kontext auch hervorragend. Am ersten Tag ziehen uns aber natürlich vor allem die kanadischen Punk-Rock-Popper von BILLY TALENT an, die am Mittwoch ihren Headliner-Slot ab 22.30 Uhr perfekt ausreizen. Vor der - für den ersten Tag - extrem gut gefüllten Crowd vor der Mainstage, die auf den klingenden Namen "Wilder Kaiser" hört, fackeln die sympathischen und äußerst spielfreudigen Jungs rund um den quirligen Anfangvierziger Benjamin Kowalewicz einen Gig ab, der sich mehr als sehen lassen kann. Überraschend bunt (die ganze Stage ist irgendwie in Rot und Weiß gehalten) und überraschend stark präsentieren die Jungs eine ausgewogene Mischung aus alten Krachern unserer Teenie-Zeit und brandaktuellem Material vom bärenstarken Output "Afraid Of Heights". Das Publikum geht mit, bei Dauerbrennern wie "Red Flag", "Devil In A Midnight Mass", "Fallen Leaves" oder "Surrender" kann ohnehin jeder jede Zeile mitsingen und die Jungs beweisen, dass sie - obwohl ihre Hochzeit ganz klar im Rahmen der Veröffentlichung des Albums "II" war - nach wie vor zu den Größen dieses Genres zählen. Und das mehr als zurecht. Starke Show, starkes Feeling, starke Performance. Ein toller Start. (Den wir aber ehrlicherweise fast verpasst hätten, da die Anfahrt von Salzburg aus mehr als erschwerlich war und die Parkplatzsuche am Festivalgelände dazu führt, dass wir uns aufgrund verschiedenster Einweisungen durch Security und Co plötzlich quasi direkt hinter der Mainstage wiederfinden. Inmitten bereits ziemlich angesoffener Festivalbesucher - Presse/VIP-Parkplatz schön und gut, aber mitten auf der Bühne wollten dir dann auch wieder nicht parken ;). Mit einer Ehrenrunde übers Areal können wir das Schlimmste aber abwenden und eine Massenhysterie noch knapp verhindern...).

So könnte es theoretisch auch weitergehen - und das tut es auch. So weit, so gut also. Denn auch der zweite Festivaltag hat mit den schottischen Brit-Rockern von BIFFY CLYRO einen mehr als edlen Headliner zu bieten. Dass zuvor noch die Jungs der wieder erwachten Hip Hop-BEGINNER mächtig einheizen, muss dabei aber natürlich auch noch erwähnt werden. Kann man mögen, muss man nicht. Gegen den starken Show-Effekt der Band rund um Frontraunzer Jan Delay kann aber niemand was einwenden. Das perfekte Gegenstück zu David Hasselhoff am Nova Rock. Und auch der perfekte Einheizer für den gefinkelt-einfachen (ja, das geht beides gleichzeitig) Rock der CLYROs. Die letzte Show im Rahmen ihrer Solo-Europa-Tour haben wir damals im Münchner Zenith erlebt - und diese zählt immer noch zu einem meiner Konzert-Highlights der letzten Zeit. Diese Qualität bringen BIFFY CLYRO auch auf die Festivalbühnen dieser Welt. Mitreißende Songs, alte, verschachteltere Nummern und neuere, straightere Nummern halten sich die Waage und Simon Neil und seine Band zocken eine Oben ohne-Setlist herunter, die man im poppigen Rock-Bereich derzeit in einer vergleichbaren Form unmöglich so schnell wiederfindet. Die Setlist bei den Hallenauftritten vom letzten Herbst war zwar noch eine Spur kompakter und zwingender, aber die BIFFYs wissen einfach, was funktioniert. "Black Chandelier", "Bubbles", "Many Of Horror" - egal ob ruhiger oder schneller: Alles gut, alles stark. Kurz gesagt: Eine Top-Performance, der den zweiten Tag am Chiemsee mehr als passend abschließt. (Dass ich seit diesem Tag einen meiner Schlüssel nicht mehr finde, das verwendete Kameraequipment meiner fotografierenden Kollegin teilweise spinnt oder unbrauchbar geworden ist und wir nicht wissen, warum, rundet den zweiten Tag natürlich auch noch zusätzlich ab. Und das alles ohne wirkliche Alkoholzufuhr oder sonstige Festival-Eskapaden. Dafür sind wir ja schon zu alt, wir gehen da ja mittlerweile wirklich wegen der Musik hin ;))...

Ab diesem Zeitpunkt könnte man nun eigentlich abbrechen. Genug gesagt, genug geschrieben. BILLY TALENT und BIFFY CLYRO haben abgeliefert. Mehr brauchen wir nicht, deshalb waren wir Stormbringers da. Trotzdem wollten wir uns die teilweise fragwürdigen, teilweise genialen Auftritte der Punk-Legenden von THE OFFSPRING nicht entgehen lassen. Eigentlich. Denn es kommt alles anders als erwartet. (Wilde Unwetter werden angekündigt, die über Bayern und Salzburg/Oberösterreich ziehen sollen. Davon wollen wir uns aber nicht abbringen lassen, wollen Noodles und Co sehen, deshalb sind wir ja da. Aber irgendwie lässt die extrem angespannte Verkehrslage zwischen Bayern und Österreich nichts anderes zu, als früh genug aus der Chiemseegegend zu flüchten, um nicht in Massen von Autos, die vor Unwettern flüchten, unterzugehen. Eine der besten Ideen, die wir in diesen Tagen hatten, auch wenn der nächste Konzertgenuss dann noch einen Tag nach hinten verschoben werden muss, denn SCOOTER am Samstag, das ist natürlich Pflichtprogramm! Is' aber alles nicht, denn wir schaffen es gerade noch rechtzeitig heim, als wilde Stürme bereits übers Land ziehen und wir am nächsten Morgen - Samstag - aus den Medien erfahren, dass das "Chiemsee Summer" bereits im Zuge des Freitagabends abgebrochen und evakuiert wurde. Während des Auftritts von THE OFFSPRING! Abbruch also - zurück an den Start. Kein Samstag mehr, aus Sicherheitsgründen, da das Wetter verrückt spielt. Eine gute Entscheidung, klar, schade ist es aber trotzdem. Für die Veranstalter, für die Besucher, für alle. Die diesjährige Auflage dieses Festivals hätte nämlich ein würdiges Ende verdient gehabt. Lässt sich aber nicht mehr ändern und wir hoffen trotzdem, dass es im nächsten Jahr wieder eine Neuauflage des "Chiemsee Summer" geben wird. Da wir gerne da sind, da es ein tolles Festival ist und da wir bitte noch einmal die Chance bekommen müssen, einen tollen Bericht abzulegen und geile Fotos zu machen. Auch das is' nämlich nicht, denn aufgrund der dubiosen Umstände vom Donnerstag ist auf der Speicher- sowie BackUp-Speicherkarte nur noch eine Handvoll Fotos drauf, was uns quasi den Rest gegeben hat. Schuldlos sind wir, ehrlich, und geplättet ob so viel Pleiten, Pech und Pannen. In jeder Hinsicht...)

Deshalb auch der späte Bericht und die wenigen Fotos (ausschließlich von BILLY TALENT), die uns ein befreundeter Fotograf dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat. Man möge uns kreuzigen, man möge uns hassen, aber wir haben unser Bestes getan. Liebes Chiemsee Summer-Team, bitte glaubt uns - wir haben wirklich unser Bestes getan :) So wie ihr. Bis nächstes Jahr also, wir freuen uns!


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