09.09.17, Stadtpark Freilichtbühne, Hamburg

THE ROLLING STONES "No Filter - Tour"

Text: Fred Gasch | Fotos: Fred Gasch
Veröffentlicht am 12.09.2017

» Hier gehts zur Galerie...

„Böse Zungen“ mögen im Vorfeld des STONES-Konzertes behauptet haben, dass diese Band bzw. Mitglieder von ihr „klamm“ seien, kein Geld mehr hätten und daher noch einmal auf Tour gehen wollten. Sollen diese „Zungen“ behaupten was sie wollen. Denn dann müsste der Bericht mit einem Lied von QUEEN, „The show must go on“, beginnen. Aber hier muss nichts gehen, denn es läuft von selbst. Wie lange haben die Hamburger darauf gewartet, bis sich die STONES wieder die Ehre gaben in Hamburg aufzutreten? Das letzte Konzert von THE ROLLING STONES war 2007 im Hamburger Volksparkstadion. Somit gut und gerne zehn Jahre her.

Aber der Reihe nach. Pünktlich um 20.30 Uhr betraten die Herren Jagger, Richards, Wood & Watts die Bühne. Was von da an folgen sollte, ist im Grunde genommen nicht in Worte zu fassen. Keine Superlative würde dem genügen, dies auch nur annähernd auszudrücken. Es ist einfach zu umfangreich. An diesem Abend machte sich bemerkbar, was es heißt mit "no filter" ein Konzert zu spielen. Es war stellenweise rough, was sicherlich dem Rock geschuldet wurde, der an diesem Abend überwog; zwischendurch hin und wieder die Würze eines Blues mit eingestreut. Und hier unterscheidet sich die Spreu vom Weizen. Es ist einfach das handwerkliche Geschick, mit dem die Band fast zweieinhalb Stunden einen Zeitbogen spannt, der im übrigen noch viel länger sein könnte: Angesichts der ganzen Songs, die sich im Laufe der Zeit von nahezu fünfundfünfzig Jahren Bandhistorie angesammelt haben.

Auf das für diesen Abend Wesentliche hat man sich daher reduzieren müssen. Und es wurden Lieder gespielt, die es schon etliche Jahre live nicht mehr zu hören gegeben hat. Das wären z. B. „Play with fire“, das zuletzt vor knapp dreißig Jahren im Repertoire dieser Ausnahmeband stand und „Dancing with Mister D.“, das zum ersten Mal seit Minimum vierzig Jahren, wenn nicht gar noch mehr, den Weg auf die Setlist gefunden hat.

Mit den STONES um Mick Jagger ist es wie mit einem gut gelagerten älteren Wein oder gar einem gut gelagertem älteren Stück Käse, das genau zu diesem Zeitpunkt sein ganzes, volles Aroma ausbreitet und nur drauf gewartet hat. Als Beispiel dient Keith Richards: Einfach nur cool mit einer stoischen Ruhe, fast schon unspektakulär und unscheinbar, gar fast bewegungsarm steht er, wie meistens mit Stirnband, auf der Bühne. Sein Gitarrenspiel begeistert einfach und lässt so manchen im Publikum mit der Zunge schnalzen. Darauf kommt es an, nicht mehr und nicht weniger. Kaum zu glauben, dass jeder dieser vier Herren jenseits der siebzig Lenze ist.

Mit Mick Jagger ist es auch nicht wesentlich anders. Quirlig, ganz im Gegensatz zu seinem Busenfreund Richards, wie er die Größe der Bühne zu seinem Reich auserkoren hat und nahezu jeden Zentimeter eben dieser Bühne bearbeitet, beackert, als gäbe es kein Morgen mehr. Sehr zur Freude der über 80 000 Besucher und Zuhörer. Wenn man bedenkt, dass er bereits 74 Jahre jung ist, kann man vor dieser Leistung einfach nur den Hut ziehen.

Dass diese Band ihre Preise hat, dürfte aber auch jedem klar sein. Horrende Preise, man spricht von 797€ für die beste Kategorie, sprechen sicherlich für sich. Aber hierfür bekam man exzellente und exorbitant gute musikalische Arbeit geliefert. Nicht ein Lied klang in irgendeiner Art verwaschen oder abgedroschen.

Die STONES, im Jahre des Herren 2017, lieferten eine Bühnenshow mit zweiundzwanzig Liedern ab, die sich in dieser Art & Weise vor noch wenigen Jahren kaum jemand zu erträumen gewagt hätte. Gleichwohl die Band am wenigsten. Es ist nicht voraussehbar, wie lange das Durchhaltevermögen der Musiker andauern wird, aber - und da sind wir doch alle froh - der Moment und der Augenblick ist das Ausschlaggebende. Denn: Man durfte sie erleben und darf es auch weiterhin, zumindest für die nächsten zwölf Shows. Hierfür dürfen und können wir sehr dankbar sein!

 

Setlist:

01. Sympathy for the Devil
02. It’s Only Rock ‘n’ Roll (But I Like It)
03. Tumbling Dice
04. Out of Control
05. Just Your Fool (Buddy Johnson and His Orchestra cover)
06. Ride ‘Em on Down (Jimmy Reed cover)
07. Play With Fire
08. You Can’t Always Get What You Want
09. Dancing With Mr. D
10. Under My Thumb
11. Paint It Black
12. Honky Tonk Women
13. Slipping Away
14. Happy
15. Midnight Rambler
16. Miss You
17. Start Me Up
18. Street Fighting Man
19. Brown Sugar
20. (I Can’t Get No) Satisfaction

ENCORE:

21. Gimme Shelter
22. Jumpin' Jack Flash


WERBUNG: Hard
WERBUNG: Escape Metalcorner