15.09.2017, Music Hall, Innsbruck

ARCH ENEMY & JINJER

Veröffentlicht am 19.09.2017

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Die Gesetze der Natur sind eindeutig geschrieben, ebenso steht es in den heiligen Büchern der Weltreligionen – die Frau hat dem Mann untertan zu sein und ihm auf Geheiß zu Diensten zu sein, sei es in der Küche schmackhaftes Steak und Sandwich zuzubereiten, dem Erledigen der niedrigen Haushaltsarbeit, oder den ehelichen Pflichten (Ja das ist eventuell ironisch zu interpretieren!). Dementsprechend stellt sich gar nicht die Frage, falls der Mann des Hauses seine Frau vor der Garage mit seinem Wagen überfahren sollte, wer hier die Schuld zu tragen hat – was bewegt sie sich auch außerhalb der Küche! WIFEBEATER vertonten das unsägliche Thema der Emanzipation so schön mit ihrer patriarchalischen Hymne „Beat Her To The Shelter“ und ließen die Genderwissenschaften in ihren Untiefen erzittern! „Das finde ich jetzt nicht lustig! Sowas gehört verboten, das ist kindisch!“. Während die klassische Gender-Emanze sich mehr Gedanken um vertonte Töchter und Söhne macht, sich gleichzeitig darin versteift alles männliche extensiv, bis zum Magengeschwür zu hassen und damit beschäftigt ist, in schwarzem Humor die Wurzel des Bösen zu identifizieren und sich gleichzeitig in ihrer engstirnigen Gedankenwelt nicht mit den essentiellen Themen der Gleichberechtigung, wie faktische Lohngleichstellung beschäftigt, dürfen wir heute in der Innsbrucker Music Hall zwei hervorragende Beispiele für gelungene Emanzipation begutachten, deren Erfolg davon zeugt: Frauen können auch außerhalb der Küche erfolgreich sein – auch im männerdominierten Metal-Bereich! Im heutigen Falle, unserer grunzenden und kreischenden blauhaarigen Hauptattraktion wegen, welche extra aus Schlumpfhausen angereist ist, um gemeinsam mit dem Amottschen Melodic-Krawallorchester ARCH ENEMY die neueste Langrille „Will To Power“ zu promoten, sind wir auch mit der veganen Ausgabe eines Sandwiches zufrieden… den Tofu entsorgen wir eben unauffällig in der nächsten Mülltonne. Bevor Papa Schlumpf und Töchterchen Schlumpfine jedoch den Biogarten umpflügen dürfen, darf das Kampfweibchen von JINJER ran – also auf die Bühne, ans Mikro und dann zurück in die Küche!


JINJER - Lack- und Leder aus dem Orion-Shop

JINJER:
Wer erinnert sich noch an „The Matrix“ – hoffentlich jeder! Und wie war der Name von Neos Bumstante? Müssen Sie googlen oder wissen Sie es noch? Ein Tipp: Tatiana Shmailyuk hieß sie nicht, auch wenn diese in ihrem Lack- und Leder-Outfit mit tief einschneidenden Einblicken und den watschelnass gegelten schwarzen Haaren genauso aussieht, als hätte sie gerade die rote Pille geschluckt und sich jetzt durch die Bits und Bytes der vorgegaukelten Realität prügelt. Nur leider sitzt an den Regelknöpfen des Systems Agent Smith, in Form eines augenscheinlich noch in Ausbildung befindlichen Soundengineers, der die mathematische Komplexität der Halle und ihres Materials augenscheinlich nicht in den Griff zu bekommen scheint, denn was da nebst der Amazone von der Bühne hämmert, klingt mehr wie die havarierende Nebudchadnezzar nach einem verheerenden Maschinenangriff – schnapp, schnapp, hier kommt mein Greifarm Baby! Da hämmern der Bass und die Gitarre in unkontrollierter Weise durch den Äther, während das Kampfweibchen mal kaum zu vernehmen und dann in übersteuertem Kreischen unüberhörbar die Trommelfeller zerfetzt, was mehr als durchaus den Geschmack des Auftrittes versalzt. Der Anblick des dank Tontechnik verhunzten Auftritts tut der geistig befreiten Seele weh, weiß man doch, dass JINJER die Hütte auch zerlegen hätten können, wie Trinity ein Rudel Pixel-Soldaten – wir schreiten zum Telefon und verlassen das tontechnische Trauerspiel Richtung Realität! 


JINJER - Tatiana "Trinity" Shmailyuk

ARCH ENEMY
Papa Schlumpf Amott und seine rebellierende Tochter haben gemeinsam mit ihrem Saitenhexer Jeff Loomis, nach dem kontrovers diskutierterten „War Eternal“, mit „Will To Power“ im Melodic-Todesblei-Sektor schlagartig vorgelegt und sich wieder älterer Stärken besonnen, wobei sowohl kompositorische Tiefe, als auch Brachialität im Songwriting nicht zu kurz kommen und Alissa „Smurfette“ White-Gluz sich in ihren weit ausgeprägten Stimmlagefähigkeiten verwirklichen darf - wobei einem die Clean-Vocals noch fehlen, welche jedoch in logischer Konsequenz im Zuge des nächsten Longplayers Premiere feiern sollten. Der Erzfeind zeigt sich somit wieder in alter Strahlkraft und das liegt nicht nur einerseits am ultimate Selling Point des hyperaktiven, frischen Kampfweibchens, sondern wohl auch am positiven Einfluss von Loomis auf das Songwriting von Amott, der im Zweigespann wieder zu Hochform aufzufahren scheint. Und so startet heute gerade in Innsbrooklyn die Promotion-Tour für „Will To Smurf“ (Höhö welch Wortwitz), mit dem üblichen ARCH-ENEMY-Live-Bombast: Aufgefahrene Übertreibungskunst, großflächige Bühnendeko und das optische Hauptaugenmerk auf das aufgestylte Sexsymbol im Zentrum der Bretter – pickelige Teeniemetaller sollen gerüchteweise während des Auftritts mehr ejakuliert haben, als die benachbarte Samenbank drei Häuser weiter an Aufnahmekapazität zur Verfügung hat. (Anm. d. Lekt.: Woher weiß unser Terrier von jenem Ort? Wir denken lieber nicht darüber nach...) Der guten Alissa ist das augenscheinlich auch mehr als nur bewusst, spielt sie doch mit dem Publikum, wie die Katze mit einem Wollknäul und auch wenn man sich dessen bewusst ist, dass diese Show von vorne bis hinten durchinszeniert ist, kommt man nicht darum herum das Puppentheater in seiner Impressivität zu genießen – und man mag es gar nicht glauben, im Gegensatz zur Vergangenheit zeigt man heute hier und da sogar Spontanität im Fankontakt, solang man zwischen den Zeilen des Drehbuches Zeit findet, denn dieses sieht ganz klar vor: Schlumpfine vor, Amott und Loomis als Rückenverstärkung – Sex sells, immer!


ARCH ENEMY - Alissa "Smurfette" White-Gluz

Getrübt wird das krawallige Treiben in Schlumpfhausen, wie schon zuvor beim unglücklich verhunzten JINJER-Auftritt  vom Soundmenschen, der es schafft die Rhythm-Guitar in den Dunstkreisen des Moshpits zu versenken, Alissa wie eine kleine Kohlmeise klingen zu lassen und dafür den Double-Bass dermaßen durch die Halle zu ballern, dass der Professor zurecht vermerkt: „Music Hall sounds like Schweinestall!“. Dem durchwegs jüngerer Generation angehörenden Frontpublikum scheint dies ziemlich wurscht zu sein, warum denn auch, wenn da vorne die Traumfrau leichtbekleidet vor der Nase tanzt – einziger Nachteil: Steak bekommst du hier keines! Anderseits sollte man jedoch Tofu generell immer mit sehr viel Öl anbraten, damit er anschließend besser in die Mülltonne gleitet – für die Mülltonne ist hingegen keinerseits die Smurflist (Höhö – Running Gag), welche einen gekonnten Querschnitt durch das Neulingswerk und alte Klassiker des Kommando Brutale zieht und eigentlich keine Wünsche offen lässt. Die neuen Nummern erweisen sich als Live-Brecher und integrieren sich makellos in den Backkatalog, und im Übrigen darf man wieder einmal feststellen, welch unendliche Live-Power „My Apocalypse“ (sogar bei unterirdischer Soundqualität) in sich hat, da kann eigentlich sogar „Nemesis“ scheißen gehen… na gut nur fast. ARCH ENEMY liefern bis auf das unpackbare Sounddebakel wieder einen klassisch soliden Auftritt ab, hier weiß der Fan wofür er zahlt: Lärm fürs Ohr und Schlumpfine fürs Auge!


ARCH ENEMY - Michael "Papa Schlumpf" Amott

Smurfist:
- The World Is Yours
- Ravenous
- Stolen Life
- Blood In The Water
- War Eternal
- My Apocalypse
- You Will Know My Name
- The Race
-  As The Pages Burn
- Burning Angel
- The Eagle Flies Alone
- No Gods, No Masters
- Dead Bury Their Dead
- We Will Rise
- Avalanche
- Snow Bound
- Nemesis

Wir verabschieden uns somit in weiteres Mal von einem immer noch heißen Eisen im Melodic-Death und auch wenn es wie immer zwecklos erscheint erhört zu werden: Alissa, wenn du genug von deinem muskelbepackten Doyle hast – melde dich bei unserer Redaktion unter der Chiffre: “Naughty Terrier”! Bussi, Bussi, I love you, my one and only sweet Smurfette! 


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