14.-16.09.2017, Wurzer Oschnitt-Halle, Püchersreuth

Storm Crusher Festival 2017

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 21.09.2017

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Die herbstliche Festivalattacke geht weiter und Stormbringer begab sich ein weiteres Mal in Richtung nördliches Bayern, um, wie schon im Vorjahr, dem Storm Crusher Festival beizuwohnen. Auch dieses Jahr lockte wieder ein abwechslungsreiches Billing aus vielen verschiedenen Schwermetall-Spielarten das Oldschool-affine Publikum aus seinen Löchern. Entspannte Atmosphäre und das (nicht nur, aber auch olfaktorische) ländliche Ambiente in der Wurzer O'Schnitt-Halle machten alle drei Festivaltage zu einem Genuss – vor allem am Auftakttag des Festivals, bei dem der Himmel seine Schleusen geöffnet hatte und man reichlich froh über das stabile und hundertprozentig dichte Dach überm Kopf war. Dass das Campen am angeschlossenen Campingground naturgemäß kein solcher Spaß war, war irgendwo klar – doch der durchschnittliche Metalhead ist zum Glück ziemlich temperaturresistent. Und dass die Gattung Schwermetaller, ganz entgegen der landläufigen Meinung, auch ziemlich diszipliniert agiert, das zeigte sich an der Parkeinweisung des Festivals – es regierte die deutsche Gründlichkeit, von der gezielten Einweisung bis hin zum millimetergenauen Parken in Reih und Glied. Und wenn du dreimal reversierst, bis das Auto ordentlich steht – keiner tanzt aus der Reihe! Jawohl, Chef!



Friedvoll-ländlicher Ausblick aus dem Backstagebereich.
Wenn nur diese trommelfellstrapazierende Geräuschkulisse nicht wäre...


Tag 1:

Die Eröffnung des Festivals übernahmen die Amberger REAPER'S REVENGE, die das noch nicht übermäßig zahlreiche Publikum mit starkem Powermetal mit leicht thrashiger Note auf das noch Kommende vorbereiteten. Tolle Gesangsleistung und eine blendend aufgelegte Instrumentalfraktion, die den wenigen schon anwesenden Fotografen schöne Motive bescherte, sorgten für einen perfekten Festivalauftakt.

FATAL EMBRACE liefen dann in der allgemeinen Wiedersehensfreude mit der entspannten Festivalcrew, den Reaper's und der Heimatfraktion von DARKFALL leider ein wenig am Berichterstatter vorbei – leider. Doch bei DARKFALL musste vor dem Gig alles schnell gehen, hatte das heimische Abrisskommando doch mit fast neun Stunden (!) Fahrt einen richtigen Brocken zu schlucken, der sie gerade eine halbe Stunde vor dem Auftritt auf das Gelände spülte. (Dem kleinen Schreiberling erging es im übrigen auch nicht viel besser... just sayin'). Mit entsprechender Vehemenz plätteten DARKFALL dann mit ihren Death/Thrash-Brechern das Publikum, welches sich sichtlich angetan von der Truppe zeigte.

Danach konnten DELIRIUM TREMENS vor allem optisch punkten, in Form einer wandernden Nietenansammlung als Sänger, während das Highspeed-Getrümmer die Ohren nicht so recht erreichen wollte. Ganz anders jedoch WUCAN, die zwar den Soundcheck etwas arg in die Länge zogen, jedoch mit ihrer beschwingten Retro-Schlagseite und Querflöteneinsatz punkten konnten. Alleine die Stimme der Sängerin dürfte an diesem Abend wohl nicht jedermanns Geschmack gewesen sein.

Zum Abschluss des ersten Tages gab es mit TÖRR dann noch Futter für die Oldschool-Brigade, die sich noch einmal ordentlich zerstörte, ehe es für alle in die entweder weichen und warmen Federn des Hotelzimmers oder den klammen Schlafsack im Zelt ging – in diversen Aggregatszuständen, von stocknüchtern bis hin zu sternhagelvoll.



Festivalidylle: Gras (später Schlamm), Autos und Dixi-Klos.


Tag 2:

Am Beginn des zweiten Festivaltages wartete gleich eine gehörige Überraschung auf den Berichterstatter – nicht nur, dass tatsächlich die Sonne hinter den Wolken hervorzulugen begann, nein, auch GRAND MASSIVE aus München konnten schwer beeindrucken. Machtvolle Stoner-Klänge mit starker Gesangsstimme hoben die Stimmung analog zum Sonnenschein und sorgten für einen perfekten Start in den musikalischen Tag.

An der bereits vorbereiteten Schlammpackung für die Füße änderten aber die angenehmeren Temperaturen und die trockenere Luft auch nichts mehr, dafür konnte erneut das disziplinierte Zeitmanagement des Festivals punkten – nach den Beginnzeiten konnte man direkt die Uhr stellen. So durften WARPATH pünktlich ihr Zerstörungswerk in Form eines fetten Thrash-Brettes beginnen, welches von den folgenden GRAVEYARD volley übernommen wurde. Die Spanier verpassten dem Publikum einen gehörigen Arschtritt der sich gewaschen hatte und bereitete das Feld für die folgende Oldschool-Brigade vor. Dass hier viele Leute tatsächlich aufgrund der Musik und nicht nur des Saufens wegen gekommen waren, merkte man schon an der enorm hohen Anzahl an Kuttenträgern, die ausnahmslos jeder Band lauten Applaus spendeten.

Entsprechend gut kamen dann auch SACRED STEEL an, die mit ihrem speedigen Songmaterial und toller Interaktion mit dem Publikum für ordentlich Schwung sorgten. Mit ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER wurde es dann wieder etwas gediegener, mit glattgebügeltem Gute-Laune-Rock der niemandem wehtat, aber dafür hohen Ohrwurmfaktor bereithielt - eine willkommene Abwechslung nach drei Uptempo-orientierten Gruppen. Leider nutzten die Herren ihre Spielzeit nicht zur Gänze aus, was aber die nächste Gruppe so gar nicht störte...

MINDLESS SINNER konnten sich dafür über eine besonders entspannte Umbaupause freuen und dankten es anschließend mit einem extrastarken Auftritt, bei dem keine Wünsche offen blieben. Weder für die Fotografen, die mit wunderbarem Licht verwöhnt wurden (ein Hoch dem Lichttechniker, so macht das Fotografieren Spaß!), noch für das Publikum, das zu MINDLESS SINNER hart abfeierte.

Genauso laut, wenn nicht noch lauter, wurde es bei SATAN, die augenscheinlich sogar ihre eigene Groupie-Brigade mitbrachten. Zumindest wurde es neben den unfassbar brüllenden Monitorboxen (ernsthaft, sind die taub?!) auch von ungewohnter Seite ziemlich geräuschintensiv – es herrschte Tinnitusalarm im Fotografengraben! Die Zuseher gingen ab wie ein Schnitzel und es wurde bereits der erste Versuch von Crowdsurfing gestartet, bis die tieffliegenden Metalheads aber den Graben erreichten dauerte es noch bis TOXIK, die sich auf der Bühne brutalst die Kante gaben und das Publikum zum Abschluss des zweiten Tages noch einmal windelweich prügelten. Die ordentliche Hitzewallung war aber auch nötig für jene, die die Härte bewiesen bei den inzwischen wieder ziemlich frostigen Temperaturen und lästigem Regen im Zelt zu nächtigen...

Die Fotos des zweiten Festivaltages gibt es in Kürze hier.


    
Festivalkatze. Chillt zwischen den Autos und genießt die Streicheleinheiten der Metalheads.


Tag 3:

Am dritten Tag erwiesen sich die Metalheads als bereits geeicht und standen schon an Mittag zahlreich bereit, um sich noch einmal die Kante zu geben. Am letzten Tag konnte auch erstmals die auf dem Gelände herumstreunende Katze vom Berichterstatter dazu bewogen werden für ein Foto Modell zu stehen – und wieder einmal zeigte sich, wie weich doch das Herz des steinharten Metallers wird, sobald er eines maunzenden Stubentigers ansichtig wird. Nun, die Katze freute es, denn sie platzierte sich direkt in der Einfahrt des Parkplatzes und wurde dort von zahlreichen Besuchern mit Streicheleinheiten verwöhnt. Genauso wie der herumstreunende Hund, der ebenfalls von Besuchern und Crew ins Herz geschlossen wurde. Einzig das Wetter machte der guten Laune zunächst einen Strich durch die Rechnung, denn der Regen schaute noch einmal auf ein Gastspiel vorbei.

Tag drei startete somit wie Tag Zwei aufgehört hatte – mit Nässe von oben und einer ordentlichen Breitseite an Schwermetall! Die noch vom Vortag verkaterten Besucher wurden zur Mittagszeit von MALOKARPATAN mit der ersten Dosis Schwermetall des letzten Festivaltages empfangen. Nach der erfrischend kalten Nacht (7°) war etwas Bewegung in Form von Headbanging aber auch dringend nötig. Passend dazu, gab es auch bei den folgenden VULTURE, die der noch etwas gezeichneten Meute ein deftiges Speed/Thrash-Brett über den Schädel zogen, reichlich Gelegenheit den Restalkohol vom Vortag auszuschwitzen. Glücklicherweise hatte auch der Wettergott ein Einsehen und stellte den Regenschalter für den Rest des Festivals auf 'aus'.

Breitwandiger, epischer, aber mit einer amtlichen, ansprechenden Grundhärte und Geschwindigkeit wurde es im Anschluss mit SEPTAGON, die die Meute dann endgültig auf Betriebstemperatur brachten. Ein paar Erinnerungen ans Vorjahr wurden dabei wach, lieferte doch Fronter Markus Becker damals an gleicher Stelle mit ATLANTEAN KODEX eine wahre Machtdemonstration ab...

Kurz hatte man noch die vage Hoffnung dass die LIZZIES aus Spanien das Niveau halten würden können, doch nach einem langen Soundcheck und einer schon beim ersten Song streikenden Gitarre war klar, dass es nichts mehr werden würde. Über den leider sehr schlecht abgestimmten Gig breiten wir an dieser Stelle einfach einmal den Mantel des Schweigens. Ist besser so. Viel besser hörten sich danach die wieder deutlich härteren ARGUS an, die aber auch ein kleines Bühnenhoppala zu verbuchen hatten – der wie ein Derwisch über die Bühne fegende Bassist übersah einen rutschigen Plastikstreifen und legte sich, zum Gaudium von Publikum und Fotografen, unfreiwillig auf den Rücken. Dafür dass er dabei keine einzige Fehlnote lieferte, darf man ruhig Achtung zollen.

Nebel, atmosphärisches Intro und finstere Outfits wie aus den Tiefen der Hölle geboren – ganz klar, es ist Zeit für eine Dosis deftigen Todesmetall. SULPHUR AEON trümmerten sich mit stimmungsvollem, angemessen düsterem Liedgut aus dem Lovecraft-Universum durch das erste einstündige Set des Tages. Zwar wirkte ein Teil der Besucher etwas überfordert ob der soundtechnischen Breitseite, doch viele schmissen zu den kernigen Klängen pflichtbewusst den Haarpropeller an (so vorhanden, denn ab einem gewissen Alter... ihr wisst schon). Kontrastprogramm deluxe dann bei HIGH SPIRITS, die ein regelrechtes Rock-Feuerwerk abbrannten. Eine blendend aufgelegte Band riss das Publikum richtig mit und brachte die Halle regelrecht zum Kochen. Ein crowdsurfender Bassist (!) und hoher Mitsingfaktor machten den Auftritt von HIGH SPIRITS insgesamt zu einem der besten und mitreißendsten des ganzen Festivals!

Bei OLIVER/DAWSON SAXON wurde es wieder etwas gediegener, doch es zeigte sich einmal mehr: die SAXON-Klassiker gehen einfach immer. „Denim and Leather“, „Princess Of The Night“, „Wheels Of Steel“ - Denkapparat auf Pause stellen, mitwippen, fertig. Dass dann die TYGERS OF PAN TANG direkt im Anschluss einen schweren Stand hatten, war von vornherein klar, doch die Truppe machte ihre Sache mehr als ordentlich und konnte mit Spielfreude und Lässigkeit auf der Bühne das Stimmungslevel halten.

Natürlich wartete zu diesem Zeitpunkt jeder nur noch auf EXCITER, die dann auch pflichtbewusst mit räudigem Oldschool-Krawall die Bude einrissen. Nun wissen wir, warum das Storm Crusher Festival im nächsten Jahr eine Pause einlegen wird – denn so wie das Publikum zu EXCITER abging, ist es mehr als fraglich, ob die Halle das überleben würde. Zumindest befand sich das Dach noch an seinem Platz, als der Berichterstatter das Gehirn von der Dauerbeschallung der letzten Tage bereits dezent in Schräglage, nach etwa der Hälfte der Spielzeit von EXCITER das Handtuch warf und das warme Bett der frostigen Außentemperatur von inzwischen nur noch 4° vorzog.

Die Fotos des dritten Festivaltages findet ihr in Kürze hier.



Sonnenuntergang im Nirgendwo. Nicht im Bild, die Futtermittelfabrik im Rücken des Berichterstatters.
 

Für alljene die sich nun Sorgen machen, dass das Storm Crusher Geschichte sei: Wir können euch beruhigen, auch wenn das Festival nach zig Auflagen in Serie nun eine Pause einlegt, wird es 2019 natürlich wieder weitergehen! Und, soviel darf schon gesagt werden, auch Stormbringer wird gerne wieder den Weg auf sich nehmen, um auch von der nächsten Ausgabe des Storm Crusher zu berichten! Derweilen bedanken wir uns für ein wunderbar organisiertes, entspanntes Festival, wie man es nur selten erlebt. Vielen Dank!

Erweiterte Galerien aller drei Festivaltage findet ihr in Kürze bei Images Of Pain And Pleasure.


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