04.10.2017, Posthof, Linz

SEETHER & LTNT & SONS OF TEXAS

Veröffentlicht am 09.10.2017

SEETHER spielen endlich wieder in Österreich und dann gleich dreimal! Einen Tag vor ihrem ersten Gastspiel im Linzer Posthof gastierten die populären Post-Grunger in der Arena Wien und einen Tag danach wurde das Conrad Sohm in Dornbirn bespielt. Da vielen Freunden von mir SEETHER überhaupt kein Begriff ist, musste ich den Bandnamen SEETHER [sitha] in den letzten Tagen zur Erklärung oft in den Mund nehmen. Ich war somit doch überrascht, dass der große Saal im Posthof sehr gut gefüllt war und so manches bekannte Gesicht erblickt werden konnte.

Es gibt also genug Interesse an solchen musikalischen Veranstaltungen, die im Posthof durchaus öfter abgehalten werden dürfen. Der rege Publikumszuspruch war vielleicht auch dem gelungenen Bandpackage mit den Supportacts SONS OF TEXAS und LTNT (Lieutenant) geschuldet. – „Value for money“ sozusagen.

Die Opener SONS OF TEXAS machten in ihren 40 Minuten Spielzeit auch alles richtig und motivierten die Besucher durch ihre energetische Performance recht ordentlich. Bei so groovigen Tracks wie „Expedition To Perdition“ und „Baptized In The Rio Grande“ verwundert der begeisterte Publikumszuspruch kein bisschen. “Beneath the Riverbed” erinnert mit seinen BLACK STONE CHERRY Referenzen an das Konzert dieser Southern Rocker vor eineinhalb Jahren am selben Ort. (Zum Bericht) Amerikanischer „Alternative- Southern-Groove-Metal“ funktioniert anscheinend auch in Österreich ziemlich gut und so wird man von SONS OF TEXAS sicher bald wieder etwas in der Alpenrepublik hören.

Der zweite Act LTNT (Lieutenant) hatte es ein wenig schwerer mit seinem weniger radiotauglichen Sound, gefiel mir in seiner künstlerischen Art und Weise aber ziemlich gut. Der eher ruhigere Zugang im Vergleich zum Opener entfachte leider nicht dieselbe Euphorie beim Publikum. LTNT hätten wahrscheinlich in anderen Locations und vor eher alternativen Musikliebhabern einen besseren Standpunkt. Musikalisch mit einer Grunge/Stoner Rock Mischung hatten LTNT aber mehr mit dem Headliner SEETHER gemeinsam, verwirrten aber vielleicht bei ihrem Auftritt in Damennachtkleidern (wtf?) nicht nur mich optisch. [Anm. d. Lekt.: Die Redaktion ist kollektiv verstört.] Der Beifall war somit eher verhalten und musste schnell der Vorfreude auf den Headliner weichen.

Und um 22 Uhr starteten SEETHER mit „Stoke The Fire“ vom aktuellen Werk “Poison The Parish”. Sänger Shaun Morgans Stimme erinnerte sogleich an die von NIRVANAs Curt Cobain, dessen „Nicht-Portrait“-Wandgemälde an der Linzer KAPU erst vor kurzem international Furore machte. Am besten gefallen mir SEETHER, wenn es wie bei „Gasoline“ vom Durchbruchsalbum “Disclaimer” oder „Truth“ vom Nachfolgerwerk "Karma And Effect” richtig zur Sache geht.

Genauso fetzten SEETHER mit den fetten Eingangsriff von „My Disaster“ vom letzen Album “Isolate and Medicate” weiter, von dem danach auch „Nobody Praying for Me“ folgte. Am Sound, der auch bei den Vorbands allererste Sahne war, gab es beim Headliner nichts zu meckern - im Unterschied zum Soundbrei beim Konzert vor drei Jahren in der Ottakringer Brauerei. (Zum Bericht) Dafür war damals das Ambiente der Brauerei mit seinem Industriecharme vor allem für SEETHER sehr speziell und passend.

Leider suchte ich während des Konzerts im Posthof oft den Vergleich zu diesem sensationellen Konzert im Dezember 2014. Irgendwie kam im Posthof nicht dieselbe Stimmung wie damals auf, was vielleicht auch am eher zurückhaltenden Publikum lag, das nicht so empfänglich für den wenig kommunikativen Auftritt von Shaun Morgan war. Den Frontmann retteten dafür die geniale Songs wie „Rise Above This” mit einer Mischung aus „softeren“ NIRVANA und „härteren“ NICKELBACK. Absoluter Höhepunkt war für mich der lässige „Country Song” als einziger Beitrag vom Album “Holding Onto Strings Better Left To Fray”.

Danach wurden wieder die Grunge Fans mit „Fine Again“ bedient, dann zur Abwechslung das geniale „Words As Weapons“ nachgeschoben. Bei dem akustisch solo gespielten „Broken“ wurden hier und da die Feuerzeuge gezückt. Mit den aktuellen Songs „Let You Down” und „Betray and Degrade“ unterbrochen von „Fake It“ wurde schon zum Finale geläutet. Der Überhit „Remedy” wurde dann, wie schon viele Songs davor, mehr als notwendig mit in die Länge gezogen und dann war es nach 75 Minuten auch schon vorbei mit der Show.

Der Konzertabend an sich war definitiv ein gelungener, was neben SEETHER vor allem an SONS OF TEXAS lag. Ich freue mich jetzt schon auf weitere lässige Events im Posthof, wie die NIGHT OF FUZZ mit den hoch verehrten Schweden GREENLEAF am 09. Dezember. Wenn sich in Oberösterreich was tut, bin ich auf alle Fälle dabei!

Setlist SEETHER:

Stoke the Fire
Gasoline
Truth
My Disaster
Nobody Praying for Me
Rise Above This
Country Song
Fine Again
Words As Weapons
Broken
Let You Down
Fake It
Betray and Degrade
Remedy


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