18.10.2017, Simm City Festsaal Zentrum Simmering, Wien

KATAKLYSM & GRAVEWORM

Text: Lee
Veröffentlicht am 20.10.2017

GRAVEWORM wurden 1997 gegründet, auch schon eine ganze Weile her und immer noch gut gehalten. 20 Jahre im Biz, damit sind sie schon allein von der Überlebensdauer als Band erwähnenswert. Die SIMM City ist ja zugegebenermaßen nicht unbedingt einer meiner favorisierten Locations in Wien, um es politisch korrekt auszudrücken. Soundtechnisch immer am Rande der Abenteuerlichkeit (und zwar an dem Rand, der Abenteuer und „richtig beschissene Ideen“ voneinander trennt) war ich also eher auf eine Soundmische gefasst, die einem halt um die Ohren brettert ohne viel Feinheiten übrig zu lassen. Gab es schon, dass erst beim Hinschauen klar wurde, dass mehr als eine Gitarre auf der Bühne ist – oder der Sänger tatsächlich die Lippen bewegt, auch wenn man davon nix vernommen hat.

Bei GRAVEWORM also auf’s Schlimmste vorbereitet, wurde ich überrascht. Und zwar positiv. Nicht nur, dass Stefano (ein ähnlicher Klotz von einem Mann wie später bei KATAKLYSM Mauricio, immer eine angenehme Erscheinung auf der Bühne) ganz hervorragende Laune hatte, man konnte tatsächlich die Musik genießen. Wie ein deutscher Kollege von mir einst GRAVEWORM attestiert hat „Die ballern ja schon ganz gut.“ Man hätte man den Sound ohne Weiteres versauen können, dem war aber nicht so. Abgesehen von den bereits tropischen Temperaturen in der Halle, die nicht nur auf, sondern auch vor der Bühne mehr als deutlich spürbar waren, ein richtig geiler Auftakt. Allerdings.. nicht nur bei GRAVEWORM, sondern auch später bei KATAKLYSM

Lieber Lichttechniker, wir müssen reden. Metalheads sind ja grundsätzlich am Einfachsten daran zu erkennen, dass in der grauen, wogenden Masse der Menschen irgendwo so kleine schwarze Punkte zu sehen sind. Das sind meist Fans der metallischen Klänge. Sie tragen dunkle Farben, mögen es, wenn nichts blendet und in den Augen sticht, und (hier bitte noch ein paar Klischees einfügen. Ja, das Schlagwort. Es ist prinzipiell lobenswert, wenn die Lichtshow die Musik akzentuiert, wenn man merkt: „Gut, der Lichtler schläft noch nicht, er checkt außerdem den Unterschied zwischen verschiedenen Rhythmen und macht sich tatsächlich Gedanken, dass am Ende vom Track das Licht entsprechend passt.“

Aber…. Ein großes ABER…. Bitte, mehr gedämpfte Farben. Wenn die Scheinwerfer blutrotes Licht werfen, alles gut. Meinetwegen auch grün, blau, alle Farben auf der Skala die einem einfallen könnten – aber kein grelles, weißes oder gelbliches Licht. Nicht blinkend und so irre blitzend, dass man – wenn man vorher noch keine Epilepsie hatte – nach der Show ein gefühlt 50% höheres Risiko für Gewitter im Gehirn hat. Mag sein dass nicht jeder da empfindlich ist, beim Rundumblick im Publikum fiel es aber schon auf, dass bei manchen Episoden der Beleuchtung einige Leute den Blick abgewendet oder die Augen geschlossen oder zugekniffen haben. Macht keinen Spaß. Ist auch nicht nötig. Aber genug gesudert (ein paar Jahre in Wien, und man kann das, egal woher man kommt).

KATAKLYSM gossen direkt Benzin in das von GRAVEWORM geschürte Feuer – das Publikum war gut aufgewärmt, das muss man nutzen.15 Städte haben sie ausgewählt um ihre 25-Jahre-Show zu spielen, und Wien war dabei. Weil: Wien ist halt super. KATAKLYSM hatten hier laut eigener Aussage stets viel Spaß und wir, die dankenden Leutchen auf der anderen Seite vom Fotograben, auch! Leider kein Glühwein für Mauricio, schlechtes Timing, das nächste Mal müssen sie wohl im Winter herkommen. Das Konzert wurde sogar live-gestreamed auf Instagram, O-M-G der Insta-Fame ist zum Greifen nah! Außerdem konnten so weltweit die KATAKLYSM-Fans ein bisschen grün um die Nase werden vor Neid, denn Mauricio hatte nur lobende Worte für Wien und die örtliche Fangemeinde übrig.

Es wird ja immer wieder von einer kollektiven Intelligenz gesprochen, relativ sicher ist: nach „As I Slither“ gab es in der SIMM City einen kollektiv erhöhten Pulsschlag. Da kommt das Blut in Wallung meine Damen und Herren, vom Feinsten. „A Moment In Time“ war der Titel des Abends und es bleibt - nebst einem glücklichen Grinsen – dem Konzertbesucher das Wissen, dass es wohl kaum je wieder so eine geballte Ladung KATAKLYSM geben wird. „Shadows & Dust“ UND „Serenity In Fire“ live zu erleben war einfach historisch. Auch der Band schien es zu gefallen, dass sie mal wieder Songs performen konnten, die sie lange nicht gespielt haben – unter anderem bei „10 Seconds From The End“ wurde dies deutlich.

Ein wahnsinniger Abend, ein verschwitzter Abend, eine Belastungsprobe für die Nackenmuskulatur. Das ist der Stoff aus dem Träume gemacht werden, meine Lieben. Bilder gibt es heute leider keine für euch, denn die Qualität meiner Handykamera möchte ich euch ersparen. Worte müssen reichen!


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