19.10.2017, Rockhouse, Salzburg

ESKIMO CALLBOY & BAD OMENS & SLAVES

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 21.10.2017

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Wenn man als Vollblut-Metalhead zu ESKIMO CALLBOY geht, dann hat man entweder a) zuviel Zeit, b) einen an der Waffel, oder man ist c) einfach neugierig. Auf jeden Fall hat man etwas zu erzählen! Welche der drei Optionen wohl für gegenständlichen Berichterstatter steht, sollte klar sein: Die pure, unverfälschte Neugier war es, die das kleine Schreiberlein wieder einmal ins Rockhouse zog. Und, soviel kann man schon sagen, es hat sich gelohnt!

Der Start in den Abend gestaltete sich mit SLAVES aus den Staaten vergleichsweise soft und geschmeidig, durch kompletten Verzicht auf Geschrei und andere Gesangstechniken aus dem Hardcore-Bereich. Im Verein mit smoother, ebenfalls weitestgehend kantenloser Musikuntermalung ergab sich so eine eher in den breitentauglichen Alternative-Bereich gehende Mischung, die zwar runterging wie Öl, aber durch fehlende Höhepunkte beim Publikum auch nicht wirklich zünden konnte. [Du trinkst Öl? Anm.d.Korr.] Da rissen es die sympathische Bühnenperformance und das technisch über jeden Zweifel erhabene Spiel leider auch nicht mehr heraus.
 


 

Ganz anders dann bei der zweiten Ami-Partie BAD OMENS, die verkündeten, zum ersten Mal überhaupt auf österreichischem Boden zu stehen. Musikalisch deutlich härter und kantiger, entwickelte der zwar melodische, aber mit ordentlichem Schub dargebotene Metalcore amtlichen Drive. Angepeitscht von einem blendend aufgelegten Schreihals an der Front bildete sich alsbald der erste wilde Pit im Rockhouse und auch der erste tieffliegende Crowdsurfer konnte gesichtet werden. Hatte man zunächst noch damit gerechnet eher die jüngere Klientel anzutreffen und mit Tinnitus ob des Publikumsgeschreis nach Hause zu gehen, belehrten BAD OMENS den Berichterstatter eines Besseren. Das war ja doch schon eher Musik für die erwachsene, eher deftiger orientierte Core-Klientel, die zudem auch noch mit einer großen stilistischen Bandbreite aufwarten konnte, wie Einsprengseln aus dem Nu Metal Bereich bewiesen.
 


 

Und dann kamen die Jungs aus Castrop-Rauxel - noch immer keine kreischenden Teenies in Sicht, dafür ein Publikum das „Hey Baby“ anstimmte und ein Lichttechniker der sich bereits im Vorfeld der Show als Unterhaltungprogramm zu Songs von Bon Jovi und Konsorten verwirklichte. Als ESKIMO CALLBOY dann die Bühne erstürmten und die energiegeladene Performance der beiden Schreihälse die Zuseher mitriss, wurde dem Berichterstatter schnell klar: Hier steht eine Band auf der Bühne, die nicht umsonst Show für Show ausverkauft.Wahnwitziges Stageacting, exzellente Publikumskommunikation und spaßige Ansagen, dazu ein ziemlich deftiges musikalisches Brett, bei dem die prägnanten Elektro-Elemente harmonisch und nicht über-aufdringlich für den Pepp sorgten.  Ja, doch, damit kann man auch als Metalhead mehr als gut leben! Lediglich über die generelle Lautstärke müssen wir noch einmal reden. Der gemeine Metaller mag es zwar gerne laut, doch wenn man sogar trotz Profi-Gehörschutz halb ertaubt und mit Pfeifen im Ohr heimgeht, dann läuft irgendwas schief. Die HNO-Abteilung des LKH Salzburg wird wohl in den nächsten Tagen ein bißchen was zu tun bekommen, denn der eine oder andere Hörsturz bei den Konzertbesuchern ohne Gehörschutz dürfte hier schon noch folgen.

Und überhaupt – was ist mit dem Publikum los? Der Altersdurchschnitt ist überraschend hoch, die Leute sind sehr gesittet, es gibt zwar einige Circlepits aber nicht ein einziger Crowdsurfer - und kein einziges hysterisch herumhüpfendes Plüschkostüm ist zu erblicken! Gut, die eine oder andere Dame in den vorderen Reihen schmachtete schon ein wenig – ob das nun an den beiden knuffigen Gummibällen oder doch dem Bachelorette-Sieger an den Drums geschuldet ist, das lässt sich nun nicht eruieren. Als die komplette Besucherriege dazu angehalten wurde sich auf den Boden zu hocken um anschließend zum Einsetzen der Musik hochzuspringen [...das ist neu, oder? Anm.d.Korr.], fabrizierte zumindest ein Anarchist stattdessen einen Handstand (top! mein Held!), aber ansonsten war man in Salzburg von der erwarteten Gruppeneskalation weit entfernt. Eskaliert wurde höchstens auf der Bühne, dort aber dafür gewaltig. Ja, oh ja! Wenn der durchschnittliche „Ich bin so true, ich fress Eisen und scheiße Ketten-Metaller“ auf der Bühne so abgehen würde... der Metal wäre viel berüchtigter als er es aktuell ist!

So aber bleibt der Wahnwitz den sympathisch-überdrehten ESKIMO CALLBOYs übrig, die ihn mit Genuss und bis zum letzten Augenblick auskosteten. Das bis auf den letzten Platz gefüllte Rockhouse ging amtlich mit, wenngleich die Zuseher auch vergebens gegen die voll aufgerissene Anlage anbrüllten. Ja, der Berichterstatter gibt zu, keinen einzigen Song von ESKIMO CALLBOY zu kennen, demzufolge kann hier auch keine detaillierte Analyse der Setlist erfolgen – doch eines hat die Truppe definitiv geschafft: Einem kleinen Schreiberling eine handfeste Überraschung zu bereiten! Auch wenn mich jetzt jemand steinigen will: ESKIMO CALLBOY machen live verdammt Laune!


 

Mehr Fotos gibt's mal wieder bei Images Of Pain And Pleasure!


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