22.10.2017, Backstage (Halle), München

ORDEN OGAN & RHAPSODY OF FIRE & UNLEASH THE ARCHERS

Text: manfred
Veröffentlicht am 27.10.2017

ORDEN OGAN gastierten in München und die tief herunterhänge Wolkendecke und die regnerische Stimmung bildeten dabei den idealen Rahmen für den Konzertabend. Es ist schon einige Jahre her, als ich sie im Komma in Wörgl sah, 2013 spielten sie mit FREEDOM CALL im Vorprogramm von RHAPSODY auf, die damals noch mit Luca Turilli unterwegs waren. Diesen Auftritt werde ich nie vergessen, denn es war ein richtiges Trauerspiel, die Halle war fast leer, dennoch konnte man damals schon erahnen, welch großes Potential die Herren aus Arnsberg haben. Und ich hatte Recht, als ich damals prophezeite, dass ORDEN OGAN es nach ganz oben schaffen könnten. Aber lest selbst.

 

Die Kanadier UNLEASH THE ARCHERS mit ihren stark an ARCH ENEMY angelehnten Sound liefern einen respektablen Einstand ab. Derzeit noch ein Insider Tipp, kann sich die Band über eine relativ gut gefüllte Halle freuen, in der die Party von Song zu Song zunimmt. Die Fans sind mit dem Songmaterial noch nicht sonderlich vertraut, aber dennoch wird fleißig mitgegrölt, zumal Stücke wie „Tonight We ride“ oder „General Of The Dark Army“  live noch deutlich hefiger rüber kommen als auf CD. Die Jungs und Sängerin Brittney Hayes nutzen als Opener die Gunst der Stunde und punkten mit toller Spiellaune und einer  außergewöhnlich guten Sängerin.

 

Nach einer kurzen Pause fordern RHAPSODY OF FIRE den Headliner zum musikalischen Duell heraus und legen gleich mit dem Opener „Distant Sky“ ihres 2015 veröffentlichten Werkes „Into The Legend“ einen ordentlichen Einstand hin. „Flames Of Revenge“ und „Dawn Of Victory“ bringen das Publikum sofort auf Betriebstemperatur. Auch „Holy Thunderforce“ und „The March Of The Swordmaster “ können die Stimmung locker halten. Die Band strotzt vor Spielfreude und vor allem der neue Sänger Giacomo Volir mit seiner lockeren Art steht vor allem für die zahlreich anwesenden Frauen im Mittelpunkt. Mit dem Smashhit „Emerald Sword“ geht eine wirklich tolle headlinerwürdige Show zu Ende.

 

Nachdem RHAPSODY OF FIRE das Smaragdschwert besungen haben, geht es nun zum Showdown in die Ghost-town. Die Outlaws sind wieder in der Stadt. ORDEN OGAN, dieser Name hat sich in der Prärie längst verbreitet wie ein Lauffeuer, jeder, der ihnen schon mal über den Weg gelaufen ist, wird sich bis an sein Lebensende an diese Begegnung erinnern. Im  restlos vollen Saloon treiben sich finstere Gestalten herum, die Barkeeper wirken sichtlich nervös und man erwartet die Ankunft der vier schweren Jungs. Plötzlich erscheinen wie aus dem Nichts vier finstere Outlaws und feuern mit „To New Shores Of Sadness“ Riffs statt Blei  ins Publikum. Diesen Herren sollte man besser nicht in die Quere kommen, wer es dennoch tut, kann sich in bester Django Manier gleich mal vom Totengräber vermessen lassen.  Mit brutaler und massiver Intensität dröhnen die Gitarrenriffs wie eine Herde Büffel und walzen alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Hier pfeifen die Komantschen und das ganz gewaltig. Mit „Here At the End Of The World“ geht es weiter, ein alles niederwalzender Bastard ohne Verschnaufpausen, der nichts als zerquetschte und angeknackste Halswirbeln hinterlässt. „Gunman“ kommt wie ein gewaltiger Orkan. Garantiert tödlich! Aber Vorsicht, zartbesaitete Naturen könnten sich mit den darauffolgenden Song „Deaf Among the Blind“ nämlich ihr eigenes Grab schaufeln. Der Galgen wartet schon. Mittlerweile sind die Gewehre geladen , entsichert und die glorreichen Halunken präsentieren sich in absoluter Topverfassung. Gebt der Meute das, was sie verlangt und nach diesem Motto entwickelt sich diese Show zu einem Triumphzug. Nach circa 80  Minuten kreisen die Geier schon über die ausgehungerten Trunkenbolde, aber für Feuerwasser und einer Handvoll Dollar lassen sich Revolverheld Seeb und seine Amigos nicht lange bitten und kommen zum finalen Shootout auf die Bühne zurück um den winselnden Kojoten im Publikum mit “We Are Pirates“  und „The Things We Believe In“ den Gnadenschuss zu verpassen.

Nachdem der Saloon dem Erdboden gleich gemacht ist und alle Banditen im Publikum ihre gerechte Strafe erhielten, müssen unsere wackeren Westernhelden nach getaner Arbeit in den Sonnenuntergang reiten und die Fans, die sie von ihrer Verderbtheit erlöst haben, hinter sich lassen. Und damit sind sie noch gut bedient, andere finstere Gesellen, die ähnliches vollbracht haben, beißen am Ende einer Geschichte meistens ins Gras. Nicht aber unsere wackeren Westmänner, in ihren Anfangstagen noch belächelt, haben  sie  in einem heldenhaften Kampf gegen „die Mächte des Bösen“, in dem sie eigentlich hoffnungslos unterlegen waren, es geschafft, sich in der Oberliga im Metal Genre zu etablieren.  Das Wort Cowboy war zu frühen Zeiten auch ein Synonym für Härte, Entschlossenheit, Mut, Ausdauer, eisernen Willen, Kraft und Durchhaltevermögen - alles Eigenschaften, mit denen sich ORDEN OGAN identifizieren können, deshalb stehen sie jetzt dort, wo sie sind. Gratulation Jungs, ihr habt euch eure Ration Bohnen  mit Speck und einen Whiskey redlich verdient. Ihr ward grandios, eure  Mission den Heavy  Metal in den Wilden Westen bringen, oder war es umgekehrt, habt ihr mit Bravour erfüllt.  Wir freuen uns schon auf den nächsten Raubzug  durch die Jagdgründe und mit ein wenig Glück werden die Lonesome Cowboys auch den letzten Winkel der Prärie erobern. Danke für diesen großartigen, extrem unterhaltsamen Abend!

SETLIST ORDEN OGAN
Orden Ogan
To New Shores Of Sadness,
F.e.v.e.r
Here At The End Of The World
To The End
Angels War
Gunman
Deaf Among The Blind
Sorrow Is Your Tale
Fields Of sorrow
The lords Of The Flies
Come With  Me To The Other Side
Vampire In Ghost Town
Forlorn And Forsaken (medley)
One Last Chance
--- We Are Pirates!
The Things We Believe In
--- Fields Of Sorrow Orchestral Version Outro

 


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