31.10.2017, Komma, Wörgl

PAIN & CORRODED & SAWTHIS

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 07.11.2017

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Es ist Halloween. Draußen tobt die Zombieapokalypse, gruselige Gestalten schlurfen durch die Straßenschluchten, auf der Suche nach Opfern, frischen Gehirnen oder einfach nur Süßigkeiten. Während die Zombies in willenloser Gier die Macht an sich reißen und das Leben der braven Bürger zur Hölle machen, hat sich eine kleine Gruppe Überlebender zusammengerottet und sich bis zum Komma Wörgl durchgeschlagen, wo sie sich gegen die Übermacht der Zombiearmee verbarrikadiert haben. Um heil durch die Reihen der Untoten zu kommen haben sich einige Leute getarnt, tragen zerfetzte, blutverschmierte Gewänder, haben sich bleich und todesähnlich geschminkt und tragen Teile vermodernder Leichen mit sich herum, um ihren Geruch des Lebens zu übertünchen.

Auch Musiker haben sich angesichts der hereingebrochenen Apokalypse ins Komma gerettet – und da nun schon alle in einem Boot sitzen, gut abgeschottet gegen die widrige Außenwelt und die ächzenden und glibbernden Kreaturen, macht man es sich drinnen eben gemütlich. Und was wäre da passender, als zur allgemeinen Aufmunterung, wie in Lagerfeuerstimmung, ein paar Liedchen anzustimmen?

SAWTHIS aus Italien, die sich auch nur mittels bleicher Schminke vor den Horden des Todes retten konnten, machen dabei den Anfang. Energiegeladen und voller Einsatz versucht der Sänger mit kräftigem Gekeife das noch immer in Angststarre verweilende Publikum zu animieren, doch die Mühe scheint vergebens. Zu tief sitzt der Schreck ob der jäh hereingebrochenen Invasion von Untoten, sodass nicht einmal der konträr dazu glockenhelle Gesang des Drummers (der eigentliche Zweitsänger an der Gitarre laborierte noch an den Folgen der kräftezehrenden Flucht, so sprang der Schlagzeuger ein und machte seine Sache mehr als gut!) sie zum Tanze verlocken konnte. SAWTHIS geben sich mit einem tighten Auftritt wirklich alle Mühe, ziehen mit einwandfreier Performance alle Register – doch die drückende Bedrohung die vor den Toren des Komma lauert, lässt sich nicht so einfach vergessen.

Erst bei CORRODED, die die Gestrandeten mit fettem Groove durchwalken, gehen die ersten Leute aus sich heraus und vergessen mit fliegenden Haaren und in die Luft gereckten Fäusten für einen Moment, dass draußen vor der Halle der drohende Tod in Form sabbernder, hirnloser Gestalten herumschlurft. Die Schweden, die sich ebenfalls nur mit knapper Müh und Not in diese schützende Arche, die letzte Bastion der Lebenden in dieser grausigen Nacht, retten konnten, gehen vollkommen in ihren schmissigen Rock- und Metalsongs auf und lassen die Welt wieder ein wenig freundlicher aussehen. Doch dennoch... weiterhin lassen sich große Teile des kleinen Häufchens Überlebender nicht dazu bewegen, die geforderten Mitsingspielchen ausgelassen mitzumachen. Zu beklemmend ist die Situation, eingesperrt im sicheren Bunker, nicht in unmittelbarer Gefahr, doch dennoch abgeschnitten von der Außenwelt die sich zunehmend düsterer und bedrohlicher darstellt. Gruppen an hungrigen Gestalten schleichen um das Komma und ziehen eine blutige Spur hinter sich her, die den Eingeschlossenen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nicht einmal die noch so mitreißenden Hymnen von CORRODED können durch diesen Panzer an Angst dringen...
 


 

Erst als Peter Tägtgren und seine PAIN, zerschlissen und sichtlich gezeichnet vom Kampf gegen Horden an Untoten, die Bühne in Beschlag nehmen, um den Todgeweihten ein Ständchen zu spielen und zum gemeinsamen „Zombie Slam“ aufzurufen, entsteht etwas mehr Bewegung im gut gesicherten Auditorium. Die Mär der „Dirty Women“ lässt die Eingeschlossenen für einen Moment die Ausweglosigkeit ihrer Situation vergessen, als unten bereits die Boten der Apokalypse beginnen das Tor zum sicheren Hort der Lebenden anzugreifen. Der „Great Pretender“ wird sie nicht retten können, wenn er seinen „Same Old Song“ anstimmt – doch es macht den Gedanken erträglicher, bald als Futter für gehirnlose Zombies zu enden. Die Industrial-Beats hämmern im Takt mit den Gestalten, die dabei sind die schützenden Türen aufzubrechen, übertönen den Lärm der röchelnden und sabbernden Masse, die sich inzwischen vor dem Komma versammelt hat.

Und schließlich brechen die Horden durch, die Bastion fällt – doch unermüdlich spielen PAIN weiter, „On And On“, lassen Angst und Panik vergessen werden, tanzen mit den Toten die quälend langsam die Treppe herauf schlurfen, um den Lebenden das Fleisch von den Knochen zu reißen. Doch dann – die Eingeschlossenen wenden sich gegeneinander! Im Namen aller Heiligen, der Feind weilte die ganze Zeit unter ihnen! Ließ sich mit ihnen einschließen, um sie in Sicherheit zu wiegen und sie schließlich von innen heraus aufzureiben und einzuverleiben in die Armee der Toten, die die Apokalypse entfesselt. „Shut Your Mouth“ - es wird nicht nur der Mund geschlossen, auch die Augenlider schließen sich nach und nach, als die Horde der Zombies sich ungeniert durch die Reihen der Überlebenden frisst und den letzten Funken an Leben vernichtet.

Und dann ist es vorbei... die Hingeschlachteten erheben sich, kehren wieder und schlurfen mit der Horde der zerfetzten Gestalten von Dannen, um den nächsten Hort des Lebens zu vernichten.
 


Ja, das waren PAIN im Komma in Wörgl – und wer die Titulierung des Publikums als „Zombies“ als zu abschätzig erachtet, dem sei gesagt: das Publikum an diesem Abend agierte, bis auf wenige, löbliche Ausnahmen in den vorderen Reihen, wirklich wie tot. Ja, ich habe schon oft genug über das wenig begeisterungsfähige Salzburger Publikum geschimpft, doch bei der gleichen Band war vor nicht allzu langer Zeit in der Mozartstadt die Hölle los, während hier in Wörgl lediglich ein Häuflein trauriger Gestalten aufkreuzte. Mal ehrlich, selbst wenn gerade Halloween ist, so ein lustloses Publikum habe ich wirklich selten erlebt. Habt ihr wirklich Eintritt bezahlt, nur um danach mit grantigem Blick unlustig in der Gegend herumzustehen und Bierbecher auf die Bühne zu werfen?! Wohl kaum, oder?

Durchgefallen Wörgl, setzen!

Setlist CORRODED: (Ohne Gewähr!)

  • The Burning Place
  • Start A New Game
  • Empty Wall
  • This String Is For Your Neck
  • Through Hell
  • The Crowded Room
  • Act Of Sorrow


Setlist PAIN: (Ohne Gewähr!)

  • Dancing With The Dead
  • Monkey Business
  • Black Knight Satelite
  • Suicide Machine
  • Dirty Women
  • Great Pretender
  • Hate Me
  • Zombie Slam
  • Call Me
  • Same Old Song
  • End Of The Line
  • Nailed To The Ground
  • Coming Home
  • On And On
  • You Only Live Twice
  • Eleanor
  • Shut Your Mouth
     

Mehr Bilder? Images Of Pain And Pleasure wäre mal wieder eine Anlaufstelle...


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